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Thomas Luthi (12) of Switzerland talks with a team member in the garage area during a warm up session for the Grand Prix of the Americas motorcycle race at the Circuit Of The Americas in Austin, Texas, Friday, April, 20, 2018. (AP Photo/Eric Gay)

Tom Lüthi muss ordentlich über die Bücher.  Bild: AP/AP

Lüthi hat ein weltmeisterliches Team – wenn es so weitergeht, bleibt er aber chancenlos

Tom Lüthi (31) hat für die nächsten zwei Jahre ein weltmeisterliches Moto2-Team gefunden. Aber in der aktuellen Verfassung wird er nächste Saison in der Moto2-WM ein chancenloser Hinterherfahrer sein.



MV Agusta lockte mit einem Zweijahresvertrag im Wert von fast einer Million. Beim Petronas Team wäre der Rubel auch gerollt. Aber es ist nicht gelungen, für nächste Saison einen Moto2-Startplatz für Tom Lüthi zu bekommen. Und so ist er nun für die nächsten zwei Jahre in Deutschland gelandet. Beim bayrischen «Dynavolt Intact Team».

epa05504541 First placed German Moto2 driver Jonas Folger from Dynavolt Intact GP Team (R) and Dynavolt Intact GP Team manager Juergen Lingg (L) celebrate on the podium after the Moto2 race of the Motorcycling Grand Prix of the Czech Republic at Masaryk circuit in Brno, Czech Republic, 21 August 2016.  EPA/FILIP SINGER

Jonas Folger (rechts) feiert 2016 einen Sieg mit dem Dynavolt Intact Team. Bild: EPA/EPA

Diese Jungs kennen Töffrennsport. Sie stehen in ihrer 6. Saison in der Moto2-WM und haben in dieser Zeit mit Piloten wie Sandro Cortese, Jonas Folger und Marcel Schrötter gearbeitet. Die technischen Voraussetzungen (Kalex Fahrwerke) sind erstklassig. Diese Saison ist Tom Lüthi in der MotoGP-Klasse auch an äusseren Umständen gescheitert, die er nicht beeinflussen konnte. Sollte er nächste Saison scheitern, dann sicher nicht an äusseren Umständen.

Der zerbrechliche Teamkollege

Tom Lüthi verdient bei Team von Jürgen Keckeisen nicht so viel Geld, wie er bei MVAgusta hätte kassieren können. Er hat sich gegen viel Geld und für die sportlichen Voraussetzungen entschieden. Für ein Team, mit dem er Weltmeister werden kann. Einziger Nachteil: er verliert mit Cheftechniker Gilles Bigot seinen wichtigsten Vertrauensmann in Töffdingen, dem er seine bisher besten Jahre in der Moto2-WM (2016 und 2017) verdankt. Der Franzose bleibt im Team von Marc VDS.

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Der zweite Fahrer im neuen Team ist Marcel Schrötter (25). Ein hochtalentierter, aber mental zerbrechlicher Fahrer, der es in über 100 Anläufen immer noch nicht aufs Podest geschafft hat und seit 2012 in der Moto2-WM fährt. Tom Lüth wird die nächste Saison als Nummer 1 im Team beginnen.

Noch hat der Berner den Ruf, in der Moto2-WM ein Titelanwärter zu sein. 2016 und 2017 hat er die zweitwichtigste Töff-WM auf dem 2. Schlussrang beendet. Er hat 11 Moto2-GP gewonnen (plus 5 in der 125er-Klasse). Er war 125er-Weltmeister 2005. Diese Vergangenheit hat ihm geholfen, die Zukunft zu sichern. Zum letzten Mal.

Tennisspieler Roger Federer und Motorradfahrer Thomas 'Tom' Luethi, von links, fiebern vor den Sports Awards 2005 Auszeichnungen am Samstag, 17. Dezember 2005 in Bern der Entscheidung entgegen.  (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Lukas Lehmann)

Thomas Lüthi 2005 mit Roger Federer bei den Sports Awards.  Bild: PHOTOPRESS

Der technische Vorteil

Die alles entscheidende Frage ist nun: Wird ihm das völlig missglücke MotoGP-Abenteuer 2018 nächste Saison helfen oder schaden?

