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Moenchengladbach's Marcus Thuram taking the knee after scoring his side's second goal during the German Bundesliga soccer match between Borussia Moenchengladbach and Union Berlin in Moenchengladbach, Germany, Sunday, May 31, 2020. The German Bundesliga becomes the world's first major soccer league to resume after a two-month suspension because of the coronavirus pandemic. (AP Photo/Martin Meissner, Pool)

«Take a knee» – Marcus Thuram in Anlehnung an Footballspieler Colin Kaepernick. Bild: keystone

Kommentar

Warum Fussballer nicht bestraft werden dürfen, wenn sie gegen Rassismus protestieren

Mehrere Bundesliga-Profis haben am Wochenende ein starkes Zeichen gesetzt und sich auf dem Feld durch Botschaften mit dem verstorbenen George Floyd solidarisiert. Nun drohen ihnen Sanktionen, die der Deutsche Fussball-Bund auf keinen Fall aussprechen darf.



«Justice for George Floyd», stand auf dem Unterleibchen von BVB-Youngster Jadon Sancho. Der Engländer präsentierte es nach dem ersten seiner drei Tore gegen Paderborn – er sah dafür die gelbe Karte.

Der 19-Jährige wurde allerdings nicht für seine Botschaft, sondern für das Ausziehen des Trikots bestraft – vorerst. Es drohen ihm nämlich weitere Sanktionen, so wie auch Teamkollege Achraf Hakim, Schalkes Weston McKennie oder Gladbachs Marcus Thuram. Sie alle zeigten Solidarität mit den Protesten in den USA nach der Tötung des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz.

«Wir müssen für das einstehen, woran wir glauben, und ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir gehört werden!»

Weston McKennie

Jadon Sancho und Co. protestieren gegen Rassismus

Hakimi zeigte wie Sancho ein beschriftetes Unterleibchen, McKennie trug die Botschaft auf einer Armbinde und Thuram solidarisierte sich mit einem Kniefall und nahm damit Bezug auf Football-Profi Colin Kaepernick und die «Take a knee»-Bewegung.

Nun droht den Spielern aber Ungemach, denn ihre Aktionen sind nach den Statuten des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) untersagt. So heisst es unter Paragraph 36 in der Spielkleidungsrichtlinie: «Politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen sind keinesfalls erlaubt.» Der Kontrollausschuss befasst sich bereits mit den Fällen.

«Ob es in den vorliegenden Fällen zu Sanktionen kommen muss, bleibt abzuwarten», sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch am Montagabend. Bei der Überprüfung durch den Kontrollausschuss gehe es darum, «festzustellen, ob das Spiel und das Spielfeld der richtige Ort für diese Handlungen sind.»

16.12.2014, xtwx, Fussball, DFB Pressegespraech DFB 2024, v.l. Dr. Rainer Koch, Vizepraesident

16 12 2014  Football DFB Press conferences DFB  v l Dr Rainer Cook Vice President

Rainer Koch, DFB-Vizepräsident. Bild: imago sportfotodienst

Der DFB gerät damit in eine Zwickmühle. Einerseits sollte er seine eigenen Regeln durchsetzen, sonst drohen bald regelmässig Botschaften von Spielern, die dann gleich geahndet werden müssten, egal ob diese moralisch gut oder schlecht sind. Andererseits würde der DFB mit allfälligen Sanktionen seine Bemühungen, den Rassismus zu bekämpfen, gleich selbst verdrängen.

Die betroffenen Spieler haben zwar ein politisches Statement zum Ausdruck gebracht, jedoch muss hierbei auch festgehalten werden, dass Rassismus keine Politik oder Meinung ist, sondern Menschenverachtung. Deshalb wäre es fatal, sollte der DFB nach diesen Solidaritätsbekundungen Sanktionen aussprechen. Es gibt derzeit Wichtigeres als Paragraphen im Regelbuch, der Fussballverband muss Fingerspitzengefühl zeigen und auf eine Bestrafung verzichten.

«Ich habe grossen Respekt vor Spielerinnen und Spielern, die Haltung haben und ihre Solidarität zeigen, solche mündigen Spielerinnen und Spieler wünsche ich mir, auf sie bin ich stolz.»

