Interview
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Rico Käser präsidiert die SVP Kloten, die vergangenes Wochenende 3 ihrer 13 Sitze verloren hat. bild: svp kloten

«Ziehe den Schwanz nicht ein»: Das sagt der SVP-Mann, der sich mit Blocher anlegt

Der Chef der SVP Kloten fordert, Christoph Blocher müsse endgültig zurücktreten und aufhören, im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Im Interview erklärt Rico Käser seine Beweggründe.

22.04.18, 17:50 23.04.18, 08:33


Herr Käser, Sie lehnen sich ja mächtig weit aus dem Fenster. In der SonntagsZeitung kritisieren Sie Christoph Blochers Kurs unverhohlen und fordern ihn zum «endgültigen» Rücktritt auf. Hat Blocher schon angerufen, um Ihnen die Meinung zu geigen?
Rico Käser:
Nein, noch nicht. Weder um mir die Meinung zu geigen, noch um mir einen Platz im Nationalrat anzubieten (lacht). Bis jetzt habe ich ausschliesslich positive Reaktionen aus der SVP erhalten. Viele sind froh, dass sich endlich mal einer getraut, den Mund aufzumachen.

«Ich finde, nach all der Kritik von oben darf es auch einmal ein Feedback in die andere Richtung geben.»

Es ist tatsächlich ungewöhnlich, dass sich jemand aus der SVP so offen mit Blocher anlegt. Wie kommen Sie dazu?
Die SVP-Sektionen, die am letzten Wochenende verloren hatten, bekamen ziemlich auf den Deckel von Christoph Blocher und Albert Rösti. Auch wir von der SVP Kloten. Ich finde diese Kritik nicht gerechtfertigt, denn wir haben wirklich «gchrampfet» im Wahlkampf. Und wir hatten gute Kandidaten am Start. Ich finde, nach all der Kritik von oben darf es auch einmal ein Feedback in die andere Richtung geben. Auch wenn das offenbar einem Tabubruch gleichkommt.

Und jetzt? Planen Sie eine Palastrevolution – nach all dem Zuspruch, den Sie heute erfahren haben?
Es ist sicher gut, wenn in der Parteispitze jetzt ein paar Leute aufwachen. Und natürlich werde ich mich mit den Leuten in der Partei austauschen, die gleich denken wie ich. Aber ich plane sicherlich keine Revolution.

Sie kritisieren, dass sich die Parteileitung um Blocher seit Jahren auf dieselben Themen fokussiert. Worum müsste sich eine moderne SVP aus Ihrer Sicht kümmern?
Ich kann jetzt nicht einfach eine Agenda aus dem Ärmel schütteln. Schliesslich beschäftigen wir uns auf Gemeindeebene mit anderen Themen als unsere Parteikollegen im Bundeshaus. Aber ich glaube, man muss sich wieder mehr fragen, wo den Leuten wirklich der Schuh drückt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das Gespür dafür etwas verloren gegangen ist.

Stichwort No Billag: Obwohl die Partei klar die Ja-Parole beschlossen hatte, stimmte am Ende laut Nachbefragungen rund die Hälfte der Basis dagegen. Sprechen Sie von Beispielen wie diesem?
Nein, nein, überhaupt nicht. Ich habe mich selber auch für die Initiative stark gemacht. Und auch im EU-Dossier, in der Ausländer- und der Wirtschaftspolitik bin ich voll auf der Linie der Partei. Mir geht es eher darum, wie man in der Partei miteinander umgeht und ob man bereit ist, auch einmal neue Ideen zuzulassen. Denn in unserer Lokalsektion sehe ich, dass es viele junge Leute gibt, die nur so strotzen vor Ideen.

Dass Magdalena Martullo-Blocher den Platz ihres Vaters in der Parteileitung geerbt hat, kam laut dem Illnauer SVP-Chef Ueli Kuhn schlecht an in der Basis. Stimmen Sie ihm zu?
Als Tochter von Christoph Blocher war es für Magdalena Martullo sicher einfacher als für andere, in der SVP aufzusteigen. Aber ich lasse mich gern überraschen. Vielleicht bringt sie ja den frischen Wind in die Partei, von dem ich gesprochen habe. Ich weiss auch nicht, ob es in anderen Parteien so viel anders läuft, wenn sich der Chef aus dem Vorstand zurückzieht.

