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Gefängnis-Aufseherin Angela Magdici (32),  Sexualstraftäter Hassan Kiko (27)

Die Aufseherin Magdici befreite vermutlich den Sexualstraftäter Kiko aus der Haft und floh mit ihm. 
Bild: Kapo Zürich

Das «Bonnie-und-Clyde-Syndrom»: Warum Frauen Verbrecher lieben



Ihre Taten können noch so brutal und abscheulich sein, sie erhalten trotzdem körbeweise Liebesbriefe: Selbst Serienmörder wie Ted Bundy, die ihre zumeist weiblichen Opfer quälten, töteten und zerstückelten, bekommen im Gefängnis Fanpost von Frauen.  

FILE - In this Monday, March 20, 2000 file photo, Marc Dutroux, right, is led out the courthouse of Neufchateau, Belgium, 180 kilometers (130 miles) east of Brussels. Marc Dutroux, a pedophile and child-killer who became one of Belgium’s most notorious criminals, is asking a sentencing court on Monday, Feb. 4, 2013 to release him from prison and monitor him with an electronic ankle bracelet. Dutroux, who is now 56, is serving a life term for kidnapping, torturing and abusing six girls in 1995 and 1996, and murdering four of them. He has been in prison for 16 years. His former wife, Michelle Martin, 53, who let two girls starve to death in the cellar while her husband was in jail for theft was approved for early release in July. She now lives in a convent. The court is not expected to rule on Dutroux’s request for freedom until Feb 18. Prison officials and prosecutors have recommended against his release. (AP Photo/Yves Logghe, File)

Erhält Fanpost: Kinderschänder Dutroux.
Bild: AP

Der berüchtigte belgische Kinderschänder Marc Dutroux, in dessen Kellerverlies zwei achtjährige Mädchen verhungerten, erhielt beispielsweise diese Zeilen von einem Mädchen im Teeniealter: 

«Guten Tag, ich bin ein 15-jähriges Mädchen. Ich wohne in La Roche-en-Ardenne. Sie faszinieren mich. Wenn ich Ihre schönen Bilder sehe, kann ich nicht anders als glauben, dass Sie ehrlich sind. Möchten Sie mein Brieffreund sein? Wenn Sie wollen, schicke ich Ihnen mein Foto.»

Fluchthelferinnen aus Liebe

Manche Frauen belassen es nicht bei schriftlichen Liebesschwüren, sondern versuchen mit dem Schwerverbrecher ihrer Träume enger in Kontakt zu treten. Einige der Verehrerinnen bekamen sogar Kinder von diesen Männern, selbst unter den erschwerten Bedingungen, die im Gefängnis herrschen. Andere verhalfen ihren Geliebten zur Flucht – wie vermutlich auch die Gefängnis-Aufseherin Angela Magdici

Das bisher kaum erforschte Phänomen bezeichnen Psychologen als Hybristophilie oder auch «Bonnie-und-Clyde-Syndrom», nach dem berühmten Gangsterduo Bonnie Parker und Clyde Barrow.

Es sei «ein Bündel von Ursachen», wie die österreichische Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner der Wiener Zeitung sagte, das zu dieser psychischen Störung führen kann. Zum einen gebe es «den narzisstischen Glauben an das eigene Heilpotenzial»: Die Frauen sind überzeugt davon, dass sie den Verbrecher durch ihre Liebe auf den Weg der Tugend zurückführen können.

Starke Faszinationskraft

Zum andern gehe von diesen Verbrechern eine starke Faszinationskraft aus, da sie über einen Erfahrungsbericht verfügten, der nicht alltäglich ist, und in den die Frauen nun «hineinschnuppern» könnten. Als weiteren Grund führt Kastner die Flucht vor einer regulären Beziehung an, denn aufgrund der Haftbedingungen kommen diese Paare einander nicht wirklich nahe. Die meisten dieser Beziehungen würden denn auch nach der Entlassung zerbrechen, da sie der Realität nicht standhalten könnten. 

Der deutsche Kriminalist Stephan Harbort unterscheidet drei Typen von betroffenen Frauen: Jene, die sehr negative Beziehungserfahrungen hinter sich hätten und nun ein Verhältnis suchten, das sie selber kontrollieren könnten. Dann gebe es Frauen mit einem gestörtem Selbstwertgefühl, die ihre eigene Persönlichkeit durch eine solche Beziehung aufwerten wollten. Und als dritten Typus gebe es jene Frauen, die missbraucht wurden und sich selbst die Schuld dafür gäben – und die sich durch die Beziehung zu Verbrechern besser zu verstehen suchten.

Als Kind missbraucht

Eine Traumatisierung im Kindesalter ist auch für die amerikanische Journalistin Sheila Isenberg die hauptsächliche Ursache für hybristophiles Verhalten. Nach zahlreichen Gesprächen mit Frauen, Psychologen, Anwälten und Polizisten kam sie in ihrem Buch «Women who love men who kill» zum Schluss, dass viele der betroffenen Frauen als Kind missbraucht oder misshandelt wurden. Meist sei ihr Vater streng und dominant, oft alkoholkrank und gewalttätig gewesen. Die Mütter waren dagegen schwach und hilflos.  

Deshalb suchten diese Frauen – sie stammen aus allen sozialen Schichten – einen Mann, den sie kontrollieren könnten. «Jeder Mörder ist ein sicherer Hafen, weil er eingeschlossen ist», schreibt Isenberg. So könne er die Frau nicht verletzen. Besonders Häftlinge, die lebenslang einsitzen oder in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung warten, erfüllten dieses Ideal. 

Diese Männer sind zudem oft charmant, und manche sind hervorragende Menschenkenner, da sie viel Zeit damit verbringen, die Körpersprache und Mimik von anderen Menschen zu verstehen. Sie nutzen ihre Fähigkeiten, um die Frauen für sich einzunehmen, denn diese sind oft der einzige Kontakt zur Aussenwelt. 

Oberflächliche Selbsttäuschung

Die Frauen wiederum entschuldigen die Straftat ihres Geliebten oder verleugnen sie schlicht. Isenberg, die rund 30 dieser Frauen interviewte, bekam von keiner zu hören, dass ihr Geliebter einen Mord begangen habe. Oft sind sie felsenfest von seiner Unschuld überzeugt wie die Frau des inzwischen verstorbenen Vergewaltigers und Mörders Richard Ramirez. Sie schrieb auf ihrer Website:  

«Ich appelliere an alle intelligenten Personen, nicht alles zu glauben, was in den Medien über Richard berichtet wird. Die Fakten in seinem Fall werden am Ende zeigen, dass Richard ein unschuldig verurteilter Mann ist, und ich glaube fest, dass seine Unschuld erwiesen wird.»

Richard Ramirez, Doreen Lioy

In ihren Augen unschuldig verurteilt: Serikenkiller Ramirez mit seiner Frau Doreen Lioy.
Bild: PD

Sheila Isenberg geht freilich nicht davon aus, dass diese Selbsttäuschung wirklich tief wurzelt. Sie nimmt an, dass jede Frau tief unter der oberflächlichen Verleugnung weiss, «dass ihr Mann ein Killer ist». Und genau dies, glaubt Isenberg, mache seine erotische Anziehungskraft aus. (dhr)

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28
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 11.02.2016 06:41
    Highlight Highlight das hauptwort dieser kommentare heute? themenkomplex
  • Kengru 11.02.2016 05:32
    Highlight Highlight dann geh ich mal die BS kantonalbank Überfallen
    mal schauen ob sich ein mäidschi mir anschliesst ;)
    • Martina Moshmallow 11.02.2016 07:43
      Highlight Highlight Ja abr nume wed ds gäld mit mer teilsch so 50:50 xD
  • Tropfnase 11.02.2016 04:17
    Highlight Highlight Aufschlussreich! Danke.
  • JFH 10.02.2016 21:34
    Highlight Highlight @Rhabarber:

    Zitat: oder du distanzierst dich emotional zu einem Themenkomplex, mit dem du selbst Probleme hast.