DFB-Präsident Fritz Keller in einer Mitteilung von Montag

Immer wieder wird gefordert, dass Fussballer vermehrt als Vorbilder agieren sollen. Nun haben einige ganz klar Haltung, Solidarität und Stärke gezeigt und ihre Stimme erhoben. Durch ihren Status als Profis nutzen sie eine Plattform und erhalten die Aufmerksamkeit, welche der Kampf gegen den Rassismus dringend braucht.

Die FIFA und Klubs als Unterstützer

Selbst die FIFA, die sich «No to Racism» gross auf die Flagge geschrieben hat, dies aber selten konsequent umsetzt, hat sich überraschend deutlich positioniert. In einer Stellungnahme bittet der Weltfussballverband, dass der «gesunde Menschenverstand» genutzt werde und die Umstände berücksichtigt werden sollen. Zudem schrieb die FIFA, dass sie «die Tiefe der Gefühle und Bedenken, die viele Fussballer angesichts der tragischen Umstände des Falles George Floyd zum Ausdruck bringen», verstehe.

Mehr zur FIFA und Rassismus:

Unterstützung gibt es auch vom Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann. Er forderte am Dienstagmorgen im ZDF-«Morgenmagazin» Augenmass in der Bewertung von Protesten.

«Deshalb kann ich nur ermutigen: Sagt das, was ihr denkt. Zeigt das, was ihr empfindet. Ich kann nur hoffen, dass in den Verbänden und Organisationen ein entsprechendes Augenmass in der Bewertung dieser Aktionen gegeben ist. Wenn inakzeptable Themen weltweit passieren, ist es nicht nur das gute Recht, sondern die Pflicht des Sports, die Stimme zu erheben.»

Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Alfons Hörmann

Präzedenz-Fall Anthony Ujah

Der Kontrollausschuss des DFB kann bei seiner Entscheidung auf einen Präzedenz-Fall aus dem Jahr 2014 zurückgreifen. Damals äusserte sich Kölns Anthony Ujah ähnlich politisch, indem er ein T-Shirt mit der Aufschrift «Eric Garner #cantbreathe #justice» präsentierte. Damals wurde Garner auf ähnliche Weise getötet wie Floyd.

Aktuell Fu

Anthony Ujah mit seiner Botschaft im Dezember 2014. Bild: imago sportfotodienst

Damals beliess es der DFB bei einer Ermahnung und einer Erinnerung an das Verbot von politischen Statements. Diesmal muss ebenfalls eine solch diplomatisch Entscheidung her, sonst gibt der DFB selbst ein bedenkliches Statement ab. Der Kampf gegen Rassismus darf nicht von Spielkleidungsrichtlinien gebremst werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • kliby 02.06.2020 21:49
    Highlight Highlight " ..Botschaften von Spielern, die dann gleich geahndet werden müssten, egal ob diese moralisch gut oder schlecht sind."
    Und was moralisch gut oder schlecht ist, entscheidet...
    a) die Gesinnungspolizei?
    b) die AFD?
    c) zeitonline.de?
  • MGPC 02.06.2020 20:33
    Highlight Highlight Es gibt eine psychische Störung, die nennt sich Schizophrenie. Mir scheint, wenn zu viel Geld im Spiel ist, ist diese Störung allgegenwärtig. Ich staune schon lange nicht mehr über solche Wasserprediger und Weintrinker.
  • June 02.06.2020 20:00
    Highlight Highlight Das schockierendste ist doch wohl, dass 2014 GENAU DER GLEICHE #: cantbreathe, bereits gebraucht worden ist und sich seit damals einfach wohl nichts geändert hat!
  • beautyq 02.06.2020 17:55
    Highlight Highlight Sinnvoll wäre wohl eine ligenweite Anti-Rassismus-Kampagne. Es dürfte kein Problem sein, ausreichend Athleten zu finden, welche sich für die Thematik einsetzen.

    Dafür könnte beispielsweise ein Video in die TV-Übertragungen eingebunden werden. Und vermutlich gibt es noch kreativere Umsetzungsmöglichkeiten.

    So wird die extreme Reichweite des Fussballs genutzt, wobei die Regelung bezüglich politischer Statements eingehalten werden kann.

    Diese Kampagne müsste noch viel grösser, besser und schöner aufgezogen werden, als jegliche bisherigen Bemühungen.
  • Victor Paulsen 02.06.2020 17:54
    Highlight Highlight Guter Artikel👍👍
  • Joseph Quimby 02.06.2020 17:51
    Highlight Highlight Schön und gut, dann ist es aber auch erlaubt, auf dem Feld ein Zeichen gegen rassistische Ziegen-Witze zu setzten. #SolidaritätMitErdogan 🤷‍♂️
    • Forest 02.06.2020 20:12
      Highlight Highlight Erdogan ist ein Terrorist, der auf jegliche Menschenrechte pfeifft.

      Lies noch mal diesen Artikel durch. Ein Satz trifft es ziemlich genau.
      Rassismus=Menschenverachtung.

      Erdogan verachtet Menschen/Menschenrechte.

      Deshalb ist dein Kommentar einfach ein unnötiger Vergleich.
  • Glenn Quagmire 02.06.2020 17:29
    Highlight Highlight Gegen die nationalistischen Aktionen der Türken wurde ja auch nichts unternommen, also sollte hier erst recht nichts geschehen.
  • Pesche Buri 02.06.2020 16:46
    Highlight Highlight Politik sollte Sport sein und Sport sollte Politik sein...

    Solidaritätsbekundungen sollten nicht sanktioniert werden.

    Wer jemand diffamiert soll bestraft werden.

    Das taten Sie nicht und darum "Freispruch und weitermachen".

    Publizität nutzen zu für das Gute.
  • Bivio 02.06.2020 15:12
    Highlight Highlight Ich finde dies in Ordnung. Nur eine Frage habe ich dann schon:
    Liverpool hat gestern als Team gegen Rassismus protesiert und seine Solidarität demonstriert. Alles völlig ok und legitim. In Zukunft werden wir vermehrt solche Statements sehen (dies nicht nur aus reinen Opportunismus der Clubs/Spieler).
    Wie würde es nun aussehen, wenn Liverpool bzw. Spieler gegen Polizeigewalt in Hong Kong Stellung bezieht? Da bin ich sicher, dies würde sofort unterbunden oder Spieler würden sanktioniert (siehe NBA).
    Mich stört diese Art der Doppelmoral enorm.
  • Pafeld 02.06.2020 14:48
    Highlight Highlight Solange der Fussball Aktionen gegen Rassismus härter bestraft als Rassismus selbst, ist der Fussball, ob er nun apolitisch sein will oder nicht, Teil des Problems.

    Im übrigen: Sich gegen Rassismus zu positionieren ist nicht irgend ein politisches Statement, sondern eines, welches der DFB selbst befürwortet. Es wäre geradezu lächerlich, Spieler zu bestrafen, weil sie die Idendität des DFB unterstützen. Ansonsten ist das ein ziemlich eindeutiges Zeichen des DFB, dass dessen Einsatz gegen Rassismus auch nicht mehr als ein PR-Gag war.
    • Ein einsamer Holländer 02.06.2020 21:41
      Highlight Highlight Sobald diese „Bekundungen“ auf eigene Faust geschehen hat es auf dem Sportplatz nichts mehr zu suchen sondern gehört an den Stammtisch.
  • Dong 02.06.2020 14:47
    Highlight Highlight Ich hab als politischer Mensch so meine Mühe damit, dass plötzlich alle ihr bis gestern nicht wahrnehmbares Engagement bekunden. Vor allem in diesem Fall, der so eindeutig ist, wo man überhaupt nichts riskiert mit dem Statement.
    Möge ich unrecht behalten, vielleicht geht ein guter Ruck durch die Gesellschaft, momentan hab ich eher den Eindruck, dass die Arbeitervorstädte nun auch noch zum Abenteuerspielplatz von "Aktivisten" geworden sind.
    • Bildung & Aufklärung 03.06.2020 07:35
      Highlight Highlight Was meinst du mit ""Aktivisten"" und "Abenteuerspielplatz"?

      Und darf man also Statements äussern, mit denen man etwas riskiert?

      Also z.B. so: "Weg mit dem Regenwald!" - "Schafft endlich die Menschenrechte ganz ab!" "Stopp mit der Steuerhölle Schweiz für Superreiche!"?

      Okidoki.
    • Dong 03.06.2020 09:21
      Highlight Highlight Zu den "Aktivisten": Was ich als Videoschnipsel gesehen habe sind in den Hot Spots sowohl sprayende (weisse) Antifa-Kids, mit Baseballschlägern ausgerüstete ausgesprochen kurzhaarige (ebenfalls weisse) Polizei-Unterstützer und komplett asoziale Trolle unterwegs, die sich einfach freuen, noch etwas Benzin ins Feuer zu schütten. Die sollen alle zusammen die Locals in Ruhe lassen und vor ihrer eigenen Haustür demonstrieren.

      Und ja, man darf auch mal etwas kontroverses sagen, wenn man es ernst meint und für richtig hält ("Weg mit dem Regenwald!" fällt da wohl weg) - unter Erwachsenen geht sowas.
  • einmalquer 02.06.2020 14:45
    Highlight Highlight So lange jedes Länderspiel als Kampf einer Nation gegen eine andere begriffen wird,
    so lange bei Länderübergreifenden Sportveranstaltungen Staatssymbole wie Flaggen und Hymnen extrem wichtig sind,
    so lange (auch) die Zuschauer das "wir gegen die anderen" zelebrieren,
    so lange wird sich auch an Nationalismus und damit an Rassismus nichts ändern.

    Sportler und Sportverbände sind völlig ungeeignet um gegen die Missstände der Welt zu demonstrieren. Sportler und Sportverbände sind selbst in diesem System gefangen sind.
  • uhl 02.06.2020 14:21
    Highlight Highlight "Sagt das, was ihr denkt. Zeigt das, was ihr empfindet."

    Das ist aber auch immer nur dann ok, wenn diese Menschen das "Richtige" sagen oder zeigen.
  • Clank 02.06.2020 14:15
    Highlight Highlight «Politische Mitteilungen sind keinesfalls erlaubt.»

    Was zählt denn schon als politische Mitteilung? Rassismus und Polizeigewalt sind ja kein politische Themen, die irgendwelche Parteien befürworten, sondern gesellschaftliche ethische Fragen. Da gibt es keine politische Debatte. Das sind Verbrechen, die eigentlich jeder Mensch verurteilen sollte.
    Das ist etwa so als würde man eine Schweigeminute für die Opfer eines Terrorangriff als fragwürdiges politisches Statement interpretieren. "Schlussendlich sind ja die Terrorbefürworter der Meinung, die Leute hätten ihren Tod verdient."
    Ernsthaft?
  • uhl 02.06.2020 14:15
    Highlight Highlight An einigen Orten ist grad Hölle auf Erden und wir diskutieren (schon wieder!) was die Fussballer jetzt genau dürfen und ob sie gute Vorbilder sind...
    • BVB 02.06.2020 14:52
      Highlight Highlight Watson berichtet auch über diese Orte, und das nicht zu knapp. Du kannst sonst gerne den Artikel wechseln.
  • ingmarbergman 02.06.2020 14:07
    Highlight Highlight Die FIFA hat eine eigene Kampagne zu „Say no to racism“, die vor jedem Spiel prominent inszeniert wird.
    Aber wenn ein Spieler sich gegen Rassismus äussert, soll es plötzlich nicht ok sein?

    Sich gegen Rassismus einzusetzen ist immer ok, egal wo und wann.
    • Luca Regnipuzz 02.06.2020 23:31
      Highlight Highlight Natürlich darf und soll sich ein Spieler gegen Rassismus äussern. Es geht um die Frage, ob dies auf dem Spielfeld mit einer Botschaft geschehen darf.
  • SpitaloFatalo 02.06.2020 14:04
    Highlight Highlight Bitte mehr Fussballer die ihre Stimme erheben! Bitte mehr Fussballer die ihre Reichweite in den Sozialen Medien nutzen (und dort nicht nur das neue Auto und ihren Lifestyle präsentieren). Auf dem Platz möchte ich aber keine Proteste, keine Politik und schon gar keine Gebete. Dort nur Fussball.
  • bcZcity 02.06.2020 14:00
    Highlight Highlight Erinnern wir uns was in der NFL passiert ist. Spieler üben stillen Protest aus und was passiert? Sie werden vom Präsidenten persönlich als Landesverräter gebrandmarkt und denunziert. Und die Club Bosse waren keinen Dreck besser!

