Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
People watch a TV screen showing images of North Korean leader Kim Jong Un, right, South Korean President Moon Jae-in, center, and U.S. President Donald Trump at the Seoul Railway Station in Seoul, South Korea, Wednesday, March 7, 2018. After years of refusal, North Korean leader Kim Jong Un is willing to discuss the fate of his atomic arsenal with the United States and has expressed a readiness to suspend nuclear and missile tests during such talks, a senior South Korean official said Tuesday. Korean letters on the screen read:

Menschen verfolgen die News an einem TV-Bildschirm an einem Bahnhof in Südkorea. Bild: AP/AP

Analyse

Warum Xi Trump hilft, Kim in den Griff zu bekommen

China ist nicht mehr bereit, das nordkoreanische Regime zu stützen. Trumps riskantes Spiel könnte daher Erfolg haben.



Als Donald Trump am vergangenen Donnerstag erfuhr, dass sich der südkoreanische Sicherheitsberater Chung Eui-yong im Weissen Haus aufhielt, bat er ihn zu sich ins Oval Office und erfuhr dabei, dass Kim Jong Un sich gerne mit ihm treffen würde. Der US-Präsident fackelte nicht lange und sagte auf der Stelle zu.

South Korean national security director Chung Eui-yong, center, speaks to reporters at the White House in Washington, Thursday, March 8, 2018, as intelligence chief Suh Hoon, left and Cho Yoon-je, the South Korea ambassador to United States listen. President Donald Trump has accepted an offer of a summit from the North Korean leader and will meet with Kim Jong Un by May, a top South Korean official said in a remarkable turnaround in relations between two historic adversaries. (AP Photo/Andrew Harnik)

Der südkoreanische Sicherheitsberater bei der Pressekonferenz in Washington. Bild: AP/AP

Einmal mehr hatte Trump alle überrumpelt: seine Mitarbeiter, seinen Aussenminister und die Welt. Aus dem Bauch heraus hatte er entschieden, sich mit dem nordkoreanischen Diktator an einen Tisch zu setzen, getreu seinem Motto: «Ich allein kann es richten.»

Der geplante Gipfel stösst auf Kritik

Das sei ein viel zu riskantes Unterfangen, wurde Trump sofort kritisiert. Verständlich. Bisher hat der Präsident weder eine erkennbare geopolitische Strategie erkennen lassen, noch kann er sich auf einen fähigen Stab stützen.

Aussenminister Rex Tillerson gilt als Nullnummer, und ein Drittel der Stabsstellen in seinem Amt sind nicht besetzt. Die Tatsache, dass sich Trump und Kim regelmässig beschimpfen, spricht ebenfalls nicht für ein solches Treffen.

Andererseits kann Trump zu Recht darauf hinweisen, dass die Bemühungen seiner Vorgänger nicht eben erfolgreich waren. Seit 1992 verhandeln die USA mit Nordkorea. Sie konnten dabei nicht verhindern, dass Nordkorea zu einer Atommacht wurde, und es gelang auch nicht, das skrupellose Regime zu destabilisieren. Viel desolater kann die Situation so gesehen nicht mehr werden.

Wie der Koreakrieg begann

Am 25. Juni 1950 fielen nordkoreanische Truppen in Südkorea ein, eroberten innert vier Tagen die Hauptstadt Seoul und brachten die südkoreanischen Truppen an den Rand einer Niederlage. Die UNO erteilte daraufhin einer internationalen Streitmacht unter amerikanischer Führung ein Mandat, einzugreifen.

Smoke rises over debris-littered streets as tanks lead U.N. forces in the recapture of Seoul, Korea, Sept. 28, 1950. (AP Photo/Max Desfor)

September 1950: US-Truppen erobern Seoul zurück. Bild: AP NY

Dank grosser Luftüberlegenheit konnte General Douglas MacArthur die Nordkoreaner bald wieder hinter die Grenze, den ominösen 38. Breitengrad, zurückdrängen. Daraufhin wurde er übermütig und stiess bis zur chinesischen Grenze vor in der Annahme, die ausgepowerte Steinzeit-Armee von Mao Zedong würde es auf keinen Fall wagen, die modern ausgerüsteten US-Truppen anzugreifen.

Das war ein verhängnisvoller Irrtum. Die Chinesen warfen rund 300’000 Soldaten in den Krieg und brachten den Amerikanern schwere Verluste bei. MacArthur wurde seines Amtes enthoben. Der Krieg dauerte noch drei Jahre weiter, forderte grosse Opfer und endete in einem Waffenstillstand, der heute noch gültig ist.

Warum die alte China-Nordkorea-Doktrin überholt ist

Seit diesem Krieg gilt es als gesetzt, dass Peking es niemals akzeptieren werde, dass das kommunistische Regime gestürzt und Korea unter US-Oberaufsicht vereinigt wird. Amerikanische Truppen an der eigenen Grenze seien ein absolutes No-Go, so die gängige Doktrin. Daher würden die Chinesen die US-Bemühungen, das Kim-Regime zu stürzen auch nur halbherzig unterstützen.

