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Frauen und Geld

Wieso es nie «zu spät» ist, um mit dem Investieren anzufangen

Wie viel Geld braucht man zum Investieren? Wann soll man beginnen? 8 Tipps für Sparen und Investieren.

Olga Miler
Olga Miler



«Und jetzt ratet mal, wie sich die Geld-Kurve der Frau im Lebensverlauf entwickelt, bis sie 80 ist ... Und hier kommt sie» – Chart moppt auf und enthüllt eine relativ steil abfallende Kurve, die konsequent nach unten verläuft, mit zunehmendem Alter immer steiler. Betretenes Schweigen. «In diesem Modell legt Jane ihr Geld sehr konservativ an – für die Berechnung wurde eine Rendite von ca. 1% pro Jahr angenommen». Als Vergleich, der durchschnittliche Zinssatz für ein Sparkonto in der Schweiz liegt im Moment irgendwo bei ca. 0,0% bis 0,25%.

Dass Geld, welches angelegt ist, mehr bringt als im Sparschwein, ist vielleicht vielen von uns bewusst. Aber der Effekt, der über eine lange Zeitdauer entsteht, wenn das Geld nicht «arbeitet» – also mit sehr wenig Risiko und entsprechend wenig Ertrag angelegt ist, ist oft doch überraschend.

Als Frauen – mit Lohnnachteilen, oft Teilzeit arbeitend und mit längerer Lebenserwartung – können wir es uns fast nicht (mehr) leisten, «nur» zu sparen.

Illustratives Berechnungsbeispiel:

Einmal 10'000 Franken für 20 Jahre bei einem Zinssatz von 0,25% aufs Sparkonto gelegt – ergibt 10'512 Franken. Der gleiche Betrag zu z. B. 4,0% investiert ergibt im gleichen Zeitraum 21'911 Franken. Mit dem Sparrechner – hier verwendet moneyland.ch, kann man das selber für alle möglichen Situationen, auch für monatliche Einlagen berechnen – am besten die Kosten der Anlage vorher vom Zinssatz abziehen.

Sparen vs. Investieren

Beim Sparen legt man Geld für einen – vielleicht bestimmten – Zweck zurück, z. B. eine Reise oder späteren Kauf. Beim Investieren wird das Geld in Aktien, Obligationen, Gold, Immobilien etc. angelegt mit dem Ziel, es langfristig zu vermehren. Was besser ist, hängt sehr von den persönlichen Zielen, Möglichkeiten, aber auch von der Risikobereitschaft ab – ohne Risiko kein Ertrag. In der Schweiz sparen wir gerne, die repräsentative Studie der Migros-Bank an 1'500 Personen hat gezeigt, dass 92% der jungen Menschen (18–29 Jahre) regelmässig etwas auf die Seite legen, bei den 30–55-Jährigen waren es 93%. Bei den Gründen, warum nicht mehr in z. B. die Finanzmärkte investiert wird, gaben die jungen Menschen an, dass sie sich mit Alternativen zum Sparkonto nicht auskennen (52%) und dass sie glauben, zu wenig Vermögen für Alternativen zu haben (48%).

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem «Geld-Anlegen» zu beginnen?

Viele Frauen fragen mich:

«Lohnt es sich, mit 40 oder 50 noch anzufangen, oder ist es dann nicht schon zu spät?»

Es lohnt sich immer, mehr aus seinem Geld zu machen. Wegen des Zinseszins-Effekts ist es umso vorteilhafter, je früher man anfängt. Aber auch wenn man mitten im Leben steht, oder vielleicht schon älter ist, kann es sich lohnen, zu investieren. Meine Mom ist 73 und fängt jetzt an.

An alle Mütter und Väter, die mitlesen – es kann sehr vorteilhaft sein, das Geld der Kinder anzulegen, da Kinder einen sehr langen Anlagehorizont haben. Auf dem Kindersparkonto ist – trotz Sonderkonditionen und wenig oder keinen Gebühren – im gegenwärtigen Zinsumfeld nur eher wenig drin.

Wie kann man den Betrag zum Anlegen ermitteln?

Der Betrag hängt vom Einkommen, der persönlichen Lebenssituation, den Zielen aber auch von der Risikofähigkeit ab. Eine Möglichkeit, anzufangen, ist mit einem Budget und wenn man die eigenen Ziele grob definiert – z. B. was will ich in 1 Jahr, 3 Jahren, 5+ Jahren und wie viel Geld brauche ich ungefähr dafür?

