Rast schlägt Shiffrin und gewinnt den Slalom von Kranjska Gora – Holdener starke Dritte
Ein grösseres Kompliment kann es eigentlich nicht geben. «Ich hätte nicht härter pushen können», gibt Mikaela Shiffrin leicht verblüfft zu. Die Amerikanerin muss erstmals in dieser Saison nach einem Slalom einer Konkurrentin gratulieren, Camille Rast verhindert mit einem Vorsprung von vierzehn Hundertsteln den 107. Weltcupsieg der Rekordhalterin Shiffrin.
Rast erlebt einen Jahresanfang, wie er emotionaler kaum sein könnte. In der Silvesternacht kommt es in ihrer engsten Heimat Crans-Montana zur verheerenden Brandtragödie, die mindestens 40 Todesopfer fordert. Zwei respektive drei Tage später startet die Weltmeisterin aus dem Wallis in Kranjska Gora mit Trauerflor - und schafft ein fast schon sensationelles Double. Eins allerdings, das irgendwie mit Ansage kommt.
Rast und Shiffrin in einer eigenen Liga
Vor dem Jahreswechsel war Rast am Semmering in Riesenslalom und Slalom zweimal Zweite geworden. «Nach diesen zwei zweiten Plätzen hatte ich noch Hunger», erklärt sie gegenüber SRF mit einem leichten Schmunzeln. «Es ist aber schon unglaublich, dass es an diesem Wochenende so gut läuft, hätte ich nicht gedacht.» Am Samstag feiert Rast ihren ersten Weltcupsieg im Riesenslalom überhaupt, am Sonntag folgt der dritte im Slalom, nach deren zwei im letzten Winter.
Rast und Shiffrin fahren in einer eigenen Liga. In beiden Läufen legt die Amerikanerin vor, zweimal kontert die Schweizerin mit Laufbestzeit. Was besonders beeindruckt, ist die Nervenstärke. Wenn Rast nach dem ersten Lauf führt, bringt sie den Sieg auch ins Ziel. Das Double Slalom/Riesenslalom schaffte in Kranjska Gora vor genau 50 Jahren auch die Waadtländerin Lise-Marie Morerod.
Die Unterwalliserin ist die erste Schweizerin seit Erika Hess 1983, die am Podkoren in Kranjska Gora im Slalom triumphiert. Die Innerschweizerin gewann in jener Saison auch den Gesamtweltcup und Rast? Daran will sie nicht denken. «Das Wichtigste ist es, gesund zu bleiben», betont sie. Im Moment passe es perfekt. «Weiter trainieren und schnell fahren», heisst die Devise. «Und nicht zu viel denken.» Der Rückstand auf Shiffrin beträgt nach knapp der Hälfte des Pensums noch 120 Punkte.
Holdeners Erleichterung
Im Ziel strahlt in Kranjska Gora auch noch eine zweite Schweizerin. Nach zwei vierten sowie je einem sechsten, siebten und achten Platz gelingt Wendy Holdener erstmals seit neun Slaloms wieder der Sprung aufs Podest - zum 39. Mal in ihrer Karriere. «Ja, das tut sehr gut», meint die 32-jährige Schwyzerin.
«Ich habe viel am Mindset gearbeitet, die Offensivität (!) gesucht», erklärt die WM-Zweite. «Dass ich es einfach gehen lasse, nicht auf der Linie hocke, nicht alles perfekt machen will.» Auf Teamkollegin Rast verliert Holdener stolze 1,83 Sekunden, doch das ist in dem Moment egal. «Bei den beiden sieht es derzeit so leicht aus», stellt Holdener bewundernd fest.
Dahinter schafft Mélanie Meillard mit dem 12. Platz ihr Saisonbestresultat und die halbe Olympiaqualifikation. Ihren 9. Platz vom Semmering nicht ganz bestätigen kann Eliane Christen, als 23. gibt es aber erneut Punkte.
Eine spezielle Geschichte schreibt Noa Szollos. Mit Startnummer 70 fährt die 22-Jährige in den 28. Rang und holt die ersten Weltcup-Punkte für Israel. Als Belohnung soll es nun von den Eltern eine Katze geben, verrät sie dem ZDF. (riz/sda)