    Zeigen wir dass wir es besser können. Ja dass wir es wirklich besser machen müssen!
  • Atavar 02.06.2020 13:59
    Highlight Highlight Sport & insb. Fussball ist unpolitisch. Sagt uns doch schon die WM in Qatar.

    Ich halte es da wie Clemens Tönnies. Dass der DFB unpolitische Entscheide mit wenig Patos verhängen kann zeigt doch auch der Fall Hopp.

    Hat schon eine sehr verbindende Funktion mit seinen grossartigen Vorbildern auf allen Ebenen, dieser Fussball. [/sarcasm]

    Wie weit ist es eigentlich, bis "Brot & Spiele"...?
  • P. Meier 02.06.2020 13:57
    Highlight Highlight Welche Instanz entscheidet ob das Reglement nun gültig ist oder nicht? Der Fussballer, der Journalist, der Kommentarschreiber, der Parteipräsident?
    Bei allem Verständnis für die Aktion - sie ist gem. Reglement nicht zulässig und da braucht es keine Legitimation durch Dritte!
  • Grohenloh 02.06.2020 13:55
    Highlight Highlight Ich sympathisiere sehr mit den antirassistischen Statements der Spieler.

    Das Problem ist, wer bestimmt, was ein „gutes“ oder „schlechtes“ Statement ist? Es werden in Zukunft Statements kommen, wo sich die Menschen weniger einig sind, ob sie jetzt unterstützenswürdig sind oder nicht.
    Deshalb gibt es nur eins: Keine politischen Statements auf dem Spielfeld. Die Spieler können sich privat äussern.
    • Ehringer 02.06.2020 14:46
      Highlight Highlight Lässt sich in den Grundzügen eigentlich relativ leicht bestimmen. Wird etwas kritisiert, das gesetzlich verboten ist (hier Rassismus)? Dann solls erlaubt sein. Ist es ein sonstiges politisches Statement (etwa ACAB)? Dann solls nicht erlaubt sein.

      Klar, das ist sehr unausgearbeitet. Aber damit könnte man so eine gewisse Richtung vorgeben, die sowohl mit der Regelung das DFB wie auch mit den Solidaritätsbekundungen der Spieler vereinbar ist.
    • Füdlifingerfritz 02.06.2020 15:12
      Highlight Highlight Sehe ich ebenso. Medien wie Watson würden ihre Meinung sehr rasch ändern, würde ein Spieler auf etwas Aufmerksam machen, dass ebenfalls total legitim ist, einigen Linken aber vielleicht sauer aufstösst...
      Daher: weil man nicht objektiv festlegen kann, was "gut" und "nobel" ist, am besten einfach ganz sein lsssen. Zumal viele Sportler wahrscheinlich eh sehr wenig Ahnung von der Materie haben und solche Aktionen eher aus Image-Politur-Gründen oder wegen Gruopendruck durchführen.
    • Haubi-zwü 02.06.2020 17:10
      Highlight Highlight Füdlifingerfritz: Gegen Rassismus zu sein ist für dich also nicht gut ?
    Weitere Antworten anzeigen
  • du_bist_du 02.06.2020 13:54
    Highlight Highlight Da "no to racism" eine offizielle Kampagne gegen Rassismus der Fifa ist, ohne sonstige politische Intention sondern rein gegen Rassismus, finde ich das ok.
    Weder die Message auf dem Trikot noch die Geste war mit einer politischen Forderung verknüpft. Lediglich eine Absage gegen Rassismus wurde erteilt.

    Bedenklich ist die Aussage des Präsidenten des DOSB. Er redet allgemein von "inakzeptablen Themen", bei denen Sportler die Meinung zeigen sollten.
    Nun, wer entscheidet was inakzeptabel ist. Oder besser gesagt was ist akzeptabel? Sehr gewagt.
  • McStem 02.06.2020 13:54
    Highlight Highlight Oder um es mit McKennies Worten zu sagen (aus einem Forbes-Interview):

