Was für ein Ergebnis der Schweizer Skifahrer! Dass der Sieger im Riesenslalom aus der Schweiz kommt, ist mittlerweile ja keine grosse Überraschung mehr. So dominant tritt Marco Odermatt in den letzten beiden Jahren auf. Doch der 25-jährige Nidwaldner war in Schladming gar nicht dabei – er fühlte sich nach der Knieverletzung in Kitzbühel noch nicht wieder bereit.
Es war Loïc Meillard, der in der Steiermark seinen erst zweiten Weltcupsieg feierte. Zuvor hatte der 26-Jährige einen Parallel-Event gewonnen. Und dann war Meillard nicht einmal der einzige Schweizer auf dem Podest. Gemeinsam mit Gino Caviezel feierte der Neuenburger einen Doppelsieg – und bewies damit einmal mehr, dass die Schweiz selbst ohne Odermatt einige hervorragende Skifahrerinnen und Skifahrer hat.
Das zeigt auch ein Blick auf die Nationenwertung. Dort führt die Schweiz mit 1729 Punkten Vorsprung auf Österreich. Marco Odermatt hat zwar über ein Siebtel (1186) der insgesamt 7535 Punkte eingefahren, doch selbst ohne diese wäre die Schweiz an der Spitze der Wertung. Die Wertung ist seit Jahrzehnten ein Privatduell zwischen der Schweiz und Österreich – seit 1972 (Frankreich) stand am Ende einer Saison nie mehr ein anderes Land an der Spitze. Wobei unser östlicher Nachbar die Siegerliste deutlich dominiert und zwischen 1990 und 2019 die Nationenwertung immer für sich entschied. Nun fahren die Schweizerinnen und Schweizer der Konkurrenz aber davon.
Die Schweiz durfte in den 51 Rennen dieser Saison bereits 38 Podestplätze bejubeln. 13 davon gehen auf das Konto von Marco Odermatt, der sechs Rennen gewann, viermal Zweiter wurde und drei dritte Plätze einfuhr. Dazu kommen aber zehn weitere Podestfahrerinnen und -fahrer – mehr, als jede andere Nation zu bieten hat.
Die 31-jährige Tessinerin ist die beste Schweizer Skifahrerin. Lara Gut-Behrami stand in dieser Saison auf jedem Podestplatz je zweimal. Im Gesamtweltcup ist sie hinter der US-Dominatorin Mikaela Shiffrin Zweite.
Der Sieger des gestrigen Nacht-Riesenslaloms in Schladming fuhr in dieser Saison bereits fünfmal aufs Podest. Neben dem Erfolg wurde er einmal Zweiter und dreimal Dritter. Im Gesamtweltcup steht er auf dem vierten Platz.
Auch die 28-jährige Schwyzerin fuhr in dieser Saison bereits mehrmals aufs Podest. Corinne Suter gewann einen Super-G und fuhr in der Abfahrt, wo sie im Februar des letzten Jahres Olympiasiegerin wurde, einmal auf den zweiten und zweimal auf den dritten Platz.
Lange musste sie auf ihren ersten Slalom-Weltcupsieg warten, in dieser Saison stand Wendy Holdener in ihrer Paradedisziplin aber gleich zweimal zuoberst auf dem Podest. Dazu kommt für die 29-jährige Schwyzerin ein zweiter Platz. So ist sie in der Slalomwertung Zweite hinter Shiffrin.
Wenn Daniel Yule in dieser Saison aufs Podest fährt, dann holt er gleich das Maximum raus. In Madonna sowie in Kitzbühel feierte er im Slalom jeweils den Sieg. Damit ist der 29-Jährige Dritter in der Disziplinenwertung.
Der 30-jährige Bündner sicherte sich am Mittwochabend den ersten Podestplatz in der laufenden Saison. Gino Caviezel wurde hinter Meillard Zweiter. Er stieg zum insgesamt dritten Mal auf das Treppchen eines Weltcuprennens.
