Der bis dahin unbekannte Gareth Bale schiesst in einem Spiel 3 Mal das gleiche Tor
Aus der eigenen Hälfte dribbelt Gareth Bale los, tankt sich gegen mehrere Gegenspieler durch bis in den Strafraum und trifft dann mit links ins flache, rechte Eck.
Kurz vor Ende des Spiels wird Bale nach einem Ballgewinn lanciert, dringt in den Sechzehner ein und trifft erneut mit links ins flache, rechte Eck.
Eine Minute später wird der 21-Jährige im Strafraum angespielt und trifft aus beinahe identischer Position mit links ins flache, rechte Eck.
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— UEFA Champions League (@ChampionsLeague) August 1, 2025
Innert einer Halbzeit traf Bale dreimal und würde man es nicht besser wissen, könnte man die Szenen für Wiederholungen von ein und demselben Tor halten – besonders bei den ersten beiden. Jeder Treffer seines lupenreinen Hattricks kam aus der fast gleichen Position und schlug im nahezu identischen Teil des Netzes ein.
Für den Sieg reichte es an diesem Champions-League-Abend im Oktober 2010 trotzdem nicht. Dank Bales Hattrick wurde für Tottenham Hotspur aus einem 0:4-Halbzeitrückstand bei Titelverteidiger Inter Mailand lediglich eine akzeptablere Niederlage. Für den dreifachen Torschützen war es aber der Beginn seines Aufstiegs zum zwischenzeitlich teuersten Fussballer der Welt.
Mit 17 kostete er schon 15 Millionen
Bis dahin galt Bale noch als grosses Talent, kurz vor seinem 18. Geburtstag verpflichtete Tottenham ihn für knapp 15 Millionen Euro von Southampton. Zum Vergleich, wie viel Geld das damals war: Der teuerste Transfer im Sommer 2007 war jener von Fernando Torres für 38 Millionen Euro von Atlético Madrid zum FC Liverpool. Zum Stammspieler bei den Profis wurde Bale in Nordlondon aber erst im Januar 2010, zunächst als Linksverteidiger, dann im linken Mittelfeld.
Nach dem Hattrick im San Siro lobten seine Mitspieler Bale in höchsten Tönen. «Er könnte für jedes Team der Welt spielen», sagte Alan Hutton, «sein Abschluss ist tödlich und der Himmel seine Grenze.» Peter Crouch beschrieb ihn als «fantastisch und wunderbar». Bale hingegen hielt sich zurück: «Ich versuche dem, was über mich gesagt wird, nicht zu viel Beachtung zu schenken. Ich lerne noch immer dazu und hoffentlich habe ich noch viel mehr zu bieten.»
Dass dies nicht nur ein Wunsch war, zeigte er gleich zwei Wochen später, als es erneut gegen Inter Mailand ging. Beim 3:1-Heimsieg an der White Hart Lane bereitete Bale zwei Treffer vor und stellte dabei seine Dribbelstärke und Geschwindigkeit unter Beweis. Maicon – damals einer der besten Aussenverteidiger der Welt – liess er mehrmals so alt aussehen, dass die «Gazzetta dello Sport» am nächsten Tag schrieb: «Bale zerstörte Maicon. Er zog auf tausend verschiedene Arten an ihm vorbei und lieferte dann seine Flanken, die immer auf Crouchs Kopf landeten.»
Für den grossgewachsenen Crouch war Bales Leistung «nicht von dieser Welt». Spurs-Captain Tom Huddlestone fügte hinzu: «Ich weiss nicht, wie man ihn verteidigen will.» Der einzige, der erneut bescheiden blieb, war der Gepriesene selbst: «Ich geniesse es einfach, mein Spiel zu spielen. Das Team spielt gut und das macht es mir leichter, mich zu entfalten.»
Auch dank Bales Toren und Assists gewann Tottenham am Ende die Gruppe mit Inter Mailand, Werder Bremen und Twente Enschede, erst im Viertelfinal war gegen Real Madrid Endstation. Zwar gelang Bale im weiteren Verlauf der Champions-League-Saison keine weitere Torbeteiligung, doch ging sein Stern immer weiter auf. Aus der Startformation von Tottenham war der junge Spieler, der mit 15 Jahren wegen Wachstumsproblemen und damit verbunden starken Schmerzen beinahe mit dem Fussball aufgehört hatte, fortan nicht mehr wegzudenken.
Fünfmal sass er mit den Königlichen auf Europas Thron
Bale glänzte als Torschütze und als Vorbereiter, in der Premier-League-Saison 2012/13 gelangen ihm 21 Treffer und vier Assists, womit er in England zum Spieler des Jahres gewählt wurde. Danach machte ihn Real Madrid mit einer Ablösesumme von 101 Millionen Euro zum bis dahin teuersten Fussballer der Welt.
Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo und Karim Benzema bildete er das Sturmtrio «BBC», gewann direkt in der ersten Saison die Champions League. Vier weitere Male sass Bale mit den Königlichen auf Europas Thron – im Finale 2017/18 wurde er dank zweier Tore in 29 Minuten zum besten Spieler des Spiels gekürt. Er gewann ausserdem drei spanische Meisterschaften und den spanischen Cup. Im Final gegen den FC Barcelona erzielte er dabei sein wohl berühmtestes Tor.
💥¿Quién no lo recuerda?
— Real Madrid C.F. (@realmadrid) April 16, 2023
🏃 @GarethBale11
🆚 @FCBarcelona_es
📅 16/04/2014 #RealFootball | #OTD pic.twitter.com/Z1vr0PyhUT
Obwohl er immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, traf Bale bis 2019/20 in fünf von sieben Saisons bei den Blancos zweistellig. Am Ende sass er aber häufig nur noch auf der Bank, musste sich mit der Jokerrolle zufriedengeben.
Anders war dies im Nationalteam von Wales, wo er stets der unangefochtene Star war. Der Rekordspieler (111 Einsätze) und -torschütze (40 Treffer) führte sein Land bei der EM-Premiere 2016 in den EM-Halbfinal und 2022 zur ersten WM seit 1958. In Erinnerung bleibt auch sein Jubel mit der Wales-Flagge und dem Aufdruck: «Wales. Golf. Madrid. In der Reihenfolge.»
WALES, GOLF, MADRID...in that order!! #WALHUN #TogetherStronger #Bale pic.twitter.com/GRJ5cps1Dp
— Red Welsh FC (@RedWelshFC) November 19, 2019
2020/21 kehrte er leihweise zu den Tottenham Hotspur zurück, bevor er 2022 noch für ein halbes Jahr zum Ausklang der Karriere in die USA zum Los Angeles FC wechselte. Im Januar 2023 erklärte Gareth Bale, der sich einst mit drei beinahe identischen Toren der Fussballwelt präsentierte, seinen Rücktritt.
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