Von der technischen Seite her wird er profitieren. Ab nächster Saison wird neu nicht mehr mit Honda-Motoren gefahren. Sondern mit 765er-Dreizylinder-Triebwerken von Triumph und mit Elektronik von Magneti Marelli.

Bis und mit dieser Saison sind die Motoren ohne vergleichbare Elektronik ausgekommen. Nächste Saison kann nur Moto2-Weltmeister werden, wer diese Technik versteht, die aus der MotoGP-Klasse kommt. Tom Lüthi hat also einen technischen Vorteil. Er arbeitet diese Saison in der MotoGP-Klasse bereits mit dieser Elektronik. Allerdings kommt er damit nicht zurecht.

Moto2 rider Thomas Luthi of Switzerland drinks water during the qualifying session for the MotoGP Japanese Motorcycle Grand Prix at the Twin Ring Motegi circuit in Motegi, north of Tokyo, Saturday, Oct. 15, 2016. (AP Photo/Shizuo Kambayashi)

So richtig zurecht kommt Tom Lüthi mit der neuen Technik nicht. Bild: AP/AP

Aber Tom Lüthi wird nächste Saison in der aktuellen fahrerischen Verfassung nicht den Hauch einer Chance auf Spitzenplätze haben. Er hat in den paar Monaten in der «Königsklasse» seine fahrerische Identität und seine Konkurrenzfähigkeit fast vollständig eingebüsst. Die Verheerungen, die diese miserable Saison in seinem fahrerischen Selbstvertrauen angerichtet hat, sind noch gar nicht abzuschätzen. Soeben hat er das Rennen beim GP von Österreich auf dem schmählichen letzten Platz beendet. Töffrennen werden auch im Kopf entschieden. Wenn das Selbstvertrauen unerschütterlich und das Ego blitzblank poliert ist, rasen diese Gladiatoren über den Asphalt dahin wie Jesus übers Wasser schreitet. Plagen sie nur die leisesten Zweifel, versinken sie augenblicklich in den Fluten.

Das enorme Ego-Problem

Die Geschichte lehrt uns: Wer aus der MotoGP-Klasse zurück in die Moto2-WM muss, ist praktisch chancenlos. Das jüngste Beispiel: Sam Lowes gewann 2016 zwei Moto2-GP. Letzte Saison scheiterte er in der Königsklasse so kläglich wie jetzt Tom Lüthi und musste deshalb für 2018 zurück in die Moto2-WM. Er ist chancenlos im Kampf um die Spitzenplätze und steht in der Gesamtwertung zurzeit auf Rang 12. Seinem Ruf als Bruchpilot ist er soeben mit einem weiteren Sturz beim GP von Österreich gerecht geworden.

Moto2 riders Thomas Luthi of Switzerland, center, poses with Mattia Pasini of Italy, left, and Sam Lowes of Britain for a photo after taking pole position for the Australian Motorcycle Grand Prix at Phillip Island, Australia, Saturday, Oct. 22, 2016. Pasini finished second and Sam Lowes was third. (AP Photo/Rob Griffith)

Droht Tom Lüthi das gleiche Schicksal wie Tom Lowes? Bild: AP/AP

Das Problem: wer ein ganzes Jahr lang wie ein «Herrenfahrer» ein wenig hintenherum fährt, nie mehr Positionskämpfe zu bestreiten hat, findet sich in den wilden Positionskämpfen der fahrerisch intensiven Moto2-Rennen nicht mehr zurecht. Kommt dazu: wer in der «Königsklasse» versagt, hat ein enormes Ego-Problem. Er ist bei den «echten Kerlen» gescheitert. Diesen Schwefelgeruch des Versagens bringt er in diesem Macho-Milieu nie mehr aus dem Lederkombi.

