DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Mit bodengestützten Radar- und Lasermessungen vermassen die Geologen hochauflösend die Veränderungen der Moosfluh oberhalb des Aletschgletschers. (Bild: Andrew Kos / ETH Zürich / Terrasense)

Mit bodengestützten Radar- und Lasermessungen vermassen die Geologen hochauflösend die Veränderungen der Moosfluh oberhalb des Aletschgletschers. (Bild: Andrew Kos / ETH Zürich / Terrasense) (Bild: Andrew Kos / ETH Zürich / Terrasense)

Chronik eines katastrophalen Hangrutsches im Aletschgebiet



Weil der Aletschgletscher sich rasant zurückgezogen hat, ist der angrenzende Hang - die Moosfluh - in Bewegung. Diese dramatischen Verschiebungen im Aletschgebiet haben Forscher der ETH Zürich mithilfe umfangreicher Messdaten über einen langen Zeitraum nachgezeichnet.

Seit Jahren gleitet die Moosfluh in nie zuvor beobachtetem Tempo ab. Im letzten Herbst musste sogar die Moosfluh-Bahn den Betrieb einstellen, obwohl ihre Bergstation über ein bewegliches Fundament verfügt. Das Wissenschaftlerteam um Andrew Kos und Sarah Springman kann nun diesen Hangrutsch direkt auf den Rückgang des Aletschgletschers zurückführen, wie die ETH am Montag mitteilte.

Dabei stützen sie sich auf umfangreiche Daten aus Radar- und GPS-Messungen, sowie auf Laserscans aus der Luft und vom Boden aus. Hinzu kamen Satellitendaten und ältere Messdaten der Gletscherhöhe und -länge. «Aufgrund unserer langjährigen Messungen konnten wir eine kritische Schwelle des Gletscherschwundes, bei welcher sich die Situation sprunghaft verschärfte, aufspüren», sagte Kos gemäss der Mitteilung.

Die Falschfarbenbilder machen deutlich, wie stark der Aletschgletscher zwischen 2005 und 2011 an seiner Zunge geschrumpft ist. (Grafik: A. Kos / ETH Zürich / Terrasense)

Die Falschfarbenbilder machen deutlich, wie stark der Aletschgletscher zwischen 2005 und 2011 an seiner Zunge geschrumpft ist. (Grafik: A. Kos / ETH Zürich / Terrasense) (Grafik: A. Kos / ETH Zürich / Terrasense)

30 Zentimeter pro Jahr

Wie die Forscher im Fachblatt «Geophysical Research Letters» berichten, kam der Wendepunkt Mitte der 1990er Jahre: Ab dann ging das Gletschereis schneller zurück als je zuvor beobachtet. Daraufhin beschleunigte sich auch die Bewegung der Moosfluh - allerdings mit einer Verzögerung von neun Jahren, schrieb die ETH.

Bis Anfang der 1990er bewegte sich der Hang im Durchschnitt weniger als einen Zentimeter im Jahr, in jüngster Zeit aber durchschnittlich 30 Zentimeter jährlich.

Besonders am Hangfuss wirke sich der Verlust des Gletschereises empfindlich aus, so die Mitteilung weiter. Die Forscher registrierten dort seit 2005 eine deutliche Zunahme der Felsabbrüche beziehungsweise des abgebrochenen Felsvolumens. 2016 brachen in einem einzigen Felssturz 2.5 Millionen Kubikmeter Fels ab. Die Instabilität des Hangfusses setze sich durch den ganzen Hang fort.

Blick auf den Aletschgletscher von der Moosfluh. (Bild: aletscharena.ch)

Blick von der Moosfluh auf den Aletschgletscher. Bild: aletscharena.ch

Überraschendes Tempo

Die Geschwindigkeit der Veränderungen im Aletschgebiet überraschte die Forschenden. Bisher ging man davon aus, dass Hangbewegungen durch den Gletscherrückgang sehr langsame, kaum wahrzunehmende Prozesse seien.

Die Studie sei mit ihrem umfangreichen Datensatz einzigartig, betonen die Wissenschaftler. Ob die Entwicklung so rasant weitergehe, sei allerdings unklar, schrieb die ETH. Die weitere Überwachung der Messdaten obliege nun dem Kanton Wallis. (whr/sda)

Gletscher in Gefahr

1 / 12
Gletscher in Gefahr
quelle: getty images south america / mario tama
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Israelische Studie betont Bedeutung vollständiger Corona-Impfung

Eine neue Studie aus Israel unterstreicht die Notwendigkeit, sich doppelt mit dem Biontech-Präparat gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Eine landesweite Untersuchung des dortigen Gesundheitsministeriums und des Herstellers Pfizer bescheinigte dem Impfstoff zwischen sieben und 14 Tagen nach Erhalt der ersten Dosis eine Schutzwirkung von 58 Prozent vor einer Infektion, von 76 Prozent vor einer Krankenhauseinweisung und 77 Prozent vor dem Tod. Sieben Tage nach der vom Hersteller empfohlenen …

Artikel lesen
Link zum Artikel