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Vladimir Petkovic, seit 2014 Schweizer Nationaltrainer.
Vladimir Petkovic, seit 2014 Schweizer Nationaltrainer.
Bild: keystone
Interview

«Warum eine solche Frage?» – Max Frisch fragt, Vladimir Petkovic antwortet

Max Frisch war einer der grossen Denker unseres Landes. Einer, der die existenziellen Fragen des Lebens formulierte. Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat sich 27 dieser Fragen gestellt.
26.06.2021, 13:39
François Schmid-bechtel / CH Media

Worüber haben Sie sich das letzte Mal richtig gefreut?
Nach dem Umzug meiner Tochter habe ich gesehen, wie gut es ihr geht. Das hat mich mit Glück erfreut.

Wofür sind Sie wem gegenüber dankbar?
Meinen Eltern, meiner Frau und meinen Kindern für ihre jederzeit bedingungslose Unterstützung.

Was wollen Sie nie mehr tun?
Dem gegnerischen Trainer zum Sieg gratulieren.

Welchen Lebensmodus finden Sie besser: ein Ziel zu erreichen oder möglichst nichts zu verpassen?
In jeden neuen Tag gehen und mit neuem Willen und neuer Motivation etwas besonders gut machen und neue Siege feiern.

Haben Sie schon mal Ihre Meinung fundamental geändert? Welche?
Nein. Zur Bildung meiner Meinung überlege ich bereits vorher.

Was vermittelt Ihnen Heimatgefühl?
Die Positivität, welche eine Region und deren Menschen auch nach langer Zeit noch auf mich ausstrahlen.

Wenn Sie sich in der Fremde aufhalten und Landsleute treffen: Befällt Sie dann Heimweh oder dann gerade nicht?
Heimweh befällt mich eher selten. Es sind eher Erinnerungen, die mich einholen. Hingegen gibt es oft Momente, in denen ich Dankbarkeit und Zufriedenheit fühle für den Ort, an dem ich zu Hause bin und lebe, und für den Ort, an dem ich damals geboren und aufgewachsen bin.

Hat Heimat für Sie eine Flagge?
Nein. Heimat ist für mich international. Es ist mehr ein Gefühl der Geborgenheit, der Sicherheit und der Dankbarkeit.

Was lieben Sie an Ihrer Heimat besonders?
a. die Landschaft?
b. dass Ihnen die Leute ähnlich sind in ihren Gewohnheiten, d.h. dass Sie sich den Leuten angepasst haben und daher mit Einverständnis rechnen können?
c. das Brauchtum?
d. dass Sie dort ohne Fremdsprache auskommen?
e. Erinnerungen an die Kindheit?

Alles, was Max Frisch aufzählt, löst Heimatgefühle aus. Für mich sind es die Vielzahl dieser Besonderheiten und die positiven und schönen Erlebnisse, welche bei mir Liebe zur Heimat wecken.

Petkovic in Lugano: Seit längerer Zeit lebt er im Tessin.
Petkovic in Lugano: Seit längerer Zeit lebt er im Tessin.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Haben Sie schon Auswanderung erwogen?
Als Profifussballspieler habe ich damals diesen Schritt gemacht.

Was könnte für Sie Anlass sein, auszuwandern? Wohin würden Sie gehen?
Als Trainer kann man diesen Gedanken nicht weglassen. Das Bauchgefühl und der Kopf müssen stimmen. Dabei geht es nicht nur um mich selbst, sondern um mehrere Personen, bei denen dieses Gefühl stimmen muss. Und letztlich steht immer der Gedanke, wieder zurück ins Tessin zu kommen.

Welche Speisen essen Sie aus Heimweh (z.B. die deutschen Urlauber auf den Kanarischen Inseln lassen sich täglich das Sauerkraut mit dem Flugzeug nachschicken) und fühlen Sie sich dadurch in der Welt geborgener?
Ich esse keine Speisen aus Heimweh. Hingegen habe ich überall Lust auf Biskuit und Schokoladenkekse, welche unser Nati-Koch Emil bei den Nationalmannschaftszusammenzügen in allen Ländern der Welt für uns backt.

Was ist für Sie die Frage aller Fragen?
Warum eine solche Frage?

Wem wären Sie lieber nie begegnet und warum?
Der Niederlage, weil ich sie nicht mag.

Möchten Sie das absolute Gedächtnis? Warum? Warum nicht?
Nein. Ich schaue mehr nach vorne als zurück.

Möchten Sie Ihre Frau sein?
Manchmal.

Was bewundern Sie an Frauen?
Die Stärke und Vielseitigkeit.

Was bezeichnen Sie als männlich?
Die tiefe Stimme.

Sind Sie ein guter Freund und wieso?
Ich hoffe es. Ich bin ehrlich.

Was fürchten Sie mehr: das Urteil eines Freundes oder das Urteil eines Feindes?
Allgemein fürchte ich mich nie. Aber die Meinung eines Freundes hat immer ein besonderes Gewicht.

Wenn jemand in der Lage ist, Ihnen mit Geld zu helfen, oder wenn Sie in der Lage sind, jemandem mit Geld zu helfen: Sehen Sie darin eine Gefährdung der bisherigen Freundschaft?
Nein. Helfen in Not ist immer ein Ausdruck von Freundschaft.

Gesetzt den Fall, Sie haben einen Freund, der Ihnen in intellektueller Hinsicht sehr überlegen ist: Tröstet Sie seine Freundschaft darüber hinweg oder zweifeln Sie insgeheim an einer Freundschaft, die Sie sich allein durch Bewunderung, Treue, Hilfsbereitschaft usw. erwerben?
In einer Freundschaft kann man immer voneinander profitieren. Deshalb sind Freundschaften so besonders.

Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen? Und warum?
Diese Möglichkeit hatte noch niemand. Warum sollte ich sie haben?

Möchten Sie unsterblich sein?
Darüber denke ich nicht nach, weil es unrealistisch ist.

Haben Sie Angst vor dem Tod?
Nein. Er ist Teil des Lebens und nicht verhandelbar. Ich denke nicht nach über Dinge, die man nicht ändern kann. Ich versuche sie zu akzeptieren. Auch den Tod.

Am Montag geht es für Petkovics Team gegen Frankreich.
Am Montag geht es für Petkovics Team gegen Frankreich.
Bild: fxp-fr-sda-rtp

Möchten Sie lieber mit Bewusstsein sterben oder überrascht werden von einem fallenden Ziegel, von einem Herzschlag, von einer Explosion und so weiter?
Es ist zu früh, solch negative Gedanken zu haben. Ich bin Realist und versuche alles immer so zu nehmen, wie es kommt.

Wenn Sie jemand lieben: Warum möchten Sie nicht der überlebende Teil sein, sondern das Leid dem andern überlassen?
Wer kann uns sagen, dass Überlebende mehr leiden als Tote? Diese Frage suggeriert Egoismus. Meinen Liebsten wünsche ich in keinem Moment des Lebens Leid.

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