Sport
Velo

Die Schweizer wollen im olympischen Strassenradrennen die Flucht nach vorne suchen

Fabian Cancellara, right, and Michael Albasini, left, cyclists of Switzerland, during the welcome ceremony of the Team Switzerland in the Olympic Media Village in Rio de Janeiro, Brazil, prior to the  ...
Wie cool sind Albasini (links) und Cancellara im olympischen Strassenrennen?
Bild: KEYSTONE

Für Cancellara, Albasini und Co. gilt heute das Motto: Flucht nach vorne

Die Schweizer Radprofis gehören im olympischen Strassenrennen vom Samstag in Rio de Janeiro zu den Aussenseitern. Mit einer offensiven Fahrweise im ersten Teil wollen sie ihre kleine Chance nutzen, um die favorisierten Chris Froome und Vincenzo Nibali zu überlisten.
06.08.2016, 10:0306.08.2016, 10:27
Mehr «Sport»

«Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie.» Die oft verwendete Sportler-Phrase trifft für einmal zu. Denn eigentlich ist die 237,5 km lange Strecke mit gegen 4000 Höhenmetern für Fabian Cancellara, Michael Albasini, Sébastien Reichenbach und Steve Morabito zu schwierig, die Anstiege zu lang und zu steil. Also wird das Quartett vermutlich eine im Radsport etwas ungewöhnliche Taktik anwenden: die Flucht nach vorne mit dem Versuch, in der ersten Rennphase mit Angriffen die Favoriten zurückzubinden.

Swiss cycling athletes Fabian Cancellara, Sebastien Reichenbach, Steve Morabito and Michael Albasini, from left, pose in front of Ipanema beach prior to a media conference of the Swiss cycling team pr ...
Diese vier kämpfen heute um die erste Medaille für die Schweiz.
Bild: KEYSTONE

«Der Parcours ist etwas für die Bergfahrer. Die können warten bis zum Finale», so Michael Albasini. «Wir als Nicht-Bergfahrer müssen das Rennen zu Beginn prägen. Es ist eine All-In-Situation.» Wenn dies nicht gelinge, werde es schwierig, eine Medaille zu gewinnen, so der 35-jährige Ostschweizer. Allerdings weiss auch Albasini, dass diese Taktik im Strassenradsport nur selten aufgeht, eine Fluchtgruppe – auch wenn sie gut harmoniert – hat es nur selten bis ins Ziel schafft.

Olympische Rennen haben aber eine spezielle Eigenheit. Anders als auf der World Tour oder an einer WM dürfen die besten Teams nur mit fünf statt mit bis zu neun Fahrern antreten. Das macht es schwieriger, das Rennen zu prägen und die Verfolgung einer Fluchtgruppe zu organisieren. Zudem ist der Kreis der Siegesanwärter gross. Die Hoffnungen der Schweizer, dass sich die Favoriten gegenseitig neutralisieren könnten, sind durchaus berechtigt.

Fabian Cancellara, right, and Michael Albasini, left, cyclists of Switzerland, during the welcome ceremony of the Team Switzerland in the Olympic Media Village in Rio de Janeiro, Brazil, prior to the  ...
Michael Albasini (links) und Fabian Cancellara dürfen sich die grössten Hoffnungen machen.Bild: KEYSTONE

Dass eine Mannschaft ein olympisches Strassenrennen dominieren kann, haben in der Vergangenheit just die Schweizer bewiesen. 2012 in London fuhren sie die Konkurrenz fast in Grund und Boden – bis zum verhängnisvollen Sturz und der Aufgabe von Leader Fabian Cancellara. Dieses Jahr werden sie diese Taktik sicher nicht anwenden. «Wir kommen hier nicht über das Team zu einem guten Resultat, sondern über die Summe der Einzelfahrer», sagte Albasini.

Auch Nationaltrainer Luca Guercilena gab sich zuversichtlich: «Wir können das Rennen nicht machen, wir müssen intelligent fahren. Aber wir haben die besten vier Fahrer für dieses Rennen und diesen selektiven Parcours ausgewählt.» Die beste Situation für sein Team wäre es, wenn wir es in eine grössere, gut funktionierende Fluchtgruppe schaffen würden.

Sebastien Reichenbach, left, and Steve Morabito, right, cyclists of Switzerland, relax during the welcome ceremony of the Team Switzerland in the Olympic Media Village in Rio de Janeiro, Brazil, prior ...
Sebastien Reichenbach (links) und Steve Morabito. Reichenbach zeigte sich an der Tour de France gut in Form.
Bild: KEYSTONE

Auf wen die Schweizer am Ende tatsächlich setzen werden, wird der Rennverlauf zeigen. Cancellara, der sich auch auf das Zeitfahren vom Mittwoch vorbereitet, und vor allem Albasini werden versuchen, den Sprung in die Fluchtgruppe zu schaffen. Sie sind insofern prädestiniert dafür, als dass der Parcours auf der ersten Hälfte einer Klassiker-Strecke entspricht und teilweise sogar über Kopfsteinpflaster führt.

Die Kletter-Spezialisten Morabito und Reichenbach dürften sich dagegen an die Fersen der Bergfahrer heften und dann im zweiten, schwierigen Teil mit den dreimal acht Kilometer langen Steigungen versuchen, das Feld mit einer Attacke zu «sprengen». Auch sie müssen aber versuchen, eine Entscheidung vor dem finalen Anstieg auf die Vista Chinesa herbeizuführen. (sda)

Die kuriosesten Geschichten aus 120 Jahren Olympia

1 / 30
Die kuriosesten Geschichten aus 124 Jahren Olympia
Kein Sportanlass zieht die Menschen mehr in den Bann als die Olympischen Spiele, die seit 1896 zum weltweit wichtigsten Sportereignis geworden sind. Und keine Ausgabe der Sommerspiele blieb ohne ihre eigene kuriose Geschichte.
quelle: ap / lionel cironneau
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Unvergessene Olympia-Momente: Sommerspiele

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
«Wurden vernichtet»: Fussball-Italien sieht sich nach Pleite gegen Spanien am Abgrund
Italien leckt die Wunden. Das 0:1 gegen Spanien kam einem Offenbarungseid gleich. Nun droht das Vorrunden-Aus. Oder ein Achtelfinalduell mit der Schweiz. Apokalyptisch das eine, beunruhigend das andere Szenario.

Paola Ferrari ist eine Ikone des italienischen Sportjournalismus. Nach mehreren Operationen, welche vom Boulevard genüsslich und eng begleitet wurden, sieht sie noch fast so jung aus wie damals vor über 30 Jahren, als sie für die Rai die ersten Fussball-Formate moderierte. 65 Jahre jung ist sie heute. Sie war immer mehr als nur Staffage. Sie kommentiert bissig, analysiert scharfzüngig. Ihr Wort hat Gewicht.

Zur Story