Schweiz

Österreich übt den Skistil der Zukunft – warum das die Schweizer kalt lässt

In Österreich wird an der Zukunft des Skifahrens getüftelt. Ein neuer, natürlicher Skistil soll schon bald das Carving ablösen. Die Meldung sorgte in den letzten Tagen für Aufsehen. Doch die Schweizer Skilehrer wittern einen Marketinggag.

Publiziert: 01.12.16, 08:45 Aktualisiert: 01.12.16, 15:53

Gleich mehrere deutsche Newsportale haben Anfang Woche das Carven totgeschrieben. Carven – das Skifahren auf Kanten also – sei out, in Zukunft fahre man wieder «natürlicher» durch den Schnee. Von einer Revolution auf Brettern ist die Rede, von «Schönskilauf», die österreichischen Skischulen würden voll darauf setzten. Wie das aussieht, siehst du hier. Oder auf dem folgenden Bild:

«Schönskilauf» der Österreicher. Die Beine, die Skis, sind näher zusammen. Bild: TMN / Rudi Lapper

Der ehemalige österreichische Skirennfahrer Rainer Schultes erklärt den angeblich neuen Stil so: 

«Die Bewegungen sind nicht mehr so extrem, die Füsse etwa so weit auseinander wie beim normalen Laufen, die Skis weniger aggressiv.»

Rainer Schultes zu «Spiegel Online»

Dies im Gegensatz zum Carven, Carven schaffe sowieso nicht jeder. Beim neuen «österreichischen Stil» soll es keine starken Vertikalbewegungen mehr geben und der Oberkörper soll sich weniger extrem drehen.

Umfrage

Was hältst du vom Skistil der Österreicher?

  • Abstimmen

1'234 Votes zu:Was hältst du vom Skistil der Österreicher?

  • 8%Super. Endlich eine Änderung. Carven ist viel zu anstrengend.
  • 71%Was soll daran neu sein?
  • 21%Reines Carven ist alles. Man sollte nichts ändern.

Kurz zusammengefasst soll man in Zukunft leichter durch den Schnee fahren, eleganter. Unter anderem wird wieder mehr gerutscht. Rudi Lapper, Ausbildungsleiter der Staatlichen Skilehrerausbildung in Österreich, ergänzt: «Die Gäste wollen einen ästhetischen Stil, der elegant aussieht, sie wollen schnell Erfolg haben und ein geringes Verletzungsrisiko haben». Lapper hat den neuen Stil massgeblich mitentwickelt. 

«Schweizer» Carvingschwünge.  Bild: Mario curti photography

In der Schweiz reagiert man ziemlich gelassen auf die geplanten Änderungen. Riet Campell, Direktor von Swiss Snowsports, nimmt erstmals Stellung dazu: «Als die stärker taillierten Skis aufkamen, haben wir die Technik angepasst. Mit dem Material war sowohl das Rutschen wie auch das Carven – geschnittene Schwünge – möglich.» Das Gefühl des schwerelosen Zustandes in der Kurve habe das Skifahren wieder aufblühen lassen. 

Von Anfang an sei klar gewesen, dass nicht alle Gäste das Carven auf höchstem Niveau lernen können. Die Devise von damals gelte noch heute: Vom Bekannten zum Unbekannten, respektive vom Einfachen zum Schweren. «Bis zum jetzigen Tag zelebrieren wir die Vielfältigkeit des Skisports mit Rutschschwüngen, Carvingschwüngen, Freeride, Freestyle und Race», sagt Campell. Der Gast stehe im Mittelpunkt und der Skiunterricht werde ganz nach seinen Bedürfnissen gestaltet. 

Zur Offensive der Österreicher sagt Campell: 

«Am österreichischen Stil ist nichts neu. Das ist einfach ein Marketinggag. Das ist wie wenn man die Schokolade neu verpackt.»

Riet Campell, Direktor Swiss Snowsports

Er sei gespannt, was die Österreicher nun anders machen wollen. Er finde es positiv, dass der grosse Nachbar vom reinen Carven wegkommen wolle und im Lehrplan vor allem bei Anfängern das Rutschen wieder unterrichte. «Bei uns wird auch in Zukunft nach Rutschschwüngen das Carving beigebracht», sagt Campell. Mit dem aktuellen Material sei sowohl Rutschen wie auch Carven möglich. 

Ein Schweizer Skilehrer gibt Unterricht. Rutschen wird auch gelehrt. Bild: mario curti photography

Den Österreichern scheint es auf jeden Fall ernst zu sein. Die Skischule Hochzeiger im Pitztal gibt bereits jetzt Unterricht nach den neuen Vorgaben. Wann und ob die restlichen Skischulen folgen, ist bis jetzt noch nicht klar. 

Die 10 besten Skigebiete der Alpen 2016

Das könnte dich auch interessieren:

Neuauszählung: Trumps grösstes Problem ist nicht mehr, dass Clinton gewinnt

Ku-Klux-Klan im Aargau? Ein Fackel-Umzug gegen Asylbewerber wird kontrovers diskutiert

Österreich übt den Skistil der Zukunft – warum das die Schweizer kalt lässt

Wie du dir das Weihnachtsessen mit den Kollegen vorstellst – und wie es wirklich wird

Hol dir die App!

User-Review:
naja, mir - 16.4.2016
Immer auf dem neusten Stand. Besticht mit sympathischem, intelligentem Witz!
26 Kommentare anzeigen
26
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Andle 02.12.2016 07:22
    Highlight Meine (Ski-)Schüler lernen zuerst den Parallelschwung. Carven kommt erst, wenn sie saubere Schwünge machen und kontrolliert fahren können...
    Richtig carven schaffen aber nicht viele.
    2 0 Melden
    600
  • Butzdi 02.12.2016 07:04
    Highlight Bin Ex-Skilehrer. Carving entwickelte sich in den 90ern aus dem sogenannten Furuseth Stil - das war ein norwegischer Skifahrer. Der Stil war sehr natürlich, da er Kindern abgeschaut wurde. Breiter stehen gibt mehr Grundfläche und aus den Hüften und mit dem Eigengewicht steuern ist knieschonend und weniger kraftaufwändig. Das wurde dann mit entsprechend kürzeren und taillierteren Skis weiterentwickelt. Eleganz ist wenig hilfreich auf der Piste, aber wem das wichtig ist, der solls halt tun. Höhere Unfallgefahr und Gelenkverschleiss sind aber die Folge.
    2 0 Melden
    600
  • Hungerbühler 01.12.2016 21:49
    Highlight Von mir aus gesehen ist das ganz einfach Ski fahren. So hab ichs mal gelernt, nämlich. Elegant musste es sein. Dann kann ich ja wieder auf die Piste. Carven, dieses breitbeinige Geholper, hat mit nie behagt.
    2 1 Melden
    600
  • Qui-Gon 01.12.2016 13:34
    Highlight Wenn man sich auf der Piste umschaut, fahren die meisten eh so. Und in schwierigem Gelände (steil, hart) richtig carven kann auch kaum einer. In den Skischulen wird den Anfängern auch nicht von Anfang an carven beigebracht.

    Fände ich schon komisch, wenn sie in Österreich in den letzten Jahren nur carven gelehrt hätten. Marketing-Blabla trifft es wohl ganz gut.
    28 0 Melden
    600
  • Johnny Guinness 01.12.2016 12:04
    Highlight Fahre selbst nicht mehr ski, aber auf der piste sieht es so aus, als würde jeder Boomer so fahren, mein ätti fährt auch immer so.
    18 2 Melden
    600
  • Annoying 01.12.2016 11:54
    Highlight Bis in die 90er war dieser Parallel-Stil doch gang und gäbe in Europa, erst die letzten 15 Jahre war Carving die Doktrin. Wenn das die Anzahl der Leute verringert die denken, dass Carving heisst ohne Rücksicht auf Andere über die ganze Piste hinweg zu kurven, solls mir recht sein.
    24 1 Melden
    600
  • Stiblomat 01.12.2016 10:50
    Highlight Dann haben wir ja in Zukunft von den österreichischen Skistars nichts zu befürchten.
    64 1 Melden
    600
  • wertzuiop13 01.12.2016 10:04
    Highlight Also wenn ich mir das Bild so anschaue, dann merke ich, dass ich diesen Stiel schon seit 3 Jahren anwende. Carven ging aufgrund der Free-Skier nicht oder nur schlecht, da diese eine zu weiche Kante haben. Also Füsse näher zusammen, Schwerpunkt verlagern und lets go. Das ganze hat mir sofort mehr Spass gemacht als das Carven.
    9 8 Melden
    • Ratboy 01.12.2016 10:45
      Highlight So ein Käse!;-)
      Free Skier ist der Skifahrer, du meinst wohl Freeride oder Freeskiing.
      Die Kanten sind immer hart;-) aber wenn ein Ski breiter ist ist er weniger Torsionssteif.
      Die normalen Skifahrer haben alle nie richtig gecarvt. Das war immer ein rutsch carven.
      Wenn der Ski dann doch mal auf der Kante durch die Kurve zog.

