Schweiz

Jungparteien aller Couleur blasen zum Kampf gegen AHVplus-Initiative

Publiziert: 16.09.16, 14:34

Zehn Tage vor der Abstimmung haben in Bern Jungparteien von rechts bis links die Werbetrommel für und wider die AHVplus-Initiative gerührt. Beide Seiten wollen möglichst viele Junge an die Urne zu bringen. Denn diese sind womöglich matchentscheidend.

Kampf um die Rente: Ist der Zug für die Jungen abgefahren? Bild: KEYSTONE

In einer Standplatzaktion am Freitag mitten in Bern zeigten sechs bürgerliche Jungparteien der AHVplus-Initiative die rote Karte. Für diese Jungen bringt die Initiative den Generationenvertrag in Gefahr, denn dadurch verkomme der Vertrag zu einer einseitigen Solidarität von jung zu alt.

Viele Junge fürchten, dass sie eines Tages keine Rente mehr erhalten werden, oder wie es der Präsident der Jungen SVP, Benjamin Fischer, formuliert: «Die Jungen wollen durchaus am Generationenvertrag teilhaben. Sie müssen aber Vertrauen haben, dass das System funktioniert und das Rentenversprechen eingehalten wird.»

Bürgerliche gehen auf die Strasse

Aus Sicht der Jungparteien der SVP, EVP, CVP, BDP, GLP und der Jungfreisinnigen kann dies nur klappen, wenn die AHVplus-Initiative abgelehnt wird, das Rentenalter auf 67 erhöht oder der Umwandlungssatz in der Pensionskasse gesenkt wird.

Denn in der AHV drohe wegen der Überalterung unserer Gesellschaft ein Milliardenloch. «Umfragen zeigen, dass 70 Prozent der Jungen gegen die AHVplus-Initiative sind», sagte Jungfreisinnigen-Präsident Andri Silberschmidt.

Diese Jungen sollen unbedingt an die Urnen, damit am Schluss ein Nein herauskommt. Deshalb gehen die bürgerlichen Jungpolitiker und -politikerinnen auf die Strasse «jeden Tag», wie Silberschmidt sagt. Denn sie wissen, dass vor allem die ältere Generation abstimmt.

Rente? Trübe Aussichten! Bild: KEYSTONE

Linke setzt auf Social Media

Doch das linke Lager schläft nicht. Um zu mobilisieren, setzt es in der Schlussphase des Abstimmungskampfes aber auf Social Media und E-Mail, wie Mirco Gurini, Vizepräsident ad interim von Jeunesse.Suisse, der Jugendsektion der Gewerkschaft Travail.Suisse, an einer Medienkonferenz sagte.

Juso-Präsidentin Tamara Funiciello verurteilte die seit Jahren anhaltenden «Angstkampagnen» zu Kosten und demografischer Entwicklung bei der AHV. Absender solcher Studien seien Banken, Versicherer und ihnen nahestehende Stiftungen oder Universitätsinstitute.

«Dies ist kein Zufall», sagte Funiciello. Mit zweiter und dritter Säule verdienten Banken und Versicherungen viel Geld - allein 2013 in der zweiten Säule 6.4 Milliarden Franken - während diese Gelder den Versicherten entgingen.

Lohnvolumen entscheidend

Nicht so bei der AHV, wie der Co-Präsident der Jungen Grünen, Ilias Panchard, erklärte. Die von den Bürgerlichen oft totgesagte AHV sei überdies äusserst stabil. «Seit Gründung der AHV vor 40 Jahren hat sich die Zahl der Rentner verdoppelt, ohne dass einmal die Lohnprozente erhöht wurden.» Lediglich ein Mehrwertsteuerprozent sei dazugekommen.

Grund sei, dass die Löhne gestiegen seien und mehr Menschen Beiträge gezahlt hätten. «Damit stiegen automatisch auch die Einnahmen der AHV.» Entscheidend für die AHV-Finanzen sei das Lohnvolumen und nicht das Verhältnis aktive Arbeitnehmer gegenüber Rentnern.

