Wirtschaft
Schweiz

Trotz tiefen Referenzzinssatzes: «Mieten in der Schweiz müssten 40% tiefer sein»

Trotz tiefen Referenzzinssatzes: «Mieten in der Schweiz müssten 40% tiefer sein»

01.03.2017, 11:4501.03.2017, 21:51

Die Mietzinse in der Schweiz bleiben unverändert. Der hypothekarische Referenzzinssatz bleibt auch im neuen Jahr bei rekordtiefen 1,75 Prozent. Allerdings fehlte nur wenig für eine Senkung auf 1,5 Prozent. Mieter zahlen somit auch weiterhin deutlich mehr als Wohneigentümer.

Schon seit Jahren profitieren Immobilieneigentümer von ultragünstigen Hypothekarzinsen. Vergleicht man die Zins- und Amortisationskosten für eine Hypothek, könnten Mieter zwischen 10 bis gut 50 Prozent der monatlichen Kosten einsparen, wenn sie die Immobilie kaufen würden, statt sie nur mieten, schreibt die Beratungsplattform moneypark am Mittwoch in einer Medienmitteilung.

«Während die Mieten faktisch unaufhaltsam steigen, hat sich die Wohnkostenbelastung der eigenen vier Wänden massiv reduziert.»
Raiffeisenbank Wohnimmobilienreport

Ein Mieter einer 4-Zimmer Wohnung bezahlte 2016 rund 1600 Franken, während sich die Zinskosten für den Eigentümer gerade mal auf 870 Franken beliefen.

Quelle: moneypark
Quelle: moneypark

Werden die Verluste der Mieter kumuliert, belaufen sich diese für die Jahre 2014 bzw. 2015 auf 8 bzw. 9 Milliarden Franken, schreibt moneypark. Die weitere Senkung des Durchschnittssatzes bei unverändertem Referenzzinssatz dürfte diese Verluste in Zukunft eher noch erhöhen und den Schritt vom Mietverhältnis zum Eigenheim erschweren. Denn je länger man in der teuren Miete bleibt, desto weniger Kapital kann angespart werden. Geld, das am Ende in Form von Eigenkapital fehlt, um eine eigene Immobilie zu kaufen.

Mieter sind die «Lackierten»

Die Mieten müssten um 40 Prozent tiefer sein, hätten sie sich gemäss den Regeln des Mietrechts entwickelt, hat die Raiffeisenbank in ihrem neuesten Wohnimmobilienreport nachgerechnet. Diese Entwicklung sei beängstigend. Und weiter schreibt die Bank: «Während die Mieten faktisch unaufhaltsam steigen, hat sich die Wohnkostenbelastung der eigenen vier Wänden massiv reduziert.»

Die Nichtbeachtung des Mietrechts führt dazu, dass Vermieter und institutionelle Anleger unglaublich hohe Renditen von 5 bis 7 Prozent erzielen, kritisiert auch der Schweizerische Mieterverband (SMV) in einer Medienmitteilung vom Mittwoch. Bezahlen müssten dies die Mieterhaushalte, die sich im Konsum einschränken müssten, die Pensionskassen und andere Versicherungen finanzierten und weiteren Geldanlegern ihre Rendite sicherten. «Sie sind die Lackierten in dieser Tiefzinsphase», heisst es beim SMV. 

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