Unvergessen
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Austrian auto racer Niki Lauda, following his near fatal crash at the West German Grand Prix six weeks ago, announced he would start at the Italian Grand Prix at Monza, Sept. 12. (AP Photo) (KEYSTONE/AP/)

Niki Lauda an der Pressekonferenz vor dem GP von Italien – 42 Tage nach seinem Horrorunfall. Bild: AP

Laudas Horror-Crash auf dem Nürburgring

Unvergessen

01.08.1976: Niki Lauda überlebt die 800 Grad heisse Feuerhölle und kehrt sagenhafte 42 Tage später wie durch ein Wunder zurück

1. August 1976: Niki Lauda dominiert als Weltmeister die Formel-1-Saison. Doch beim GP auf dem Nürburgring, der als «grüne Hölle» bekannt ist, muss er durch die Feuerhölle und entkommt nur mit viel Glück dem Tod.



Niki Lauda, der akribische Arbeiter und Perfektionist ist auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. 1975 hat er erstmals die Formel-1-WM für sich entschieden. Auch im folgenden Jahr scheint der Österreicher im zuverlässigen und schnellen Ferrari 312T nicht aufzuhalten zu sein. Von den ersten neun Rennen gewinnt er fünf und fährt nur einmal nicht auf das Podest. In der WM-Wertung liegt der 27-Jährige deutlich voraus. Jetzt steht der GP von Deutschland, der zehnte von 16 Grand Prix, auf dem Programm.

Die Bedingungen am Nürburgring sind denkbar schwierig. Bis kurz vor dem Start regnete es. Die Fahrer sind sowieso nicht glücklich mit der Austragung des GP auf dem Nürburgring, da sie – insbesondere auch Lauda – erhebliche Sicherheitsbedenken haben. Dies nicht zuletzt deshalb, weil zuvor der GP von Grossbritannien nach einem Unfall, Neustart und späteren Disqualifikation von James Hunt im Chaos endet.

FILE - In this Oct. 24, 1976, file photo, Austrian auto racer Niki Lauda, right, defending champion in world driving, and James Hunt, of Britain, look at the rain before the start of the Japan Grand Prix Formula One auto race at Fuji International Speedway, Gotemba, Japan. Director Ron Howard was not particularly a racing fan when he began making

Niki Lauda (r.) mit seinem härtesten Konkurrenten James Hunt vor dem entscheidenden Rennen 1976 in Japan. Bild: AP

Im Rennen dauert es nur bis zur zweiten Runde, als das Unglück geschieht. Niki Lauda verliert bei Tempo 220 in einer Linkskurve die Kontrolle über seinen Ferrari. Der Bolide bricht nach rechts aus, Lauda prallt gegen eine Felswand und wird im Auto zurück auf die Strecke geschleudert. Dort wird der lichterloh brennende Wagen auch noch von Brett Lunger gerammt. TV-Bilder gibt es keine, da der Streckenabschnitt nicht abgedeckt wird. Aufnahmen macht lediglich ein Zuschauer. Warum es zum Unfall kommt, wird nie endgültig geklärt. Man vermutet einen Bruch des rechten hinteren Längslenkers.

Die Konkurrenten halten an und versuchen dem Österreicher zu helfen. Doch Brett Lunger, Guy Edwards und Harald Ertl kommen nicht an das Cockpit heran. Fast 200 Liter Benzin sorgen für ein Flammeninferno, das bei bis zu 800 Grad lodert. Lauda muss gemäss unterschiedlicher Quellen 30 bis 50 Sekunden in der Feuerhölle aushalten. Sein Helm ist vom Kopf gesprungen, er trägt einzig eine Kopfhaube, die zwar an einigen Stellen gegen Feuer schützt, aber nicht dort, wo eigentlich der Helm sitzen würde.  

«Rush»

Das Duell zwischen James Hunt und Niki Lauda im Jahr 1976 wurde mit dem – auch für Nicht-Formel-1-Fans – sehr sehenswerten Film «Rush» in Hollywood-Manier aufgearbeitet. Hier geht es zur offiziellen Webseite des Streifens.

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Der Unfall von Lauda 1976. TV-Kameras deckten den Streckenabschnitt nicht ab. Die Aufnahmen sind von Zuschauern. Video: Youtube/saettabredin

Unglaubliches Comeback 42 Tage später

Endlich kann sich mit Arturo Merzario einer der Konkurrenten zu Lauda herankämpfen, öffnet die Sitzgurte und zieht den Fahrer aus dem Ferrari. Merzario erinnert sich 36 Jahre später an diese Augenblicke: «Als ich zum Auto lief, hörte ich Nikis Schreie. Als ich ankam, war er schon bewusstlos, hing leblos in den Gurten. Die waren von seinem verzweifelten Kampf gegen den Tod total verdreht. Als ich ihn frei bekam und rausziehen konnte, war er dann leicht wie eine Feder.»

Lauda fällt im Spital ins Koma und kämpft vier Tage gegen den Tod. Die Überlebenschancen sind gering. Neben üblen Verbrennungen erleidet er zwei Rippenbrüche und einen Jochbeinbruch. Schlimmer als die Verbrennungen ist seine verätzte Lunge, da der Pilot im Feuer giftige Gase einatmete. 

epa04323148 Niki Lauda, non-executive chairman of the Mercedes AMG Petronas F1 Team, watches the qualifiying at the Hockenheimring circuit in Hockenheim, Germany, 19 July 2014. The Formula One Grand Prix of Germany will take place on 20 July 2014 at the Hockenheimring.  EPA/DAVID EBENER - POOL

Niki Lauda ist heute wieder in der Formel 1 tätig. Bild: EPA

Doch Laudas unbändiger Wille bringt ihn zurück. Er erwacht aus dem Koma und kämpft sich auf wundersame Weise zurück. Nur 42 Tage nach dem Horror-Crash startet er zum GP von Italien in Monza. Ein Kopfverband, das seither typische weggebrannte rechte Ohr und Schwellungen zeugen noch von seinem Unfall. Selbst sein Team rechnete nicht mit einer so schnellen Rückkehr und hatte bereits Carlos Reutemann als Ersatzfahrer gemeldet. Ferrari startet daher mit drei statt zwei Autos zum GP.

Nur zwei Rennen hat er verpasst, seinen Heim-GP und den Grand Prix von Holland. Die Ärzte geben am Donnerstagabend grünes Licht, am Freitag sitzt Lauda im Cockpit. Doch die Angst holt ihn ein und er bricht die erste Fahrt ab. Das Rennen bestreitet er dann aber trotzdem und fährt den sensationellen 4. Rang hinaus. 

epa03890173 Austrian former Formula One racing driver Niki Lauda and his wife Birgit Lauda arrive for the premiere of 'Rush' at the Gartenbau Theater in Vienna, Austria, 30 September 2013. The movie opens in Austrian theaters on 03 October.  EPA/HANS PUNZ

Lauda mit Frau Birgit an der Premiere des Films «Rush». Bild: EPA

Lauda führt nach dem GP in Monza in der WM-Wertung noch immer mit 17 Zählern Vorsprung (Punkteverteilung: Die ersten sechs Plätze werden mit 9, 6, 4, 3, 2 und 1 Punkt belohnt). Lauda beendet den folgenden GP von Kanada auf Rang 8 und den GP der USA auf Platz 3. Da Konkurrent James Hunt zweimal gewinnt, liegt der Brite vor dem letzten Saisonrennen in Fuji nur noch drei Zähler hinter Lauda.

Lauda gibt im entscheidenden Rennen nach zwei Runden auf

Am Renntag regnet es heftig und Nebel hängt über der Strecke. Nach Diskussionen entscheiden die Organisatoren das Rennen zu starten. Lauda tritt zwar an, fährt seinen Wagen aber nach der zweiten Runde in die Box und steigt aus. «Ich will mich nicht noch einmal umbringen», soll er den überraschten Mechanikern gesagt haben.

epa04271323 Niki Lauda during a photo-op for the legends race at the Red Bull Ring in Spielberg, Austria, 21 June 2014. The 2014 Formula One Grand Prix of Austria will take place on 22 June 2014.  EPA/HANS KLAUS TECHT

Er kann es nicht lassen: Lauda beim Legendenrennen 2014 vor dem GP von Österreich. Bild: EPA

Hunt braucht damit den 4. Rang zum WM-Titel. Obwohl er kurz vor Schluss noch einmal zurückfällt, überholt er in den letzten Runden wieder einige Konkurrenten und beendet das Rennen auf Rang 3. Dass er Weltmeister ist, weiss er zu Beginn aber nicht. Da die Funkverbindung nicht funktionierte und im Regen die Rennkommissare die Übersicht verloren hatten. 

Trailer zu «Rush»

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Lauda holt sich den WM-Titel 1977 wieder und ein letztes Mal 1984. 1985 tritt er zurück. 1979 gründet er als Unternehmer die «Lauda Air», welche 2002 von den Austria Airlines übernommen wird. Lauda kehrt unter anderem als Berater in die Formel 1 zurück und besitzt heute Anteile am Mercedes-Team. Er leiht seine Stimme «The King» im Disney-Pixar-Film «Cars», ist als Experte bei RTL tätig und äussert immer wieder seine kritische Meinung zur Königsklasse.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 

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Sennas tödlicher Unfall in Imola: «Als hätte man Jesus live ans Kreuz genagelt»

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