Wissen
Energie

Künstliche Fotosynthese: Forscher wollen Treibstoff aus Licht gewinnen

Grüne Pflanzenblätter, Fotosynthese (Symbolbild)
Fotosynthese: Pflanzen fangen mit ihren grünen Blättern Sonnenlicht ein und wandeln damit CO₂ in energiereiche Zuckermoleküle um, wobei Sauerstoff frei wird. Bild: Shutterstock

Treibstoff aus Licht – Basler Forscher sind der künstlichen Fotosynthese auf der Spur

Basler Forscher haben ein Molekül entwickelt, das Licht in Energie umwandeln kann – ein Schritt hin zu künstlicher Fotosynthese und klimaneutralen Treibstoffen.
28.08.2025, 19:4728.08.2025, 19:47
Mehr «Wissen»

Fotosynthese – ein etwas sperriger Begriff, der vielen von uns noch aus der Schule bekannt ist. Es ist der Prozess, bei dem grüne Pflanzen (und auch einige Bakterien) mittels Chlorophyll Sonnenlicht einfangen und dessen Energie nutzen, um CO₂ in energiereiche Zuckermoleküle umzuwandeln, wobei sie Sauerstoff freisetzen.

Dieser Vorgang ist die Grundlage nahezu des gesamten Lebens, denn alle Organismen, die selber keine Fotosynthese betreiben können, also Tiere und Menschen, sind auf die produzierten Kohlehydrate und den Sauerstoff angewiesen. Indem sie die Kohlehydrate mittels Sauerstoff «verbrennen», nutzen sie die darin gespeicherte Energie. Dabei wird wieder CO₂ freigesetzt – der symbiotische Kreislauf schliesst sich.

Fotosynthese
CO₂ plus Wasser ergibt dank Sonnenlicht und Chlorophyll Glukose und Sauerstoff.Grafik: Shutterstock

Klimaneutrale Treibstoffe

Die natürliche Fotosynthese wäre daher ein Vorbild dafür, wie wir umweltfreundliche, nämlich klimaneutrale Treibstoffe, sogenannte Solartreibstoffe produzieren könnten. Beispiele dafür sind Wasserstoff, Methanol oder synthetisches Benzin. Wenn diese Treibstoffe verbrannt werden, wird nur so viel CO₂ frei, wie bei ihrer Produktion gebunden wurde – sie wären damit klima- oder genauer CO₂-neutral.

Die Fotosynthese ist jedoch ein komplexer Vorgang, und die Herstellung von Brennstoffen aus Sonnenenergie mittels künstlicher Fotosynthese gilt als eine der anspruchsvollsten Aufgaben der Chemie. Bisher wurde trotz intensiver Bemühungen noch keine praktikable Methode gefunden. Ein Hindernis hat sich dabei als besonders hartnäckig: die gleichzeitige Speicherung mehrerer Elektronen in einem Molekül.

Künstliche Fotosynthese
Basler Forscher haben ein neues Molekül entwickelt, das Energie aus Sonnenlicht speichern kann. Illustration: Deyanira Geisnæs Schaad

Vier Ladungen gleichzeitig speichern

Einem Forschungsteam der Universität Basel ist nun ein wichtiger Schritt hin zur künstlichen Fotosynthese gelungen: Die Chemiker, die ihre Forschungsergebnisse im Fachmagazin Nature Chemistry veröffentlichten, haben ein neues Molekül entwickelt, das zwei positive und zwei negative Ladungen gleichzeitig speichern kann.

Es besteht aus fünf Teilen, die in einer Reihe verknüpft sind und unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Zwei von ihnen auf der einen Seite geben Elektronen ab und werden dadurch positiv geladen. Zwei weitere auf der anderen Seite nehmen die Elektronen auf und erhalten so eine negative Ladung. Der mittlere Teil absorbiert Sonnenlicht und löst den Transfer der Elektronen aus.

Trifft ein erster Lichtstrahl auf diesen mittleren Baustein, entstehen eine positive und eine negative Ladung, die jeweils an die Enden des Moleküls wandern und dort – getrennt voneinander – bleiben. Dieser Vorgang wiederholt sich beim zweiten Lichtstrahl. Das Molekül kann somit insgesamt vier Ladungen speichern, wie eine winzige Solarbatterie.

Das Molekül, das Sonnenlicht speichern kann.
https://www.nature.com/articles/s41557-025-01912-x
Das neue Molekül kann insgesamt vier Ladungen speichern – zwei negative und zwei positive. Grafik: Nature Chemistry

Auch mit schwächerem Licht möglich

«Diese schrittweise Anregung erlaubt es, deutlich schwächeres Licht zu nutzen. Wir bewegen uns damit schon in der Nähe der Stärke von Sonnenlicht», erklärt Mathis Brändlin, der als Doktorand an der Studie beteiligt war, in einer Mitteilung der Universität. In früheren Forschungsarbeiten wurde extrem starkes Licht verwendet, was weit von den Verhältnissen bei natürlicher Fotosynthese entfernt war. «Ausserdem bleiben die Ladungen im Molekül lange genug stabil, um sie für weitere chemische Reaktionen zu nutzen», fügt Brändlin an.

Die Forscher betonen, dass sie mit dem neuen Molekül noch kein funktionierendes künstliches Fotosynthese-System geschaffen haben. «Aber wir haben ein wichtiges Puzzleteil identifiziert und realisiert», stellt Studienautor Oliver Wenger, Chemieprofessor an der Universität Basel, fest. Die Erkenntnisse aus der neuen Studie würden dazu beitragen, die Elektronentransfers besser zu verstehen, die für die künstliche Fotosynthese zentral seien. «Wir hoffen, damit zu neuen Perspektiven für eine nachhaltige Energiezukunft beizutragen», erklärt Wenger. (dhr)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Sind bald alle Energieprobleme gelöst?
1 / 9
Sind bald alle Energieprobleme gelöst?
Foto vom 10. Dezember 2015: Das erste Plasma bestand aus Helium und erreichte eine Temperatur von rund einer Million Grad Celsius. Jetzt haben die Forscher auch Wasserstoff-Plasma erzeugt. (Bild: Max-Planck-Institut für Plasmaphysik)
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Es hat mit Wehmut zu tun» – wie der Klimawandel die Schweizer Bergwelt verändert
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
17 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
17
Paare mit Kindern gingen in der Corona-Zeit häufiger fremd
Die Corona-Pandemie hat unser soziales Leben weitgehend zum Erliegen gebracht. Wer dachte, dass vor allem Singles durch die Lockdowns verzweifelt waren, irrt sich: Paare gingen im ersten Pandemiejahr viel häufiger fremd, und es gab auch einen bemerkenswerten Unterschied zwischen Paaren mit und ohne Kinder.
Mütter und Väter neigten in dieser herausfordernden Zeit eher zu Affären als Menschen ohne Kinder. Das geht aus einer neuen amerikanischen Studie der Indiana University Bloomington hervor. Forscher unter der Leitung der Psychologin Jessica Campbell befragten 1070 Amerikaner in festen, heterosexuellen Beziehungen zu ihren Erfahrungen in den Jahren 2020 und 2021. Es geht also um das erste Jahr der Pandemie, als Schulen und Kindertagesstätten lange Zeit geschlossen waren. Die Teilnehmer mussten angeben, ob sich ihr Verlangen nach einem Seitensprung seit Beginn der Lockdowns verändert hatte und ob sie tatsächlich fremdgegangen waren.
Zur Story