    “The league and everyone (in soccer) always preaches ‘say no to racism’. So I didn't think that there would be a problem. If I have to take the consequences to express my opinion, to express my feelings, to stand up for what I believe in, then that's something that I have to do.”
  • zaphod67 02.06.2020 13:32
    Highlight Highlight So sehr man inhaltlich mit diesen Aktionen sympathisieren mag, es bleibt dabei: Politische Aktionen haben auf dem Spielfeld nichts zu suchen und gehören bestraft. Was nützt das Verbot, wenn dann doch auf eine Bestrafung verzichtet wird? Würde watson gleich argumentieren, wenn gegen die (angeblich) unkontrollierte Einwanderung protestiert würde?
    • Clank 02.06.2020 14:02
      Highlight Highlight Die Frage ist ja meiner Meinung nach: "Ist der Protest gegen Rassismus" eine politische Aktion. Rassismus ist doch keine politisches Thema, sondern eine gesellschaftliches.
      Ist doch völlig widersprüchlich, wenn die UEFA selbst allen ihren das Leitbild "Say no to racism" aufzwingt, aber dann die Spieler verbietet auf den Feld gegen Rassismus Zeichen zu setzen. Niemand würde behaupten die UEFA mache Politik, nur weil sie "no to racism" sagt, warum soll das dann beim Spieler anderst sein.
    • Baruch de Spinoza 02.06.2020 14:05
      Highlight Highlight Würde watson? Ich denke kaum, dass jemand bei Watson eine solch zutiefst rassistische Analogie verwenden würde, denn „Würde“ gibt es auch als Nomen - und diese spricht man hier den Menschen zu. Dass Sie das absolut fundamentalste Prinzip der Menschenwürde - dass Sie jeder und jedem in gleichem Masse zusteht - überhaupt als politische Meinung klassifizieren, ist reine Verachtung der Menschenwürde. Übrigens sind Einwanderungsgesetze auch sonst in jeder Hinsicht, wie auch jedes andere materielle Recht den Menschenrechten untergeordnet. Zu recht. Das Schützt übrigens auch sie, gerade jetzt.
    • Der_Andere 02.06.2020 14:07
      Highlight Highlight Problematisch ist es weil sich die Verbände denn Kampf gegen den Rassismus selbst auf die Fahne geschrieben haben.

      Damit ist es nicht einfach irgendeine politische Message, sondern der Wille des Verbandes. Man will sich klar gegen Rassismus positionieren, sanktioniert aber Spieler, die genau das tun.

      Irgendwie paradox oder nicht?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Stefan Morgenthaler-Müller 02.06.2020 13:32
    Highlight Highlight Der DFB ist nur proforma gegen Rassismus, wenn es darauf ankommt, wird geschwiegen.

    Man kann von Özil halten, was man möchte, aber als Özil von Medien und rechten Fussballfans rassistisch fertig gemacht wurde, hat der DFB seinen Spieler nicht in Schutz genommen. Noch enttäuschender, dass bis auf Boateng niemand vom Team Özil in Schutz genommen hat. Kroos und Neuer hätten mit ihren damaligen Aussagen gleich der AfD beitreten können.

    Und ja, Özil hätte sich nicht mit Erdogan ablichten lassen sollen, aber das ist kein Grund, ihn rassistisch fertig zu machen.
  • Zaungast 02.06.2020 13:28
    Highlight Highlight Die FIFA und UEFA setzen sich immer mit imagefördernden Anti-Rassismus-Kampagnen ins gute Licht. Vielleicht würde eine Anti-Korruptions-Kampagne ebenso notwendig.

    Jetzt zeigen viele Spieler / Menschen Haltung für ein strukturelles Problem weltweit (nicht nur in den USA) und müssen nun Verfahren / Bussen der Landesverbände in Kauf nehmen, weil unklar sei, ob «das Spiel und das Spielfeld der richtige Ort für diese Handlungen sind.»

    DOCH, SIND SIE, VERDAMMT NOCHMAL!
    • Mitläufer 02.06.2020 14:12
      Highlight Highlight Ja das stimmt. Wollte heute hetzen gehen, habe dann aber die Spieler knien gesehen und lasse es nun sein. Bin froh, dass die Fussballer mit diesem Zeichen die Welt verändern. Denke Amerikas Probleme sind damit gelöst.
    • Zaungast 02.06.2020 15:11
      Highlight Highlight Panic4Clicks: Dann sollen sich die Häuchler der FIFA/UEFA ihre "No to racism"-Badges aber sparen... oder büssen sie sich selber!?
  • banda69 02.06.2020 13:10
    Highlight Highlight «Politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen sind keinesfalls erlaubt.»


    Ausser man verdient damit viel Geld.

Kommentar

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