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Angebliche Wolfssichtung: Tierhalter müssen jederzeit mit Wölfen rechnen

Dieses hundeartige Tier wurde von einem Landwirt bei Rümlang gesichtet.Video: extern / rest/züritoday

Zeigt dieses Video tatsächlich einen Wolf in Rümlang ZH? Tierexperte Moser schätzt ein

Andreas Moser ist der wohl bekannteste Tierfilmer und Biologe der Schweiz – von 1989 bis 2021 moderierte er auf SRF die Sendung «Netz Natur». Für watson schätzt er ein Video ein, das einen Wolf in Rümlang zeigen soll – und sagt, warum ein Wolf im Zürcher Unterland noch kein Grund für Panik ist.
15.11.2023, 12:1622.01.2024, 13:30
Andreas Moser
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Die Sichtung eines grossen, hundeartigen Tieres bei Rümlang hat Spekulationen ausgelöst, dass es sich um einen Wolf handeln könnte.

Ob es sich beim grossen Hundeartigen tatsächlich um einen frei lebenden Wolf handelt, lässt sich aufgrund der schlechten Qualität des Videos allerdings nicht eindeutig feststellen. Die Fortbewegung, der ängstlich eingezogene Schwanz und die Färbung sprechen eher dafür. Irritierend ist jedoch die dunkle, völlig untypisch dicke Halspartie, die untypisch massige Erscheinung und der schwerfällige Rhythmus der Fortbewegung, die gegen ein Wildtier spricht.

Aber im Vergleich zu einer sehr ähnlichen Videoaufnahme vom 23. März 2021 am Irchel ist es durchaus möglich, dass auch hier wieder ein Wolf unterwegs war.

Andreas Moser
Wölfe stellen in der Schweiz für Menschen keine reale Gefahr dar, sagt Tierexperte Andreas Moser.Bild: Corinne Kägi

Deswegen einen besonderen Alarm auszurufen, ist eher eine psychologische Massnahme, und keine Massnahme gegen eine tatsächliche Gefahr. Es ist erwiesen, dass schon viele Wölfe auf Wanderschaft heimlich das Mittelland, auch den Kanton Zürich, durchquert haben. Deshalb gilt für alle Halter:innen von Schafen und Ziegen generell, dass sie auch im Flachland jederzeit mit Wölfen rechnen müssen, dass sie also ihre Tiere hinter gut geladenen Elektrozäunen weiden lassen und nachts wenn möglich einstallen oder zusätzlich sichern.

Abschuss von Wölfen kontraproduktiv

Wenn nun im Dezember tatsächlich wie angekündigt das grosse, emotionale Wolfsschiessen in den Bergkantonen losgeht, werden die Wolfsfamilien in alle Richtungen zerstreut, und es ist anzunehmen, dass dann Übergriffe versprengter, verschüchterter Wölfe auf Nutztiere zunehmen werden, auch dort, wo es bisher nie Schäden gab.

Die Erfahrung zeigt nämlich, dass sich die Schäden an Nutztieren – von Ausnahmen abgesehen – dort in Grenzen halten, wo die Wölfe sich auskennen oder nur durchziehen. Denn die Beutegreifer finden dank sehr hoher Wildbestände im Wald genügend Nahrung.

Aber es liegt in der Natur vieler Menschen, dass jeder Wolf automatisch unter Generalverdacht des Bösen steht, obwohl nach den wissenschaftlichen Fakten nur ein Bruchteil von ihnen tatsächlich Nutztiere angreift und sie für Menschen – auch im Vergleich zu anderen Risiken – keine reale Gefahr sind.

Video: extern / rest/züritoday

Wölfe sind hier willkommen

Video: srf/Roberto Krone
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158 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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haniau
15.11.2023 12:27registriert Mai 2021
Von jedem Stern gibt es bessere Bilder, als von Aliens und Wolfsichtungen🙄😳
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Reiszeit
15.11.2023 12:39registriert November 2021
Meiner Meinung nach handelt es sich um einen Löwen.
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Pragmatiker17
15.11.2023 12:25registriert Juni 2018
"Wenn nun im Dezember tatsächlich das grosse, emotionale Wolfsschiessen in den Bergkantonen losgeht, werden die Wolfsfamilien in alle Richtungen zerstreut, und es ist anzunehmen, dass dann Übergriffe versprengter, Wölfe auf Nutztiere zunehmen werden."

Das kann den betreffenden Kantonen wohl nur willkommen sein: dann haben sie letztlich eine "Rechtfertigung", um die übrigen Tiere ebenfalls noch zu meucheln.
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