Marathon-Stan wie in alten Zeiten! Wawrinka gewinnt Fünf-Satz-Thriller
Stan Wawrinka (ATP 139) lieferte in Melbourne noch einmal ein echtes Muster dessen ab, was ihn seine gesamte Karriere ausgezeichnet hatte. Nach gut viereinhalb Stunden behielt er gegen den 19 Jahre jüngeren Grand-Slam-Debütanten Arthur Gea (ATP 198) im finalen Match-Tiebreak die Oberhand.
Wawrinka machte am Ende sogar den frischeren Eindruck als der Südfranzose. Dieser spielte erstmals in einer Partie mehr als drei Sätze, der Schweizer seinen 58. (!) Fünfsätzer, 31 davon gewann er.
Bereits im vierten Satz stand die Partie auf Messers Schneide. Wawrinka gab eine 3:0-Führung wieder her, überstand dann aber eine schwierige Phase und kam schliesslich dank einem brillanten Rückhand-Passierball zum Break und Satzausgleich. Mehrmals brillierte er seinem Paradeschlag wie zu seinen besten Zeiten. «Leider ist sie nicht mehr ganz so gut, wie sie es einmal war», bedauerte er danach im Platz-Interview.
Auch im Entscheidungssatz führte Wawrinka 2:0, musste Gea aber wieder herankommen lassen. Im Tiebreak kämpfte der 21-jährige Franzose dann aber mit Krämpfen, während der dreifache Grand-Slam-Champion die Nerven behielt. Nun ist er der älteste Spieler in der 3. Runde eines Major-Turniers, seit Ken Rosewall dies am Australian Open 1978 als 44-Jähriger schaffte.
STAN
— JAKE FLAGPIES23 🏆🖤🤍 (@IncrediblyBozza) January 22, 2026
THE
MAN
WAWRINKA
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Für Wawrinka geht es am Samstag in der 3. Runde gegen die Weltnummer 9 Taylor Fritz (USA) weiter. Er sei erschöpft, sagte der Schweizer. Wie er sich nun erhole, wisse er noch nicht, «aber vielleicht schnappe ich mir als erstes ein Bier». Wie schon nach dem Auftaktsieg bedankte er sich beim Publikum, das ihm viel Energie gebe. «Ich bin nicht mehr der Jüngste, ich brauche diese Zusatz-Power.»
Im ersten Satz war der dreifache Grand-Slam-Champion nach einem nervösen Start schnell 1:3 in Rückstand geraten und konnte dieses Handicap nicht mehr wettmachen, auch weil er drei Breakchancen nicht nutzte. Im zweiten Durchgang wendete er das Blatt, in dem er dem jungen Franzosen zum 3:1 erstmals den Aufschlag abnahm. Auch im dritten Satz entschied ein einziges Break, das gegen Wawrinka zum 3:5 aus ziemlich heiterem Himmel kam.
Nicht völlig überraschend kam hingegen der starke Auftritt von Arthur Gea. Er hatte in der Vorbereitung ein Challenger-Turnier auf Neukaledonien gewonnen und die Qualifikation sowie die 1. Runde gegen die Weltnummer 19 Jiri Lehecka ohne Satzverlust überstanden.
Djokovic vor seinem 400. Sieg bei Grand Slams
Der Zweitrundensieg von Novak Djokovic gegen den italienischen Qualifikanten Francesco Maestrelli (ATP 141) war einer ohne grosse Geschichte, doch er bringt den 38-jährigen Serben ganz nahe an eine weitere historische Marke. Er kann am Samstag in der 3. Runde mit einem Erfolg gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp (ATP 75) zum ersten Spieler – Mann oder Frau – mit 400 Siegen an Grand-Slam-Turnieren werden.
Roger Federer war mit 369 gewonnen Matches bei Majors zurückgetreten. Am Australian Open liegt Djokovic mit 101 Siegen noch einen hinter Federer.
Sinner im Schongang
Der Topfavorit auf den Turniersieg – es wäre sein 25. Grand-Slam-Titel – ist Djokovic mit seinen 38 Jahren nicht mehr. Das bleibt auch nach seiner zweiten Partie der Titelverteidiger Jannik Sinner. Der Italiener machte mit dem Australier James Duckworth (ATP 88) kurzen Prozess und gewann 6:1, 6:4, 6:2.
In seinen ersten beiden Partien hat Sinner insgesamt nur zehn Games abgegeben. Noch vier weniger als Djokovic, allerdings profitierte er in der Startrunde von der Aufgabe Hugo Gastons zu Beginn des dritten Satzes.
Swiatek mit Steigerung
Auch Iga Swiatek steigerte sich gegenüber ihrer etwas durchzogenen Leistung in der 1. Runde. Die Polin, die in Australien mit dem ersten Sieg ihren Karriere-Grand-Slam komplettieren könnte, gewann gegen Marie Bouzkova (WTA 44) 6:2, 6:3. (ram/sda)
