Schweiz

Männer haben häufiger einen Herzinfarkt, Frauen überleben ihn seltener. Bild: KEYSTONE

Warum Frauen bald gleich gute Chancen wie Männer haben, einen Herzinfarkt zu überleben 

Eine Patientin wird mit einem Herzinfarkt eingeliefert – vor 20 Jahren wäre sie zu 20 Prozent daran gestorben. Heute sind ihre Überlebenschancen beinahe so gut wie die eines Mannes. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Zürich.

10.09.17, 18:06 11.09.17, 06:16

Vor 20 Jahren

Bei einem Herzinfarkt stirbt in der Schweiz jede fünfte Frau – aber nur jeder zehnte Mann.

Heute

Jede vierzehnte Frau stirbt im Falle eines Herzinfarktes – aber nur jeder achtzehnte Mann.

In den letzten beiden Jahrzehnten hat die Medizin grosse Fortschritte gemacht. Vor allem auch hinsichtlich Herzinfarkten, wie die neuesten Zahlen einer Langzeitstudie der Universität Zürich eindrücklich belegen. Dazu haben die Wissenschaftler Daten von 52'000 Patienten in Schweizer Spitälern ausgewertet. 

Dies liege an den besseren Therapien, aber auch an der besseren Erkennung von Infarkten, sagt Dragana Radovanovic, eine der Autorinnen der Studie zu watson. «Zusätzlich dank Präventionskampagnen sind Menschen heute viel besser aufgeklärt als noch vor 20 Jahren.» 

Doch eines ist noch so wie vor 20 Jahren: Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, sterben mit grösserer Wahrscheinlichkeit als Männer. 

Warum?

1) Weil Männer häufiger einen Herzinfarkt haben

Ein Herzinfarkt galt lange als Männerkrankheit. Und noch heute haftet der Ruf an. «Ein Mann hat eine sehr grosse Wahrscheinlichkeit einen Infarkt zu erleiden», sagt Radovanovic, «eine Frau eine ungleich kleinere». Dies liegt unter anderem daran, dass Männer viel eher gewisse Risikofaktoren aufweisen, wie beispielsweise einen hohen Cholesterin-Spiegel. Zudem spielen hormonelle Faktoren bei Frauen eine Rolle.

Wegen diesem Ruf als Männerkrankheit, denken Ärzte und Patienten nicht sofort an einen Herzinfarkt und konzentrieren sich darum zuerst auf andere mögliche Erkrankungen. Das hat sich in den letzten Jahren aber stark gebessert.

2)  Der Eva-Infarkt ist schuld

Das typische Symptom eines Herzinfarkts: Starke Schmerzen in der Brust.

80 bis 90 Prozent der männlichen Patienten verspüren diesen Schmerz bei einem Herzinfarkt. Anders bei den Frauen. Die Hälfte von ihnen hat untypische Symptome – ihnen schmerzt beispielsweise der Nacken oder der Kiefer, oder sie haben unklare Schmerzen im Magen- und Brustbereich. 

Dies führt dazu, dass Ärzte eine Magenschleimhautentzündung hinter den Symptomen vermuten oder die Patientinnen gar nicht erst einen Arzt aufsuchen. 

3) Psychologische Gründe

«Frauen haben ein ganz anderes Schmerzempfinden als Männer», sagt Radovanovic. «Wenn man so will, kann man sagen, sie sind tapferer». In diesem Fall eine gefährliche Tapferkeit.

4) Technologie

Dieser Grund ist mittlerweile überholt, galt aber noch vor 20 Jahren. Die Therapien waren damals auf Männer angepasst. Sprich: Es gab gar nicht so kleine Ballönchen, um die Herzgefässe von Frauen so zu erweitern, dass wieder Blut durchfliessen konnte. Denn: Frauen haben dünnere Arterien und Venen als Männer. 

Ausblick

Die Überlebenschance bei einem Herzinfarkt lässt sich nur noch leicht steigern, vermutet die Forscherin der Universität Zürich. Sie hofft aber auf eine andere Veränderung bis zur nächsten Vergleichsstudie. Bis dahin sollen Frauen bei einem Herzinfarkt die gleich guten Überlebenschancen haben wie Männer.

Kennst du auch solche Ärzte?

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Video: watson

Und jetzt: Medikamente neu interpretiert von Zukkihund

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  • Dmnk 10.09.2017 21:18
    Highlight Ist dieser Irrglaube mit dem Schmerzempfinden nicht seit Jahren wiederlegt?
    13 5 Melden
    • gusg 11.09.2017 22:41
      Highlight Doch natürlich. Männer sind weniger schmerzempfindlich als Frauen. Gibt unzählige Studien dazu.
      6 1 Melden
    600
  • gusg 10.09.2017 21:03
    Highlight Frauen sind tapferer als Männer? Interessante Aussage. Man liest ja oft genau die gegensätzliche Erklärung, dass Männer nicht zum Arzt/in Behandlung gehen, weil sie es nicht für nötig halten.
    14 10 Melden
    • Lavamera 10.09.2017 23:36
      Highlight Dafür jammern sie zu Hause ununterbrochen und glauben sie würden sterben ;) Ich denke es ist mehr der Stolz, der sie davon abhält bei einem Fremden Hilfe zu suchen :) Natürlich sind das nur meine persönlichen Erfahrungen.
      4 4 Melden
    • gusg 11.09.2017 16:40
      Highlight @Lavamera: Das mag sein ;) Aber mit dem Jammern will man ja was bezwecken. Wenns das Ziel so erreicht wird, dann würd ichs auch machen. Oder nein, ich korrigiere mich: ich mache es auch ;)

      Es gibt genug Forschung zum Thema Schmerzempfinden und ganz im Gegensatz zum vielleicht gängigen Mythos das Frauen weniger schmerzempfindlich sein sollen, zeigen diese wissenschaftlichen Studien, dass Frauen schmerzempfindlicher sind, dass Sie häufiger über Schmerzen berichten und diese Schmerzen als stärker bewerten als Männer. Das hat teilweise biologische aber eben auch psychologische Gründe.
      4 0 Melden
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  • Luesae 10.09.2017 19:23
    Highlight juhu (-:
    4 2 Melden
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  • Karl Müller 10.09.2017 19:12
    Highlight Hat die höhere Sterblichkeitsrate denn nichts damit zu tun, dass Frauen durchschnittlich in einem höheren Alter einen Herzinfarkt erleiden als Männer?

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