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Interview: Bernhard Alpstaeg spricht über Rückzug beim FC Luzern

«Alle haben genug von den Streitereien», FCL-Aktionär Bernhard Alpstaeg, im Hauptsitz seiner Swisspor-Holding in Steinhausen. (3.9.2024)
«Alle haben genug von den Streitereien», FCL-Aktionär Bernhard Alpstaeg, im Hauptsitz seiner Swisspor-Holding in Steinhausen.Bild: Boris Bürgisser
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Bernhard Alpstaeg spricht über möglichen FCL-Rückzug: «Das sind Lösungsvorschläge»

Gespräche mit den Konkurrenten statt Gerichtsentscheide: Bernhard Alpstaeg, 79, macht einen Schritt zu auf die übrigen Aktionäre des FC Luzern – und spricht gleichzeitig von seinem möglichen Rückzug. In einem Punkt allerdings bleibt er hart.
08.09.2024, 11:04
Cyril Aregger und Christian Peter Meier / ch media
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Gerichte und Anwälte beschäftigen sich seit Monaten mit dem Aktionärsstreit des FC Luzern. Die Kernfrage ist nach wie vor, ob der Verwaltungsrat der FCL Holding AG Bernhard Alpstaeg im Dezember 2022 zurecht 25 Prozent seiner Aktien aus dem Aktienbuch gestrichen hat. In der Öffentlichkeit ist der Konflikt jedoch mittlerweile in den Hintergrund gerückt, der gute Saisonstart des FCL hat sein Übriges dazu getan.

Ganz so ruhig ist es hinter den Kulissen jedoch nicht. Die Aussicht auf jahrelange, kostspielige Gerichtsverfahren dürfte weder für den FCL-Verwaltungsrat um Aktionär Josef Bieri und den scheidenden Präsidenten Stefan Wolf noch für Bernhard Alpstaeg besonders verlockend sein. Gespräche und Ideen sind nun gefragt, um den Konflikt aussergerichtlich beizulegen. Alpstaeg, der ohne die umstrittenen 25 Prozent immer noch 27 Prozent der Holding-Aktien besitzt, macht mit seiner «Vision 2030» (siehe Box) nun einen ersten Schritt. Seinen Sechs-Punkte-Plan für den FCL dürfte wohl fast jeder Fan unterschreiben können, einige Punkte erfüllt der Klub schon jetzt. Interessanter ist, welche Ideen der Swisspor-Patron sonst noch für die mittelfristige Zukunft des Klubs hat. Sie unterscheiden sich teils deutlich von seinen bisherigen Plänen.

Im November 2022 erklärten Sie, dass der FCL «einen potenten Mehrheitsaktionär» – also Sie – brauche. In der neuen Vision fehlt diese Aussage. Weshalb Ihr Sinneswandel?
Bernhard Alpstaeg: Es ist kein Sinneswandel. Ich will nach wie vor die mir zustehenden 52 Prozent der Aktien. Das ist für mich eine nicht zu diskutierende Bedingung. Mittelfristig will ich mich aber aus dem FCL zurückziehen und dafür eine gute Lösung finden, bei der ich meine Aktien sinnvoll platziere.

Kommt Ihre neue Vision nun, weil Präsident Stefan Wolf auf Ende Jahr zurücktritt?
Die Vision entstand schon vorher. Aber zwischen Stefan Wolf und mir waren und sind sehr viele Emotionen im Spiel. Ohne diese Emotionen ist es vermutlich einfacher, eine Basis zu finden.

Alpstaegs Sechs-Punkte-Plan für den FC Luzern
1. Der FCL ist finanziell saniert und hat eine nachhaltig gesunde wirtschaftliche Basis.
2. Der FCL wird professionell und kompetent geführt.
3. Der FCL ist sportlich erfolgreich und hat ein gutes Nachwuchssystem.
4. Der FCL verfügt über eine optimierte Struktur, Organisation und Strategie.
5. Der FCL hat ein stabiles, langfristig ausgerichtetes Zentralschweizer Aktionariat.
6. Die Swissporarena ist ein energetisch optimiertes «grünes Stadion».

