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In this image made from video by North Korea's KRT, North Korean leader Kim Jong Un, center, speaks with military officials during a military parade in Pyongyang, North Korea Thursday, Feb. 8, 2018. North Korea held the military parade and rally on Kim Il Sung Square on Thursday, just one day before South Korea hosts the opening ceremony of the Pyeongchang Winter Olympics. (KRT via AP Video)

Beinahe hätte Kim seine Nordkoreaner aus dem Süden abgezogen. Bild: AP/KRT

Den Eklat verhindert – die Nordkoreaner reisen nicht ab

Das Drama fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Drei Stunden lang drohte die sofortige Abreise der nordkoreanischen Delegation.

klaus zaugg, südkorea



Das Hotel «Intercontinental Alpensia» zu Pyeongchang ist ein vornehmes Haus und beherbergt sozusagen das grosse olympische Hauptquartier.

Es ist der 8. Februar im Jahre des Herrn 2018. Später Vormittag. Die freundliche Ruhe in der weiträumigen Lobby täuscht. In der Entourage des grossen, machtbewussten olympischen Vorsitzenden Thomas Bach macht sich Hektik, Ratlosigkeit, ja Entsetzen breit.

epa06507710 International Olympic Committee (IOC) President Thomas Bach and UN Secretary General Antonio Guterres (not pictured) give a press statement at the Alpensia resort before the start of the PyeongChang 2018 Olympic Games, South Korea, 09 February 2018.  EPA/BARBARA WALTON / POOL

Thomas Bach schwitzte gestern drei Stunden lang. Bild: EPA/EPA POOL

Nein, es geht nicht um aufgedeckte Attentatspläne oder neue Doping-Vergehen. Es geht bloss um ein paar Worte. Aber die Wirkung auf die Eitelkeiten der Herren der Ringe und der Politik ist verheerend. Zerrinnt im letzten Moment, nur einen Tag vor der Eröffnung des olympischen Spektakels, der grosse, schöne Traum? Der Traum, zumindest ein bisschen Weltgeschichte zu schreiben?

Vier Jahre lang haben die olympischen Funktionäre an einem diplomatischen Meisterstück gearbeitet: der olympischen Teilnahme eines gemeinsamen Frauen-Eishockeyteams beider Korea. Die olympische Idee, die Völker verbindet. Ganz im Sinne von Baron Pierre de Coubertin, dem Gründer der modernen olympischen Spiele.

epa06497107 People wave the Korean Unification Flag, while the joint Korean women's hockey team faces Sweden for an exhibition game at Seonhak International Ice Rink in Incheon, South Korea, 04 February 2018. The flag featuring the Korean Peninsula will be the joint team's flag and 'Arirang' will be its anthem during the PyeongChang Winter Olympics.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT

Ein Team: Nord- und Südkorea treten beim Eishockey der Frauen als Korea an. Bild: EPA/YNA

Endlich weg von den bösen Doping-Schlagzeilen. Sonnenscheinpolitik im besten Wortsinne. Die Sonnenscheinpolitik war Teil der Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea. Südkoreas Präsident Kim Dae-jung hatte sie zu Beginn dieses Jahrhunderts gepflegt und dafür 2000 den Friedensnobelpreis bekommen. Thomas Bach in den Spuren eines Friedensnobelpreisträgers. Und daraus soll nun nichts werden?

Was ist passiert? US-Vize Mike Pence hat soeben mit markigen Worten die Verschärfung der wirtschaftlichen Sanktionen gegen Nordkorea angekündigt. Und betont, dass man sich durch ein bisschen olympisches Tauwetter nicht beeindrucken lasse.

U.S. Vice President Mike Pence, left, shakes hands with South Korean President Moon Jae-in prior to their meeting at the presidential office Blue House in Seoul Thursday, Feb. 8, 2018. (Kim Hee-chul/Pool Photo via AP)

Mike Pence (l.) löste die heftigen Diskussionen aus. Bild: AP/European Pressphoto Agency POOL

Drei Stunden lang hängt nun alles an einem dünnen, seidenen Faden. Zieht sich die nordkoreanische Delegation zurück? Es scheint so. Die Telefondrähte (im übertragenen Sinne) glühen. Kurz nach 15 Uhr Ortszeit kommt doch noch die Entwarnung. Die nordkoreanische Delegation bleibt.

Und so nehmen die olympischen und diplomatischen Dinge doch noch ihren geplanten, protokollierten Lauf. Die Athletinnen und Athleten beider Korea ziehen heute bei der Eröffnungszeremonie hinter der «Fahne der Vereinigung» (mit der hellblauen Silhouette der Halbinsel auf weissem Grund) gemeinsam ins Stadion ein.

Südkoreas Präsident Moon Jae wird morgen Kim Yong Nam, das protokollarische Staatsoberhaupt Nordkoreas sowie Kim Yo Jong, die Schwester von Machthaber Kim Jong Un treffen. Und das Frauenteam beider Korea zum ersten Spiel des olympischen Turniers gegen die Schweizerinnen antreten.

Kim Yo Jong, sister of North Korean leader Kim Jong Un, center, arrives at Incheon International Airport in Incheon, South Korea, Friday, Feb. 9, 2018. A high-level North Korean government delegation including leader Kim Jong Un's sister has arrived in South Korea to attend the opening ceremony of the Pyeongchang Winter Olympics.  (Kim Ju-hyung/Yonhap via AP)

Kim Yo Jong, die Schwester von Kim Jong Un. Bild: AP/YONHAP

Olympische Spiele und die Politik sind eben nicht zu trennen. Seit dem Beginn der ersten Spiele der Neuzeit (1896, Athen) träumen ihre Macher vom Primat des Sportes über die Politik. Dass während der Spiele die Welt in Frieden den Atem anhalten möge wie einst im alten Griechenland. Es ist eine der grossen Illusionen der Weltgeschichte.

Seit die olympische Idee 1936 in Berlin zum ersten Mal als Propaganda-Spektakel missbraucht worden ist, wird die Weltbühne der Spiele von der Politik benutzt. Sei es durch Boykotte (1956, 1976, 1980, 1984) oder durch Protestaktionen (1968), und zweimal (1972, 1996) sind die Spiele gar durch ein Attentat erschüttert worden. Und in der Neuzeit will die Kritik der politischen Vereinnahmung (Peking 2008 und 2022, Sotschi 2014) sowieso nicht mehr verstummen.

Dr. Joseph Goebbels, Adolf Hitler, Hans von Tschammer und Osten, von Blomberg als Zuschauer bei den Olympischen Spielen in Berlin, August 1936. (KEYSTONE/AP Photo/Str) ===  ===

Die Olympischen Spiele 1936 wurden vom Nazi-Regime zu Propagandazwecken benutzt. Das ging allerdings dank Jesse Owens nicht nur auf. Bild: AP

So ist es nur logisch, dass auch 2018 erst einmal die Politik die olympischen Schlagzeilen dominiert und einem Frauen-Hockeyteam aus Korea zu weltweiter Beachtung verhilft.

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    Alle Leser-Kommentare
  • ben_fliggo 09.02.2018 14:59
    Highlight Highlight Super Artikel (Artikeln? Artikels? Artiklen? Artiklüsser?) aus Korea Watson, weiter so!
  • Henzo 09.02.2018 10:33
    Highlight Highlight Ich würd mich riesig freuen, wenn die Koreaner gewinnen würden ....aber so oder so sehr schön, dass sie vereinigt ein Spiel bestreiten.
    • Mia_san_mia 09.02.2018 14:22
      Highlight Highlight Sie apielen doch gegen die Schweiz oder? Wie kannst Du da hoffen, dass sie gewinnen?
    • b0xCH 09.02.2018 14:57
      Highlight Highlight Weil es in der Welt (und Weltpolitik) nicht nur um die Schweiz geht. Wenn ein vereintes Korea als Team zusammen gewinnt, hätte dies eine ziemlich grosse Aussage.
    • Hoppla! 09.02.2018 15:19
      Highlight Highlight Es gibt neben der gleichem Staatsbürgerschaft ja noch viele andere Gründe für einen Sportler, ein Team, ein Produkt,... zu "fanen". ;-)

      Also ich finde die alternativen Gründe sogar noch wichtiger.
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