Der Samstag am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Mollis verlief aus sportlicher Sicht vorwiegend ohne riesige Aufreger oder extreme Sensationen. Klar, da war der Berner Fritz Ramseier, der überraschenderweise Eidgenosse um Eidgenosse auf den Rücken legte. Oder Fabian Staudenmann, Samuel Giger und Pirmin Reichmuth, die eine eher enttäuschende erste ESAF-Hälfte erlebten.
Aber eine Szene sorgt trotzdem für Diskussionen. Eine aus dem 4. Gang zwischen Königskandidat Giger und dem Berner Newcomer Michael Moser. Der Kampf war wohl der beste des ganzen Samstags. Und kurz vor Ablauf der sieben Minuten Maximaldauer schien er vorbei und entschieden. Die Berner Tribüne jubelte bereits, nachdem Moser seinen Gegner scheinbar mit beiden Schulterblättern ins Sägemehl gedrückt hatte.
Doch der Kampfrichter winkte ab – sehr zum Unglauben Mosers und dem Ärger der Berner Fans, die den Entscheid mit Pfiffen und Buhrufen quittierten. Der Gang endete mit einem Gestellten und der Note 9,0 für beide Schwinger.
Mit Blick auf die Zeitlupe ist sich SRF-Experte Matthias Sempach sicher: «Moser hat eigentlich den Sieg gehabt, ihn aber nicht erhalten.» Der Schwingerkönig von 2013 glaubt aber auch, dass sein junger Verbandskollege etwas zu wenig clever agiert hat. «Er schaut zum Kampfrichter, da muss er einfach konsequenter dranbleiben. Er hat also sicher auch einen Fehler gemacht», analysiert Sempach.
Auch der andere SRF-Experte, Christian Stucki, seinerseits Schwingerkönig von 2019, meint: «Einen kurzen Moment ist Giger sehr wahrscheinlich unten.» Aber auch er glaubt, dass Moser ohne den Blick zum Kampfrichter das Resultat wohl noch deutlicher hätte erzwingen können.
Einen Vorwurf machen die beiden den Kampfrichtern am Sägemehlring und am Tisch aber nicht. «Es ist einfach, von hier aus mit all den Zeitlupen zu analysieren. Aber dort unten geht es einfach extrem schnell», sagt Sempach. Am Ende sei es bloss schade, wenn ein so guter Gang keinen Sieger erhalte.
Auch der 20-jährige Moser wollte nach dem strittigen Entscheid nicht hadern. «Da rege ich mich nicht auf, ich kann die Situation eh nicht mehr ändern», sagte der junge Berner in die SRF-Kameras. Sie seien zu Boden gegangen und er habe gewusst, dass der Gang nicht mehr lange dauere, weshalb er etwas «gjuflet» habe. «Schade, hat es nicht ganz gereicht», meint Moser.
Tatsächlich hat der Entscheid vom 4. Gang am Ende wohl weitreichende Folgen. Moser ist nach zwei Siegen, einer Niederlage und einem Gestellten nur im 8. Rang zu finden. Eine Schlussgangqualifikation wird so schwierig. Oder wie es der junge Berner selbst ausdrückt: «Ich muss am Sonntag noch eine Schippe drauflegen.»