Bis vor kurzem bekräftigten Sie, dass Ihre Tochter beim FCL einsteigen soll. Das ist kein Thema mehr?
Nein. Wegen des Streits hat sie derzeit wenig Freude daran. Ausserdem soll – und will – sie mein Unternehmen, die Swisspor-Aktivitäten, übernehmen. Das hat Priorität.

Also kein «FC Alpstaeg»?
Mit Sicherheit nicht.

Die nahe liegende Frage ist, ob die Gegenseite Ihnen das glaubt. Angesichts der Vorgeschichte dürften Sie dort auf viel Skepsis stossen. Können Sie das verstehen?
Ja. Wer will schon 48 Prozent der Aktien besitzen und damit auf Gedeih und Verderb dem Mehrheitsaktionär ausgeliefert sein? Niemand.

Warum also sollen die anderen Aktionäre auf Ihren Annäherungsversuch einsteigen? Was bieten Sie konkret an?
Das sind keine Annäherungsversuche – das sind Lösungsvorschläge. Ich biete den anderen Aktionären an, mit ihnen auf Augenhöhe einen fairen Aktionärsbindungsvertrag zu vereinbaren, der nicht nur für uns, sondern auch für den FCL gut ist.

Das weckt Erinnerungen: Im Frühling 2021 haben Sie zusammen mit Josef Bieri das Ende des alten Aktionärsstreits verkündet. Josef Bieri war mit 48 Prozent der Minderheitsaktionär. Damals verzichteten Sie auf einen solchen Vertrag.
Das war ein grosser Fehler, auch wenn der Wunsch auf Auflösung von Josef Bieri kam. Mit einem solchen Vertrag wären wir heute wohl nicht in der Situation, in der wir uns befinden.

Der Aktionärsbindungsvertrag ist für Sie also der Schlüssel zur Lösung?
Zumindest ist er ein ganz wichtiger Teil – neben der Anerkennung meiner 52 Prozent.

Wieso diese Fixierung auf die Mehrheit – zumal Sie mittelfristig, wie Sie sagen, die Aktien abgeben wollen? Wieso kein Kompromiss? Der FCL könnte beispielsweise feststellen, dass Sie doch rechtmässig im Besitz der 25 Prozent sind. Gleichzeitig verkaufen Sie die anderen 27 Prozent Ihrer Aktien an die Holding, die neue Aktionäre sucht.
Interessante Idee, aber da blieben viele Fragen offen. Allein schon die nach dem Kaufpreis. Vor allem aber will ich, dass klar ist, dass die 52 Prozent mir rechtmässig gehören.

Die anderen Aktionäre wollten Ihnen im Oktober 2023 für die 27 Prozent rund 3 Millionen Franken zahlen.
Sie gaben mir bekannt, dass sie beschlossen hätten, mir die 27 Prozent Aktien der FCL Holding, die bisher unbestritten waren, wegzunehmen, und dass sie mich dafür bezahlen würden. Dabei beriefen sie sich auf den Aktionärsbindungsvertrag, den Josef Bieri und ich im Februar 2021 einvernehmlich aufgelöst hatten. Das Angebot hatte also gar keine richtige rechtliche Grundlage. Ich habe deshalb darauf auch nicht geantwortet.

Aber Sie sprechen wieder miteinander?
Ich habe die ganze Zeit mit Josef Bieri und insbesondere auch mit anderen Vertretern des FCL gesprochen. Der Ton war immer korrekt, sogar freundlich. Auch wenn mich gewisse Dinge, die an der GV 2022 und auch danach in der Öffentlichkeit gesagt wurden, sehr verletzt haben. In letzter Zeit wurden die Gespräche nun wieder sachlich. Das finde ich gut.

Josef Bieri, Vize-Verwaltungsratspraesident FC Luzern Holding AG und Aktionaer, spricht anlaesslich der ordentlichen Generalversammlung der FC Luzern-Innerschweiz AG am Donnerstag, 16. November 2023 i ...
Josef Bieri. Bild: keystone

Die Fronten scheinen sich also etwas aufzuweichen …
Ich glaube, alle Beteiligten, auch die Fans, haben mittlerweile genug von den Streitereien, den Gerichts- und Anwaltsterminen. Darum hoffe ich auf eine Lösung. Ausserdem braucht der FCL eine solide Aktionärsbasis.