Völlig überraschend fuhr Stefan Rogentin im Super-G von Wengen auf den zweiten Platz. Lange hoffte er gar auf den ganz grossen Coup, doch Aleksander Kilde verhinderte diesen schlussendlich. Für den 28-jährigen Bündner war es der erste Podestplatz überhaupt. Aktuell ist er der viertbeste Super-G-Fahrer der Saison.
Auch Joana Hählen fuhr ihren einzigen Podestplatz in dieser Saison im Super-G ein. Der zweite Platz in St.Anton war für die 31-jährige Bernerin aber bereits der vierte Platz unter den besten 3 in ihrer Karriere. Auf einen Sieg wartet sie noch.
Der «Doppelmeter» ist zurück unter den besten Slalomfahrern der Welt. Ramon Zenhäusern gelang im Slalom in Schladming der erste Podestplatz in dieser Saison. Mit dem zweiten Platz rückte der 30-jährige Walliser wieder in die Top 10 der Slalomwertung, wo er sich zwischen 2017 und 2021 am Ende der Saison immer befand.
Mit seinem dritten Platz in der Abfahrt von Kitzbühel gelang Niels Hintermann ein kleiner Befreiungsschlag. Erstmals in dieser Saison stand der 27-jährige Speed-Spezialist auf dem Podium.
Mit insgesamt elf Podestfahrerinnen und -fahrern, die 14 Siege, 13 zweite Plätze und elf dritte Plätze erreichten, steht die Schweiz auch hier vor Österreich an der Spitze. Sieben verschiedene Österreicherinnen und Österreicher fuhren in dieser Saison bisher aufs Podest, dahinter folgen Norwegen und Italien mit je sechs.
So überrascht es auch nicht, dass die Schweiz als einzige Nation über fünf Athletinnen und Athleten in den Top 10 der beiden Gesamtwertungen verfügt. An der WM, die in eineinhalb Wochen beginnt, hat Swiss-Ski in jedem Rennen Medaillenchancen.
Und auch in Zukunft darf die Schweiz auf Erfolge auf zwei Latten hoffen. Acht Medaillen erreichten die Nachwuchsathleten an der am Mittwoch zu Ende gegangenen Junioren-WM. Dort waren Sportlerinnen der Jahrgänge 2002 bis 2006 teilnahmeberechtigt.
Stefanie Grob triumphierte im österreichischen Weltcuport St.Anton in der Abfahrt, Livio Hiltbrand im Super-G. Ausserdem gewann Grob gemeinsam mit Janine Mächler in der Team-Kombination. So war das Schweizerkreuz im Medaillenspiegel zuoberst zu sehen.
Beim ewigen Rivalen sieht es hingegen eher düster aus. Nur drei Siege feierten die Österreicher in dieser Saison – weniger als Norwegen, die USA und Italien. Im Gesamtweltcup hält einzig Vincent Kriechmayr die rot-weiss-rote Flagge hoch – er steht auf Platz 5. Bei den Frauen ist Cornelia Hütter als 15. die beste Österreicherin. Auch in den Disziplinenwertungen ist eine Kristallkugel für die Österreicher so gut wie unerreichbar. Ein herber Schlag für die so erfolgsverwöhnte Ski-Nation, die noch immer dem 2019 zurückgetretenen Marcel Hirscher nachtrauert.
Aus dem Nachwuchsbereich winkt vorerst keine Besserung. Aus der Junioren-WM resultierte das schlechteste Ergebnis seit 1982: Zweimal Bronze in Super-G und der Team-Kombination war das höchste der Gefühle für Österreichs Equipe.
Mich beeindrucken aber auch immer mehr die NorwegerInnen. Ich glaube, dass es in den nächsten Jahren auf einen Dreikampf CH-AT-No herausläuft.
Aber geniessen dürfen wir die CH Siege schon.
Herzliche Gratulation zu diesem tollen Erfolg.