DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Diesel-Affäre: Audi-Chef Stadler festgenommen



Erdbeben bei der VW-Tochter Audi: Vorstandschef Rupert Stadler sitzt als erster Manager aus der obersten Führungsriege im Dieselskandal in Untersuchungshaft. Der 55-Jährige, der Audi seit 2007 führt, wurde am Montagmorgen zuhause in Ingolstadt festgenommen, wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilte. Es bestehe Verdunkelungsgefahr.

Diesen Haftgrund führt die Justiz an, wenn sie befürchtet, dass Verdächtige Beweismittel vernichten oder Zeugen beeinflussen wollen. Stadler soll spätestens am Mittwoch vernommen werden, sagte ein Justizsprecher.

In Ingolstadt und Wolfsburg schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Der Audi-Chef wurde nur wenige Stunden vor einer regulären Sitzung des VW-Aufsichtsrates verhaftet, bei der auch seine Zukunft Thema sein sollte.

epa06817871 (FILE) - CEO of Audi AG, Rupert Stadler, holds a folder with documents prior to the beginning of the annual General Meeting of Audi AG in Ingolstadt, Bavaria, Germany, 09 May 2018 (reissued 18 June 2018). According to reports, Stadler was detained by the police on 18 June 2018. Public prosecutors on 11 June 2018 raided the home of Audi CEO Rupert Stadler to gather evidence in the Diesel emission scandal. Stadler is suspected of fraud and denies any wrongdoing.  EPA/LUKAS BARTH *** Local Caption *** 53388734

In Haft: Audi-CEO Rupert Stadler. Bild: EPA/EPA

Erst vor einer Woche waren die Ermittler bei Stadler und einem weiteren Audi-Vorstand zuhause zur Razzia angerückt. Den beiden Spitzenmanagern wird unter anderem Betrug zur Last gelegt. Sie sind die ersten amtierenden Vorstände unter den Beschuldigten.

Seither steht Stadler noch stärker im Feuer als in den vergangenen gut zweieinhalb Jahren seit Bekanntwerden der Abgasaffäre ohnehin. Dem Manager wird auch intern eine schleppende Aufarbeitung des Skandals vorgehalten, obwohl Audi als Keimzelle der Abgasschummeleien gilt. Stadler hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sein Anwalt lehnte am Montag eine Stellungnahme ab.

«Das ist der Hammer.»

Ein VW-Insider

Volkswagen und Audi erklärten, für Stadler gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Ein Sprecher des VW-Eigners Porsche SE sagte: «Es ist klar, dass sich der VW-Aufsichtsrat mit dem Thema beschäftigen wird.»

epa06787001 Audi AG's new Audi Q8 is displayed during the Q8 world premiere at Audi China Brand Summit in Shenzhen, China, 05 June 2018. The Q8 is the successor to the Q7.  EPA/STRINGER

Der Audi Q8 wurde im Juni in Shenzen vorgestellt. Bild: EPA/EPA

Von Rekord zu Rekord

Weil die Eigentümerfamilien Porsche und Piech bisher ihre schützende Hand über ihn hielten, überstand Stadler in der Vergangenheit mehrere Scherbengerichte. Der Bayer, der seit 1990 bei Audi arbeitet, war lange Jahre Büroleiter des früheren VW-Chefs Ferdinand Piech. Zudem führte er die Marke mit den vier Ringen einst von Rekord zu Rekord und machte sie – neben Porsche – zu einer der ertragreichsten Töchter im VW-Konzern.

Fünf Razzien, zwei wegen des Skandals vor die Tür gesetzte Entwicklungschefs und eine lange Reihe von Negativschlagzeilen sorgten aber für tiefe Kratzer an Stadlers Image.

Fassungslos äusserten sich am Montag Insider aus dem VW-Konzern. «Das ist der Hammer.» Man sei «vollkommen überrascht», hiess es. Stadler selbst sei bei seiner Verhaftung überrascht, aber gefasst gewesen, sagte eine Person mit Kenntnis der Vorgänge.

Stadler schweigt

Bei der Ermittlungsrichterin, die die Untersuchungshaft angeordnet hatte, machte der Audi-Chef keine Angaben zur Sache, wie Oberstaatsanwalt Stephan Necknig sagte. Stadler wolle sich vor einer Vernehmung erst mit seinem Anwalt beraten. Die Verteidigung habe bisher noch keine Erklärungen abgegeben.

Der Justizsprecher sagte weiter, der Haftbefehl gegen den Audi-Chef gehe nicht auf einen Wunsch der US-Behörden zurück. Es gehe um europäische Fahrzeuge. Stadler wird vorgeworfen, Diesel-Autos mit manipulierter Software weiter auf den europäischen Markt gebracht zu haben.

«Ein weiterer Tiefpunkt»

«Die Verhaftung ist ein weiterer Tiefpunkt in der VW-Dieselsaga», schrieb Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI. «Warum haben die Aufsichtsräte von Audi und VW nicht früher etwas unternommen?»

Über Stadlers unmittelbar bevorstehende Ablösung wurde seit Bekanntwerden des Dieselskandals immer wieder öffentlich spekuliert. Belastbare Hinweise für ein Fehlverhalten des Audi-Chefs lagen allerdings Insidern zufolge bislang nicht vor. Auch in der vergangenen Woche hätten die hausinternen Juristen keine neuen Entwicklungen gesehen. Einen Rücktritt lehnte Stadler in der Vergangenheit ab.

Im VW-Konzern ist der Audi-Chef nicht der einzige aktive Spitzenmanager im Fadenkreuz der Ermittler: Gegen den Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Für den VW-Chef werden die Ermittlungen gegen Stadler zusehends zu einem Problem. Denn er setzt bisher beim Umbau des Wolfsburger Mehr-Markenkonzerns auf den Audi-Chef. Stadler leitet die wichtige Premiumgruppe der Wolfsburger mit der Marke Audi an der Spitze. (awp/sda/dpa/mlu/aeg)

Warum ist Diesel tödlich?

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Analyse

Das Macho-Auto wird elektrisch – und zur Hoffnung der Grünen

Der Ford F-150 hat eine elektrische Schwester erhalten. Sie ist kräftiger und schneller als ihr Benzin-Bruder.

Was für ein Auto fährt ein typischer Redneck, der die Regierung hasst, Klimaerwärmung für eine Erfindung von Woke-Schneeflocken der Städte hält und der ganzen Welt demonstrieren will, dass er ein richtiger Mann ist? Richtig, einen Pickup-Truck Ford F-150.

So wie der Toyota Pickup zu Rebellen- und Terror-Gruppen weltweit gehört, gehört dieses Auto zur konservativen weissen Männer-Kultur der USA. Keine Trump-Demo wäre komplett ohne den Ford F-150 mit einer Ladefläche voll muskulösen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel