Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this June 21, 2017 file photo, Attorney General Jeff Sessions speaks in Bethesda, Md. Sessions is visiting the Guantanamo Bay detention facility, which he has called a fine place to house new terrorism suspects.  (AP Photo/Jacquelyn Martin, File)

Will nicht zurücktreten: Justizminister Jeff Sessions. Bild: AP/AP

Jeff Sessions wird zum Stolperstein für Donald Trump

Der Präsident will den Justizminister entlassen, doch dieser ist bei der Basis sehr beliebt. Mit Sessions im Amt wird Trump auch den Sonderermittler Robert Mueller nicht los.



Donald Trump und Jeff Sessions waren ziemlich beste Freunde – bis der Justizminister wegen seiner Kontakte zu den Russen während des Wahlkampfes in den Ausstand treten musste und dem Präsidenten keinen Flankenschutz mehr bieten kann. Sessions hat kein Mittel, Robert Mueller, den Sonderermittler in der Russland-Frage, zu stoppen. Das verursacht beim Präsidenten heftiges politisches Bauchgrimmen.  

FILE - In this Oct. 7, 2016 file photo, Sen. Jeff Sessions, R-Ala. listens at left as then-Republican presidential candidate Donald Trump speaks during a national security meeting with advisers at Trump Tower in New York. As one of President-elect Donald Trump’s closest and most consistent allies, Sessions is a likely pick for a top post in his administration. But the last time Sessions faced Senate confirmation it didn’t go well. (AP Photo/ Evan Vucci, File)

Einst ziemlich beste Freunde: Sessions (links) und Trump. Bild: AP/AP

Trump will deshalb Sessions loswerden, doch dieser mag seinen Job und denkt nicht daran, freiwillig zurückzutreten. Deshalb hat man im Team des Präsidenten einen perfiden Plan ausgeheckt: Der Finanzminister wird während der Sommerpause gefeuert. Weil der Kongress nicht tagt, muss bis im September ein allfälliger Nachfolger auch nicht von den Senatoren bestätigt werden.

«Macht euch nichts vor: Die republikanische Unterstützung für den Präsidenten ist brüchig geworden.»

David Leonhardt

Dieses Zeitfenster kann somit genutzt werden, sich elegant von dem in Ungnade geratenen Justizminister zu trennen. Der neue Justizminister seinerseits wird dann den Sonderermittler in die Wüste schicken.  

Soweit der Plan. Er mag genial sein, hat aber einen kleinen Haken: Sessions ist bei der Trump-Basis sehr beliebt. Seine öffentliche Abwatschung durch den Präsidenten im legendären «New-York-Times»-Interview ist selbst bei den Hardcore-Fans schlecht angekommen. So hat etwa der sonst streng Trump-gläubige «Fox-News»-Moderator Tucker Carlson die präsidiale Schelte heftig kritisiert.  

Die Trump-Jünger mögen Sessions

Auch Rudolph W. Giuliani – ebenfalls ein Trump-Jünger der ersten Stunde – geht in der Sessions-Frage auf Distanz. Der ehemalige Bürgermeister von New York will auf keinen Fall Sessions-Nachfolger werden und erklärte gegenüber «CNN», dieser habe «unter den gegeben Umständen zurecht beschlossen, in den Ausstand zu treten».  

FILE - In this Oct. 16, 2014 file photo, lawyer and former New York City Mayor Rudy Giuliani calls for the dismissal of a lawsuit filed against video game giant Activision by former Panamanian dictator Manuel Noriega outside Los Angeles Superior court in Los Angeles. During an appearance on CBS'

Unterstützt Sessions: Rudolph W. Giuliani. Bild: AP/AP

Ebenfalls kein Interesse am Job des Justizministers hat Ted Cruz, der erzkonservative Senator aus Texas. Er liess in einer Medienmitteilung ausrichten, er sei «äusserst zufrieden, dass ein so prinzipientreuer Konservativer wie Jeff Sessions als Justizminister amtet.»  

Trump muss auf freiwilligen Rücktritt hoffen

Selbst Newt Gingrich, der Trump täglich auf Fox News verteidigt und ebenfalls dafür plädiert, den Sonderermittler zu feuern, stellt sich quer, wenn es um Sessions geht. Er «wehre sich heftig» gegen eine mögliche Entlassung des Justizministers, erklärte der ehemalige Chefideologe der Grand Old Party (GOP).  

Trump muss daher hoffen, dass Sessions freiwillig zurücktritt. Das würde jedoch seine ohnehin schon prekäre Lage weiter verschlimmern. Seine Umfragewerte sind bereits jetzt im Keller. Sessions Abgang würde die negative Tendenz noch verstärken.

Zerbricht die Nibelungentreue der Republikaner?

Schlechte Umfragewerte sind Gift für Trump. Die viel zitierte Nibelungentreue der Republikaner ist kein Schutz dagegen. Innerhalb der GOP ist Trump nicht mehr unbestritten. «Macht euch nichts vor: Die republikanische Unterstützung für den Präsidenten ist brüchig geworden», schreibt David Leonhardt in der «New York Times».  

epa06107353 Jared Kushner, Senior advisor to President Donald J. Trump, as well as his son-in-law, speak's outside the West Wing of the White House after making a statement to members of the news media following his interview by the Senate Intelligence Committee regarding Russian interference in the US elections in Washington, DC, USA, 24 July 2017.  EPA/TASOS KATOPODIS

Jared Kushner verteidigt sich – wenig glaubwürdig. Bild: EPA/EPA

Die Distanz zwischen dem Präsidenten und der GOP zeigt sich etwa bei einem neuen Gesetz, das härtere Sanktionen gegen Russland verlangt. Es ist im Senat fast einstimmig verabschiedet worden, obwohl das Weisse Haus kein Hehl daraus macht, dass es nicht erwünscht ist. Trump hat soeben mit Putin einen Waffenstillstand in Syrien ausgehandelt und hat kein Interesse an einem möglichen Konflikt mit Moskau.  

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner wird ebenfalls zu einem Handicap. Sein Auftritt vor dem Senatsausschuss und die Teilnahme an einem Meeting, in dem eine russische Anwältin belastendes Material über Hillary Clinton in Aussicht stellte, sind schlecht angekommen. Kushners Verteidigung, er sei noch jung und politisch naiv, wird auf allen Kanälen verspottet.  

The Mooch soll es richten

Mit Anthony Scaramucci – genannt «the Mooch» – hat Trump einen neuen Kommunikationschef eingesetzt. Er ist überzeugt, dass seine Probleme vor allem daher stammen, dass es dessen Vorgänger Sean Spicer nicht gelungen ist, den Bürgerinnen und Bürgern klar zu machen, was er alles Grossartiges geleistet hat.

epa06102457 White House Communications Director Anthony Scaramucci attends a news conference in the James Brady Press Briefing Room of the White House after former White House Press Secretary Sean Spicer resigned, in Washington, DC, USA, 21 July 2017. Sarah Huckabee Sanders replaces Sean Spicer as White House Press Secretary after Spicer resigned following US President Donald J. Trump's decision to appoint Anthony Scaramucci as White House Communications Director.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Der Neue im Pressezimmer: Anthony Scaramucci. Bild: EPA/EPA

«The Mooch» könnte sich jedoch als grösster Irrtum des Präsidenten herausstellen. Im Weissen Haus herrscht Chaos, und mit Scaramucci könnte dieses Chaos noch schlimmer werden. Insider schliessen bereits Wetten ab, wann es zwischen dem Chefstrategen Steve Bannon und dem «Mooch» zu einem Machtkampf kommen wird. Kurz: Trump hat kein Kommunikationsproblem, er hat ein Realitätsproblem.

Trumps dunkle Russlandwolke

Dieser Mann hat Trump den A... gerettet (vorläufig)

Link zum Artikel

Tappt Trump in die Meineids-Falle?

Link zum Artikel

Trump geht auf neuen FBI-Chef los (den hat er selbst eingesetzt)

Link zum Artikel

Wetten, dass Trump das Jahr 2018 nicht überleben wird?

Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Joe Biden setzt auf weiblich Stimmen

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

3 Hauptargumente der KVI-Gegner auf dem Prüfstand

Der Kampf um die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) tobt unerbittlich. Dabei argumentieren die Gegner auch mit Vorwürfen, die sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellen. Drei Argumente im Prüfstand.

Im Abstimmungskampf zur KVI gehen die Wogen hoch. Ja-Fahnen zieren jeden zweiten innerstädtischen Balkon, die Initianten machten diese Abstimmung zur teuersten aller Zeiten. Auf der anderen Seite werden die Initianten auf Facebook in einer Verleumdungskampagne als «linke Krawallanten» verunglimpft und Ueli Maurer wird «bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, fast schlecht».

So hart die Bandagen in diesem Kampf sind, so knapp wird wohl auch das Ergebnis werden. Momentan liegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel