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epa06222856 Switzerland's Roger Federer (R) and Spanish Rafael Nadal (L) of the Team Europe in action during the Laver Cup tennis tournament in Prague, Czech Republic, 23 September 2017. The first Laver Cup is held in Prague, Czech Republic, from 22 to 24 September 2017. It is a three-day tournament pitting a team of the six best tennis players from Europe against six opponents from the rest of the world. The tournament has been named in honor of Australian tennis legend Rod Laver.  EPA/MILAN KAMMERMAYER

Rafael Nadal und Roger Federer mischen gemeinsam die Tennis-Politik auf. Bild: EPA/EPA

Rückkehr in den Spielerrat: Federer und Nadal schauen Djokovic wieder auf die Finger

Die Rückkehr von Roger Federer und Rafael Nadal in den Spielerrat um Präsident Novak Djokovic beruhigt die überhitzt geführte Zukunftsdebatte. Die Tennis-Granden sitzen nun zwar wieder im selben Boot, ob sie in die gleiche Richtung rudern, ist indes fraglich.

simon häring / ch media



Es war ein jämmerliches Bild, das der Spielerrat in den letzten Monaten abgab. Da war mit Novak Djokovic ein Präsident, der den wegen schwerer Körperverletzung Verurteilten Justin Gimelstob entgegen jeder Vernunft und jedes stichhaltige Argument verteidigte, und im Sommer gestehen musste, die Anklageschrift nie gelesen zu haben.

Da waren die dauernden Indiskretionen, die dem Rat die Arbeit erschwerten. Da waren die drei Rücktritte unmittelbar vor Wimbledon. Und da war der nicht nur gestörte, sondern nicht mehr vorhandene Dialog zwischen Djokovic und seinen beiden grössten Kontrahenten, Roger Federer und Rafael Nadal, die den Serben für seine Rolle bei der Absetzung von ATP-CEO Chris Kermode öffentlich kritisierten.

Federer wurde am Donnerstag 38, Nadal feierte im Sommer seinen 33. Geburtstag. Die beiden befinden sich im Herbst ihrer Karriere, sie waren während eines Jahrzehnts Teil des Spielerrats, der Schweizer als Präsident, der Spanier als sein Stellvertreter. Sie könnten die Zukunft des Sports der jüngeren Generation überlassen.

«Wir haben zusammen entschieden. Weder ich noch Roger wollten alleine in den Rat zurück.»

Rafael Nadal

Doch nun kehren sie überraschend in den Spielerrat zurück, wie auch der bereits 38-jährige Österreicher Jürgen Melzer. Sie ersetzen die zurückgetretenen Robin Haase, Jamie Murray und Sergei Stachowski. Noch vakant ist die Position des Vertreters der Trainergilde. Stan Wawrinkas Trainer Dani Vallverdu hatte sein Amt ebenfalls vor Wimbledon niedergelegt.

Gemeinsamer Entscheid von Federer und Nadal

Den Entscheid fällten Federer und Nadal bereits im März in Indian Wells bei einem Kaffee. Und sie knüpften ihr Schicksal aneinander. «Wir haben zusammen entschieden. Weder ich noch Roger wollten alleine in den Rat zurück», sagt Rafael Nadal in Montreal in Abwesenheit von Federer und Djokovic. «Die letzten Diskussionen im Spielerrat waren hart. Es gibt viele wichtige Dinge zu tun und ich möchte besser darüber informiert sein, was alles los ist. Und ich möchte meine Meinung einbringen.» Das erlaubt folgende Lesart: Federer und Nadal schauen Djokovic bei dessen Arbeit im Spielerrat künftig wieder ganz genau auf die Finger.

Damit endet auch die Zeit der gegenseitigen Anschuldigungen und Ausreden. Federer hatte im Mai in Madrid auf die Frage, weshalb er sich nicht zu den Vorgängen geäussert habe, geantwortet, niemand habe an seine Tür geklopft, um seine Meinung abzuholen. Nadal hatte auf dem Standpunkt beharrt, es sei nicht seine Aufgabe, das zu kommentieren.

Und Stan Wawrinka hatte im Frühling in einem öffentlichen Brief einen «besorgniserregenden Zerfall moralischer Werte» im Tennis moniert. Novak Djokovic konterte die Vorwürfe damit, es stehe jedem frei, sich einzubringen und an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken.

Es geht bei den Diskussionen nur vordergründig um die Verteilung der Preisgelder. Im Zentrum der Debatte steht vielmehr die Weitergabe der von den Turnieren erwirtschafteten Gewinne an die Hauptakteure, die Spieler. Die Führungsstruktur der ATP verhindert eine grundlegende Reform des Verteilschlüssels.

epaselect epa07717093 Novak Djokovic of Serbia returns to Roger Federer of Switzerland in the men's final of the Wimbledon Championships at the All England Lawn Tennis Club, in London, Britain, 14 July 2019. EPA/NIC BOTHMA EDITORIAL USE ONLY/NO COMMERCIAL SALES

Novak Djokovic geriet immer mehr in die Kritik. Bild: EPA

Derzeit besteht das so genannte Board of Directors aus zwei je dreiköpfigen Kammern – den Turnierdirektoren und den Spielervertretern, die vom Spielerrat berufen werden. Den Stichentscheid hat der Präsident, derzeit noch der Brite Chris Kermode, dessen Vertrag Ende Jahr ausläuft.

