Wirtschaft
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Einst ging sie im Aargau zur Schule – jetzt begeistert Jenny (28) das «Forbes»-Magazin

Die Finnin Jenny Gyllander (28) wurde vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» zu einer der einflussreichsten jungen Finanz-Frauen der Welt gekürt. Einst hat sie als Austauschschülerin für ein Jahr die Kanti Wohlen besucht.

Samuel Schumacher / ch media



Zwei weisse Kunststoffplatten, eine Kamera und ein paar Photoshop-Skills: Das ist alles, was Jenny Gyllander braucht, um die globale Online-Investorenszene durchzuwirbeln. Seit April fotografiert die 28-jährige Finnin in ihrem Mini-Studio am Boden ihrer Londoner Wohnung alle möglichen Produkte von Start-ups und schreibt auf ihrem Instagram Account @thingtesting, was sie von den «Things» hält und ob sie Geldgebern raten würde, in das Start-up zu investieren.

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Von der Kanti Wohlen auf die Forbes «30under30»-Liste: Jenny Gyllander, 28. bild: zvg

Das tönt unspektakulär. Doch Gyllanders Projekt hat ihr innert Kürze mehr als 21'000 Instagram-Follower eingebracht und jetzt sogar das renommierte Wirtschaftsmagazin «Forbes» auf den Plan gerufen.

Forbes hat die Finnin zu einer der 30 führenden globalen Finanz-Experten aus Europa unter 30 gewählt. Keinem anderen Social-Media-Account folgen mehr Investoren als Gyllanders «Thingtesting»-Profil, schreibt «Forbes».

Dass «Forbes» ausgerechnet sie auf den Finanz-Olymp der globalen Jungunternehmer gehoben hat, konnte Gyllander im ersten Moment kaum glauben. «Ich hatte eine komische Karriere bisher. Dass sich die einzelnen Puzzle-Teile jetzt ausgerechnet in einem Instagram-Account zusammenfügen und dass das die Leute sogar interessiert, freut mich aber riesig», erzählt sie am Telefon aus Bali, wo sie sich gerade von ihrem beruflichen Doppelleben in London erholt.

In der britischen Hauptstadt arbeitet sie tagsüber für Backed, einen 50-Millionen-Euro-Fonds, der Start-ups ausfindig macht und finanziert. Um Thingtesting kümmert sie sich in der Nacht und am Wochenende.

Jenny und die angegrauten Männer

Gyllander hat einst als Austauschschülerin für ein Jahr die Kanti Wohlen besucht und spricht deshalb neben Finnisch, Schwedisch, Deutsch und Englisch auch fliessend Schweizerdeutsch. Sie hat in Helsinki Wirtschaft und Design studiert und in Barcelona eine Management-Ausbildung absolviert. Nebenher arbeitete sie als Marketing-Chefin für die finnische Tech-Konferenz «Slush».

«Die Welt ist voller spannender Produkte und ich hoffe, dass ich gerade junge Frauen motivieren kann, die Branche aufzumischen.»

Da habe sie jedes Jahr dieselben angegrauten Männer aus dem Silicon Valley getroffen, die auf der Suche nach innovativen Start-ups um die Welt jetten. «Ich habe mich zunehmend gefragt: Wieso sollen ausgerechnet die darüber entscheiden, welches die Trends der Zukunft werden? Wieso gibt es nicht mehr junge weibliche Investoren, wenn doch so viele der neuen Produkte auf Frauen zugeschnitten sind?»

Gyllander fasste den Entschluss, selber eine Plattform zu schaffen, die auf spannende Start-ups aufmerksam macht. Finnland entpuppte sich aber als denkbar schlechter Standort dafür. Viele der Produkte, die sie testen wollte, waren vor Ort nicht verfügbar. Als Gyllander vor anderthalb Jahren in die britische Hauptstadt umzog, grub sie die alte Idee wieder aus, kaufte sich die Kunststoffplatten für ihr Wohnzimmer-Studio und lancierte ihren «Thingtesting»-Account.

Die «Things», die sie testet, reichen von kaubaren Zahnpastapastillen über vegane Unterwäsche bis hin zu Do-it-yourself-Bluttestgeräten. Dass sie ihre Testergebnisse in kurzen Emoji-geschmückten Instagram-Posts statt in seitenlangen Finanzexperten-Einschätzungen publiziert, ist ungewohnt. Doch umgewöhnen müsse sich die Branche sowieso, sagt Gyllander. «Es war noch nie so einfach wie heute, eine Firma zu gründen und einen neuen Brand zu schaffen. Die Welt ist voller spannender Produkte und ich hoffe, dass ich gerade junge Frauen motivieren kann, die Branche aufzumischen.»

Einen neuen Aktivismus erhofft sich die einstige Wahl-Aargauerin auch von der Schweiz. «Das Land hat so viele tolle Produkte, aber kaum Mut, diese richtig zu vermarkten.» Stattdessen schaue man wie alle anderen europäischen Staaten brav zu, wie Amerika den alten Kontinent grossspurig mit einer Flut von Waren überschwemme. «Dass Europa in seiner geduckten Haltung verharrt und seine tollen Brands unterverkauft, tut mir im Herzen weh.»

Gyllander kann sich vorstellen, «Thingtesting» dereinst professionell zu betreiben. «Davon leben kann ich heute nicht. Ich kaufe fast alle Produkte selber und verdiene nichts dabei», sagt sie. Die «Forbes»-Ernennung sporne sie an, das Wagnis einzugehen. Vorerst aber will sie ihre Ferien geniessen.

Diese Woche kommt ihr Freund zu Besuch. Er war noch nie in Asien und hat noch nie eine frische Kokosnuss ausgeschlürft. «Ich staple schon die ganze Zeit Kokosnüsse, um ihn zu überraschen», sagt Gyllander. Die Welt sei eben voller Dinge, die die Menschen noch nicht kannten. Ihre Mission sei es, diese «Things» ans Licht zu bringen – ob nun auf Bali oder auf Instagram.

Wie wärs?

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • memento 04.03.2019 12:53
    Highlight Highlight Natürlich Bali...ist das das Mallorca der Digital Natives?
  • leu84 04.03.2019 07:53
    Highlight Highlight Aargau \o/
    Ich weiss, Blitze und so.
    • ingmarbergman 04.03.2019 08:49
      Highlight Highlight Jup, arg erzwungener Aargau-Bezug.
      Wie wenn beim superbowl wieder mal erwähnt wird, dass ein Spieler dessen Grossvater dessen Uroma dessen Katze mal eine Postkarte aus der Schweiz erhalten hat und der Superbowl daher auch ein bisschen in die Schweiz gehört.
    • leu84 04.03.2019 09:06
      Highlight Highlight Natürlich ;)
    • Bowell 04.03.2019 13:02
      Highlight Highlight @ingmar: eifersüchtig, dass Sie nicht nach Tsüri wollte ;) ?
  • Graf von und zu Trautmannsdorff 04.03.2019 07:41
    Highlight Highlight Ich habe jedes Jahr Austauschschüler an der Kanti und sorry, aber auch wenn die noch so intelligent sind, keiner oder keine spricht nach einem Jahr (dazu kommt, dass es nur 11 Monate sind) fliessend Schweizerdeutsch.
  • Bud Spencer 04.03.2019 07:32
    Highlight Highlight Nach 1 Austauschjahr fliessend Schweizerdeutsch? Holy Shit!

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