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In der Schweiz gibt es ein paar ganz besondere Sachen zu entdecken.
bild: watson

Das echte Sennentuntschi, eine Arsch-Alp und Dinosaurier-Spuren: 11 kuriose Schweizer Ausflüge

Das kleine Büchlein vom Wanderpapst Thomas Widmer erzählt von Schweizer Wundern. Dinge, die auf irgendeine Weise aus dem Normalen herausragen – weshalb man ihnen mal einen Besuch abstatten sollte. Eine Auswahl.



Das Sennentuntschi von Cauco (GR)

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Das einzig echte Sennentutschi im Rätischen Museum Chur: Die alpine Sexpuppe. bild: rätisches museum

Was im Jahr 2010 unter dem Namen «Sennentuntschi» auf die Schweizer Leinwände kam, stiess grösstenteils auf Begeisterung. 1981 aber löste derselbe Sagenstoff von den einsamen Sennen, die sich in ihrem sexuellen Notstand an einer selbst gebastelten Strohpuppe verlustieren, auf Empörung. Das erotische Dialektschauspiel des Schweizer Dramatikers Hansjörg Schneider war vielen zu viel. Das Schweizer Fernsehen wurde angeklagt und der Autor floh zwischenzeitlich ins Tessin. Doch nicht die sexuelle Handlung erhitzte die Gemüter, sondern die Beseelung der Puppe. Denn das sei Gotteslästerung!

Das Rätische Museum zu Chur hat in seiner Sammlung ein echtes Sennentuntschi. Es ist das Einzige, das man kennt. 40 Zentimeter hoch und 330 Gramm schwer ist es. Der Körper ist aus Holz, auf dem Kopf trägt es echtes Menschenhaar, sein Mund ist weit geöffnet. Und ihm wurde eine Vagina eingeschnitzt. Das Sennentuntschi stammt aus dem Calancatal. Doch das ist auch schon alles, was man darüber weiss. 

Das Siechenhaus von Burgdorf (BE)

Jenseits der Emme steht ein Sandsteingemäuer mit dazugehöriger Kapelle aus dem 16. Jahrhundert. Es war das Zuhause der Aussätzigen, die unter der Aufsicht des Siechenvogts lebten. Hier liess man die Leprakranken baden und schwitzen, gelegentlich schröpfte man sie auch. Bis sie dann irgendwann starben. Denn die Verstossung war lebenslänglich. Begraben wurden die Patienten auf dem hauseigenen Friedhof. 

«Schweizer Wunder. Ausflüge zu kuriosen und staunenswerten Dingen» – Thomas Widmer

Thomas Widmer gilt wegen seiner Wanderkolumne im Tagesanzeiger als Wanderpapst. Ausserdem bloggt er täglich über seine Ausflüge auf widmerwandertweiter. Sein handliches neues Büchlein ist im Verlag Echtzeit erschienen und hier erhältlich. 

Die Arche Noah von Vicques (JU) 

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bild: arche-noe

Das ist was für Tierfreunde. Oder vielleicht besser, für Freunde von ausgestopften Tieren. Für Taxidermisten-Freaks. Denn das Museum von Christian Schneiter verfügt über 2'500 ausgestopfte Tiere von allen fünf Kontinenten. Er hat sie alle selbst präpariert und in lebensechten Szenarien gruppiert; Löwen beim Jagen, ein Gepard beim Lecken seiner Hinterpfote. Die Arche Noah ist nach der Sintflut offenbar nicht am Berg Ararat gestrandet, sondern im Jura, im malerischen Val Terbi.

Der Polenweg oberhalb Alpnach (OW) 

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Die Inschrift an der Polenstrasse besagt: «Noch ist Polen nicht verloren.»
bild: wikimedia

Um auf dieses schick gepflasterte Strässchen im Nirgendwo zu gelangen, muss man etwas wandern. Von der Alp Wängen in Richtung Westen über den Rickmettlen bis zur Steinstössi zieht sich der Weg in weiten Kurvenschleifen durchs sumpfig grüne Gelände. Wer ist denn hier Wichtiges entlang gegangen?

Eigentlich niemand. Die aufwändige Strasse mit Stützmauern und Wasserabflüssen wurde von polnischen Internierten im Zweiten Weltkrieg gebaut. Sie mussten offensichtlich mit irgendetwas beschäftigt werden. Insgesamt hielten sich 12'000 Polen ab 1940 bis Kriegsende in der Schweiz auf. Sie waren von den Deutschen im Jura an der Schweizer Grenze eingekesselt worden. Sie wurden entwaffnet und in Barackenlagern im ganzen Land untergebracht. 

Der Toggenburger Arsch (SG)

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bild: wanderungen

Wer schon immer mal einen Arsch bewandern wollte, der sollte sich zum Arsch der Welt aufmachen. Auf die Alp Arsch zwischen Amden und dem Toggenburg. Warum die arme Bergweide so heisst, ist nicht ganz klar.

Heinrich Schmid hat die Wurzeln der Schweizer Flure mit dem Namen Arsch erforscht. Einige von ihnen gehen auf das lateinische «ardere» zurück, was verbrennen heisst. Das Partizip «arsus» kommt dann auch schon ziemlich nahe an das deutsche Wort heran und taucht auch im Rätoromanischen auf. Ein Arsch-Gebiet konnte also durch rätoromanische Besiedlung und Brandrodung zu seinem Namen kommen. 

Es wurde versucht, besagte Toggenburger Arsch-Alp umzutaufen. In etwas weniger Ordinäres: Nämlich «Säss». Was nach «Gesäss» klingt, wo wir wieder beim Arsch wären. Doch Arsch-Willi von der Arsch-Alp hing so sehr an seinem Spitznamen, – «seit dreissig Jahren nennt man mich so!» – dass er sich vehement gegen die Änderung wehrte. Und der Arsch gewann. 

Der Skulpturenpark von Langenbruck (BL)

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Werk des Schweizer Künstlers Martin Disler: «Häutung und Tanz». bild: widmerwandertweiter

Kunstliebhaber und Verehrer von monströsen Genitalien sollten sich zum Kloster Schönthal aufmachen. Es ist das Zentrum des Skulpturenparks bei Langenbruck. Und für ein Weilchen auch die Heimat jedes Künstlers, der für den Park ein Werk geschaffen hat. «Soglio» vom Engländer Nigel Hall etwa steht da, ein schraubenartiges Stahlteil aus rostigem Rot. Und Martin Dislers tanzende Bacchanten mit den riesigen Phallen. 

Die Dinosaurier-Spuren von La Heutte (BE)

Unweit von Biel im Berner Jura liegt der kleine Ort La Heutte. Dort gibt es grosse Spuren zu bewundern. Den Fussabdruck eines Brachiosaurus – neun Meter hoch und 20 Tonnen schwer –der vor Millionen von Jahren durch die Landschaft stapfte. Und nur 300 Meter weiter findet sich im Felsen die Spur seines fleischfressenden Artgenossen. 

Das Henkermuseum in Sissach (BL)

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Henker Museum Sissach, Kirchgasse 2. bild: henkermuseum

Das Museum von Guido Varesi ist etwas für Menschen mit einem Hang zum Morbiden und Makabren. Daumenschrauben, Zwangsjacken, Richtschwerter, Guillotinen – auch solche für Hühner, Folterbirnen für das Spreizen von Mund und Anus. Das alles ist im alten Gefängnis von Sissach untergebracht. Varesi sagt von sich selbst, er sei ein moderner Folterknecht. Schliesslich sei er Tätowierer von Beruf. 

Seine aussergewöhnliche Sammlung ist für Besucher jeweils am ersten und dritten Sonntag des Monats von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. 

Der Erdmannli-Stein bei Wohlen (AG)

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Das im Hintergrund sind leider Menschen, keine Erdmannli.
bild: widmerwandertweiter

Auf einer Lichtung mitten im Wald, der 50 Gehminuten von Bremgarten entfernt liegt, tragen zwei Steine ihren dritten Bruder, den grössten von allen. Darunter liegt der Eingang zur Höhle der Erdmannli. Früher haben sie den Menschen Tänze und Sprünge vorgeführt. Doch irgendwann sind zwei Lausbuben gekommen und haben Steine in ihre Höhle geworfen – und die Erdmannli kamen nie mehr heraus. 

Nur wer es schafft, sieben Mal den Steinhaufen zu umkreisen und dabei die ganze Zeit die Luft anzuhalten, kann sie wieder hervorlocken. 

Die Kanonenkugel von Andelfingen (ZH) 

Napoleon und seine Truppen brauchten 1798 das Gebiet der Eidgenossenschaft für ihren Durchmarsch nach Italien. Sie marschierten auch in Andelfingen ein. Nach französischem Recht mussten die Bürger unentgeltlich für das leibliche Wohl der Offiziere, Soldaten und Pferde aufkommen. Und so quartierte man sie im Schloss, im Pfarrhaus, in Wirtshäusern und bei Familien ein. Dann näherten sich die Österreicher. Am 25. Mai 1799 stellten die Franzosen ihre Geschütze beim Schloss auf und feuerte die Kanonen auf ihre Feinde ab, die bereits die Thur überschritten hatten. Die Österreicher gerieten in arge Bedrängnis, flüchteten über die Brücke und setzten sie danach in Brand. 

Wer nun eine dieser geflogenen Kanonenkugeln sehen will, der mache sich auf nach der gedeckten Andelfinger Holzbrücke. 14 Zentimter Durchmesser hat sie, ist sieben Kilo schwer und schwer angerostet. 

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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
usehername
19.05.2016 14:22registriert March 2014
1. Sennentuntschi. "40cm hoch und 33g schwer"...wohl eher aus Karbonfaser, das Ding?
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TanookiStormtrooper
19.05.2016 19:09registriert August 2015
Ich habe jetzt beim Toggenburger Arsch an jemand anderen gedacht.... ( ͡° ͜ʖ ͡°)
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19

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