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Arbeiter entfernen den Namen vom Trump Place in New York.
Arbeiter entfernen den Namen vom Trump Place in New York.Bild: AP/AP

Der Name Trump schadet dem Geschäft – und manchmal nützt er ihm

In New York verschwindet der Name Trump aus der Öffentlichkeit. Seine Geschäfte verzeichnen Umsatzeinbussen. Teilweise aber profitieren sie auch vom US-Präsidenten, und das ist problematisch.
24.10.2019, 10:5824.10.2019, 22:17

Das Präsidentenamt habe ihn zwei bis fünf Milliarden Dollar gekostet, behauptete Donald Trump am Montag vor den Medien. So viel hätte er mit seinen Immobilien, Hotels und Golfklubs verdient, wenn er nicht gewählt worden wäre. Es war eine typische Trump-Angeberei. Wirtschaftsexperten bezweifeln, dass sein Firmenkonglomerat auch nur annähernd solche Einnahmen erzielt.

Unzweifelhaft aber ist, dass der Präsident für sein Unternehmen, die Trump Organization, zunehmend zur Belastung wird. Das gilt besonders für seine Heimatstadt New York, wo Trump so unbeliebt ist, dass sein Name aus der Öffentlichkeit verschwindet. Jüngstes Beispiel sind Wollman Rink und Lasker Rink, zwei beliebte Eisbahnen am südlichen und nördlichen Ende des Central Park.

Die Trump Organization bewirtschaftet sie im Auftrag der Stadt. Der Name Trump war auf den Eisfeldern in grossen roten Buchstaben präsent, zumindest bis vor kurzem. Pünktlich zum Auftakt der Eislauf-Saison wurden die Schriftzüge ohne Vorankündigung entfernt. «Sie haben dem Geschäft geschadet», sagte ein namentlich nicht genannter Angestellter der «Washington Post».

Der Wollman Rink im November 2016. Heute ist der Name verschwunden.
Der Wollman Rink im November 2016. Heute ist der Name verschwunden.bild: watson/peter blunschi

Bewohner erzwingen Entfernung

Ob die Umsätze rückläufig sind, ist unklar. Allerdings berichteten US-Medien, dass Schulausflüge und private Anlässe auf den Eisbahnen abgesagt wurden. Und 2021 werden die Aufträge zur Bewirtschaftung neu vergeben. Die Trump Organization will sie behalten und fürchtet nach Ansicht lokaler Beobachter Widerstand aus der Bevölkerung. Also muss der Name weg.

Geschehen ist dies bereits beim Hotel Trump SoHo, es wurde 2017 in The Dominick umbenannt. Und die Bewohner des Trump Place, einer luxuriösen Überbauung an der Upper West Side in Manhattan, entfernten den Namen vom Gebäude, nachdem sie eine Klage der Trump Organization abgewehrt hatten. In anderen Trump-Wohnhäusern gibt es ähnliche Bestrebungen.

Donald Trump brachte seinen Namen gerne in Grossbuchstaben auf seinen Immobilien an und befriedigte damit sein gigantisches Ego. Umso härter muss ihn diese Entwicklung treffen. Seinen Geschäften schadet vor allem die Tatsache, dass sie häufig in Staaten wie New York, New Jersey, Illinois oder Kalifornien stattfinden, die zu den Hochburgen der Demokraten gehören.

Trump-Hotels

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Trump-Hotels
quelle: ap/ap / charles rex arbogast
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Ein weiteres Beispiel ist Niketown, der New Yorker Flagship Store des Sportartikel-Giganten aus Oregon. Er befand sich bis letztes Jahr in einer Liegenschaft, die zum Komplex des Trump Tower an der Fifth Avenue gehört. Dann kündigte Nike den Vertrag, offiziell aus logistischen Gründen, doch Firmenvertreter gaben zu, dass die Verbindung mit Trump «eine gewisse Rolle gespielt hat».

Trumps Interessenkonflikt

Ein paar Blocks weiter eröffnete Nike einen neuen Vorzeigeladen, während die einstige Location beim Trump Tower nach wie vor leer steht. Die Business-Website Crain's hat errechnet, dass die Trump Organization allein im ersten Amtsjahr des Präsidenten einen Umsatzrückgang von 45 bis 90 Millionen Dollar verzeichnet habe. 2016 hätten die Einnahmen rund 700 Millionen betragen.

Das Familienunternehmen muss keine Zahlen publizieren, und Donald Trump weigert sich standhaft, seine Steuererklärung herauszurücken. Er hat die Geschäfte seinen Söhnen Donald jr. und Eric übertragen, ist aber nach wie vor der Eigentümer der Organisation. Diese Tatsache sorgte schon bei seinem Amtsantritt für heftige Kritik wegen absehbarer Interessenkonflikte.

Verstoss gegen Verfassung

Die Verfassung verbietet dem Präsidenten, finanzielle Vorteile aus seinem Amt zu erzielen. So darf er, mit Ausnahme seines Lohns, keine Steuergelder beziehen. Auch Zuwendungen von ausländischen Regierungen sind verboten. Diese Vorgaben hat Trump zumindest geritzt, wenn nicht offenkundig verletzt. Mehrere Fälle sind aktenkundig, die darauf hindeuten.

Die US-Luftwaffe übernachtete wiederholt in Trumps Golfhotel in Turnberry.
Die US-Luftwaffe übernachtete wiederholt in Trumps Golfhotel in Turnberry.Bild: AP/AP

So logierte Vizepräsident Mike Pence kürzlich auf einer Europareise in einem Trump-Resort in Irland, und die US-Luftwaffe musste im September zugeben, dass ihre Crews rund 40 Mal in Trumps Golfhotel im schottischen Turnberry übernachtet haben. Auch der Secret Service lässt bei den häufigen Aufenthalten des Präsidenten in seinen US-Golfklubs dort viel Geld liegen.

Der Beschluss des Präsidenten von letzter Woche, den G7-Gipfel nächstes Jahr im Trump National Doral Golf Resort in Miami durchzuführen, stiess sogar bei Republikanern auf Kritik. Am Samstag machte Trump einen Rückzieher, allerdings ohne Fehler zuzugeben. Am Montag enervierte er sich über die «heuchlerische Klausel», die ihm solche Geschäfte verbietet.

Eine Trump-Liegenschaft jedenfalls leidet überhaupt nicht unter dem Namen des Präsidenten. Gemeint ist das 2017 eröffnete Trump International Hotel in der ehemaligen Hauptpost in Washington, unweit des Weissen Hauses. Es wird gerne von ausländischen Regierungsvertretern gebucht, die sich beim Präsidenten einschmeicheln wollen und sich Vorteile erhoffen.

Viele Zimmer gebucht

Die obersten Strafverfolger von Maryland und Washington haben Trump deswegen verklagt. Sie werfen ihm einen «eklatanten» Verfassungsverstoss vor. Damit nicht genug: Kürzlich eröffnete das Repräsentantenhaus eine weitere Untersuchung gegen Trump. Es geht um den Verdacht, dass in seinen Hotels grosse Zimmerkontingente gebucht, aber kaum genutzt werden.

Im Trump International Hotel läuft das Geschäft, aber nicht alle gebuchten Zimmer sind belegt.
Im Trump International Hotel läuft das Geschäft, aber nicht alle gebuchten Zimmer sind belegt.Bild: EPA/EPA

Auch in diesem Fall geht es um mögliche Gefälligkeiten, und erneut ist eine ausländische Regierung – womöglich Saudi-Arabien – im Visier. Der demokratische Abgeordnete Gerry Connolly aus Virginia sprach gegenüber Politico von «praktisch unverfälschter Bestechung». Sein Kollege Ro Khanna aus Kalifornien meinte, die Regierung habe «eine Kultur der Korruption» geschaffen.

Im Vergleich mit solchen Machenschaften sind die Vorwürfe an Joe Bidens Sohn Hunter in der Ukraine-Affäre geradezu harmlos. Donald Trump scheint keinerlei Hemmungen zu haben, sein Amt mit seinen Geschäftsinteressen zu verquicken. Statt den Sumpf in Washington trockenzulegen, wie er im Wahlkampf 2016 versprach, hat er ihn geflutet. Zum eigenen Vorteil.

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