Wie zufrieden sind Sie mit Albert Rösti, der die SVP Schweiz seit zwei Jahren führt?
Er macht es im Grossen und Ganzen gut. Aber nach einem Toni Brunner ist es halt schwierig, sich zu behaupten. Die beiden sind ganz unterschiedliche Typen. Und wie bereits gesagt, fand ich es nicht richtig, wie Rösti nach dem letzten Wahlwochenende die Lokalsektionen abgekanzelt hat.

«Es ist nicht meine Art, wie ein geschlagener Hund den Schwanz einzuziehen.»

Fakt ist nun einmal: Die SVP hat in verschiedenen Gemeinden im grossen Stil verloren. Woran liegt’s, wenn nicht an Ihrem Wahlkampf oder Ihren Kandidaten?
In Kloten hat die Gemeinde einen gesunden Finanzhaushalt, wir haben wenig Probleme. Die politische Grosswetterlage hat sich nicht zu unseren Gunsten entwickelt, viele Wähler denken gerade an die Umwelt und wählen deshalb Rot-Grün. Ich glaube, man muss das gelassen nehmen. In vier Jahren kann es wieder ganz anders aussehen. Entscheidend ist beispielsweise, wie sich die Wirtschaft bis dahin entwickelt.

Sie wirken äusserst entspannt. Haben Sie keine Angst, dass Sie für Ihr Vorpreschen parteiintern abgestraft werden?
Nein. Und wenn, kann ich damit leben. Es ist nicht meine Art, wie ein geschlagener Hund den Schwanz einzuziehen. Im Mai haben wir Generalversammlung. Falls meine Partei nicht zufrieden mit mir ist, kann sie mich abwählen. Ich schaue dem Datum aber sehr gelassen entgegen.

«Erich Hess, wovor hast du mehr Angst als vor Ausländern?»

Video: watson/Nico Franzoni, Lya Saxer

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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38
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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • inVain 23.04.2018 23:37
    Highlight Christoph Blocher. Der Erich Vogel der SVP.
    1 0 Melden
  • mogad 23.04.2018 08:44
    Highlight Jetzt auch noch das: Nach Wahlniederlagen übt sich die SVP in Kannibalismus, indem sie die eigenen Leute öffentlich fertig macht! Ganzer schlechter Stil.
    13 15 Melden
  • swisskiss 23.04.2018 07:57
    Highlight Kritik an der Parteileitung, wie sie bei jeder Partei üblich ist, wird bei der SVP als "Mäjestätsbeleidigung" betrachtet. Dann noch das Zepter an die Tochter übergeben und die Erbmonarchie feiert fröhliche Urständ.

    Die Unabhängigkeit, Souveränität und Freiheit propagieren und genau diese Werte bei Themenbesetzung, Führung und Dialog in der eigenen Partei ad absurdum zu führen, lässt sich nicht überspielen, wenn die Kernthemen der SVP nicht mehr den hohen Stellenwert im Sorgenbarometer bürgerlicher Wähler haben.

