DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Roger Stone als Gentleman. Alle Bilder stammen aus der Netflix-Dokumentation «Get Me Roger Stone!».

Wer ist noch schamloser als Donald Trump? Roger Stone!

Roger Stone bezeichnet sich selbst als «dreckigen Trickster». Er ist ein langjähriger Kumpel von Trump und gilt als Verbindungsmann des Trump-Teams zu Wikileaks. Jetzt muss er sich deswegen vor Gericht verantworten.



Am vergangenen Freitag haben gegen 30 schwer bewaffnete FBI-Beamte in aller Herrgottsfrühe das Haus von Roger Stone in Fort Lauderdale (Florida) durchsucht und den Hausherren barfuss und in Handschellen abgeführt.

abspielen

Geschafft: Roger Stone ist Thema auf allen Kanälen. Video: YouTube/CNN

Für die meisten Menschen wäre dies der Albtraum schlechthin gewesen, Stone hingegen ist richtig aufgeblüht. «Das Einzige, was schlimmer ist, als dass man über mich spricht, ist, wenn man nicht von mir spricht», erklärte er Stunden später strahlend vor einer Schar Journalisten, als er dank einer Kaution von 250’000 Dollar wieder auf freiem Fuss war.

Im Zentrum eines grossen Skandals zu stehen war für Stone schon immer ein Lebenstraum. Jetzt ist er in Erfüllung gegangen. Im Alter von 66 Jahren ist er – zumindest vorübergehend – zum Gegenspieler von Robert Mueller geworden. Stone soll der Mittelsmann zwischen dem Trump-Team und Wikileaks gewesen sein und habe zudem vor dem Kongress gelogen, lautet die Anklage.

Über Nacht ist Stone deshalb ein Medienereignis geworden. Sein Auftritt vor einem Gericht in Washington war von einer Schar Kameraleute begleitet. In der legendären Comedy-Sendung «Saturday Night Live» wurde er von Steve Martin parodiert. Auf Fox News wurde er von Tucker Carlson und von Sean Hannity interviewt. Danach durfte er sich in den sonntäglichen Politsendungen der grossen TV-Stationen verbreiten.

Grenzenloser Narzissmus und Schamlosigkeit sind Stones Markenzeichen. Selbst seine Sexskandale vermarktet er. So hat er 1996 eigenhändig Journalisten darauf aufmerksam gemacht, dass er mit seiner Frau Swingerclubs besucht habe. Das hat ihn zwar seinen Job im Wahlkampf-Team des damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bob Dole gekostet, es hat ihn jedoch kurzzeitig in die Schlagzeilen gebracht.

Bild

Stone als Lebemann.

Wie Trump ist Stone vulgär bis zum Abwinken. Die Anklage gegen ihn sei «dünner als Pisse auf einem Stein», kommentierte er Muellers Vorwürfe. Wie der Präsident erzählt er ohne mit der Wimper zu zucken die wildesten Lügen. Das alles sei eine Verschwörung, mit dem Ziel, Nancy Pelosi zur Präsidentin zu machen. Diese werde dann Hillary Clinton weichen, begründete er seine Verhaftung.

Mit Trump verbindet Stone ein gemeinsames Vorbild: Roy Cohn, der einstige Partner des Kommunistenfressers Joseph McCarthy und Mafia-Anwalt. Cohn hat die beiden nicht nur miteinander bekannt gemacht, er hat ihnen auch die wichtigste Lektion ihres Lebens eingetrichtert: Gib keine Fehler zu, entschuldige dich niemals, schlag sofort zurück.

Politisches Vorbild von Stone war jedoch zunächst «tricky Dick» Nixon. Er hat sich gar dessen Porträt auf den Rücken tätowieren lassen. Von Nixon hat er das dreckige Polithandwerk von der Pike auf gelernt. Wie man politische Gegner verunglimpft, Gerüchte streut und Verräter in den eigenen Reihen bekämpft.

Bild

Stone hat sich ein Bild von Richard Nixon auf den Rücken tätowieren lassen.  bild netflix

Stone macht dies bis heute in bester Mafia-Manier. Das zeigt das Beispiel des New Yorker Radiojournalisten Randy Credico. Credico hatte anscheinend Zugang zu Julian Assange. Über ihn soll auch Stone mit dem Wikileaks-Gründer in Kontakt gekommen sein. Als Credico im Laufe der Ermittlungen von Mueller verhört wurde, hat ihm Stone geraten, einen «Frank Pentangeli» zu machen. So heisst eine Figur in der Mafia-Trilogie «Godfather», die den Kongress anlügt und danach Selbstmord begeht.

Credico wollte jedoch nicht mehr mitspielen. Deshalb liess ihm Cohn eine E-Mail zukommen, in der stand: «Du bist eine Ratte und ein Verräter. Du fällst deinen Kameraden in den Rücken.» Er hat Credico gar gedroht, dessen heiss geliebten Schosshund umzubringen.

In seinem Buch «The Making of the President 2016» rühmt sich Stone, er sei es gewesen, der Trump dazu überredet habe, sich als Präsident zu bewerben. Das mag übertrieben sein. Unbestritten ist jedoch, dass Stone beste Kontakte zu Trump hatte, selbst nachdem dieser ihn gefeuert hatte.

Bild

Bald nur noch eine Erinnerung: Roger Stone im Gourmet-Restaurant. bild: netflix

Stone war einst auch Partner in einem Politlobby-Büro von Trumps kurzzeitigem Wahlkampfmanager Paul Manafort. Die beiden boten ihre Dienste den übelsten Diktatoren an, darunter Mobutu Sese Seko, dem Schlächter aus dem Kongo, oder dem philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos.

Stone hat Trump mit Alex Jones bekannt gemacht, dem infamen Demagogen von InfoWars, einer rechtsextremen Radioshow. Sie ist so übel, dass sie mittlerweile aus YouTube verbannt wurde. Jones hat unter anderem die absurde Pizzagate-Verschwörungstheorie in Umlauf gebracht, die behauptet, Hillary Clinton habe aus einer Pizzeria in Washington einen Kinder-Sex-Handel betrieben. Stone ist überzeugt, dass es letztlich InfoWars war, dem Trump seinen Sieg zu verdanken hat.

Nach Paul Manafort, Rick Gates, Michael Cohen, George Papadopoulos, Michael Flynn und Alex Van der Zwaan ist Roger Stone der siebte Amerikaner, der vom Sonderermittler Mueller angeklagt ist. Dazu kommen 13 Russen, die jedoch kaum je ein US-Gericht von innen sehen werden. Wie in allen diesen Fällen geht Trump sofort auf Distanz. «Stone ist jemand, der vielen republikanischen Präsidentschaftskandidaten und Abgeordneten geholfen hat», spielte die Sprecherin des Weissen Hauses, Sarah Sanders, Stones Bedeutung herunter.

Derweil macht Stone auf Mafia-Ehre. «Ich werde unter keinen Umständen gegen den Präsidenten aussagen oder lügen», erklärt er immer wieder. Schaun’ mer mal. Solche Töne haben auch Michael Cohen und Paul Manafort gespuckt – bis ihnen klar wurde, dass sie vor der sehr realen Option stehen, im Gefängnis zu sterben.

Trump ist für «Schlechtester Darsteller» nominiert

Video: srf

Diese Demokraten kandidieren gegen Trump

1 / 7
Diese Demokraten kandidieren gegen Trump
quelle: epa/epa / tannen maury
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

CO₂-Gesetz könnte kippen: Städte verzeichnen tiefe Stimmbeteiligung

Die Städte melden tiefe Stimmbeteiligungen. Das CO2-Gesetz wird angesichts Umfragewerte durch die Schlussmobilisierung entschieden werden.

Am kommenden Sonntag steht fest, wie sich die Klimapolitik der Schweiz entwickeln wird. Die Stimmbevölkerung entscheidet in einem Referendum über das CO2-Gesetz, dessen Chancen derzeit alles andere als gut stehen. Dies zeigen die repräsentativen Umfragen von gfs.bern und SRF, die vor der Abstimmung veröffentlicht wurden.

Gründe für die schlechten Chancen dürften in der urbanen, städtischen Bevölkerung zu finden sein: Diese befürwortet zwar gemäss jüngsten Umfragen mehrheitlich das …

Artikel lesen
Link zum Artikel