Was man erst in 5 Jahren brauchen wird, könnte man investieren. Oder man kann regelmässig monatlich anstatt nur auf ein Sparkonto auch in eine Alternative wie Fondssparplan, ETF Sparplan etc. anlegen. Das ist auch mit kleinen Beträgen möglich. Bevor man loslegt, die Gebühren prüfen, gerade bei ETFs kommen je nach Online-Broker oder Bank allfällige Kosten für dein Depot und Transaktionskosten für den Kauf/Verkauf (Courtage) hinzu sowie Steuern. Ein Vergleich kann sich lohnen.

8 Tipps fürs Investieren

  1. Langfristig planen mit langem Zeithorizont: 5, besser 10 oder mehr Jahre, und festlegen, was einem wichtig ist, z. B. wenig Risiko, Flexibilität etc.
  2. Risikoprofil ermitteln: Bist Du konservativ, ausgewogen oder risikofreudig? Dabei geht es vor allem um die individuelle Risikobereitschaft und -fähigkeit – dies bestimmt dann die Zusammensetzung des Portfolios und den Aktienanteil.
  3. Breit diversifiziert: In verschieden Anlageklassen, Märkte, Branchen etc. mindert das Risiko und erhöht die Chance auf Rendite.
  4. Reale Rendite berechnen und mit Risiko abwägen: Was bringt die Anlage nach Abzug Kosten, Inflation und Steuern? Und wie viel Risiko muss ich dafür in Kauf nehmen?
  5. Diszipliniert bleiben: Keine Panik und Mitläufereffekt vermeiden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Aktienmärkte (z. B. der SMI) über lange Zeitperioden bis jetzt eine positive Entwicklung durchgemacht haben (siehe Grafik).
  6. Nicht auf den richtigen Moment warten: Den gibt es nicht. Einmaleinlage? Oder gestaffelt? Hier gibt es verschiedene Meinungen – wer gestaffelt investiert, profitiert vom Durchschnittskosteneffekt, aber es gibt auch Studien, die sagen, dass Einmal-Einlagen besser sein könnten.
  7. Verstehen, in was man investiert: das Finanzprodukt – auch das Kleingedruckte – und bei Aktien die Branche des Unternehmens, dessen Aktien man kauft.
  8. Wenn möglich, Dividende im Portfolio belassen, damit kommt der Zinseszins-Effekt noch stärker zum Tragen.

Zum Sparen und Investieren gibt es noch viele Fragen, die ich von Frauen bekommen habe, z. B. ob man auch investieren soll, wenn man Schulden hat, oder wie viel Cash-Reserve für den Notfall wirklich nützlich ist. Sparen oder Investieren – was wirklich besser ist und womit man sich komfortabel fühlt, ist sehr persönlich, aber ein paar Fakten schaffen Transparenz und können helfen, die eigene Strategie zu bestimmen.

Deshalb schreibe ich jede Woche diesen Blog und freue mich, nächste Woche mit Frauen, die die Welt und das Geld bewegen, darüber zu sprechen, wie Geld die Welt verändern kann. Stay tuned!

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Olga Miler ...

... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Seit dem 27. Januar lässt uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben.

