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Hat im Nachhinein alles richtig gemacht: SCB-Geschäftsführer Lüthi.<br data-editable="remove">
Hat im Nachhinein alles richtig gemacht: SCB-Geschäftsführer Lüthi.
Bild: KEYSTONE
Interview

SCB-Boss Marc Lüthi: «Lars Leuenberger kann ja schauen, was bei der Nati noch passiert»

Marc Lüthi (54) führt den SC Bern seit 1998 als General Manager und ist heute auch Mitbesitzer des Klubs. Nun hat er nach 2004, 2010 und 2013 den vierten Titel geholt. Erstmals seit der Meisternacht spricht er über das Bruderduo Lars und Sven Leuenberger, den Trainer und den Ex-Sportchef.
14.04.2016, 09:03

Ihr Meistertrainer Lars Leuenberger ist in zwei Wochen arbeitslos.
Marc Lüthi:
Er wird sicher etwas finden.

Oder haben Sie notfalls ein «Tschöppli» für ihn beim SCB?
Bei uns gibt es für niemanden einfach so ein «Tschöppli». Würden wir einfach so Leute beschäftigen, dann gäbe es uns nicht mehr.

Aber es ist schon aussergewöhnlich, dass der Meistertrainer arbeitslos ist.
Er hat einen auslaufenden Vertrag.

Leuenberger mit dem Meisterpokal.
Leuenberger mit dem Meisterpokal.Bild: TI-PRESS

Ihre Begeisterung zu diesem Thema hält sich in Grenzen.
Damit es kein Missverständnis gibt: Zehntausendmal Dank an Lars Leuenberger. Die Mannschaft hat aber auch ihren Anteil am Erfolg.

Der Trainer aber auch.
Wie ich schon sagte: Lars wird etwas finden.

«Ich war nie ein grosser Fan von Guy Boucher.»

Er kann ja mal zuwarten und dann ab November auswählen …
… oder er kann ja schauen, was bei der Nationalmannschaft noch passiert.

Aber jetzt mal ehrlich: Sie haben Lars Leuenberger nicht zugetraut, Meister zu werden.
Ich hatte Zweifel. Wie sehr viele andere wohl auch. Als er die Mannschaft übernahm, bestand die Gefahr, die Playoffs zu verpassen.

Weil das NHL-Experiment gescheitert war.
Ich war nie ein grosser Fan von Guy Boucher.

So? Sie haben ihn angestellt.
Weil er mir empfohlen worden ist. Aber wir wollen Guy Boucher nicht verteufeln. Die Spieler schwärmen jetzt noch von seiner Fachkompetenz.

Hatte in Bern keinen Erfolg mit NHL-Methoden: Guy Boucher.<br data-editable="remove">
Hatte in Bern keinen Erfolg mit NHL-Methoden: Guy Boucher.
Bild: KEYSTONE

Würden Sie jetzt den Vertrag mit Lars Leuenberger verlängern, wenn Sie könnten?
Nein. Wir mussten unsere Entscheidungen treffen, als wir in einer schwierigen Lage waren (der neue Trainer Kari Jalonen ist schon frühzeitig für die nächsten zwei Jahre verpflichtet worden, die Red.). Zu diesen Entscheidungen stehen wir.

Was sind die Stärken von Lars Leuenberger?
Er ist hockeytechnisch und taktisch einer der besten in der Schweiz. Das wussten wir von allem Anfang an. Deshalb haben wir ihn zum Cheftrainer gemacht.

Und trotzdem zweifelten Sie?
Ja.

Warum?
Weil er noch wenig Erfahrung hatte.

Ja, das ist schon ein Punkt. Immerhin musste er sich im schwierigsten Job Europas bewähren.
Wir wollen nicht übertreiben. Sagen wir einer der schwierigsten.

Haben Sie jemals daran gedacht, Lars Leuenberger wieder abzusetzen?
Nächste Frage.

Nein, nein, so billig kommen Sie jetzt nicht davon. So ganz unter uns: Ja, sie waren einmal kurz davor, Lars Leuenberger wieder abzusetzen.
Wir haben ihn nicht abgesetzt und er ist Meister geworden. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Sie werden aber mit Lars Leuenberger schon noch einmal essen gehen?
Was fragen Sie mich! Vielleicht will er ja nicht. Gibt es denn kein anderes Thema? Wir sind soeben Meister geworden!

«Wir ernennen doch nicht jemanden zum Sportchef und sagen dann ein paar Wochen später, es sei alles bloss ein Irrtum gewesen!»

Das ist es ja. Lars und Sven Leuenberger spielen eben eine zentrale Rolle in diesem «Meistermärchen». Lars als Trainer, Sven als Sportchef. Er ist der Architekt von drei Meisterteams und zwei Finalmannschaften.
Zwei Finalmannschaften?

Ja, der Finalteams 2007 und 2012.
Ach ja, tatsächlich, 2007. Da haben wir gegen Davos verloren.

Das war in seiner ersten Saison als Sportchef.
Tja, er ist schon sehr lange bei uns. Seit 18 Jahren. Zuerst als Spieler.

Sehen Sie, die Leuenbergers sind eben doch ein interessantes Thema. Wird Sven wieder Sportchef?
Wie bitte? Alex Chatelain ist unser Sportchef.

Das schon, aber Sie könnten ja seine Ernennung auf irgendeine Art wieder rückgängig machen und Sven wieder im Amt einsetzen.
Hallo! Wir ernennen doch nicht jemandem zum Sportchef und sagen dann ein paar Wochen später, es sei alles bloss ein Irrtum gewesen!

Lüthi im Gespräch mit Eismeister Zaugg.<br data-editable="remove">
Lüthi im Gespräch mit Eismeister Zaugg.
Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Aber Sven Leuenberger hat noch einen Vertrag bis Ende der nächsten Saison. Und er ist ja freiwillig von seinem Posten zurückgetreten.
Das ist so und nun braucht er eine angemessene Aufgabe bei uns.

Er ist mit den Elite-Junioren Meister geworden. Aber die Position des Elite-Cheftrainers wird ja jetzt wieder von Marco Bayer übernommen. Eine angemessene Aufgabe für Sven wäre halt doch der Job als Sportchef. Zumal ja ganz oben kein Platz mehr ist. Dort sitzt ein riesiges Alphatier …
… ja, ja, ja …

«Beim SC Bern werden die Preise für die Saisonkarten nach einem Meistertitel nie erhöht.»

… aber es ist so. Was wird also Sven nächste Saison beim SCB sein? Persönlicher Berater des General Managers?
Nein. Lassen Sie mir etwas Zeit und Sie können ja in der Zwischenzeit ein bisschen spekulieren.

Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass der SCB Meister werden kann?
Nach dem zweiten Sieg gegen die ZSC Lions hatte ich das Gefühl, dass wir die Viertelfinals gewinnen können. Als wir gegen Davos mit dem zweiten Sieg nachlegen konnten und ich sah, wie viel Energie unsere Mannschaft hatte, da dachte ich erstmals an den Final.

Wird nun das Budget der Sportabteilung für die Titelverteidigung in der nächsten Saison erhöht?
Nein. Wir haben auf diese Saison die sportlichen Investitionen um rund zehn Prozent erhöht.

Werden die Preise für die Saisonkarten steigen?
Nein. Beim SC Bern werden die Preise für die Saisonkarten nach einem Meistertitel nie erhöht.

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