Warum in Kanada alle von MMIWG2SLGBTQQIA+ sprechen
Ein Akronym sollte kurz sein – das zeigt sich ja schon im deutschen Synonym «Abkürzung». Mit dieser Definition nahm es die Schöpferin oder der Schöpfer des neuen Akronyms MMIWG2SLGBTQQIA+ nicht ganz so genau. Es steht als Sammelbegriff für vielfältige sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten und schliesst dabei noch indigene Frauen und Mädchen ein – ist also quasi eine Ergänzung zum bekannten LGBTQ+.
Das Akronym hat wegen seiner Länge zu einer massiven Resonanz im Internet geführt, nachdem es die kanadische Politikerin Leah Gazan kürzlich mehrmals in einer Rede im kanadischen Unterhaus genutzt hatte. Die 54-Jährige ist halb Lakota, ein indigenes Ureinwohnervolk Kanadas, das zu den sogenannten «First Nations» gehört.
In ihrer Rede kritisierte sie, dass die kanadische Regierung unter Premierminister Mark Carney den beiden Behörden «Indigenous Services Canada» und «Crown-Indigenous Relations» sieben Milliarden US-Dollar des Budgets streicht. Hier sind ein paar Ausschnitte ihrer Rede – und die Aufschlüsselung, wofür MMIWG2SLGBTQQIA+ überhaupt genau steht:
MMIWG2SLGBTQQIA+ steht für «Missing and Murdered Indigenous Women and Girls, Two-Spirit, Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Questioning, Intersex and Asexual». Der Sammelbegriff fasst also konkret zusätzlich zum bekannten LGBTQ+ auch noch explizit indigene Frauen und Mädchen mit ein – und zwar auch solche, die als vermisst gelten oder ermordet wurden.
Verschwundene und ermordete indigene Frauen und Mädchen sind in Kanada ein bedeutendes und gut dokumentiertes Problem, schreibt «Newsweek». Die vollständige Abkürzung wird seit Jahren in Regierungs-, Interessenvertretungs- und Gemeinschaftskontexten verwendet, um die Intersektionalität zu betonen. Sie ist bewusst lang gehalten, um all jene zu benennen, die in der Vergangenheit aus den nationalen Debatten über Gewalt, Gerechtigkeit und Sicherheit ausgeschlossen wurden.
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Ebenfalls Teil der Abkürzung ist «Two-Spirit». Dabei handelt es sich um einen Begriff, der von einigen indigenen Völkern der First Nations verwendet wird, um Menschen zu beschreiben, die sowohl männliche als auch weibliche Geister in sich vereinen. Zusätzlich auch «Questioning» ins Akronym aufgenommen, das Personen beschreibt, die Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder dem eigenen Geschlechtsausdruck sind.
Auch Intergeschlechtlichkeit und Asexualität werden genannt. Intergeschlechtlichkeit bezeichnet Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale – etwa die Chromosomen oder Genitalien – nicht der typischen Definition von rein männlich oder weiblich entsprechen. Asexuell sind Menschen, die wenig bis keine sexuelle Anziehung verspüren.
Militärausgaben auf Kosten der indigenen Bevölkerung
Leah Gazan kritisiert, dass die kanadische Regierung – obwohl sie liberal sei – aktuell 13 Milliarden US-Dollar ins Militär investiere. Dies gehe auf Kosten von Vertreterinnen und Vertretern von «MMIWG2SLGBTQQIA+», weil gleichzeitig das Budget ebenjener Behörden gekürzt werde, die sich um indigene Angelegenheiten kümmern.
Sie kritisierte auch Premierminister Mark Carney persönlich. Dieser kümmere sich nicht um die Bedürfnisse der indigenen Bevölkerung – und dies in Zeiten, in denen die Gewalt gegen diese steige.
