DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Croatia's Mirjana Lucic-Baroni cries as she is interviewed on the court following her win over Karolina Pliskova of the Czech Republic in their quarterfinal at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Wednesday, Jan. 25, 2017. (AP Photo/Andy Brownbill)

Mirjana Lucic-Baroni kann beim Sieger-Interview ihre Tränen nicht zurückhalten. Bild: Andy Brownbill/AP/KEYSTONE

Das kann nicht einmal Federer toppen: Das unglaubliche Comeback von Mirjana Lucic-Baroni

Mirjana Lucic-Baroni steht im Halbfinal der Australian Open. Das mag sich so nicht nach einer bemerkenswerten Schlagzeile anhören – ist es aber, wenn man sich genauer mit dem Karriereverlauf der Rückkehrerin befasst.

Donat Roduner
Donat Roduner



Um das Ausmass zu erahnen, schau dir dieses Platzinterview an (am besten mit Nastüechli in der Nähe):

Mirjana Lucic-Baroni kann ihr Glück kaum fassen. Sie hat in Melbourne eben Karolina Pliskova mit einem 6:4, 3:6, 6:4 eliminiert und steht im Halbfinal gegen Serena Williams. Dies ist der gerechte Lohn für eine, die während ihrer Karriere wesentlich mehr gelitten als gewonnen hat.

Beginnen wir die Schilderung ihrer Leidensgeschichte mit einem US-Präsidenten. Aber erstaunlicherweise nicht mit Donald Trump. Nein, wir beginnen mit Bill Clinton. Denn der war noch an der Macht, als sich Mirjana Lucic-Baroni und Serena Williams auf der WTA-Tour letztmals gegenübergestanden. Das war 1998 in Sydney, als sich die 16-jährige Amerikanerin gegen die 15-jährige Kroatin in drei Sätzen durchsetzte.

Anfänge mit Hingis

Morgen werden sich Lucic-Baroni und Serena Williams im Australian-Open-Halbfinal also nach 19 Jahren «Pause» wieder gegenüberstehen. Die beiden Pfade zu diesem Wiedersehen hätten aber unterschiedlicher fast nicht verlaufen können. Die jüngere der Williams-Schwestern hat das Frauentennis dominiert wie nur ganz wenige vor ihr. Das wurde auch Lucic zugetraut, die ebenfalls als Jahrhunderttalent gehandelt wurde. An der Seite eines ebensolchen gewann sie 1998 am Australian Open die Doppel-Konkurrenz. Ihre damalige Partnerin war Martina Hingis, die sich in Melbourne ein Jahr zuvor zur jüngsten Grand-Slam-Siegerin gemacht hatte.

Martina Hingis of Switzerland, second from right, and Mirjana Lucic of Croatia, right, hold their trophies after their 6-4, 2-6, 6-3, victory over Lindsay Davenport of the United States, second from left, and Natasha Zvereva of Belarus in the final of the women's doubles at the Australian Open in Melbourne, Australia, Friday January 30, 1998.  (AP Photo/Mike Fiala)

Hingis und Lucic (rechts) setzten sich im Doppel-Final gegen das Duo Zvereva/Davenport durch.  Bild: AP

Lucic erreichte 1999 in Wimbledon (Niederlage gegen Steffi Graf) ihren bisher ersten Grand-Slam-Halbfinal und sehr lange musste man befürchten, dass es ihr letzter bleiben würde. Die aufstrebende Tennisspielerin wurde von ihrem Vater Marinko angetrieben, sah sich aber auch dessen psychischem und physischem Terror ausgesetzt. Das ging so weit, dass die Mutter mit ihren fünf Kindern die Flucht ergriff und in den Vereinigten Staaten politisches Asyl beantragte.

Dadurch verschwand Mirjana Lucic von der Tennisbildfläche, doch sie hängte das Racket nie ganz an den Nagel. Sie schlug sich mit wenigen kleinen Turnieren durch und war in der Zeitspanne von 2004 bis 2009 an keinem Grand Slam zugegen. Danach fand sie aber allmählich den Tritt wieder. 2014 durfte sie sich sogar wieder Turniersiegerin nennen – sie hält damit mit 16 Jahren den Rekord zwischen zwei Vollerfolgen auf der WTA-Tour.

Werde jede Sekunde geniessen

Trotzdem kommt ihre jetzige Leistung am Australian Open überraschend. Auch für sie. Entsprechend sagte sie im Interview nach ihrem Viertelfinalsieg, dass sie unter «Schock» stehe. Für sie hat das Sportliche aber nur eine untergeordnete Bedeutung. Dieser Sieg mache, dass ihr Leben wieder in Ordnung sei, sagte sie unter Tränen.

«Gott ist gut!», sagte die überwältigte Mirjana Lucic-Baroni, die ihren Doppelnamen der Ehe mit einem italienischen Restaurantbesitzer in Florida zu verdanken hat. Sie weiss ihr Leiden hinter sich und kann ihr Leben wieder geniessen. Sie sagte aber auch, dass sie ihre Geschichte eines Tages erzählen werde.

Doch zuerst spielt sie den Halbfinal gegen Serena Williams, in dem sie zwar Aussenseiterin aber nicht chancenlos ist. Wieso soll sie nach der Nummer 3 des Turniers (Agnieszka Radwanska, Runde 2) nicht auch noch die Nummer 2 ausschalten? Sie selbst dämpft die Hoffnungen: «Schau dir nur diese Beine an», sagte sie in Anspielungen auf ihre diversen Tapes und Verbände. Die 34-Jährige versprach einzig: «Ich werde jede Sekunde geniessen.»

Die besten Bilder des Australian Open 2017

Das könnte dich auch interessieren:

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Diese bislang 87 Sportler:innen vertreten die Schweiz an den Olympischen Spielen in Tokio

Am 23. Juli beginnen die Olympischen Spiele in Tokio. In 33 Sportarten und 339 Wettbewerben kämpfen Athlet:innen aus der ganzen Welt um Edelmetall. Diese Schweizer:innen sind dann auch mit von der Partie.

Noch hat das Schweizerische Olympische Komitee nicht für alle Disziplinen die Nominationen bekannt gegeben. Bislang umfasst die Schweizer Delegation für Tokio 87 Sportler:innen. Wir sagen dir, wer alles dazugehört.

Artikel lesen
Link zum Artikel