Diese Doktrin ist möglicherweise von der Realität überholt worden. In einem Essay in «Foreign Affairs» stellte die Politologin Oriana Skylar Mastro kürzlich fest, dass China Nordkorea nicht mehr aus der Patsche helfen würde, und nannte dafür drei Gründe.

epa06597782 Chinese President Xi Jinping (R) meets with Republic of Korea's National Security Advisor Chung Eui-Yong (L) and South Korean Ambassador to China Noh Young-min (not pictured) at the Great Hall of The People in Beijing, China, 12 March 2018.  EPA/ETIENNE OLIVEAU / POOL

Präsident Xi (rechts) begrüsst den südkoreanischen Sicherheitsbeauftragten Chung Eui-yong. Bild: EPA/GETTY IMAGES / POOL

Gemäss Mastro sind Kim und Xi alles andere als beste Freunde. «Der chinesische Präsident hat Kim noch nie getroffen. Gemäss chinesischen Wissenschaftlern, die Zugang zu den höchsten Kreisen der Partei haben, verachtet er das nordkoreanische Regime.»

Die chinesische Bevölkerung verspürt ebenfalls keine Liebe zum Nachbarn. «Der chinesische Wissenschaftler Zhu Feng hat in ‹Foreign Affairs› erklärt, dass es sehr populär wäre, das nordkoreanische Regime fallenzulassen», schreibt Mastro.

Die chinesische Armee sei nicht mehr auf den nordkoreanischen Puffer gegen die US-Truppen angewiesen, lautet der zweite Punkt von Mastro. «In den letzten beiden Jahrzehnten hat die Modernisierung der Truppen, zusammen mit den geografischen Vorteilen, sicher gestellt, dass die chinesische Armee jederzeit sehr schnell grosse Teile von Nordkorea besetzen könnte, bevor US-Truppen dazu in der Lage wären.»

Ein Atomkrieg würde China in Mitleidenschaft ziehen

Schliesslich hat China überhaupt kein Interesse an einem Atomkrieg auf der koreanischen Halbinsel. Es müsste damit rechnen, selbst in grossem Umfang davon betroffen zu werden. Deshalb ist eine Wiedervereinigung der beiden Korea aus chinesischer Sicht denkbar geworden. «Selbst Xi hat sich dafür ausgesprochen, allerdings längerfristig», so Mastro.

Ob es Trump mit Hilfe von Xi gelingen wird, Kim in den Griff zu bekommen, ist fraglich. Ja, derzeit ist es noch unsicher, ob das Treffen überhaupt zustande kommen wird. Einen Versuch ist es wert. Die Lage ist so verfahren, dass selbst Trump und Kim nicht mehr viel Schaden anrichten können.

Trump 2018

Hillary Clinton überrascht bei den Grammys das Publikum – und Donald Trump ...

Link zum Artikel

Die Trump-Show verzückt die Manager, doch nicht alle lassen sich aus dem Takt bringen

Link zum Artikel

«Die amerikanische Demokratie wird weitere sieben Jahre Trump nicht überleben»

Link zum Artikel

Chef-Korrespondent der «New York Times»: «Die Leute sind hungrig auf Trump-Storys»

Link zum Artikel

Der Bundesrat will Trump am WEF bezirzen – und wird wohl bitter enttäuscht

Link zum Artikel

Geheime Screenshots aufgetaucht – weshalb Donald Trump WIRKLICH in die Schweiz kommt 😂

Link zum Artikel

Zu fett, Haarausfall, geistig «topfit» – Trumps Gesundheitszustand in 4 Punkten

Link zum Artikel

Jetzt räumen die Milliardäre auf – das sind die Folgen des Trump/Bannon-Krieges

Link zum Artikel

«Ein Krieg in Korea wäre wirtschaftlich zu verkraften»

Link zum Artikel

Die Hatz auf Mueller wird zur Gefahr für die US-Demokratie

Link zum Artikel

Trump und die «Pipi-Tapes»: Wer lügt?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

500 Meter hohes Korallenriff in Australien entdeckt

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
bokl
12.03.2018 19:31registriert February 2014
Punkt 4: China hat erkannt, dass es eine Wiedervereinigung extrem teuer und langwierig wäre. Die Kräfte der USA / Südkorea wären über Jahre absorbiert und China könnte seine geopolitischen "Ideen" in Asien ungestört umsetzen und somit wirklich auf den Puffer verzichten, respektive langfristig sogar ein vereinigtes Korea unter seinen Einflussbereich bringen.
404
Melden
Zum Kommentar
raues Endoplasmatisches Retikulum
12.03.2018 20:25registriert July 2017
Btw, ich möchte Herr Löpfe noch für den gelungenen Artikel danken, endlich einmal ein Artikel über Trump, der das übliche Schema durchbricht.
353
Melden
Zum Kommentar
Richu
12.03.2018 19:38registriert May 2016
Leider wurde am Schluss dieses Berichtes folgende, fast grobfahrlässige, Falschaussage gemacht: "Die Lage ist so verfahren, dass selbst Trump und Kim nicht mehr viel Schaden anrichten können". Wer also der Meinung, Kim oder Trump könnte beispielsweise mit der Auslösung eines Atomkrieges nicht mehr viel Schaden anrichten, der versteht in diesem Falle wirklich nicht viel von Politik!
2711
Melden
Zum Kommentar
5

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Bereits am 29. November kann das Schweizer Stimmvolk erneut wählen gehen. Zum Beispiel über die Konzernverantwortungsintiative. Diese fordert, dass globale Konzerne mit Sitz in der Schweiz einem zwingenden Regelwerk unterstellt sind, wenn es um die Beachtung von Menschenrechten und Umweltschutz bei ihren weltweiten Tätigkeiten geht.

Oder einfach gesagt: Schweizer Unternehmen und ihre Tochterfirmen könnten für ihre Tätigkeiten im Ausland rechtlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel