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Kondensstreifen sind klimaschädlicher, als du denkst

Kondensstreifen am Himmel.
Bild: Shutterstock

Chemtrails? Nein. Aber Kondensstreifen sind klimaschädlicher, als du denkst

Dass der Luftverkehr eine beträchtliche Menge an CO₂-Emissionen verursacht, ist allgemein bekannt. Laut neuen Studien verschärfen aber auch die Kondensstreifen von Flugzeugen die globale Erwärmung. Doch dagegen kann etwas unternommen werden.
18.12.2025, 17:3418.12.2025, 17:34

Die Kondensstreifen, die Flugzeuge am Himmel hinter sich nachzuziehen scheinen, entstehen in grosser Höhe, wenn heisse, feuchte Abgase mit eiskalter Luft in Kontakt kommen. Der Wasserdampf in den Abgasen kondensiert oder gefriert fast sofort, wodurch kleine Eiskristalle entstehen, die das Sonnenlicht reflektieren und den Streifen sichtbar machen. Manche Leute halten die Streifen für Chemtrails, durch die bösartige Mächte angeblich schädliche Chemikalien in der Atmosphäre versprühen. Kondensstreifen sind jedoch völlig harmlos.

Oder eben doch nicht ganz. Bekannt ist schon längst, dass die Streifen längere Zeit bestehen bleiben, wenn die Luft in Flughöhe feucht genug ist. Sie dehnen sich dann langsam zu dünnen, hohen Schleierwolken aus – sogenannten anthropogenen Cirren. Diese künstlichen Zirruswolken lassen Sonnenlicht teilweise durch, halten jedoch die von der Erdoberfläche reflektierte Wärmestrahlung zurück, wirken also ähnlich wie Treibhausgase. Wie stark sie das Klima beeinflussen, war bisher jedoch nicht klar.

Zirruswolken, Cirruswolken
Zirruswolken sind reine Eiswolken in grosser Höhe. Bild: Shutterstock

Erheblicher Einfluss

In letzter Zeit haben nun mehrere Studien den Einfluss der Kondensstreifen auf den Klimawandel untersucht. Sie zeigen alle, dass er erheblich ist. Frühere Modelle haben dagegen besonders die «versteckten» Kondensstreifen – jene die sich in bereits bestehenden Wolken bilden – übersehen.

Ein Forschungsteam um Andreas Petzold vom Forschungszentrum Jülich hat Messdaten von normalen Passagierflugzeugen im Zeitraum von 2014 bis 2021 analysiert und mit Wetterdaten verglichen. Die im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Studie kommt zum Schluss, dass sich 80 Prozent aller langlebigen Kondensstreifen nicht – wie zuvor angenommen – im wolkenfreien Himmel, sondern in bereits bestehenden Eiswolken bilden. Über dem Nordatlantik und den nördlichen Mittelbreiten liegt der Anteil sogar bei rund 90 Prozent.

Tageszeit ist entscheidend

Ein Team um Torsten Seelig von der Universität Leipzig wertete Satellitendaten des CALIPSO-Lidars und Flugbahnen aus. In ihrer ebenfalls in Nature Communications publizierten Studie zeigen die Wissenschaftler, dass die Tageszeit entscheidend für den Klimaeffekt von in Wolken «versteckten» Kondensstreifen ist. Tagsüber haben Durchflüge von Flugzeugen durch Zirruswolken eher eine abkühlende Wirkung. Sie machen die Wolken heller, dadurch reflektieren diese mehr Sonnenstrahlung. Nachts jedoch kehrt sich dieser Effekt um: Durchflüge durch Zirruswolken haben dann einen stark erwärmenden Effekt.

«Dieser dominiert den Gesamteffekt und führt daher zu einer Netto-Erwärmung», so das Team. Was dies hochgerechnet auf die ganze Welt bedeutet, haben die Forscher mithilfe eines Klimamodells ermittelt. Demnach trägt der Effekt der «versteckten» Kondensstreifen rund zehn Prozent zur gesamten geschätzten Klimawirkung des Flugverkehrs bei.

Knapp 40 Prozent der Flüge

In der dritten, ebenfalls in Nature Communications veröffentlichten Studie zeigen Forscher unter anderem vom Imperial College London, dass sowohl CO₂-Emissionen als auch die Bildung von Kondensstreifen zum Klimawandel durch den Luftverkehr beitragen. Die damit verbundenen gesellschaftlichen Kosten variieren jedoch stark, abhängig von Wetterbedingungen und Routenwahl. Etwa 38 Prozent der Flüge verursachen laut der Studie Kondensstreifen, die einen Erwärmungseffekt haben.

Durch die Optimierung der Flugstrecken kann dieser Anteil jedoch erheblich reduziert werden. Dies geht aus einer Analyse von fast einer halben Million Flügen über den Nordatlantik hervor. Anhand umfangreicher Flugdaten und meteorologischer Daten konnten die Forscher die Klima- und gesellschaftlichen Kosten entweder den Kondensstreifen oder den Abgasen selbst zuordnen.

Kursanpassungen und alternative Treibstoffe

Aus klimatischer Sicht ist es vorteilhaft, die Bildung von Kondensstreifen bei fast allen diesen Flügen durch kleine Kursanpassungen zu reduzieren, um die Bildung der Streifen zu vermeiden, auch wenn dies zu etwas höheren CO₂-Emissionen führt.

Neben der optimierten Routenplanung könnten auch alternative Treibstoffe mit weniger Russpartikeln die Bildung von Kondensstreifen reduzieren. Denn Russpartikel aus dem Flugzeugabgas dienen als Kristallisationskeime für Eiskristalle: Weniger Russ bedeutet potenziell weniger Kondensstreifen. (dhr)

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78 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hadock50
18.12.2025 17:57registriert Juli 2020
Einfach mal aufhören Kerosin noch subventionieren.

Aber bei der letzten Klimakonferenz hat ja man nich mal Ziele benennen können.
Armseliger Haufen... so wird das nie was aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen
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John H.
18.12.2025 18:04registriert April 2019
Der Luftverkehr ist grundsätzlich schädlich. Da nützt auch Optimierung nichts mehr.
Die Steuerbefreiung von Flugtreibstoff kommt aus einer Zeit, in welchem Fliegen sehr teuer war und niemand hat den Mut, das anzupassen. Die Finanzierung der Flugzeuge geschieht durch Gesellschaften, deren Geschäftsmodell auf Wachstum setzt.
Alles beruht auf dem Denkmuster, dass "die Umwelt" kein Faktor ist, weil sie so gross ist, dass sie alles schluckt. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wissen wir, dass dem nicht so ist. Trotzdem ignorieren viele das, weil "mein Beitrag ist ja so klein".
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Händlmair
18.12.2025 17:54registriert Oktober 2017
Ach war das schon, während des Corona-Lockdown, jeden Morgen bei schönem Wetter über Wochen den blauen Himmel betrachten zu können, ohne irgendwelche Kondensstreifen am Himmel. Hätte nichts dagegen, wenn der Flugverkehr weniger würde oder in Zukunft E-Flugzeuge möglich werden.
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Elsa Roth – als eine Frau an der Spitze des Schweizer Skisports stand
Die Bernerin Elsa Roth war Rennfahrerin, Skilehrerin und Funktionärin. Sie gründete den Schweizerischen Damenskiclub mit und führte ab 1939 die Geschäfte des nationalen Skiverbands während fast 35 Jahren. Heute ist ihr Name nur wenigen ein Begriff.
Roth kam am 15. Februar 1906 als fünftes Kind einer Berner Burgerfamilie zur Welt. Ihr Vater war Wirt, die Mutter wird in den Akten als «Privatière» bezeichnet. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs sie in der Stadt mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater auf. Hans Dinkelmann war unter anderem Nationalrat für die Radikalen (heute: FDP) und später Mitglied der Generaldirektion der SBB. Roth besuchte die Sekundarschule in Bern und absolvierte eine Fortbildungsklasse an der städtischen Mädchenschule mit den Schwerpunkten Erziehungs- und Haushaltungskunde. Danach ging sie als 17-Jährige für einen einjährigen Sprachaufenthalt nach England.
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