Gurini von Jeunesse.Suisse stellte den AHVplus-Rechner vor, mit Hilfe dessen ein Jeder seine künftige Rente ausrechnen und vergleichen kann, wie viel er monatlich bezahlen muss, um auf den gleichen Betrag in der zweiten und dritten Säule zu kommen. In dieser Rechnung schneidet die AHV als günstigste Vorsorge ab - auch für junge Leute.

(sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Die Frau, die fast den Sieg über die Nazis vermasselt hätte

Ich mach seit 20 Jahren Interviews. Keins war so ein Desaster wie das mit Hugh Grant

Führerschein weg, 7000 Franken weg – warum Theo nach einer Velofahrt wie ein Verbrecher behandelt wird

So wahr! Wie sich der erste Tag bei der Arbeit anfühlt vs. 100 Tage später 

Dieses Restaurant in Zürich führt als erstes der Schweiz Unisex-Toiletten ein

Studium vs. Arbeit: Diese 6 wichtigen Unterschiede musst du kennen

Schlecht gelaunt und im Pendlerstress? Diese Zug-Durchsagen bringen dich zum Lachen, versprochen!

Der Abstieg hat mich als FCZ-Fan genervt. Jetzt gebe ich zu: Die Challenge League macht Spass

«Welches Arschloch hat mein Velo geklaut?» Diese 11 wütenden Zettel an Velodiebe verstehen Radler nur zu gut

Diese 22 Parkier-Fails zeigen, warum du trotzdem besser mit dem ÖV zur Arbeit fährst

Top 10 der US-Präsidentschafts-Debatten: In Erinnerung bleiben Kandidaten, die am TV versagten

Wer dachte, die normalen Ugg-Boots seien hässlich: Das neue Modell kommt direkt aus der Hölle 

So schützt du deine Privatsphäre vor dem Geheimdienst

Netflix-Doku: Erst vergewaltigt, dann gemobbt. Wenige Tage später nimmt sich Audrie das Leben

Kinder, wie die Zeit vergeht! Nirvanas Nevermind-Album wird 25 und auch das Baby ist gross geworden

«Hahaha» und so weiter: Der PICDUMP ist da! 

14 Dinge, die du nur kennst, wenn du einen grossen Bruder hast

12 Bekenntnisse für Atheisten

Gewählt wegen Katzenbild: Black-Metal-Musiker ist jetzt Politiker – gegen seinen Willen

Verlorene Panzer, übermütige Rekruten und Wasserdiebstahl: Die 11 grössten Fails der Schweizer Armee

Von der direkten Demokratie bis zum Bier: Was Expats an der Schweiz wirklich nicht mögen 

Dem Geheimnis des ewigen Lebens auf der Spur: An diesen 5 Orten werden Menschen steinalt

Willst du deine Wohnung neu einrichten? Hier kommen 6 Fehler, die du dabei vermeiden kannst

