BMX ist Spektakel pur. Der Gegensatz ist faszinierend. Von der Tribüne aus (oder auf dem TV-Schirm) wirken diese kuriosen Bikes wie … Kindervelos und das Rennen wie verrücktes Treiben von mutigen Kids auf dem Pausenplatz. Von nahe gesehen aber sind es kräftige Modellathletinnen und Modellathleten. Da kann man sich nur so tief verneigen. Wie man es vermag.
Die Intensität der Rennen mit den Direktduellen mahnt ein wenig an Skicross. Das Drehbuch könnte besser nicht sein. Jubel, Trubel, Disco-Stimmung. Dann mahnt der Speaker unmittelbar vor dem Start zur Ruhe. Damit die Wettkämpferinnen bzw. Wettkämpfer das Startsignal hören. Es wird mucksmäuschenstill wie im Tennis beim Aufschlag. Und nach dem Startsignal bricht der Jubelsturm los. Wahrlich, Spektakel pur. Die Schweizerinnen und Schweizer haben Geschichte geschrieben, sich erstmals auf olympischem Niveau für den Final der besten Acht qualifiziert und Zoé Claessens hat gleich die erste Medaille geholt (Bronze). Seit 2008 ist BMX olympisch und nun gehören wir definitiv zur Weltspitze. Wir sind eine Velo-Nation: auf der Strasse, auf der Bahn, im Gelände (Mountainbike) und nun eben auch auf den BMX-Velos.
Wäre über die Jahre alles mit rechten Dingen zu und hergegangen, hätte wahrscheinlich auch Cédric Butti bei den Männern Bronze gewonnen. Er ist das Opfer eines nicht ganz lauteren Wettbewerbes.
Worum geh es? Simon Marquart – er hat sich neben Cédric Butti als zweiter Schweizer für den Final qualifiziert – beendet das Rennen auf dem 7. Platz. «Ich habe den Final erreicht, das ist eigentlich gut. Aber ein wenig bin ich schon enttäuscht.» Ein Fahrer sei ihm in die Quere gekommen und so habe er das Rennen gar nicht durchziehen können. «Es ist, wie es ist. Vielleicht wäre ich auf Rang 5 oder 6 gekommen.» So weit, so gut.
Das Hadern mit dem Schicksal ist Cédric Butti vorbehalten. Mit Platz 4. Der undankbarsten aller möglichen Klassierungen. Spöttisch wird der 4. Rang auch als «lederne Medaille» bezeichnet. Was in diesem Fall besonders bitter ist: Die Schweiz war in diesem Rennen eigentlich die zweitbeste Nation, und doch gibt es keine Medaille. Vor Cédric Butti sind drei Franzosen klassiert. Joris Daudet, Sylvain André und Romain Mahieu räumen den ganzen Medaillensatz ab. So weit, so gut. Aber wahrscheinlich nicht ganz korrekt.
Der Triumph der Franzosen ist das Resultat einer generalstabsmässig vorbereiteten Olympia-Mission mit der maximalen Aus- oder wohl eher Überreizung des Heimvorteils.
Es geht nicht um die überbordende Stimmung. Die war toll und ist von allen gerühmt worden. Es geht um die langfristige Vorbereitung. Simon Marquart erklärt, warum es einfach nicht möglich war, die Franzosen zu besiegen. «Sie haben seit Jahren auf dieser Piste trainiert und kennen jede Kurve auswendig.» Normalerweise werde vor den Spielen die Piste im Sinne einer Chancengleichheit neu gebaut. Damit niemand einen Wettbewerbsvorteil hat. «Aber mit immer neuen Ausreden haben es die Franzosen so gesteuert, dass die Piste schliesslich mehr oder weniger die gleiche geblieben ist.» Es sei zwar auch für ausländische Fahrer möglich gewesen, hier zu trainieren. Aber zu so hohen Preisen, dass sich einige Länder das gar nicht leisten konnten. «Im Grunde war es so, wie wenn wir in Magglingen eine Olympia-Piste bauen und darauf mehrere Jahre lang trainieren würden.»
Bei einer Konkurrenz, in der Sekunden oder gar Sekundenbruchteile über Triumph oder Niederlage, über Medaillen oder ehrenvolle Platzierungen entscheiden, dürfte intensives Training tatsächlich ein Vorteil sein.
Als schlechte Verlierer wollen die beiden Schweizer allerdings nicht dastehen. Die drei Franzosen seien wirklich die Besten in diesem Wettkampf gewesen, sagen Cédric Butti und Simon Marquart übereinstimmend.
Gab es wirklich keine Chance? Cédric Butti sagt: «Der Druck auf das französische Trio war wegen der hohen Erwartungen natürlich enorm und Du hoffst, dass sich das auswirken könnte. Aber das war nicht der Fall und das spricht ja auch für die Klasse der Franzosen.»
Gut möglich, dass Cédric Butti (25) und Simon Marquart (27) in vier Jahren einen neuen Anlauf nehmen werden. Sie haben soeben bewiesen, dass sie zu den Besten der Welt gehören. Zu den olympischen Medaillenanwärtern. Und so exzessiv wie die Franzosen werden die Amerikaner ihren Heimvorteil 2028 in Los Angeles wohl nicht ausreizen. Und wenn es doch der Fall sein sollte, so wird die Erfahrung aus Paris 2024 helfen.
In der Randsportart BMX sind es hingegen 3 pro Nation.
Das ist eher der Betrug.