Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Drama in Indonesien – Flug in den Tod für 26 Franken 

christoph sator / dpa



Nur wenige Minuten nach dem Start stürzt die Maschine eines indonesischen Billigfliegers ins Meer. Wahrscheinlich sind alle 188 Insassen tot. Das Unglück wirft ein Licht auf eine Branche, die in Asien noch mehr boomt als anderswo.

Der Flug mit Indonesiens grösstem Billigflieger Lion Air aus der Hauptstadt Jakarta nach Pangkal Pinang, der grössten Stadt der Nachbarinsel Bangka, kostet nicht viel. Am günstigsten ist die Frühmaschine morgens um 6.20 Uhr.

Der beste Preis: 393'400 Indonesische Rupiah. Das hört sich nach viel Geld an, sind umgerechnet aber nicht einmal 26 Franken. Und das für einen Flug von einer Stunde und zehn Minuten über die Javasee.

Bild

Die Maschine verunglückte kurz nach ihrem Start in Westjava. screenshot: flighradar24

Auf eben dieser Verbindung sind am Montag wahrscheinlich 188 Menschen ums Leben gekommen. Alle, die nach Behördenangaben auf dem Flug JT-610 an Bord waren: 181 Passagiere und 7 Besatzungsmitglieder.

Die Maschine, eine Boeing 737, stürzte kurz nach dem Start ins Meer. Ursache war offenbar ein technisches Problem. Der indische Pilot Bhavye Suneja, ein erfahrener Mann mit 6000 Flugstunden, bat noch um die Erlaubnis, umkehren zu dürfen. Aber da war es schon zu spät.

epa07128636 Indonesian relatives of the plane crash victims cry as they wait for the news at the airport in Sukarno Hatta Airport, Indonesia, 29 October 2018. According to media reports on 29 October 2018, Lion Air flight JT-610 lost contact with air traffic controllers soon after takeoff then crashed into the sea. The flight was en route to Pangkal Pinang, and reportedly had 189 people onboard.  EPA/MAST IRHAM

Angehörige trauern um die Opfer der verunglückten Lion Air. Bild: EPA/EPA

An der Unglücksstelle trieb Stunden später noch ein grosser Teppich aus Flugbenzin auf dem Wasser. Dazwischen schwammen grössere Wrackteile, ausserdem Rettungswesten, Handyhüllen, Ausweise, Führerscheine und verschiedene andere Dokumente. Unter den Todesopfern sind auch mehrere Beamte des indonesischen Finanzministeriums, die übers Wochenende in der Hauptstadt waren.

Das Wrack der Lion-Air-Maschine liegt nach Angaben der Behörden etwa 35 Meter weiter unten auf dem Grund der Javasee, die an dieser Stelle nicht besonders tief ist. Am Nachmittag (Ortszeit) konnten Taucher die ersten Todesopfer bergen. Hinweise auf Überlebende gibt es nach Angaben der nationalen Such- und Rettungsbehörde keine. Die Erfahrung lehrt, dass nach so vielen Stunden im Meer alle Hoffnung praktisch dahin ist.

epa07129179 Debris from the crashed Lion Air plane in the sea off the coast of Tanjung Pakis Karawang, Indonesia, 29 October 2018. According to media reports on 29 October 2018, Lion Air flight JT-610 lost contact with air traffic controllers soon after takeoff then crashed into the sea. The flight was en route to Pangkal Pinang, and reportedly had 189 people onboard  EPA/STR

Wrackteile schwimmen bei der Unglücksstelle im Meer. Bild: EPA/EPA

Flugzeug erst zwei Monate alt

Der Absturz bringt die Billigflieger in die Schlagzeilen, von denen es in dieser Ecke Asiens noch mehr gibt als in anderen Teilen der Welt. In Indonesien mit seinen mehr als 250 Millionen Einwohnern ist die 1999 gegründete Lion Air der grösste, aber die Konkurrenz aus anderen Ländern wie Air Asia oder Scoot ist auch unterwegs. Billiger als in Asien lässt sich auf der Welt derzeit nirgends fliegen.

Die immer noch steigenden Bevölkerungszahlen, der wachsende Wohlstand, die neuen Spritspar-Modelle der Flugzeugbauer – all das sorgt dafür, dass die Geschäftsaussichten für die Billigflieger trotzdem rosig sind. In Indonesien mit seinen mehr als 17'000 Inseln spart man mit dem Flugzeug zudem enorm Zeit. Der Bedarf an Piloten und neuen Maschinen ist gross. Alle Gesellschaften erklären jedoch, dass an der Sicherheit keinesfalls gespart werde.

Die Unglücksmaschine war gerade einmal zwei Monate alt: Baujahr 2018, seit dem 15. August in Betrieb, erst 800 Flugstunden. Die Boeing 737 MAX 8 ist eine Neuauflage des Mittelstrecken-Klassikers, den die amerikanische Airbus-Konkurrenz seit den 1960er Jahren baut. Sie verbraucht deutlich weniger Kerosin als frühere Modelle. Die ersten Exemplare wurden vor zwei Jahren ausgerechnet an Lion Air ausgeliefert.

Bild

Die Unglücksmaschine war eine brandneue Boeing. screenshot: flighradar24

Der indonesische Billigflieger hatte 2013 schon einmal weltweit Schlagzeilen gemacht, als eine andere seiner Boeings vor Bali im Meer landete und auseinanderbrach. Zum Glück kam von den mehr als 100 Insassen damals niemand ums Leben.

Maschine hatte früher schon Probleme

Was jetzt besonders stutzig macht: Die abgestürzte Maschine hatte bereits an diesem Sonntag auf einem Flug von Bali nach Jakarta ein technisches Problem. Der Vorstandschef von Lion Air, Edward Sirait, bestätigte dies am Montag. Er verwies aber darauf, dass die Maschine nach gründlicher Untersuchung durch die Technik eine Starterlaubnis bekommen habe. «Alles nach Vorschrift.»

