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Olympia 2026

Olympia: IOC verbietet Ukrainer Kriegsopfer-Helm – der widersetzt sich

Ukraine's Vladyslav Heraskevych starts a men's skeleton training session at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo, Italy, Monday, Feb. 9, 2026. (AP Photo/Alessandra Tarantino)
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Wladyslaw Heraskewytsch trägt seinen Helm mit Portraits von getöteten ukrainischen Athleten weiterhin.Bild: keystone

Ukrainer widersetzt sich Helmverbot des IOC: «Wir kämpfen bis zum Ende»

10.02.2026, 22:2810.02.2026, 22:38

Eigentlich darf Wladyslaw Heraskewytsch seinen Helm mit aufgemalten Bildern von im Krieg getöteten ukrainischen Athleten bei den Olympischen Spielen nicht tragen. Dies hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) entschieden. Der ukrainische Skeleton-Fahrer akzeptiert das aber nicht.

«Für mich geht es ums Prinzip», teilte der 27-Jährige am Dienstagabend in einem Video auf X mit, nachdem er am Nachmittag erneut mit dem Helm zum Training angetreten war und die zweitschnellste Zeit des Tages gefahren hat. Das IOC hatte ihm die Nutzung des Helms untersagt, weil dieser den Regeln der olympischen Charta widerspreche. Sie würde gegen das Verbot von «politischer, religiöser oder rassistischer Demonstration oder Propaganda» verstossen.

«Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir keine IOC-Regeln gebrochen haben», stellte Heraskewytsch klar und fügte an: «Ich sehe keine politische, diskriminierende oder rassistische Propaganda auf unserem Helm. Deshalb werden wir bis zum Ende.» Dies hätten nämlich auch die abgebildeten Athleten getan und nur dank ihrem Opfer «können diese Olympischen Spiele überhaupt stattfinden. Denn ohne sie hätte der Krieg Europa längst erreicht.»

Das IOC hatte einen Antrag des ukrainischen Verbands, den Helm zu erlauben, abgelehnt. Heraskewytsch dürfe aber ausnahmsweise ein schwarzes Armband tragen und in Interviews nach den Wettkämpfen frei seine Meinung äussern, teilte ein Sprecher des IOC mit. Der Helm bleibe hingegen verboten.

Heraskewytsch ärgerte sich insbesondere über den Entscheid, weil andere politische Statements akzeptiert worden sind. So zum Beispiel jenes von Freestyle-Skifahrer Gus Kenworthy, der die Worte «Fuck ICE» in den Schnee urinierte. Auch bei Snowboarder Roland Fischnaller, der die russische Fahne zusammen mit den Fahnen der anderen Länder, in denen er bei Olympischen Spielen angetreten ist, auf dem Helm trägt, sah das IOC keinen Verstoss. Dabei ist die russische Flagge bei den Spielen eigentlich untersagt. Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus müssen unter neutraler Flagge starten.

Schon nach dem ursprünglichen Entscheid der Olympia-Verantwortlichen kommentierte Heraskewytsch auf X: «Die Entscheidung bricht mein Herz. Es fühlt sich so an, als würde das IOC die Athleten, die Teil der olympischen Bewegung waren, verraten.» Später fügte er an, dass sich das IOC im Vergleich zu vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking, die kurz vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine stattgefunden haben, dramatisch verändert habe. Damals zeigte er eine Ukraine-Flagge mit der Aufschrift «Kein Krieg in der Ukraine» und wurde dafür nicht sanktioniert.

Ukraine's Vladyslav Heraskevych holds up his crash helmet during a press conference following a skeleton training session at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo, Italy, Tuesday, F ...
Wladyslaw Heraskewytsch trug auch am Dienstag den verbotenen Helm.Bild: keystone

«Die Wahrheit ist auf unserer Seite», schrieb Heraskewytsch und hoffte auf eine «faire Entscheidung des IOC». Diese fiel aber nicht zu seinen Gunsten aus. Auf seinen Helm verzichten möchte er trotzdem nicht. (nih)

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Simsalabimeon
10.02.2026 16:31registriert Oktober 2024
Es ist einfach traurig. Unter den ermordeten und im Kampf gefallenen Athleten waren auch Kinder, die in ihrem Zuhause durch Raketen und Drohnen starben. Und auch solche, die eine realistische Chance auf ebendiese Spiele gehabt hätten, aber von den russen aus dem Leben gerissen wurden.
Ich finde das eine Schweinerei. Der Helm war ja nicht mal mit politischen Symbolen verziert, sondern mit Menschen, darunter mind. ein Freund des Athleten selbst. Wie kann man so etwas verbieten?
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Jacob Crossfield
10.02.2026 17:19registriert Dezember 2014
So, es ist also politisch wenn man toten Sportlern eines verbrecherischen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gedenkt. Politisch? Ähm, nein, das ist nur menschlich und normal.
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ᴉlǝqǝǝuɥɔs@Frau Schneebeli
10.02.2026 16:27registriert Juli 2020
Mit Politik hat das nichts zu tun. Schon die Olympischen Götter waren völlig unpolitisch.
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