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Und Böhmi so: «Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist das ein Problem des Staates»



Jan Böhmermann hat auf die Einstellung des Verfahrens wegen Beleidigung reagiert. Der Moderator gab in gewohnt schnippischer Art eine Pressekonferenz, bei der allerdings keine Journalisten zugegen waren, und stellte das Ganze auf YouTube.

«Hallo, liebe Medienvertreter, liebes durchschnittlich informiertes, medienverständiges Publikum», legt der Deutsche los. Er freue sich, dass die Staatsanwaltschaft seine Sendung vom März in Gänze angesehen hat. «Wir bei ZDFneo können jeden aufmerksamen Zuschauer gut gebrauchen.»

Die Behörde habe eingesehen, dass der Moderator bloss «ein unseriöser Quatschvogel» sei und «beruflich Blödsinn» mache. «Alles andere hätte ich zwar schmeichelhaft, aber auch einigermassen beunruhigend gefunden.»

Nun stehe offiziell fest: Bei seiner Schmähkritik «geht es im Kern um einen Witz». Das sei kein «Ausrutscher» gewesen, sondern «genau so mehrere Tage im voraus geplant». Das ZDF habe die Sendung «so gewissenhaft wie immer abgenommen» und ihm den Rücken gestärkt – und so «Diskurs und Meinungsvielfalt» gefördert.

«Ich stehe zu 100 Prozent hinter meinem Sender ZDF!»

Böhmermann so: Jetzt wird zurückgestärkt.

Der Deutsche vergisst dabei nicht seine Kollegen im Ausland, die nicht auf eine freie Justiz zählen können. «Im Vergleich zu dem, was kritische Journalisten, Satiriker oder Oppositionelle in der Türkei durchmachen, ist dieses ganze Theater um die ‹Böhmermann-Affäre› schon wieder ein grosser trauriger Witz für sich. Während Sie dieses Video sehen, sitzen in der Türkei Menschen in Haft. Ohne Chance auf einen fairen Prozess.»

Das Gebaren der Regierung Erdogan zeige auch in seinem Land Wirkung: Deutsche mit türkischen Wurzeln hätten Angst sich frei zu äussern, wenn sie mit ihren Verwandten telefonierten. «Das ist scheisse, und genau darum geht es!»

Nicht nur «privilegierte Medienfuzzis mit einer eigenen Sendung, sondern jeder» müsse in Deutschland auf die Freiheit von Meinung, Kunst und Presse vertrauen dürfen. Eine Politik, die solche Werte verteidige, könne «jeden noch so geschmacklosen Witz einfach weglachen.» Dann sagt Böhmermann sehr schön:

«Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist das ein Problem des Staates, nicht des Witzes.»

Jan Böhmermann

Und weiter: «Was Humor ist und was eine Straftat, beurteilt zuallererst der professionelle Spassvogel, dessen Job das ist.» Dann sei das «durchschnittlich informierte, medienverständige Publikum» an der Reihe und nur im Ausnahmefall an letzter Stelle ein Gericht.» 

Zu guter Letzt beglückt der Böhmermann uns noch mit Monty Pythons «Always Look on the Bright Side of Life». Voilà:

(phi, via Meedia)

Stinkefinger

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