Der Schweiz kann die EU egal sein? Von wegen! Schau dir mal diese 4 Grafiken an 

Weisst du, wozu das kleine Loch im Flugzeugfenster gut ist? Wir erklären es dir

Alle Artikel anzeigen
Themen

Meistgelesen

1

Über diesen Werbespot für die Porno-Messe in Barcelona spricht ganz …

2

Kriminell, unschweizerisch, arm – zu Besuch in Lohn, der Bündner …

3

Mal kurz die Nerven verloren im Apple Store – dieser Franzose …

4

Religion ist infantiler Aberglaube und gehört nicht in eine …

5

Sexting in Langzeitbeziehungen: So vibriert dein Handy, wenn die Lust …

Meistkommentiert

1

Ins Altersheim, weil die Rente nicht reicht: 40'000 Senioren kämpfen …

2

«Bald entziehen sie auch angetrunkenen Fussgängern die …

3

«Rentenreform» – wenn SVP-Frehner und SP-Bruderer halbherzig …

4

#StingerEffect: Die neueste Lösung für den Syrien-Konflikt kommt aus …

5

Hustensaft – die gefährliche Teenie-Droge ist in der Schweiz …

Meistgeteilt

1

Geniale Pix: Hier haben die Fotografen einfach den perfekten Moment …

2

Mathias Seger ist neuer NLA-Rekordmann – 8 Anekdoten zur …

3

Scott Beattie muss bei den SCL Tigers gehen – Wunschkandidat ist …

4

Zürcher Bezirksgericht spricht «Weltwoche»-Autor Philipp Gut schuldig

5

Geniale Pix: Hier haben die Fotografen einfach den perfekten Moment …

5 Kommentare anzeigen
5
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Schneider Alex 17.09.2016 08:26
    Highlight Die Volksinitiative „AHVplus“ kommt zum richtigen Zeitpunkt, müssen doch die Renten aus den Pensionskassen wegen der höheren Lebenserwartung und der geringeren Renditen gesenkt werden. In dieser Situation kann nur die AHV die Ausfälle bei den Pensionskassen kompensieren. Die Finanzierung der zusätzlichen AHV-Leistungen soll ausschliesslich durch Bundesbeiträge finanziert werden. In Frage kommen neben der Mehrwertsteuer z.Bsp. eine Umlagerung des Bundesbudgets, eine Kapitalgewinnsteuer oder eine Transaktionssteuer. Auf höhere Arbeitgeber- und Arbeitnehmerabgaben ist zu verzichten.
    2 1 Melden
    600
  • CASSIO 16.09.2016 22:07
    Highlight Als Junger seh ich das genauso. Bei den Alten müssen wir sparen, schliesslich sind sie verantwortlich dafür, dass wir solch miserable Ausbildungssysteme in der Schweiz habe, wo wir nur mit reichen Eltern eine Chance auf einen Platz im Gymnasium haben oder die Möglichkeit kriegen, die Berufsmaturität zu absolvieren. Auch die Sicherheit in diesem verdammten Land gleicht derjenigen in den Favelas in Rio. Von der Jahrzehnte andauernden Wirtschaftsflaute und all den Korruptionsskandalen nicht zu sprechen. All das haben wir den Alten zu verdanken. Somit NEIN zu mehr AHV!
    3 8 Melden
    • Biindli 17.09.2016 07:38
      Highlight Ich glaube wir leben nicht im gleichen Land. Miserable Ausbildungssysteme? Keine Sicherheit? Die Schweiz hat ein sehr gutes und durchlässiges Bildungssystem in welchem man mit einer Lehre starten kann und unter Umständen mit einem PhD endrn kann. Überrissen teuer finde ich all die Bildungsmöglichkeiten auch nicht. Ich habe die BM während der Lehre absolviert und kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern ausser Bücher sonst was zahlen mussten...
      7 0 Melden
    600
  • Kuym 16.09.2016 17:36
    Highlight Gründung der AHV vor 40 Jahren?
    4 0 Melden
    600
  • John Smith (2) 16.09.2016 17:17
    Highlight Der Titel ist wieder mal flagrant irreführend. Nur Jungparteien einiger Couleurs blasen zum Kampf gegen die AHVplus-Initiative. Die Jungparteien der übrigen Couleurs blasen jedoch zum Kampf dafür. Ein Schelm, wer hinter der irreführenden Schlagzeile eine Absicht vermutet.
    15 2 Melden
    600

Nationalrat für automatische Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre

Wenn nötig, soll das Rentenalter auf 67 Jahre erhöht werden. Das hat der Nationalrat am Mittwoch beschlossen. Ziel ist es, die AHV langfristig im Gleichgewicht zu halten.

Der Nationalrat stimmte mit 106 zu 90 Stimmen der in der Verfassung verankerten Stabilisierungsregel zu. Der Mechanismus, den die Nationalratskommission ausarbeitete, hat zwei Stufen: Sobald der Ausgleichsfonds unter 100 Prozent einer Jahresausgabe zu sinken droht, muss der Bundesrat dem Parlament Korrekturmassnahmen …

Artikel lesen