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Rafael Nadal legt in Netflix-Doku «Rafa» erschütterndes Geständnis ab

epa12979407 Spanish former tennis player Rafael Nadal arrives for the premiere of the 'Rafa' documentary series, in Madrid, Spain, 20 May 2026. The new documentary series about Nadal, premie ...
In einer emotionalen Netflix-Doku «Rafa» öffnet sich Rafael Nadal über sein Leben.Bild: keystone

«Ich hatte ständig das Gefühl, zu ersticken»: Nadal legt ein erschütterndes Geständnis ab

Rafael Nadal spricht in der Netflix-Dokumentation «Rafa» offen über seine seelischen Abgründe, den Missbrauch von Schmerzmitteln und den hohen Preis, den er für seine Erfolge zahlte.
31.05.2026, 10:0031.05.2026, 10:00
Simon Häring
Simon Häring

Sportlich ist es ein Moment von historischer Wucht, als Novak Djokovic Rafael Nadal am 3. Juni 2015 an dessen 29. Geburtstag im Viertelfinal der French Open bezwingt. 15'000 Menschen verfolgen das Spiel auf dem Court Philipp Chatrier, Millionen rund um den Globus vor den Fernsehern.

epa04781905 Novak Djokovic of Serbia (R) hugs after winning against Rafael Nadal of Spain during their quarterfinal match for the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 03 Ju ...
Rafael Nadal nach seiner Dreisatzniederlage bei den French Open in Paris 2015.Bild: EPA/EPA

Rituale gaben ihm Sicherheit

Doch nur ganz wenige wissen, welch inneren Sturm der Spanier, für die Augen der Weltöffentlicheit verborgen, erlebt und wie sehr er in Paris mit sich und seinen inneren Dämonen ringt. An seine Ticks hat sich  das Publikum längst gewöhnt: Wie er zwischen den Ballwechseln keinen Fuss auf eine Linie setzt. Wie er mit dem Handtuch den Schweiss aptropft. Wie er an Hosen, Leibchen und Haaren zupft. Wie er seine Flaschen anordnet.

Es sind Rituale, die er sich abgewöhnen wollte, weil er sich schämte, wenn er sich im Fernsehen sah. Das erzählt der bald 40-Jährige in der vierteiligen Dokumentation «Rafa», die seit Freitag auf Netflix läuft. «Aber ich habe es nicht geschafft. Ich habe sie gebraucht, um mich abzugrenzen», sagt Nadal.

epa07296090 Rafael Nadal of Spain arranges his water bottles during a break in his men's singles third round match against Alex de Minaur of Australia at the Australian Open Grand Slam tennis tou ...
Rafael Nadal, wie er seine Wasserflaschen pedantischs anordnet.Bild: EPA/AAP

Die spezielle Beziehung mit Onkel Toni

Abzugrenzen vom Druck und Stress, dem er seit Kindsbeinen ausgesetzt war – von seinem Onkel und Trainer Toni, der ihn betreute, seit er vier Jahre alt war. Das hatte System: Es sollte Nadal auf die Spiele vorbereiten.

Lange geht das gut, sehr lange. Nadal gewinnt Grand-Slam-Turniere, wird die Nummer 1 der Welt, einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte.

Bis er nicht mehr kann, bis alles zu viel wird. «Er hatte immer Ängste, vor allem zu dieser Zeit. Er musste immer eine Flasche Wasser dabei haben, weil er glaubte, zu ersticken», erinnert sich Francisca Perello, heute seine Frau. «Wenn ich keine Flasche in der Hand hatte, konnte ich nicht mehr schlucken. Mein Hals wurde trocken und ich hatte das Gefühl, an meiner Spucke zu ersticken», legt Nadal jetzt ein erschütterndes Geständnis ab.

Rafa Nadal's wife, Maria Francisca Perello, holds her son Rafael Junior, during a farewell ceremony at center court Philippe-Chatrier, at the Roland-Garros stadium, in Paris, Sunday May 25, 2025. ...
Nadals Ehefrau Maria Francisca Perello mit Sohn Rafael Junior.Bild: keystone

Als Nadal zum Psychiater musste

Nadal fühlt sich kraftlos, hilflos und zunehmend verzweifelt. «Ich habe versucht, mich selbst davon zu überzeugen, dass es besser wird. Doch es wurde nicht besser.» Er will die Saison abbrechen und eine längere Auszeit nehmen, doch sein Trainer und Onkel Toni stellt sich dagegen. «Er war der Meinung, dass ich mich am besten erhole, wenn ich Tennis spiele.»