Kurz nach dem Abheben am Montag um 6.20 Uhr gab es dann wieder ein Problem. Der Pilot bat die Flugaufsicht um Erlaubnis, kehrt machen zu dürfen – warum genau, das sagten zunächst weder Fluglinie noch die Behörden. «Unser Pilot hat nach Vorschrift gehandelt», betonte Sirait auch dieses Mal. «Als er gesehen hat, dass es ein Problem gibt, hat er darum gebeten, zur Basis zurückkehren zu dürfen. Aber wir wissen, wie es zu Ende ging.» (sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Re Né 29.10.2018 22:11
    Highlight Highlight Einmal mehr zeigt sich, wie wenig sinnvoll Spekulationen sind. Weder der Flugpreis, noch das Baujahr des Fluggerätes werden für den dramatischen Unfall ausschlaggebend sein. Menschen haben versagt, soviel mag feststehen, denn alle Technik ist menschengemacht. Man muß, sobald man die Fehler kennt, daraus lernen!
    Die Opfer und all ihre Angehörigen tun mir sehr leid.... 😔
  • Der müde Joe 29.10.2018 16:33
    Highlight Highlight Besser als für 500.- in den Tod.🤷🏻‍♂️

    *ironie off*
    • Burial 29.10.2018 17:21
      Highlight Highlight Ba-Dum-Tss 🥁

      Musste lachen, sorry Welt 🤷‍♂️
    • Schlange12 29.10.2018 19:34
      Highlight Highlight Besoders weil es völig egal ist was es gekostet hat. Man kann es nicht mit nehmen. Dazu gehe ich davon aus, dass der Durchschnittslohn nicht den Schweizerverhältnissen entsprechen.

      Also reine dumme Stimmungsmache!
  • flying kid 29.10.2018 16:30
    Highlight Highlight Auch in Europa kann mann für 11€ Flüge buchen, z. B. Deutschland nach Mallorca gibts manchmal fast gratis.
    Auch sind das nur sehr wenig Tickets zu diesem Preis, dann wirds schnell teuer. So funktionieren Billigairlines.

    Viel schlimmer ist, dass Lion Air seit 2002 schon total 7 Flugzeugunfälle hatte wo das Flugzeug Totalschaden hatte. Von den zig weiteren Vorfällen gar nicht erst gesprochen.
    Zu schnelles Wachstum, Mangel an qualifiziertem Personal, etc zeigen dann halt ihr Gesicht. Darum stehen die meisten indonesischen Airlines in Europa auf der Blacklist und haben Flugverbot hier.
    • TheWall_31 29.10.2018 18:21
      Highlight Highlight Wie gesagt, die indonesische Luftfahrt hat allgemein mit starken Sicherheitsproblemen zu kämpfen.

      Im übrigen, am vergangenen Freitag war ich für einen Tagesausflug auf Mallorca - für 2€ hin und zurück. :)
  • Posersalami 29.10.2018 16:12
    Highlight Highlight RIP
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 29.10.2018 16:11
    Highlight Highlight Verstehe jetzt ganz und gar nicht, weshalb bei einem 2 Monat alten Flugzeug der Flugpreis zu einem Thema wird. Ich denke mal, bei einem so neuen Flugzeug wurden bestimmt alle Wartungen vorschriftsgemäss erledigt.
    • TheWall_31 29.10.2018 16:19
      Highlight Highlight Immer noch besser als das, was 20 Minuten titelte:

      "Stürzte das Flugzeug ab, weil es zu neu war?"

      Ja bestimmt!
    • Juliet Bravo 29.10.2018 16:47
      Highlight Highlight Ob alle Wartungen vorschriftsgemäss erledigt wurden, wird die Untersuchung zeigen. Die Maschine hatte Tags zuvor bereits Probleme mit Geschwindigkeit und Höhe.
    • Pbel 29.10.2018 17:16
      Highlight Highlight Auch wenn sowohl 20min wie auch watson Schlagzeile überflüssig ist: ja Dinge können auch kaputt gehen weil sie zu neu sind - wenn sie von Anfang an einen versteckten Mangel hatten ist das sogar wahrscheinlich. Das lässt sich aber ohne Untersuchung nicht sagen.
  • TheWall_31 29.10.2018 15:26
    Highlight Highlight Die Provokation im Titel finde ich sehr unnötig. Es hat sich in den letzten 20 Jahren immer und immer wieder gezeigt, dass Billig-Fluglinien in keinster Weise stärker von Zwischenfällen betroffen sind.

    Indonesien ist bezüglich der Aviatik-Sicherheit weltweit eine der grössten "Problem-Nationen". Egal, ob der Flug jetzt 26 Franken kostete, oder nicht.

Nicht nur Pilatus hadert mit dem Gesetz: Firmen meldeten Ausland-Einsätze nicht

Die Zahl der Dienstleistungen für ausländische Streitkräfte, die beim Bund gemeldet werden, nimmt zu. Es gab auch Verbote.

Der Flugzeugbauer Pilatus aus Stans darf in Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach einer Gnadenfrist keine Flugzeuge und Simulatoren mehr warten. Die Arbeit ist laut dem Aussendepartement nicht mit den Zielen des Bundes vereinbar. Hintergrund dürfte der Jemen-Krieg sein. Pilatus wehrt sich gerichtlich gegen den Entscheid. Man habe eine Generalausfuhrbewilligung des Staatssekretariates für Wirtschaft, so die Begründung.

Nun erhält Pilatus Unterstützung von der …

Artikel lesen
Link zum Artikel