DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

IT-Start-ups sind ein bedeutender Bestandteil der israelischen Wirtschaft geworden.

Interview

«Jüdische Mütter sind die Grundlage des israelischen Start-up Wunders»

Nach Silicon Valley ist Israel der attraktivste Ort für IT-Start-ups geworden. Warum jüdische Mütter dabei eine bedeutende Rolle spielen, wie die Armee die Risiko-Kultur fördert und wie man auch als Schweizer Kleininvestor an diesem Boom teilnehmen kann, erklärt Jonathan Medved von Our Crowd, dem grössten Funds der Szene.



15 Prozent des weltweiten Wagniskapitals fliessen nach Israel. Wie erklären Sie das?
Nach dem Silicon Valley ist Israel die zweitwichtigste Quelle der Innovation geworden. Das betrifft eine breite Palette von Bereichen. Wir sind führend im Bereich der Cyber-Sicherheit und bei selbstgelenkten Fahrzeugen. Das ehemalige Start-up Unternehmen Mobileye ist soeben für 15 Milliarden Dollar von Intel gekauft worden. Drohnen, Machine Learning, künstliche Intelligenz, Halbleiter-Technologie, Landwirtschaftstechnologie und digitales Gesundheitswesen – in all diesen Gebieten haben wir interessante Start-ups anzubieten. Kein Wunder also, sind wir ein begehrter Ort für Wagniskapital.  

Von welchen Summen sprechen wir?
Letztes Jahr waren es fast fünf Milliarden Dollar, die in rund 1000 Unternehmen investiert wurden. Dieses Jahr werden es noch mehr sein.  

Bild

Jonathan Medved gilt als Israels führender Venture Kapitalist. Er ist der Gründer und Leiter von Our Crowd, dem grössten Start-up Fund in Israel. Am 19. Juni wird er als Redner an der Veranstaltung «Start-up Nation Israel meets Switzerland» im Volkshaus Zürich zu hören sein.

Warum gedeihen die Start-ups gerade in Israel so prächtig?
Die Armee spielt eine grosse Rolle. Israel ist ein Land mit einer ausgeprägten Risiko-Kultur. Das gilt ganz speziell für die Armee. Wir leben in einen Land, dass täglich in seiner Existenz bedroht ist.    

Die Armee hat eine eigene Truppe von IT-Spezialisten, den Unit 8200. Er gilt als eine Art Trainingslager für die Start-ups. Stimmt das?
Ja. Die Soldaten erwerben dabei nicht nur Fachwissen. Sie erwerben eine spezielle Risiko-Kultur. Dabei lernen sie, dass Versagen nicht bestraft wird. Wir haben hier sogar so genannte «suck up nights» Veranstaltungen, an denen die Teilnehmer über ihre grössten Flops berichten. Dabei gibt es einen eigentlichen Wettbewerb, wer am meisten Stuss verbrochen hat. Das mag für Ihre Ohren eigenartig tönen, denn für die meisten Gesellschaften ist das Versagen ein schmutziges Wort. Nicht bei uns. Es ist ein Teil des Spiels.  

«Die Schweiz ist gut im langfristigen Planen. Wir sind gut im Improvisieren.»

Welche Rolle spielt der Staat in der Start-up-Szene?
Eine sehr wichtige. Der Staat unterstützt die Armee und unser erstklassigen Universitäten. Wir haben staatlich unterstützte Forschungsprogramme, wir haben drei Dutzend staatlich unterstützte Inkubatoren. Der Staat organisiert zwischenstaatlich Forschung mit den USA und der EU. Und am wichtigsten: Unser Steuersystem ist sehr unternehmerfreundlich, leider nicht ganz so unternehmerfreundlich wie in der Schweiz.  

Wenn wir von der Schweiz sprechen: Israel hat etwa gleich viele Einwohner. Warum haben wir nicht die gleiche Start-up-Kultur?
Die Schweiz ist sehr gut, wenn es um grosse Unternehmen geht. Wir sind eine Start-up Nation, aber die Schweiz ist eine Scale-up Nation. Wenn es um langfristige Planung geht, können wir sehr viel von Euch lernen. Auf diesem Gebiet seid Ihr unglaublich. Wir hingegen sind sehr gut im Improvisieren, und wenn es darum geht, das Unmögliche möglich zu machen. Wir sind eine Nation des Wunders. Das können Sie schon in der Bibel nachlesen.

Bild

Das Start-up Mobileye ist für 15 Milliarden Dollar von Intel gekauft worden. Es liefert zentrale Teile für selbstgelenkte Fahrzeuge.

Sie haben auch schon die Rolle der jüdischen Mutter in der Start-up Nation betont. Was genau meinen Sie damit?
Jüdische Mütter prahlen gerne mit den Taten ihrer Kinder. Das löst eine Dynamik aus: Sholom hat das und das geleistet, bekommt der Sohn zuhause von seiner Mutter zu hören. Und was ist mit dir? Warum nimmst du diesen lockeren Job bei Google an? Stell doch etwas Eigenes auf die Beine. Gelegenheit dazu gibt es reichlich. Wir müssen das Land nicht verlassen, wenn wir etwas Eigenes gründen wollen.  

Mit Ihrer Firma Our Crowd wollen Sie es auch dem Kleinanleger ermöglichen, in israelische Start-ups zu investieren. Wie genau funktioniert das?
Start-ups sind an keiner Börse kotiert. Sie können also nicht auf ihre Bank gehen und sagen: Kaufen Sie mir diese oder jene Aktie. Deshalb haben wir eine Plattform eingerichtet, die von erfahrenen Profis geleitet wird. Dort kann man sich mit einer Mindestsumme von 10'000 Dollar beteiligen.  

Wie ist die Resonanz?
Wir haben mittlerweile mehr als 400 Millionen Dollar Kapital und sind damit der aktivste Investor im israelischen Ökosystem. Unser Portfolio umfasst 120 verschiedene Start-ups – und wir wachsen sehr schnell. Bisher haben vor allem Banken und Pensionskassen in Start-ups investiert. Mit Our Crowd kann auch der Kleinanleger am israelischen Start-up-Wunder teilnehmen.

Auch wenn man Schweizer ist?
Selbstverständlich. Bisher haben wir zwar noch vor allem Investoren aus den USA und aus Asien. Doch wir wollen vermehrt auch Kunden aus Europa, speziell Deutschland, Österreich und der Schweiz ansprechen. Unser Angebot ist in Zeiten, in denen Banken Negativzinsen eingeführt haben, sehr attraktiv geworden.

Start-ups gibt es auch im TV – so sieht die US-Serie «Silicon Valley» aus

1 / 6
Die US-Serie «Silicon Valley»
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum dieser Bio-Bauer keine Angst vor der Trinkwasser-Initiative hat

Es brodelt in der Bio-Branche. Die Trinkwasser-Initiative spaltet die Gemüter. Der Berner Bio-Bauer ist enttäuscht über die Nein-Parole von Bio Suisse. Bei einem Rundgang über seinen Hof erzählt er von seiner Vision – und erklärt, warum er kein Nutella isst.

Durch die malerische Landschaft des Berner Seelands, vorbei an den typisch rund geschwungenen Dächern der Berner Bauernhäuser, durch die Gemeinde Grossaffoltern führt ein einsamer Weg auf den Hof von Markus Bucher. Er trägt den lieblichen Namen «Farnigasse». Und die Farnigasse gibt Buchers Reich seinen Namen. Das «Farngut» des Bio-Bauern ist umgeben von blühenden Apfelbäumen und frisch bepflanzten Knoblauch-Feldern. Es ist ruhig auf dem Hof. In der Ferne sind einige Feldarbeitende zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel