Gerüchte und kaum Spielzeit: Das beschäftigt die Schweizerinnen vor WM-Quali-Spielen
Am Dienstag (19 Uhr) wollen die Schweizer Fussballerinnen gegen die Türkei im Zürcher Letzigrund einen grossen Schritt zum Gruppensieg machen. Doch viele Nati-Spielerinnen bringen Herausforderungen aus ihren Klubs mit.
Livia Peng
Wenig Spielzeit beim Traumklub
Lange gab es vor der Heim-EM im letzten Sommer ein Hin und Her um die Goalieposition in der Schweizer Nati. Schliesslich setzte Pia Sundhage auf Livia Peng – und die Bünderin zahlte das Vertrauen mit einem starken Turnier zurück.
Danach folgte der Wechsel von Werder Bremen zu Chelsea, ihrem «Lieblingsklub». In London ist die 24-Jährige hinter der englischen Nationaltorhüterin Hannah Hampton die Nummer 2. «Ich habe einfach gehofft, dass ich Spielzeit erhalte und viel lernen kann», sagt Peng.
Zu Beginn spielt sie regelmässig, steht in fünf Champions-League-Partien im Tor. Doch im Jahr 2026 kam sie noch gar nie zum Einsatz. «Ich habe im Training sehr viel gelernt und kann mit den Besten trainieren», sieht Peng die Situation positiv. «Es ist eine sehr grosse Konkurrenz, aber ich mag das, weil ich mich verbessern kann.»
Trotz ihrer Rolle bei Chelsea ist Peng auch unter dem neuen Nationaltrainer Rafel Navarro bisher die Nummer 1. Sie blickt bereits nach vorne in Richtung Brasilien 2027: «Es wäre ein sehr grosser Traum, bei einer WM im Tor zu stehen.»
Iman Beney
Träume von ihrem zweiten Heimturnier
Auch Iman Beney zog nach der starken Heim-EM weiter. Von den YB-Frauen wechselte die junge Walliserin zu Manchester City. Sie reitet mit dem englischen Spitzenteam auf der Erfolgswelle: City ist auf Meisterkurs.
«Als ich bei City unterschrieben habe, habe ich mir nicht gedacht, dass ich so viele Minuten bekomme», sagt die 19-Jährige. Umso bemerkenswerter ist, wie schnell sie sich in einem Topteam durchsetzen konnte. «Ich habe meine Chance genutzt.»
Zu Beginn der Saison kommt Beney oft zum Einsatz, dennoch muss sie zuletzt auch regelmässig auf der Bank Platz nehmen. «Wir haben so viele Topspielerinnen, das ist deshalb logisch», sagt sie. Der Schritt in die englische Liga habe ihr geholfen, robuster zu werden und sich besser durchzusetzen.
Auch das nächste grosse Turnier könnte für Beney so etwas wie ein Heimturnier sein. Ihre Mutter ist Brasilianerin. Dazu kommt, dass sie die WM 2023 wegen eines Kreuzbandrisses kurz vor dem Turnier verpasste. Nun sagt sie: «Die WM in Brasilien ist auf jeden Fall ein grosses Ziel.»
Smilla Vallotto
Immerhin bei 75 Prozent
Smilla Vallotto wechselte nach einer starken Europameisterschaft letzten Sommer zu Wolfsburg. «Ich habe mich sehr darüber gefreut, zu einem europäischen Topteam zu wechseln», erzählt die 22-jährige Genferin.
Doch plötzlich hatte sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. «Mein Körper war am Ende, ich war nur noch müde.» Sie wird immer wieder krank – und weiss zunächst nicht, woran es liegt. Später werden Streptokokken im Hals erkannt, im Januar werden die Mandeln entfernt. «Die Operation war schlimmer, als ich gedacht habe. Aber jetzt ist es besser, das ist das Wichtigste.»
Spielen kann sie mittlerweile wieder, ganz fit ist sie aber noch nicht. «Ich gebe immer 100 Prozent, aber ich bin im Moment wohl bei 75 Prozent.» Umso mehr freue sie sich über die Rückkehr ins Nationalteam. «Es bedeutet mir viel, dass ich trotz der Schwierigkeiten aufgeboten wurde.» Vallottos Fazit: «Das war das schlimmste Jahr meiner noch jungen Karriere.»
Lia Wälti
Vor der Heimkehr
Der Abschied war emotional: Lia Wälti verliess im letzten Sommer ihren Herzensklub Arsenal und schloss sich Juventus Turin an. Den Wechsel gab sie unter Tränen bekannt, bei der Verabschiedung formte sie mit ihren Händen ein Herz in Richtung der Fans.
Nun gibt es bereits wieder Wechselgerüchte. Eine Rückkehr nach England scheint möglich – zu Arsenal oder zu den London City Lionesses. Darauf angesprochen, sagt Wälti: «Ich habe spätestens im letzten Jahr gelernt, dass ich nicht mehr die Medien lesen sollte. Es gibt immer viele Gerüchte.» Ihr Fokus liege weiterhin auf Juventus: «Ich bin Juve-Spielerin und gebe so lange ich das Shirt trage alles.»
Der Wechsel nach Italien sei für sie ein bewusster Schritt gewesen. «Ich wollte mich bewusst auf eine neue Situation einlassen.» Rückblickend bereue sie den Entscheid nicht: «Wir haben Titel gewonnen, es ist auf jeden Fall eine positive Saison.»
Gleichzeitig sieht sie auch Unterschiede zwischen den Ligen. «Der Frauenfussball verdient eine grössere Bühne», sagt Wälti mit Blick auf die Zuschauerzahlen in Italien. «Im Vergleich zu England ist das sehr zurückgeblieben.»
Die Verbindung zu England ist geblieben. «London ist mein zweites Zuhause», sagt sie. In St. Albans besitzt sie weiterhin eine Wohnung, in der inzwischen eine Arsenal-Spielerin lebt. «Ich habe eine sehr grosse Verbundenheit mit dieser Wohnung.»
Géraldine Reuteler
MVP auf dem Sprung
Géraldine Reuteler war an der Heim-EM die prägende Figur des Schweizer Nationalteams. In allen drei Gruppenspielen wurde sie zur besten Spielerin gewählt. An den Sport Awards wurde sie als «MVP des Jahres» ausgezeichnet – als erste Frau überhaupt.
Mit ihren Leistungen weckte sie nicht nur Begeisterung im eigenen Land, sondern auch das Interesse grosser Klubs. Bereits nach dem Turnier kamen erste Wechselgerüchte auf, dass Reuteler Eintracht Frankfurt verlassen könnte.
Nun verdichten sich diese Spekulationen erneut. Ihr Vertrag in Frankfurt läuft aus, eine Verlängerung scheint kein Thema mehr zu sein. Stattdessen steht der nächste Schritt bevor: ein Wechsel zu Arsenal. Arsenal war bereits im vergangenen Sommer interessiert, Frankfurt habe einem Transfer damals nicht zugestimmt.
Reuteler ist in Frankfurt eine Leistungsträgerin, in dieser Saison kommt sie in der Bundesliga auf sechs Tore und sieben Assists. Ein Wechsel zu Arsenal wäre für die 26-jährige Nidwaldnerin der nächste logische Schritt.

