Sport
Les Bonbons de Klaus

BMX an Olympia 2024: Ist die Schweiz um eine Medaille betrogen worden?

Fourth placed Cedric Butti (149), center, of Switzerland competes during the men's cycling BMX final race at the 2024 Paris Summer Olympics in Paris, France, Friday, August 2, 2024. (KEYSTONE/Lau ...
BMX ist Spektakel pur.Bild: keystone
Les Bonbons de Klaus

Ist die Schweiz um eine Medaille betrogen worden?

Betrug mag gar starker Tobak sein. Aber beim BMX-Drama ist nicht ganz alles mit rechten Dingen gelaufen. Frankreich hat den Heimvorteil überstrapaziert und das hat der Schweiz eine Medaille gekostet.
03.08.2024, 07:4503.08.2024, 13:01
klaus zaugg, paris
Mehr «Sport»

BMX ist Spektakel pur. Der Gegensatz ist faszinierend. Von der Tribüne aus (oder auf dem TV-Schirm) wirken diese kuriosen Bikes wie … Kindervelos und das Rennen wie verrücktes Treiben von mutigen Kids auf dem Pausenplatz. Von nahe gesehen aber sind es kräftige Modellathletinnen und Modellathleten. Da kann man sich nur so tief verneigen. Wie man es vermag.

Die Intensität der Rennen mit den Direktduellen mahnt ein wenig an Skicross. Das Drehbuch könnte besser nicht sein. Jubel, Trubel, Disco-Stimmung. Dann mahnt der Speaker unmittelbar vor dem Start zur Ruhe. Damit die Wettkämpferinnen bzw. Wettkämpfer das Startsignal hören. Es wird mucksmäuschenstill wie im Tennis beim Aufschlag. Und nach dem Startsignal bricht der Jubelsturm los. Wahrlich, Spektakel pur. Die Schweizerinnen und Schweizer haben Geschichte geschrieben, sich erstmals auf olympischem Niveau für den Final der besten Acht qualifiziert und Zoé Claessens hat gleich die erste Medaille geholt (Bronze). Seit 2008 ist BMX olympisch und nun gehören wir definitiv zur Weltspitze. Wir sind eine Velo-Nation: auf der Strasse, auf der Bahn, im Gelände (Mountainbike) und nun eben auch auf den BMX-Velos.

Wäre über die Jahre alles mit rechten Dingen zu und hergegangen, hätte wahrscheinlich auch Cédric Butti bei den Männern Bronze gewonnen. Er ist das Opfer eines nicht ganz lauteren Wettbewerbes.

Worum geh es? Simon Marquart – er hat sich neben Cédric Butti als zweiter Schweizer für den Final qualifiziert – beendet das Rennen auf dem 7. Platz. «Ich habe den Final erreicht, das ist eigentlich gut. Aber ein wenig bin ich schon enttäuscht.» Ein Fahrer sei ihm in die Quere gekommen und so habe er das Rennen gar nicht durchziehen können. «Es ist, wie es ist. Vielleicht wäre ich auf Rang 5 oder 6 gekommen.» So weit, so gut.

Das Hadern mit dem Schicksal ist Cédric Butti vorbehalten. Mit Platz 4. Der undankbarsten aller möglichen Klassierungen. Spöttisch wird der 4. Rang auch als «lederne Medaille» bezeichnet. Was in diesem Fall besonders bitter ist: Die Schweiz war in diesem Rennen eigentlich die zweitbeste Nation, und doch gibt es keine Medaille. Vor Cédric Butti sind drei Franzosen klassiert. Joris Daudet, Sylvain André und Romain Mahieu räumen den ganzen Medaillensatz ab. So weit, so gut. Aber wahrscheinlich nicht ganz korrekt.

Der Triumph der Franzosen ist das Resultat einer generalstabsmässig vorbereiteten Olympia-Mission mit der maximalen Aus- oder wohl eher Überreizung des Heimvorteils.

