Sport

Klatschendes Betreuerteam: Federers Frau Mirka, Physio Daniel Troxler und die Coaches Severin Lüthi und Ivan Ljubicic (von links). Bild: KEYSTONE

Coach Lüthi: «Erfolge sorgen bei Roger immer für Hunger auf mehr»

Severin Lüthis gutes Gefühl vor dem Wimbledon-Final täuschte nicht. Beim Matchball wurde der Coach von Roger Federer dennoch nervös. Tommy Haas schlägt derweil vor, Wimbledon in «RF19» umzubenennen.

17.07.17, 08:05 17.07.17, 10:14

Severin Lüthi erlebte gestern Nachmittag einen seiner «entspanntesten» Grand-Slam-Finals, wie er danach zugab. Und dennoch wurde er beim Matchball trotz klarer Führung zum ersten Mal nervös. «Ich weiss auch nicht warum», meinte er lachend, «ein Tennismatch ist halt nie fertig bis zum letzten Punkt.»

Ansonsten ging die Taktik, aggressiv zu spielen und sich vom 1,98 m grossen Kroaten Marin Cilic nicht wegdrücken zu lassen, voll auf. «Zu Beginn sind beide gut in die Returngames hineingekommen», stellte Lüthi fest. «Nach dem Break (zum 3:2 im 1. Satz; d. Red.) hat Roger begonnen, etwas mehr zu variieren und befreiter aufzuspielen.»

War bloss der linke Fuss schuld? Cilic hatte im Final fast keinen Stich. Bild: Alastair Grant/AP/KEYSTONE

Ab wann Cilic von der Verletzung am Fuss handicapiert war, könne er nicht sagen. Jonas Björkman, der Coach der Weltnummer 6, erklärte, es habe sich um eine grosse Blase gehandelt, die ihm bereits vor dem Final Mühe bereitet habe. «Wir haben alles unternommen, aber nach fünf, sechs Games wurden die Schmerzen offensichtlich zu gross.»

«Rasen ist so natürlich für ihn»

Marc Rosset fühlte mit Cilic mit. «In einem solchen Final nicht voll fit zu sein, ist sehr schade für ihn», sagte der Olympiasieger von 1992. Er glaube aber nicht, dass das Resultat sonst wesentlich anders herausgekommen wäre.

Roger Federer war jedenfalls wieder einmal auf den Punkt bereit, auch weil er die Sandsaison ausgelassen und sich in diesem Frühling eine lange Pause gegönnt hatte. «Das Risiko war klein», meinte Severin Lüthi zur ausgedehnten Pause. «Rasen ist so natürlich für ihn, da braucht er nur ein, zwei gute Matches, und es macht Klick.»

Diese Rekorde hat Roger Federer gestern geknackt, egalisiert oder ausgebaut

Seinen Schützling auf dem Boden zu halten, sei nicht schwierig. «Erfolge sorgen bei Roger immer für Hunger auf mehr.» Es seien nicht so sehr die Rekorde, die ihn antrieben. «Es ist für ihn einfach toll, wieder einmal Wimbledon zu gewinnen.» Und mit zunehmendem Alter geniesse Federer die Siege umso mehr. «Den Erfolg am Australian Open hat er jedenfalls relativ lange genossen.»

Wird aus SW19 bald RF19?

Das dürfte auch nach dem achten Wimbledon-Titel so sein. Es würde nicht überraschen, wenn Federer das nächste Masters-1000-Turnier in Montreal vom 7. bis 13. August auslassen und erst eine Woche später in Cincinnati wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen würde. «Er ist an einem Punkt in seiner Karriere, an dem er selber sagen kann, ob er spielt oder nicht. Er muss nichts mehr», sagte Coach Lüthi.

Tommy Haas, der 39-jährige Deutsche, der Federer vor einem Monat eine von nur zwei Niederlagen in diesem Jahr zufügte, äusserte derweil einen originellen Vorschlag: «Man sollte SW19 in RF19 umbenennen.» SW19 ist die weltberühmte Postleitzahl von Wimbledon und Roger Federer (RF) hat seit gestern 19 Grand-Slam-Titel auf seinem Konto. (ram/sda)

Roger Federers 19 Major-Titel

44s

Versprochen ist versprochen

Video: watson

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

«Es fühlt sich magisch an, hier mit dem Pokal in der Hand stehen zu dürfen»

Roger Federer triumphiert in Wimbledon zum achten Mal! Der Maestro gewinnt den Final gegen den Kroaten Marin Cilic mit 6:3, 6:1, 6:4. Den 19. Grand-Slam-Triumph bewerkstelligt er in bloss 101 Minuten.

Roger Federer gewinnt erstmals seit 2012 in Wimbledon – es ist sein insgesamt 19. Grand-Slam-Erfolg. Mit fast 36 Jahren ist er nicht nur zum ältesten Wimbledon-Sieger der Profi-Ära geworden, sondern auch zum erfolgreichsten Spieler beim renommiertesten Turnier der Welt. Mit achten Titel ist er nun der alleinige Rekordhalter bei den Männern.

«Ich kann es kaum glauben, dass ich Wimbledon gewonnen habe, ohne einen Satz abgegeben zu haben. Es fühlt sich magisch an, hier stehen zu können mit dem …

Artikel lesen