    You made my day 😂
  • stadtzuercher 10.02.2016 20:39
    Highlight Highlight In Zeiten wo Liebe, Beziehungen und Geschlechterrollen in der Gesellschaft oft aufs Extremste ideologisiert und idealisiert werden (die Frau soll / soll nicht Karriere machen, am Herd stehen, der Mann soll / soll nicht Macho sein, Teilzeit arbeiten, weiblich sein etc), ists erfrischend zu sehen, dass Liebe manchmal einfach irgendwohin fällt und erwidert wird, wo sie es eigentlich politisch korrekt gar nicht dürfte.
    • Martiis 10.02.2016 21:42
      Highlight Highlight Besonders erfrischend finde ich das jetzt nicht und von erwiderter Liebe würde ich in diesem Zusammenhang auch nicht sprechen. Diese Mehrfachmörder sind doch meistens gefühllose Narzissten, die es bloss geniessen angehimmelt zu werden. Dass Frauen, die in der Kindheit missbraucht wurden, nicht aus ihrem Schicksal ausbrechen können, ist eher traurig.
    • stadtzuercher 10.02.2016 21:54
      Highlight Highlight martiis, mehrfachmörder wurden in der kindheit auch missbraucht. aber finde es supi, wie du gleich klar die opferkarte zu verteilen weisst. was wäre ein leben mit grautönen.
    • Martiis 10.02.2016 22:09
      Highlight Highlight Dass Mehrfachmörder auch schon schlimmes erlebt haben, hab ich ja nicht in Abrede gestellt. Trotzdem kann es gefährlich werden, sich mit solchen Leuten auf eine Beziehung einzulassen. Und sorry, wenn ich einem Marc Dutroux, der seelenruhig im Gefängnis sass, während er wusste, dass bei ihm zu Hause im Keller gerade zwei Mädchen am verhungern sind, nicht so viel Empathie entgegen bringe.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mnemonic 10.02.2016 20:27
    Highlight Highlight Ein echt schräges Phänomen...
  • JFH 10.02.2016 19:15
    Highlight Highlight Na, wenn Kriminalität wirklich anziehend ist: ich bin erst kürzlich bei rot über die Strasse gelaufen!
    schreibt mir eure Handynummern ins Kommentarfeld, liebe Verehrerinnen..
    • Calvin Whatison 10.02.2016 20:37
      Highlight Highlight @JFH es gibt Themen, da ist auch ein flacher Spruch nichts. Er sollte wohl spassig sein. Und Nein aber ! aber auch, er zieht! ... DU nimmst das ganze nicht so ernst. ok.

      @Rhabarber wie fast immer auf den Punkt gebracht, hier deutsch, ehrlich und deutlich. Her mit den Blitzen, dann teilen wir diese.
    • Miss_Ann_Thropist 10.02.2016 22:12
      Highlight Highlight Muss man bei Rhabarber eigentlich blitzen wenn man ihr Kommentar mag oder ist die Leserschaft von Watson mittlerweile auf dem Niveau der Titanic angekommen?
    • Citation Needed 10.02.2016 22:42
      Highlight Highlight JFH, das ist nur eine Übertretung. Aber schon dadurch wirkst Du um eine Vielfaches attraktiver als ein Buchhalter mit Schuppenbildung (und schwarzem Sakko) kurz vor der Frühpensionierung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Calvin Whatison 10.02.2016 19:12
    Highlight Highlight liest sich interessant, wenn Abgründe sich auftun. Für eine betroffene Frau vermutlich einmal Hölle und zurück zwischen Gut und Böse...

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