Es geht nicht um die überbordende Stimmung. Die war toll und ist von allen gerühmt worden. Es geht um die langfristige Vorbereitung. Simon Marquart erklärt, warum es einfach nicht möglich war, die Franzosen zu besiegen. «Sie haben seit Jahren auf dieser Piste trainiert und kennen jede Kurve auswendig.» Normalerweise werde vor den Spielen die Piste im Sinne einer Chancengleichheit neu gebaut. Damit niemand einen Wettbewerbsvorteil hat. «Aber mit immer neuen Ausreden haben es die Franzosen so gesteuert, dass die Piste schliesslich mehr oder weniger die gleiche geblieben ist.» Es sei zwar auch für ausländische Fahrer möglich gewesen, hier zu trainieren. Aber zu so hohen Preisen, dass sich einige Länder das gar nicht leisten konnten. «Im Grunde war es so, wie wenn wir in Magglingen eine Olympia-Piste bauen und darauf mehrere Jahre lang trainieren würden.»

Bei einer Konkurrenz, in der Sekunden oder gar Sekundenbruchteile über Triumph oder Niederlage, über Medaillen oder ehrenvolle Platzierungen entscheiden, dürfte intensives Training tatsächlich ein Vorteil sein.

Als schlechte Verlierer wollen die beiden Schweizer allerdings nicht dastehen. Die drei Franzosen seien wirklich die Besten in diesem Wettkampf gewesen, sagen Cédric Butti und Simon Marquart übereinstimmend.

Gab es wirklich keine Chance? Cédric Butti sagt: «Der Druck auf das französische Trio war wegen der hohen Erwartungen natürlich enorm und Du hoffst, dass sich das auswirken könnte. Aber das war nicht der Fall und das spricht ja auch für die Klasse der Franzosen.»

Gut möglich, dass Cédric Butti (25) und Simon Marquart (27) in vier Jahren einen neuen Anlauf nehmen werden. Sie haben soeben bewiesen, dass sie zu den Besten der Welt gehören. Zu den olympischen Medaillenanwärtern. Und so exzessiv wie die Franzosen werden die Amerikaner ihren Heimvorteil 2028 in Los Angeles wohl nicht ausreizen. Und wenn es doch der Fall sein sollte, so wird die Erfahrung aus Paris 2024 helfen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2024 in Paris
1 / 100
Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2024 in Paris
Die Französin Marie Oteiza wählt im Modernen Fünfkampf eine eher weniger elegante Variante des Absteigens vom Pferd.
quelle: keystone / mosa'ab elshamy)
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Vom Anzug in den Velo-Sattel: Patrick fuhr mit dem Fahrrad von Zürich nach Japan
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
18 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Vorname Name
03.08.2024 08:07registriert August 2019
Was mich da eher stört. In der Breitensportart MTB wurde den Nationen ein Quotenplatz weggenommen und es dürfen nur 2 pro Nation starten.
In der Randsportart BMX sind es hingegen 3 pro Nation.
1018
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ziasper
03.08.2024 08:20registriert September 2017
Warum dürfen in der Nischensportart BMX 3 Athleten der selben Nation starten, aber im MTB nur 2?
Das ist eher der Betrug.
889
Melden
Zum Kommentar
avatar
Watson Speaking
03.08.2024 08:57registriert Dezember 2022
Na selbstverständlich spielen die Franzosen den Heimvorteil aus.
478
Melden
Zum Kommentar
18
    Roel Paulissen fährt am Cape Epic 20 Kilometer auf der Felge durch Afrika – und gewinnt
    2. April 2008: «Ich kann es nicht glauben!», sagt Roel Paulissen nach der 5. Etappe des Cape Epic. Soeben ist er auf seinem Mountainbike ohne Pneu durch südafrikanisches Gelände gestrampelt. Sein Teampartner wollte schon aufgeben – nun stehen die beiden als Sieger fest.

    Das Cape Epic gilt als härtestes Etappenrennen der Welt. Die «Tour de France» des Mountainbikesports beansprucht während acht Tagen die Fahrer genauso wie das Material.

    Zur Story