Tom Lüthi war sowieso noch nie ein «wilder» Stilist. Sein Talent, seine taktische Intelligenz, sein Wille, seine Leidenschaft und seine Professionalität stehen ausser Frage. Aber in der Moto2-WM ist er jedes Mal gescheitert, wenn es um die Entscheidung ging. Wenn gefahren werden musste, als gäbe es kein morgen mehr. Ihm fehlt schon bisher dieser «ultimative Biss», der nur im Kampf Rad an Rad geschärft werden kann. Auch Valentino Rossi gehört im Alter von 39 Jahren noch immer zu diesen «verrückten Hunden», die so viel Zeit wie möglich in Töffsätteln verbringen. Und für die alles im Leben eine permanente Herausforderung ist – die Herausforderung, besser, schneller zu sein. Die Herausforderung immer und bei jeder Gelegenheit auf und neben der Rennpiste gewinnen zu müssen.

epa06926915 Italian MotoGP rider Valentino Rossi of Movistar Yamaha MotoGP does a wheelie after the qualification of the Motorcycling Grand Prix of the Czech Republic at Masaryk circuit in Brno, Czech Republic, 04 August 2018. The race will take place on 05 August 2018.  EPA/MARTIN DIVISEK

Tom Lüthi müsste mehr «verrückter Hund» sein wie Valentino Rossi. Bild: EPA/EPA

Tom Lüthi kann nächste Saison die hohen Erwartungen nur erfüllen, wenn er sich fahrerisch neu erfindet, seine Saisonvorbereitung umkrempelt und den Winter nicht mehr ausschliesslich zur Erholung, sondern auch in Töffsätteln zur Wiederherstellung der fahrerischen Konkurrenzfähigkeit und zur Schärfung seines «Kampfinstinkts» nützt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • länzu 13.08.2018 15:14
    Highlight Highlight Lüthi ist ein Bruchpilot und wird es wohl auch bleiben. Erstaunlich, wie gut er sich immer noch in der Öffentlichkeit verkauft. Wohl kein anderer Sportler, der dermassen erfolglos ist, hat so viel presse, wie Lüthi.
    • Herbsli69 13.08.2018 16:14
      Highlight Highlight Sorry länzu, aber deine Aussage entbehrt jeder Grundlage. Immerhin wurde Lüthi 125er Weltmeister und 2016 und 2017 Vizeweltmeister in der Moto 2. Ist DAS dermassen erfolglos? Gibt nicht viel Schweizer, die sowas im Motorradsport erreicht haben...
    • Siebenstein 13.08.2018 16:53
      Highlight Highlight Das Moto GP-Pendant zur Sauber-"Erfolgsstory" in der Formel 1🙄
  • sherpa 13.08.2018 11:36
    Highlight Highlight Ob ihm der Durchbruch bei der Moto2 erneut gelingt ist eher fraglich, denn die Vorteile , welche eine MotoGP Maschine aufweisen (die Elektronik) ist mit jener der kommenden Moto2 Generation in keiner Art und Weise zu vergleichen. Die entsprechenden Einschränkungen sind gross und bringen dem Rückkehrer in die kleinere Kategorie kaum Vorteile. Ein weiter Punkt ist die Wahl des Chassis, welches Produkt wird schlussendlich mit dem Triumph Einheitsmotor am besten funktionieren. Ist es Kalex, KTM, Suter, Speed oder gar ein Neueinsteiger? Niemand weiß das so genau.
  • Fruchtzwerg 13.08.2018 09:53
    Highlight Highlight Ich frage mich, ob der liebe Herr Zaugg selbst schon mal Motorrad gefahren ist. Geschweige denn auf einer Rennstrecke...
    Die Aussage, Tom Lüthi würde den Winter nur zur Erholung nützen ist jedenfalls schon mal komplett an den Haaren herbei gezogen...

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