Federers Interessen mit dem Laver Cup

Turniere und Spieler verfolgen diametral verschiedene Interessen. Die Turniere sind nicht gewillt, den Reibach mit den Spielern zu teilen. Deshalb kommt es bei richtungsweisenden Abstimmungen regelmässig zu Pattsituationen, die den Status quo zementieren.

Novak Djokovic hat deshalb bereits vor anderthalb Jahren die Gründung einer Gewerkschaft angeregt. Jüngst enthüllte das kanadische Ratsmitglied Vasek Pospisil, dass sich 2012 ein Grossteil der Spieler bereit erklärt hätten, die Australian Open zu boykottieren. Doch das wäre mit Verdienstausfall verbunden gewesen, und eine Konkurrenz-Serie zur ATP existiert nicht.

So sehr Roger Federer und Rafael Nadal die Zukunft des Tennis am Herzen liegen mag, aus rein altruistischen Gründen geschieht die Rückkehr nicht. Federer vertritt künftig wohl auch die Interessen des Laver Cups, und damit auch seine eigenen. Der Kontinentalwettbewerb nach Vorbild des im Golf populären Ryder Cups, findet Ende September zum dritten Mal statt, diesmal in Genf.

Dass die drei Granden nun wieder im selben Boot sitzen, dürfte vorerst zur Beruhigung der überhitzten Debatte führen. Ob Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic auch in die gleiche Richtung rudern, ist indes eine andere Frage. Das nächste Treffen des Spielerrats ist im Vorfeld der US Open angesetzt. Das Mandat der drei neu Berufenen läuft bis Wimbledon 2020.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Damir Mulic 12.08.2019 09:56
    Highlight Highlight Ich begrüße es sehr, wenn Roger und Rafa sich nun einbringen. Dann sehen sie sicher auch, gegen was für Windmühlen Novak kämpfen muss. Und vielleicht hört dann diese unfaire Rufmordkampagne gegen ihn auf.
  • Damir Mulic 12.08.2019 09:55
    Highlight Highlight Endlich wird einmal vernünftig beschrieben, womit die Spielervertretung es hier zu tun hat. Bei den US Open 2018 wurden 14% des Profits ausgeschüttet (je 7% für Männer und Frauen). Bei der NHL sind es zB über 50%. Die Bosse drohen den Spielern mit einer Klage, falls sie es wagen, eine Gewerkschaft zu gründen. Die Gimelstob Sache ist nur eine Nebelkerze, um Djokovic zu diskreditieren. Er setzt sich nämlich ehrenamtlich für die Spieler jenseits von Platz 100 ein, damit die eben auch von dem Sport leben können. Interessant hierzu die Aussagen von Vasek Pospisil.
  • atorator 10.08.2019 19:24
    Highlight Highlight Federer und Nadel haben dazu geführt, dass die ersten 10 Millionen verdienen, der Rest zahlt drauf um an der Tour dabei zu sein. Ganz toll gemacht...
    • Charlie Brown 10.08.2019 21:48
      Highlight Highlight Inwiefern?
    • Pümpernüssler 11.08.2019 10:54
      Highlight Highlight indem ja die preisgelder für alle spieler gestiegen sind 🤣
    • Charlie Brown 11.08.2019 13:27
      Highlight Highlight @atorator: Warte gespannt auf deine Präzisierung. Derweil zitiere ich dich:

      atorator
      10.08.2019 18:35
      Und das kannst Du von deinem Sofa aus beurteilen weil?
  • Jim_Panse 10.08.2019 16:36
    Highlight Highlight Spannend
    Benutzer Bild
  • Herr Ole 10.08.2019 16:24
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach ist es nicht gut, wenn die bestverdienenden Spieler im Rat derart übervertreten sind. Djokovic versuchte sich wenigstens für die Wenigverdiener einzusetzen, bei Federer und Nadal wage ich das zu bezweifeln.
    • Bettmümpfeli 10.08.2019 23:19
      Highlight Highlight Ich stimme dir soweit zu, dass die Grossverdiener tatsächlich übervertretend sind und die hinter ATP 150 gar nicht und auch Doppelspieler nicht. Dass sich Djokovic aber als einziger der drei für die Kleinen einsetzen soll glaube ich nicht. Am Besten können die immer noch selber sprechen und sollten das auch dürfen.
  • Nietundnagel 10.08.2019 15:40
    Highlight Highlight Djokovic ist einfach inkompetent.
    • Openyourmind 10.08.2019 16:26
      Highlight Highlight 🙈🙊🙉 Na, schauen wir mal ob die „Diplomaten“ Roger und Raffa endlich mal die Mut haben eigene Meinung zu ATP offen zu sagen. ATP verdient sich die „goldene Nase“ und die Spieler ab ca. 150 können vom Sport nicht wirklich leben... Finde es super dass alle drei jetzt dabei sind!
    • atorator 10.08.2019 18:35
      Highlight Highlight Und das kannst Du von deinem Sofa aus beurteilen weil?

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