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Frauen und Geld

Wieso es nie «zu spät» ist, um mit dem Investieren anzufangen

Wie viel Geld braucht man zum Investieren? Wann soll man beginnen? 8 Tipps für Sparen und Investieren.
21.02.2020, 16:0322.02.2020, 08:05
Olga Miler
Olga Miler
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«Und jetzt ratet mal, wie sich die Geld-Kurve der Frau im Lebensverlauf entwickelt, bis sie 80 ist ... Und hier kommt sie» – Chart moppt auf und enthüllt eine relativ steil abfallende Kurve, die konsequent nach unten verläuft, mit zunehmendem Alter immer steiler. Betretenes Schweigen. «In diesem Modell legt Jane ihr Geld sehr konservativ an – für die Berechnung wurde eine Rendite von ca. 1% pro Jahr angenommen». Als Vergleich, der durchschnittliche Zinssatz für ein Sparkonto in der Schweiz liegt im Moment irgendwo bei ca. 0,0% bis 0,25%.

Dass Geld, welches angelegt ist, mehr bringt als im Sparschwein, ist vielleicht vielen von uns bewusst. Aber der Effekt, der über eine lange Zeitdauer entsteht, wenn das Geld nicht «arbeitet» – also mit sehr wenig Risiko und entsprechend wenig Ertrag angelegt ist, ist oft doch überraschend.

Als Frauen – mit Lohnnachteilen, oft Teilzeit arbeitend und mit längerer Lebenserwartung – können wir es uns fast nicht (mehr) leisten, «nur» zu sparen.

Illustratives Berechnungsbeispiel:

Einmal 10'000 Franken für 20 Jahre bei einem Zinssatz von 0,25% aufs Sparkonto gelegt – ergibt 10'512 Franken. Der gleiche Betrag zu z. B. 4,0% investiert ergibt im gleichen Zeitraum 21'911 Franken. Mit dem Sparrechner – hier verwendet moneyland.ch, kann man das selber für alle möglichen Situationen, auch für monatliche Einlagen berechnen – am besten die Kosten der Anlage vorher vom Zinssatz abziehen.

Sparen vs. Investieren

Beim Sparen legt man Geld für einen – vielleicht bestimmten – Zweck zurück, z. B. eine Reise oder späteren Kauf. Beim Investieren wird das Geld in Aktien, Obligationen, Gold, Immobilien etc. angelegt mit dem Ziel, es langfristig zu vermehren. Was besser ist, hängt sehr von den persönlichen Zielen, Möglichkeiten, aber auch von der Risikobereitschaft ab – ohne Risiko kein Ertrag. In der Schweiz sparen wir gerne, die repräsentative Studie der Migros-Bank an 1'500 Personen hat gezeigt, dass 92% der jungen Menschen (18–29 Jahre) regelmässig etwas auf die Seite legen, bei den 30–55-Jährigen waren es 93%. Bei den Gründen, warum nicht mehr in z. B. die Finanzmärkte investiert wird, gaben die jungen Menschen an, dass sie sich mit Alternativen zum Sparkonto nicht auskennen (52%) und dass sie glauben, zu wenig Vermögen für Alternativen zu haben (48%).

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem «Geld-Anlegen» zu beginnen?

Viele Frauen fragen mich:

«Lohnt es sich, mit 40 oder 50 noch anzufangen, oder ist es dann nicht schon zu spät?»

Es lohnt sich immer, mehr aus seinem Geld zu machen. Wegen des Zinseszins-Effekts ist es umso vorteilhafter, je früher man anfängt. Aber auch wenn man mitten im Leben steht, oder vielleicht schon älter ist, kann es sich lohnen, zu investieren. Meine Mom ist 73 und fängt jetzt an.

An alle Mütter und Väter, die mitlesen – es kann sehr vorteilhaft sein, das Geld der Kinder anzulegen, da Kinder einen sehr langen Anlagehorizont haben. Auf dem Kindersparkonto ist – trotz Sonderkonditionen und wenig oder keinen Gebühren – im gegenwärtigen Zinsumfeld nur eher wenig drin.

Wie kann man den Betrag zum Anlegen ermitteln?

Der Betrag hängt vom Einkommen, der persönlichen Lebenssituation, den Zielen aber auch von der Risikofähigkeit ab. Eine Möglichkeit, anzufangen, ist mit einem Budget und wenn man die eigenen Ziele grob definiert – z. B. was will ich in 1 Jahr, 3 Jahren, 5+ Jahren und wie viel Geld brauche ich ungefähr dafür?

Was man erst in 5 Jahren brauchen wird, könnte man investieren. Oder man kann regelmässig monatlich anstatt nur auf ein Sparkonto auch in eine Alternative wie Fondssparplan, ETF Sparplan etc. anlegen. Das ist auch mit kleinen Beträgen möglich. Bevor man loslegt, die Gebühren prüfen, gerade bei ETFs kommen je nach Online-Broker oder Bank allfällige Kosten für dein Depot und Transaktionskosten für den Kauf/Verkauf (Courtage) hinzu sowie Steuern. Ein Vergleich kann sich lohnen.

8 Tipps fürs Investieren

  1. Langfristig planen mit langem Zeithorizont: 5, besser 10 oder mehr Jahre, und festlegen, was einem wichtig ist, z. B. wenig Risiko, Flexibilität etc.
  2. Risikoprofil ermitteln: Bist Du konservativ, ausgewogen oder risikofreudig? Dabei geht es vor allem um die individuelle Risikobereitschaft und -fähigkeit – dies bestimmt dann die Zusammensetzung des Portfolios und den Aktienanteil.
  3. Breit diversifiziert: In verschieden Anlageklassen, Märkte, Branchen etc. mindert das Risiko und erhöht die Chance auf Rendite.
  4. Reale Rendite berechnen und mit Risiko abwägen: Was bringt die Anlage nach Abzug Kosten, Inflation und Steuern? Und wie viel Risiko muss ich dafür in Kauf nehmen?
  5. Diszipliniert bleiben: Keine Panik und Mitläufereffekt vermeiden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Aktienmärkte (z. B. der SMI) über lange Zeitperioden bis jetzt eine positive Entwicklung durchgemacht haben (siehe Grafik).
  6. Nicht auf den richtigen Moment warten: Den gibt es nicht. Einmaleinlage? Oder gestaffelt? Hier gibt es verschiedene Meinungen – wer gestaffelt investiert, profitiert vom Durchschnittskosteneffekt, aber es gibt auch Studien, die sagen, dass Einmal-Einlagen besser sein könnten.
  7. Verstehen, in was man investiert: das Finanzprodukt – auch das Kleingedruckte – und bei Aktien die Branche des Unternehmens, dessen Aktien man kauft.
  8. Wenn möglich, Dividende im Portfolio belassen, damit kommt der Zinseszins-Effekt noch stärker zum Tragen.

Zum Sparen und Investieren gibt es noch viele Fragen, die ich von Frauen bekommen habe, z. B. ob man auch investieren soll, wenn man Schulden hat, oder wie viel Cash-Reserve für den Notfall wirklich nützlich ist. Sparen oder Investieren – was wirklich besser ist und womit man sich komfortabel fühlt, ist sehr persönlich, aber ein paar Fakten schaffen Transparenz und können helfen, die eigene Strategie zu bestimmen.

Deshalb schreibe ich jede Woche diesen Blog und freue mich, nächste Woche mit Frauen, die die Welt und das Geld bewegen, darüber zu sprechen, wie Geld die Welt verändern kann. Stay tuned!

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Seit dem 27. Januar lässt uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben.
DANKE FÜR DIE ♥
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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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hockeyplayer
22.02.2020 02:30registriert September 2016
Wieso brauchts einen Blog der sich mit dem Thema Geld auseinandersetzt, aber nur für Frauen ist? Treffen deine Aussagen nicht auf beide Geschlechter zu?
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Toni.Stark
21.02.2020 20:27registriert Juli 2018
Was fehlt ist der Hinweis, dass mind. zwei bis drei Löhne auf dem Privatkonto gehören als Liquiditätsreserve. Alles darüber in die Altersvorsorge und dann was darüber ist kann angelegt werden. Gruss ein UBS Kollege 😉
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boi08
22.02.2020 00:56registriert März 2017
Sind diese tipps nur für frauen? Schade
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«Digitales Münchhausen» – Wenn Jugendliche sich selbst im Netz beleidigen
«Die ist so hässlich», «Der ist so überflüssig», «Gibt's dich auch in witzig?» – Was nach typischen Mobbing-Sätzen klingt, kann auch einen ganz anderen Hintergrund haben. Denn nicht immer sind es andere, die über einen Jugendlichen verletzende Sätze im Internet verbreiten.

Manchmal ist es das vermeintliche Mobbing-Opfer selbst, das die Gemeinheiten verfasst. Dieses Phänomen wird als digitales Selbstmobbing bezeichnet, im amerikanischen Sprachraum heisst es «cyber self-harm». Dabei posten Jugendliche gemeine Dinge über sich selbst in sozialen Netzwerken.

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