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Maya Eldorado 23.02.2020 02:12
    Highlight Highlight Zuerst muss man ja genug Geld haben, um die Rechnungen zu bezahlen und fürs Essen und für die Kleider. Das braucht man zum Ueberleben.
    Und dann will man vielleicht einmal in die Ferien oder in den Ausgang.
    Viele haben kein Geld zum Anlegen. Sie sind froh, wenn sie klarkommen ohne Schulden zu machen.
  • Bergblick 22.02.2020 12:11
    Highlight Highlight Der Hinweis auf Fondssparpläne ist ja gut, das gibt es in der Schweiz aber praktisch nicht. Hier wären konkrete Tips (welche Anbieter?) sehr hilfreich.
  • hockeyplayer 22.02.2020 02:30
    Highlight Highlight Wieso brauchts einen Blog der sich mit dem Thema Geld auseinandersetzt, aber nur für Frauen ist? Treffen deine Aussagen nicht auf beide Geschlechter zu?
    • #fuckhate 22.02.2020 13:20
      Highlight Highlight Kann nur für beide sein. Geld und Bank - frag mal Deine weiblichen Kolleginnen - die wissen, dass hier noch viel mehr Selbstbestimmtheit auf dem Thema für sie drin liegen muss. Was für Frauen gilt, gilt auch für uns. Also easy, den Blog braucht es genau drum.
    • OlgaMiler 22.02.2020 20:26
      Highlight Highlight Freue mich über jeden der mitliest, diskutiert und Erfahrungen teilt - niemand weiss alles über das Thema "Geld" und Finanzbildung geht uns alle etwas an.
  • boi08 22.02.2020 00:56
    Highlight Highlight Sind diese tipps nur für frauen? Schade
    • Baguette 23.02.2020 15:17
      Highlight Highlight Männer (und alle Anderen) sind hier sicher mitgemeint! 😉 Nur nicht betupft sein!
  • homo sapiens melior 21.02.2020 23:48
    Highlight Highlight Immer öfter wird in der Schweiz auch nur noch in Englisch angeboten. Von deutschsprachigen Schweizern für deutschsprachige Schweizer in Englisch. Englisch ist das neue Deutsch? Oder was? Bockmist!
  • Mira Bond 21.02.2020 23:43
    Highlight Highlight Danke Olga! Sehr wertvolle Tipps 👍🏼
  • Toni.Stark 21.02.2020 20:27
    Highlight Highlight Was fehlt ist der Hinweis, dass mind. zwei bis drei Löhne auf dem Privatkonto gehören als Liquiditätsreserve. Alles darüber in die Altersvorsorge und dann was darüber ist kann angelegt werden. Gruss ein UBS Kollege 😉
  • gi_ann 21.02.2020 20:04
    Highlight Highlight Das Thema interessiert mich wirklich und ich freue mich mehr darüber zu lesen und dann einen Schritt zu tätigen.
    Habe dieses Thema bis dato vermieden.
  • Typu 21.02.2020 19:28
    Highlight Highlight Was man kann in einen index fund tun. Regelmässig einzahlen. Zb in den ishares swiss dividend. Praktisch gratis und gut investiert. Oder berkshire kaufen. Kann kaum was passieren wenn man mindestens 8-10 jahre plant. Wer könnte aber nicht investiert ist einfach nur ...
  • pd90 21.02.2020 18:12
    Highlight Highlight 1. 3. Säule einzahlen und anlegen, wenn man Geld bis Pensionsalter nicht beziehen will. Mit möglichst hohem Aktienanteil anlegen (siehe obiger Text). Ebenfalls spart man Steuern dabei.

    2. Robo Advisors berücksichtigen (kann man selbst googlen), welche eine viel tiefere Gebühr gegenüber Banken haben und genau auch in ETFs anlegen.

    3. Auf Risikoinvestments verzichten, wenn man die Anlage nicht zu 100% versteht.
  • Siciliano 21.02.2020 18:09
    Highlight Highlight Es gibt sehr wohl gute und schlechte Momente in Aktien und Fonds einzusteigen. Seit einem Jahr jagt der Höchststand den nächsten. Wer jetzt einsteigt kann nur fallen und die Kurse werden sehr tief fallen, wenn es mal richtig ins Rutschen kommt. Ich bin aus allen Investitionen ausgestiegen und kehre vor der nächsten Korrektur nicht zurück.
  • Yippie 21.02.2020 17:43
    Highlight Highlight Ich frage mich gerade, was an dem Beitrag nun frauenspezifisch ist 🤔

  • Hogwarts 21.02.2020 17:29
    Highlight Highlight Vielen Dank! Prima Artikel mit sehr praktischen Hinweisen, die in die Tat umgesetzt werden wollen - womit dann auch klar ist, dass es für mich dieses Wochenende weniger Fastnacht und dafür mehr ETFs geben wird... ;-)
  • KittyPink 21.02.2020 16:41
    Highlight Highlight Mhhh.... das Kindergeld anzulegen, an das habe ich bisher tatsächlich nicht gedacht. Gute Idee. Muss ich mir echt überlegen. Danke für den Tipp!
    • bobi 22.02.2020 10:06
      Highlight Highlight Zu beachten ist hier jedoch zwingend, dass das Geld wohl zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt wird (zum Beispiel für die Finanzierung einer Ausbildung). Deshalb würde ich das Kindergeld nur anlegen, wenn allfällige Verluste durch das Einschiessen von anderem Kapital kompensiert werden können

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