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Das sagt Nati-Trainerin Inka Grings nach dem heftigen WM-Aus der Schweiz

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Nach der 1:5-Niederlage im WM-Achtelfinal gegen Spanien versucht Inka Grings (l.), ihre Spielerinnen zu trösten.Bild: keystone
Interview

Nati-Trainerin Grings nach WM-Aus: «Spielerinnen aus der Schweiz sind nicht das Problem»

Am Tag nach dem 1:5 im WM-Achtelfinal gegen Spanien spricht Nationaltrainerin Inka Grings über das Schweizer Ausscheiden. Sie verteidigt nach der brutalen Klatsche besonders die Spielerinnen aus der Schweizer Liga.
06.08.2023, 14:41
Raphael Gutzwiller, Auckland / ch media
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Mit einem heftigen 1:5 gegen Spanien sind die Schweizerinnen aus der WM ausgeschieden. Dabei wurde offensichtlich, wie gross die Differenz für die Schweiz noch ist. Nationaltrainerin Inka Grings findet vor der Rückreise aber viele positive Worte.

… über das WM-Aus gegen Spanien:

«Letztendlich muss man einfach das Spiel nüchtern analysieren. Wir müssen den Respekt zollen, dass Spanien einfach eine deutlich klarere Nummer war. Die Spanierinnen waren aber auch entschlossener, das muss man zugeben. In vielen Duellen waren sie griffiger und bissiger. Aber nichtsdestotrotz denke ich, dass wir eine fantastische Vorrunde gespielt haben, auf die wir wahnsinnig stolz sein dürfen. Ich bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind. Für einige Spielerinnen war diese WM das erste grosse Turnier, sie sind über sich hinausgewachsen und haben wertvolle Erfahrungen gesammelt.»

… über den grossen Gap zur Weltspitze:

«Es kann natürlich sein, dass Spanien auch davon profitiert, dass viele Spielerinnen zusammen im Klub bei Barcelona spielen. Aber entscheidend ist auf jeden Fall, dass die Spanierinnen in den letzten Jahren eine extreme Entwicklung genommen haben. Sie haben über alle Stufen, bei Frauen und Männern, ihren Spielstil, dem sie treu bleiben. Dass das irgendwann greift, macht auch Sinn. Wir sind noch nicht so weit, aber dennoch auf einem guten Weg. Aber wir können nicht von jetzt auf gleich zaubern, damit die jungen Spielerinnen sofort international mithalten können. Doch was wir in der Nachwuchsarbeit machen, ist sehr gut. Wir werden viele tolle Spielerinnen sehen in der Zukunft – garantiert. Die werden dann sicher auch sehr schnell auf hohem Niveau mithalten können.»

… über das Niveau der Nationalspielerinnen aus der heimischen Liga:

«Wenn ich mir anschaue, welche Spielerinnen nun an der WM aus der Schweiz dabei waren, muss ich festhalten: Sie haben einen überragenden Job gemacht. Man sah keinen Unterschied zu jenen, die im Ausland spielen. Im Hinblick auf die Heim-Europameisterschaft 2025 ist es entscheidend, dass die Nationalspielerinnen viel Spielzeit erhalten. Die Gefahr ist, dass wir junge Spielerinnen früh ins Ausland verlieren, die dann dort aber wenig bis gar nicht spielen und so Rückschritte machen. Fehlende Spielpraxis ist auf Dauer nicht zu kompensieren. Die Spielerinnen müssen im Wettkampf die Erfahrung sammeln können. Es ist wichtig, dass wir die Spielerinnen bekommen, die in ihren Vereinen eine Führungsrolle übernehmen und sich über Spielzeiten empfehlen. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Es muss das Ziel jeder Spielerin sein, auch in ihren Klubs zu den Besten zu gehören.»
Switzerland's Coumba Sow, right, takes a shot on goal as Spain's Aitana Bonmati watches during the Women's World Cup second round soccer match between Switzerland and Spain at Eden Park ...
Coumba Sow ist eine der Spielerinnen aus der heimischen Liga – nach einem halben Jahr bei Servette-Chênois spielt sie ab nächster Saison beim FC Basel.Bild: keystone

… über Massnahmen, um das Niveau in der Schweiz zu stärken:

«Es wäre gut, wenn wir die Lukrativität in der Schweizer Liga erhöhen können. Natürlich ist es wünschenswert, wenn Spielerinnen in der Schweiz nicht mehr arbeiten müssten. Aber vielleicht kann man das einfach reduzieren, weil zwischendurch etwas anderes machen als nur Fussball schadet auch nicht. Es gibt mehr als nur den Fussball. Doch es wäre gut, wenn die Spielerinnen mindestens auf 50 Prozent reduzieren könnten. Und nicht, dass sie schon ihre ganzen Ferien aufgebraucht haben, wenn sie international spielen. Das geht aber nicht nur vom Verband alleine oder vom Verein alleine, sondern es braucht ein miteinander. Doch wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Es geht nicht von jetzt auf gleich, aber die Signale aus allen Bereichen sind super positiv.»
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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Thomas Meister
06.08.2023 15:10registriert April 2019
Die Schweiz hat in 4 Spielen 2 Tore geschossen. Da würde ich nicht von einer super Vorrunde reden. Defensiv war das stark aber nach vorne war das eher schlecht. Und hier sehe ich das Problem. Bachmann spielt bei PSG und nimmt sich wohl genau darum das recht hinaus immer das Tor schiessen zu dürfen. Immer wieder hat sie freistehende Mitspielerinnen nicht gesehen, nicht sehen wollen. Sie ist eine super Spielerin, muss aber lernen den Ball auch in der Nati abzugeben. Alsiha Lehmann spielt in England und hat keinen Platz in der Nati. Wieso wohl? Dennoch dreht sich alles um sie. Mehr Teamgeist ...
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Therealmonti
06.08.2023 16:06registriert April 2016
In den Aussagen von Frau Grings vermisse ich jegliche Selbstkritik. Noch schechter als die Leistung der Spielerinnen gegen Spanien war nämlich ihr Coaching.
Auch in den drei Gruppenspielen hat sie mit zu wenig zu su späten Wechseln alles andere als überzeugt. Es sind Zweifel angebracht, ob sie die richtige Nati-Trainerin ist.
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Schlaf
06.08.2023 16:49registriert Oktober 2019
« Aber nichtsdestotrotz denke ich, dass wir eine fantastische Vorrunde gespielt haben, auf die wir wahnsinnig stolz sein dürfen.»

Sorry, was für einen Job hat Grings nochmals in der Nati?
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