Dabei steht er am Ursprung von Nadals mentaler Notlage, wie Sitzungen beim Psychiater offenbaren. «Ich stand dauernd unter Stress, musste in all den Jahren Höchstleistungen bringen.» Trotzdem nimmt er seinen Onkel in Schutz. «Die Beziehung war nicht schlecht. Ich bin dem Weg gefolgt, den mir Toni gewiesen hat. Und ich denke, es war der richtige Weg», sagt er.

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Während 28 Jahren war Onkel Toni Rafael Nadals Trainer.Bild: AP/AP

Eine Krankheit bedrohte seine Karriere

Dennoch entscheidet sich Nadal, mit Carlos Moya einen weiteren Trainer zu engagieren. Rafael Nadals Vater Sebastian, Tonis Bruder, teilt ihm die Entscheidung mit. «Ich hätte es nicht übers Herz gebracht. Ich hatte Angst, dass es ihn verletzen würde.» Es ist einer von vielen intimen Momenten.

Ein anderer ist, als Nadal 2005 erfährt, dass er am Müller-Weiss-Syndrom leidet. Die degenerative Knochenkrankheit führt zu einer Deformation des Kahnbeins im Mittelfuss und hätte auch das Ende seiner beeindruckenden Karriere bedeuten können, bevor sie richtig begonnen hatte. Eine spezielle Schuheinlage bedeutet die Rettung, die Schmerzen begleiten ihn weiter.

Rafael Nadal of Spain, right, adjusts bandages on his foot during a practice session ahead of the 2022 Wimbledon Championship at the All England Lawn Tennis and Croquet Club, Wimbledon, England in Lon ...
Der linke Fuss von Rafael Nadal hätte fast eine der grössten Karrieren im Männertennis verhindert.Bild: keystone

Exzessiver Konsum von Schmerzmitteln

Der Spanier bekämpft diese mit Medikamenten und immer drastischeren Mitteln. Als er 2022 zum 14. Mal die French Open gewinnt und seinen 22. und letzten Grand-Slam-Titel feiert, lässt er sich den Fuss vor jedem Spiel betäuben. Der exzessive Konsum von Entzündungshemmern führt zu zwei Darmperforationen. Ein Darmdurchbruch ist potenziell lebensbedrohlich.

Nur Erfolg, der erkämpft, erduldet und erlitten ist, so Nadals Überzeugung, ist wahrhaftig. Wäre es anders gewesen, glaubt er, hätte er ein Dutzend weniger Grand-Slam-Turniere gewonnen. Doch «die Freude, die ich daran hatte, das zu tun, was ich liebte, und die Begeisterung, es weiterzumachen, überwogen alles andere», sagt der Spanier. Auch Leiden und Schmerzen.

epa09997553 Rafael Nadal of Spain celebrates with the trophy La Coupe des Mousquetaires after winning against Casper Ruud of Norway in their Men?s Singles final match during the French Open tennis tou ...
2022 gewann Rafael Nadal zum 14. und letzten Mal in Roland Garros.Bild: keystone

Nadal: «Bin kein Sieger, sondern Kämpfer»

Bis zu seinem Rücktritt 2024 prägte Nadal mit Roger Federer und Novak Djokovic während zweier Jahrzehnte eine Ära des Männertennis. Federer gewann 20 Grand-Slam-Titel, Nadal 22, Djokovic steht bei 24. Anders als seine Rivalen ging Nadal nie mit dem Selbstverständnis auf den Platz, der Beste zu sein. «Ich bin kein Sieger, ich bin ein Kämpfer», sagt er selber.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Jedes der vier Grand-Slam-Turniere hat Rafael Nadal mindestens einmal gewonnen. 92 Titel zieren sein Palmarès, 63 davon auf Sand. Während 209 Wochen stand er an der Spitze der Weltrangliste, gewann Olympia-Gold im Einzel und im Doppel.

PARIS - JUNE 5: Rafael Nadal gestures as he lies on court after match point to win the Men's Final match against Mariano Puerta of Argentina on the fourteenth day of the French Open on June 5, 20 ...
2005 gewann Rafael Nadal 19-jährig gleich bei seiner ersten Teilnahme die French Open.Bild: French Select

Die Rivalität mit Roger Federer

Und doch schwingt bei ihm immer diese Frage mit: Was, wenn er nicht so oft verletzt gewesen wäre? Was, wenn er nicht so viele Turnier verpasst hätte? Nadal stellt sie sich nicht. Er sagt: «Tennis war für mich ein Rennen gegen die Zeit. Ich wusste nie, wie lange meine Karriere dauern wird.»

Sie dauerte länger, als er gedacht hatte. 40 Mal duellierte er sich mit Roger Federer. Es ist eine der faszinierendsten Rivalitäten der Sportgeschichte, die das Männertennis während Jahrzehnten in Atem hielt. Zwischen 2006 und 2017 trafen sie neunmal in einem Grand-Slam-Final aufeinander, viermal in Paris, wo Federer immer verlor, zweimal in Melbourne (1:1), und dreimal in Wimbledon, wo Federer zweimal gewann, Nadal einmal.

Spain's Rafael Nadal (R) is congratulated by his opponent Swiss Roger Federer after the semi final match at the French Open in Roland Garros, Paris, Friday 03 June 2005. Nadal won 6-3, 4-6, 6-4,  ...
Roger Federer und Rafael Nadal 2005 in Paris.Bild: EPA

Wimbledon-Final 2008 als Höhepunkt

2008 war es, als die beiden in Wimbledon zum dritten Mal in Folge im Final standen, kurz nachdem Federer in Paris eine klare Niederlage (1:6, 3:6, 0:6) hatte hinnehmen müssen. Dunkle Wolken lagen über dem Center Court und die äusseren Umstände verliehen dem Spiel eine fast biblische Dimension. Das Duell zweier Rivalen, beide im Zenit ihrer Schaffenskraft.

Den ersten Final hatte Federer in vier Sätzen gewonnen, den zweiten in fünf. «Danach sass ich alleine in der Umkleide und habe geweint. Ich habe gedacht, dass ich Wimbledon vielleicht nie gewinnen werde», sagt Nadal. «Jemanden wie Roger vor mir zu haben, hat meinen Weg klarer gemacht. Ich wusste, dass ich bei allem ans Limit gehen muss, um ihn zu besiegen.»

Im immer wieder von Regenschauern unterbrochenen Final 2008 gewinnt Nadal die ersten beiden Sätze jeweils mit 6:4, Federer sichert sich den dritten im Tiebreak, ehe der Spanier im Tiebreak des vierten mit 5:2 führt und zu zwei Matchbällen kommt, die er allerdings nicht verwerten kann.

Vor dem fünften Satz kommt es erneut zu einer Unterbrechung. Das Momentum liegt nun bei Federer. Doch als Toni Nadal einen geknickten Neffen in der Kabine erwartet, entgegnet dieser wild entschlossen: «Ich werde nicht verlieren und alles geben. Roger kann mich schlagen, aber ich werde kein Verlierer sein. Ich werde bereit sein, mehr zu leiden als er.»

Rafael Nadal falls to the ground as he defeats Roger Federer, in the Men's Singles final on the Centre Court at Wimbledon, Sunday July 6 , 2008. (AP Photo) **UNITED KINGDOM OUT: NO SALES**
Im Sommer 2008 entthronte Rafael Nadal Roger Federer in Wimbledon.Bild: AP

Um 21.15 Uhr Londoner Zeit, nach 4:48 Stunden Spielzeit, der Filzball ist wegen der hereinbrechenden Dunkelheit kaum mehr zu sehen, nutzt Nadal seinen vierten Matchball und setzt sich mit 6;4, 6:4, 6:7, 6:7, 9:7 durch. Damit beendet er die seit 2003 andauernde Siegesserie Federers, siegt erstmals in Wimbledon, als erster Spanier seit Manuel Santana 1966.

Knapp neun Jahre später sollten sich der damals 35-jährige Federer und Nadal bei den Australian Open ein letztes Mal im Final eines Grand-Slam-Turniers gegenüberstehen, diesmal mit dem besseren Ende für Federer.

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Roger Federer und Rafael Nadal im Herbst 2022 bei Federers Verabschiedung im Rahmen des Laver Cups in London.Bild: www.imago-images.de

Aus Rivalen, die sich respektieren, sind Freunde geworden, die auch miteinander weinen. Wie im Herbst 2022, als ein ikonisches Bild entsteht, das ihre Karrieren überdauert. Federer und Nadal, beide aufgelöst in Tränen, nachdem sich der Schweizer im Rahmen des Laver Cups in London, vom Tennis verabschiedet hatte – in einem Doppel mit Nadal.

Von Rafael Nadals Karriere, das zeigt die Dokumentation «Rafa», bleibt die Erkenntnis, dass er nicht trotz Ängste und Schmerzen gewann. Sondern indem er lernte, sie als Teil von sich zu begreifen und mit ihnen zu leben.

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Sicher gewöhnungsbedürftig der Baum, den Novak Djokovic für seinen Turniersieg in Paris-Bercy 2014 zu küssen versucht.
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Wie sich Federer und Nadal über Djokovic lustig machen
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Die beliebtesten Kommentare
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Lupo Thunder
31.05.2026 10:18registriert Oktober 2024
Krasse Geschichte. Für mich ist Nadal einer der Helden des Sports. War mir immer sympathisch.

Der (Lach)Werbespott mit Federer einfach genial 😂👌🤪
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