Ein Westschweizer kritisiert: «Die Olympischen Spiele verfälschen unseren Sport»
Die Olympischen Winterspiele 2026 begrüssen eine kleine Premiere: Erstmals in der Geschichte ist Skibergsteigen ins olympische Programm aufgenommen worden. Doch die Wettkämpfe, an denen am Donnerstag und Samstag in Bormio vier Schweizer Athletinnen und Athleten auf Medaillenjagd gehen, sorgen bei vielen Liebhabern dieser Disziplin nicht gerade für Begeisterung.
Der zweifache Weltmeister Rémi Bonnet hat sogar entschieden, gar nicht erst an den Start zu gehen, weil er seinen Sport darin nicht wiedererkennt.
«Ich habe keinen einzigen Kenner des Skibergsteigens gehört, der das an den Olympischen Spielen vorgeschlagene Format unterstützt», sagt Romain Ducret im Gespräch mit watson. Der Westschweizer ist eine prägende Figur im «Skimo» – kurz für Ski Mountaineering: Er ist Mitbegründer der Schweizer Meisterschaften, des Schweizer Cups sowie der Nationalmannschaft. Zudem hat er seit 1984 an sämtlichen Austragungen der Patrouille des Glaciers teilgenommen.
«Wie ein Trailrun in der Halle»
Er erinnert daran, dass «das Wesen dieses Sports schon immer darin bestand, einen oder mehrere Berge zu besteigen und sie anschliessend so schnell wie möglich wieder zu verlassen». Genau das wird an den Olympischen Spielen nicht der Fall sein, denn die Organisatoren haben sich für zwei kurze Formate entschieden: den Sprint (bei Männern und Frauen) sowie die Mixed-Staffel. «Vielleicht finden Sie, dass ich übertreibe, aber es ist ein bisschen so, als würde man Curling durch ein Boccia-Spiel ersetzen oder einen Berg-Trail auf einen 80-Meter-Lauf in der Halle reduzieren», sagt Romain Ducret.
Dieser Logik folgend findet er, das Internationale Olympische Kommitee (IOC) hätte die Disziplin umbenennen müssen. «Das hat nichts mit unserem Wettkampfsport zu tun. So wie es jetzt ist, hätte ich es sogar vorgezogen, wenn sie gar nicht ins olympische Programm aufgenommen worden wäre. Aber wenn sie schon dabei ist, hätte man ihr einen anderen Namen geben müssen, um unseren Sport nicht zu verfälschen.»
Ein Risiko für die Zukunft
Hätte Milan-Cortina dennoch die logistischen Möglichkeiten und die Infrastruktur gehabt, um einen Wettkampf anzubieten, der dem Wesen des «Skimo» so entspricht, wie Romain Ducret die Disziplin versteht? Unser Experte ist überzeugt: Ja.
Romain Ducret, der bereits in den 1990er-Jahren Kontakt zum International Olympic Committee aufgenommen hatte, damit sein Sport im ursprünglichen Format ins olympische Programm aufgenommen wird, weiss, dass die Olympischen Spiele eine hervorragende Bühne für die vertretenen Disziplinen bieten. Sie ermöglichen es Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern, neue Sportarten kennenzulernen, und in den Monaten und Jahren danach ist es nicht ungewöhnlich, einen Anstieg der Vereinsmitgliedschaften zu beobachten.
«Aber indem das International Olympic Committee zwei Formate präsentiert, die weit von denen entfernt sind, wie sie üblicherweise bei grossen Rennen üblich sind, verpasst es die Gelegenheit, Begeisterung für unseren Sport zu wecken», räumt Romain Ducret ein.