      Wie die Schweizer sagen: Schokolade neu verpackt
      32 2 Melden
    600
  • Sageits 01.12.2016 09:59
    Highlight Da werden die Ski wieder schmäler. Und sicher auch länger.
    Super, da kann ich ja meine alten aus dem Keller holen 😅
    68 0 Melden
    600
  • slashinvestor 01.12.2016 09:51
    Highlight Ich muss doch blöd sein, aber mein Vater (der heute 72 jährig wäre) hat IMMER so gefahren. Das Problem mit diesen fahrstyle ist er ist sehr hart nachzumachen. Die Beine immer zusammen zu halten und rumhuefpen ist nicht einfach. Carving is recht einfach dagegen. Das kann jeder Idiot! Ein guten Beispiel bin ich! Ich kann auch Carving. Konnte nie die Beine zusammen halten und rumhuefpen wie mein Vater.
    31 5 Melden
    • OkeyKeny 01.12.2016 11:52
      Highlight ..dann kannst du wahrscheinlich nicht carven.. :D
      12 7 Melden
    • wertzuiop13 01.12.2016 13:57
      Highlight Der "neue" Stiel wird kaum was mit hüpfen zu tun haben, sondern mit rutschen/fahren
      2 1 Melden
    • Pius C. Bünzli 01.12.2016 16:00
      Highlight rutschen/fahren aka Holländisch-downhill
      3 0 Melden
    600
  • Atze 01.12.2016 09:21
    Highlight Das ganze ist ja nicht neu, aber macht durchaus Sinn.

    Anstatt den Kunden vorzugaukeln man lerne Carven (was nur die allerwenigsten wirklich lernen und dann auch können), lernt man sie elegant die Piste runter zu rutschen.

    Ist eigentlich eine klassische Win-Win-Situation. Der Kunde ist glücklich und die Pisten werden sicherer, wenn die Leute nicht mehr krampfhaft versuchen zu Carven, nur weil sie Unsummen für einen Skilehrer ausgegeben haben.
    28 5 Melden
    • Nick Name 01.12.2016 10:56
      Highlight Lieber krampfhaft versuchen, elegant und "geschlossen" (wie in den 70ern) die Hänge runterzuwedeln, gell?

      Im Ernst: Skifahren lernen muss man ja so oder so oder bei allem dazwischen.

      Hingegen dürfte das mit dem Sicherheitsaspekt ein klein bisschen was haben ...
      13 0 Melden
    600
  • Against all odds 01.12.2016 09:20
    Highlight Früher hiess das "wädle".
    70 1 Melden
    • zeromg 01.12.2016 09:56
      Highlight BINGO, nach diesem Wort habe ich gesucht.
      25 1 Melden
    • scb 01.12.2016 13:36
      Highlight Genau!
      Da werde ich auch wieder skifahren!
      Leute welche nicht so gut skifahren konnten, waren glücklich mit dem carven, da es viel einfacher ist.
      Beine zusammen und einen Steilhang herunter "wädle" das ist Skifahren".
      Freue mich darauf!
      5 4 Melden
    600
  • barbablabla 01.12.2016 09:16
    Highlight Juhui dann gibts endlich wieder richtige Skis
    12 12 Melden
    600
  • brian brainsample 01.12.2016 09:05
    Highlight divinitiv ein gag.

    erschreckend aber, dass ich seit jahren so fahre😳
    46 0 Melden
    • Freddie 01.12.2016 09:18
      Highlight Du bist eben fortschrittlich 😉
      26 2 Melden
    • G-Man 01.12.2016 11:16
      Highlight Quasi der Hipster unter den Skifahrern :)
      24 1 Melden
    600
  • Trasher2 01.12.2016 09:01
    Highlight Jaja, auch in Österreich gibt es jedes Jahr unzählige Sportstudenten, die ihre Abschlussarbeiten schreiben müssen...
    Einige davon schreiben was über Schneesport und da hier nun seit ewigkeiten nichts wirklich Neues passiert ist, muss man halt neue Namen für bekanntes erfinden...

    Kennen wir vom J&S Schneesport Lehrmittel auch...
    24 3 Melden
    600
  • Pius C. Bünzli 01.12.2016 08:59
    Highlight Von wegen neu. Mein Vater fährt seit 40 Jahren so rum.
    45 1 Melden
    • Santale1934 01.12.2016 10:07
      Highlight Dann ist dein Vater wohl der Zeit voraus ;-)

      Haha also es kann echt nur ein Gag sein, weil eben.. "Neu" ist das sicherlich nicht.
      13 1 Melden
    600

Alle Jahre wieder: Superreiche sind reicher geworden – auch die Blochers

Das Finanzjahr 2016 präsentiert sich sehr verhalten und doch sind die Superreichen in der Schweiz noch reicher geworden. Dies geht aus der jährlichen Spezialausgaben des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» hervor, die die 300 Reichsten der Schweiz im Jahr 2016 vorstellt:

An den Börsen hielten sich 2016 die Kursgewinne weltweit in Grenzen, auch in den USA und Grossbritannien, ganz zu schweigen von den Märkten in der Schweiz, in Deutschland oder Japan.

Schwer auf die Stimmung geschlagen haben …

Artikel lesen