Apropos Fans: Sie denken auch darüber nach, diese stärker am Aktionariat zu beteiligen. Denken Sie dabei an den Verein «FCL Basis»? Er hält ja heute schon rund 10 Prozent der Aktien der FC Luzern Innerschweiz AG, die für den Profibetrieb verantwortlich ist.
Das wäre zu bereden. Wir haben intern schon verschiedentlich über Lösungen diskutiert, wie die Fans stärker ins Aktionariat eingebunden werden könnten. Dies über den Verein «FCL Basis» zu machen, wäre sicher prüfenswert.

Dann müsste sich aber auch die aktuelle Praxis ändern: Denn die «FCL Basis» hat zwar für die Aktien bezahlt, muss aber nicht für laufende Defizite aufkommen. Das dürfte bei einer grösseren Beteiligung an der Holding kaum mehr zu halten sein.
Das stimmt. Der FCL wird nie zur Geldmaschine, Zuschüsse werden immer wieder nötig sein, hoffentlich nicht mehr in dem Masse wie aktuell. Aber wenn sich zum Beispiel 15'000 Fans im Verein zusammenfinden und jährlich je 100 Franken Mitgliederbeitrag zahlen, sind das schon 1,5 Millionen Franken, die für allfällige Defizite zur Verfügung stünden.

Der FC St.Gallen hat ein anderes Modell. Hier zeichnen die Fans direkt Aktien, es gab mehrere Kapitalerhöhungen.
Das Modell sehe ich skeptisch. Es ist sicherer, mit einem Verein zusammenzuarbeiten, der Eigentümer der Fan-Aktien ist, als mit Tausenden von kleinen Fan-Einzelaktionären. Denn wenn Sie eine Kapitalerhöhung durchführen müssen, dann müssen diese Tausenden von Fan-Aktionären alle mitmachen, damit das benötigte Geld zusammenkommt. Wenn aber der Verein Eigentümer der Aktien ist, dann kann er mit seinen Mitgliederbeiträgen sicherstellen, dass er genügend Geld hat, um sich an den zu erwartenden Defiziten des FCL zu beteiligen. Natürlich nur, wenn diese Defizite in einem vorhersehbaren und überschaubaren Rahmen sind.

Was würden Sie selbst rund um den FCL vermeiden, wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten?
Mit dem Wissen von heute würde ich vermutlich darauf verzichten, die damaligen Aktien von Walter Stierli zu übernehmen. Auch das Interview mit dem «SonntagsBlick» würde ich so nicht mehr geben.

Aber den erfolgreichen Saisonstart des FCL haben Sie verfolgt?
Ja, Sportchef Remo Meyer scheint gut gearbeitet zu haben. Allerdings bleibt die Freude getrübt: Es macht mir wegen des Streits nicht so viel Spass, den FCL am Fernseher zu verfolgen. Und ins Stadion gehe ich erst wieder, wenn ich wieder meine 52 Prozent habe. Ich hoffe, das ist möglichst bald der Fall. (aargauerzeitung.ch)

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3 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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mr. jones
08.09.2024 11:36registriert Januar 2019
Könnte diese Pseudoavance unter Umständen eventuell damit zu tun haben, dass Herr A. vielleicht befürchtet, demnächst verurteilt zu werden und die illegal beschafften 25 Prozent der Aktien zurückgeben zu müssen?
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Zum Kommentar
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    Bei diesem Schiedsrichter solltest du besser nicht reklamieren
    Was du hier findest? Aussergewöhnliche Tore, kuriose Szenen, Memes, Bilder, Videos und alles, das zu gut ist, um es nicht zu zeigen. Lauter Dinge, die wir ohne viele Worte in unseren Sport-Chats mit den Kollegen teilen – und damit auch mit dir. Chat-Futter eben.
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