International

Und Böhmi so: «Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist das ein Problem des Staates»

Publiziert: 06.10.16, 16:20 Aktualisiert: 06.10.16, 17:13

Jan Böhmermann hat auf die Einstellung des Verfahrens wegen Beleidigung reagiert. Der Moderator gab in gewohnt schnippischer Art eine Pressekonferenz, bei der allerdings keine Journalisten zugegen waren, und stellte das Ganze auf YouTube.

«Hallo, liebe Medienvertreter, liebes durchschnittlich informiertes, medienverständiges Publikum», legt der Deutsche los. Er freue sich, dass die Staatsanwaltschaft seine Sendung vom März in Gänze angesehen hat. «Wir bei ZDFneo können jeden aufmerksamen Zuschauer gut gebrauchen.»

Die Behörde habe eingesehen, dass der Moderator bloss «ein unseriöser Quatschvogel» sei und «beruflich Blödsinn» mache. «Alles andere hätte ich zwar schmeichelhaft, aber auch einigermassen beunruhigend gefunden.»

Nun stehe offiziell fest: Bei seiner Schmähkritik «geht es im Kern um einen Witz». Das sei kein «Ausrutscher» gewesen, sondern «genau so mehrere Tage im voraus geplant». Das ZDF habe die Sendung «so gewissenhaft wie immer abgenommen» und ihm den Rücken gestärkt – und so «Diskurs und Meinungsvielfalt» gefördert.

«Ich stehe zu 100 Prozent hinter meinem Sender ZDF!»

Böhmermann so: Jetzt wird zurückgestärkt.

Der Deutsche vergisst dabei nicht seine Kollegen im Ausland, die nicht auf eine freie Justiz zählen können. «Im Vergleich zu dem, was kritische Journalisten, Satiriker oder Oppositionelle in der Türkei durchmachen, ist dieses ganze Theater um die ‹Böhmermann-Affäre› schon wieder ein grosser trauriger Witz für sich. Während Sie dieses Video sehen, sitzen in der Türkei Menschen in Haft. Ohne Chance auf einen fairen Prozess.»

Das Gebaren der Regierung Erdogan zeige auch in seinem Land Wirkung: Deutsche mit türkischen Wurzeln hätten Angst sich frei zu äussern, wenn sie mit ihren Verwandten telefonierten. «Das ist scheisse, und genau darum geht es!»

Nicht nur «privilegierte Medienfuzzis mit einer eigenen Sendung, sondern jeder» müsse in Deutschland auf die Freiheit von Meinung, Kunst und Presse vertrauen dürfen. Eine Politik, die solche Werte verteidige, könne «jeden noch so geschmacklosen Witz einfach weglachen.» Dann sagt Böhmermann sehr schön:

«Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist das ein Problem des Staates, nicht des Witzes.»

Jan Böhmermann

Und weiter: «Was Humor ist und was eine Straftat, beurteilt zuallererst der professionelle Spassvogel, dessen Job das ist.» Dann sei das «durchschnittlich informierte, medienverständige Publikum» an der Reihe und nur im Ausnahmefall an letzter Stelle ein Gericht.» 

Zu guter Letzt beglückt der Böhmermann uns noch mit Monty Pythons «Always Look on the Bright Side of Life». Voilà:

(phi, via Meedia)

Stinkefinger

Das könnte dich auch interessieren:

Neuauszählung: Trumps grösstes Problem ist nicht mehr, dass Clinton gewinnt

Ku-Klux-Klan im Aargau? Ein Fackel-Umzug gegen Asylbewerber wird kontrovers diskutiert

Österreich übt den Skistil der Zukunft – warum das die Schweizer kalt lässt

Wie du dir das Weihnachtsessen mit den Kollegen vorstellst – und wie es wirklich wird

Hol dir die App!

User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
3 Kommentare anzeigen
3
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Stipps 06.10.2016 18:26
    Highlight Ausfluss der politischen Korrektheit. Regierungen und Gesellschaften ohne Rückgrat, die an aufrechten zerbrechen.
    26 3 Melden
    600
  • Normi 06.10.2016 18:23
    Highlight Guter Mensch
    41 1 Melden
    600
  • Pana 06.10.2016 17:20
    Highlight Starke Worte und schönes Lied.
    46 2 Melden
    600

«Hart aber fair»: Wie ein deutscher Politiker Roger Köppel als Populisten entlarvt

Roger Köppel war wieder mal in der deutschen Polittalkshow «Hart aber fair» zu Gast. Dort bemühte er sich, seinen Ruf als Populist loszuwerden. Dabei hat er aber nicht mit dem Aussenpolitiker Norbert Röttgen gerechnet, der ihn nach allen Regeln der Kunst auseinandernimmt. 

Ausgerechnet Roger Köppel hat die ARD in die Talkrunde bei «Hart aber fair» zum Thema «Die Methode Trump – erobern Krawallmacher die Macht?» eingeladen. 

Die Diskussion zwischen CDU-Politiker Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, Ingo Zamperoni, ARD-Korrespondent in Washington, Dirk Schümer, Europakorrespondent von «Die Welt», Kabarettist Serdar Somuncu und eben Roger Köppel wird schnell von dem in Deutschland beliebten Schweizer Importtalkgast dominiert, …

Artikel lesen