    Die Schwäche der SVP ist kein Linksrutsch, sondern ein Vernunftsrutsch.
    43 3 Melden
  • Schneider Alex 23.04.2018 05:49
    Highlight Auch der SVP wird es irgendwann einmal dämmern, dass sie es mit der systematischen Missachtung der sozialen und ökologischen Probleme des Landes nie über die 30%-Wähleranteil schaffen wird; obwohl das bei den EU/Migrationsfragen dringend nötig wäre.
    14 30 Melden
  • wasps 22.04.2018 22:58
    Highlight Was irritiert, ist die Aussage von Rösti, dem Volk gehe es halt zur Zeit gut, davon würden die Linken profitieren. Umkehrschluss: Der SVP Präsident ist unzufrieden, da es dem Volk gut geht! Heiliger Bimbam, da komme noch einer draus. Ziel jeder Partei muss ja sein, so zu politisieren, dass es dem Volk gut geht...
    123 4 Melden
  • Linus Luchs 22.04.2018 21:46
    Highlight Käsers Aufstand hat nur einen Grund: narzisstische Kränkung. Er wurde wie ein Schulbub gemassregelt, und jetzt schmollt er. Inhaltlich hat er nicht eine einzige Position, die von Blochers Vorgabe abweicht. Das gibt er ja auch zu: "Im EU-Dossier, in der Ausländer- und der Wirtschaftspolitik bin ich voll auf der Linie der Partei. Mir geht es eher darum, wie man in der Partei miteinander umgeht." Meint er, die Blocher'schen Umgangsformen ändern zu können? Eher wird Gölä ein Opernsänger.
    84 6 Melden
    • ArcticFox 23.04.2018 19:40
      Highlight Da haben sich einige 20 Jahre lang engagiert, in Gemeinde und Kanton. Immer gehofft irgendwann ein gutbezahltes Ämtli zu kriegen und dann wird denen so ein Köppel oder eine Martullo vor die Sonne gestellt. Da muss Frust aufkommen. Nur darum geht's in der Egoistenpartei!
      3 1 Melden
  • FrancoL 22.04.2018 21:22
    Highlight Ich finde Blocher ist nicht unbedingt das Problem der SVP. Klar regiert er weit über den Zenith hinaus.
    Aber mit Köpfen wie Köppel, Matter, Aeschi, Martullo und Anverwandte wird die SVP kaum den nötigen Kurswechsel zu einer Partei mit einem Minimum an Konsensvermögen mutieren. Es werden weiter 2-3 Themen aufgegriffen und bewirtschaftet bis zum geht nicht mehr. Herhalten werden immer noch: Ausländer, EU und die linken Schmarotzer.
    Wenn nicht in naher Zukunft das SVP Volk merkt, dass es hintergangen wird, änder sich da nicht sehr viel.
    Die anderen Parteien müssen einen vernünftigen Weg gehen.
    96 10 Melden
    • RETO1 22.04.2018 22:17
      Highlight Die anderen Parteien müssen einen vernünftigen Weg, das heisst also weiterhin Masseneinwanderung, Kriechen vor der EU und Sozialschmarotzer mit Samthandschuhen anfassen
      13 135 Melden
    • manhunt 22.04.2018 22:32
      Highlight da bin ich nicht ganz einig mit dir. so lange der sonnenkönig von und zu herrliberg sein zepter nicht endgültig niederlegt, werden auch seine treuergebenen vasallen weiterhin fest im sattel sitzen. bevor durchlaucht nicht mit dem gesammten hofstaat zum rückzug blässt, wird sich in dieser partei überhaupt nix ändern. obwohl genau dies bitter nötig wäre.
      55 8 Melden
    • FrancoL 22.04.2018 23:11
      Highlight @Reto1; Deine Perspektiven sind hinlänglich bekannt und aus Deiner Sicht mag es so aussehen, in der Realität sind andere Sichten möglich. Aber auch ein Blocher hat ja nichts gegen Deine Ängste gemacht, er hat viel versprochen, aber nichts gehalten!
      62 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • chr1zz 22.04.2018 20:56
    Highlight Wenn man so einen Stuss rauslässt wie:

    "In Kloten hat die Gemeinde einen gesunden Finanzhaushalt, wir haben wenig Probleme. Die politische Grosswetterlage hat sich nicht zu unseren Gunsten entwickelt, viele Wähler denken gerade an die Umwelt und wählen deshalb Rot-Grün." dann verwundert es mich nicht das man soviele Sitze verloren hat. Jetzt möchte der Herr auf Dicke Hose machen und sich in der Presse profilieren?

    59 5 Melden
  • Quacksalber 22.04.2018 20:26
    Highlight Ein Revolutiönchen. Die alten Ideen soll jetzt endlich von den Jungen vertreten werden.
    Kommentar aus dem Ausland, nämlich Basel.
    44 5 Melden
  • manhunt 22.04.2018 19:27
    Highlight „Ich weiss auch nicht, ob es in anderen Parteien so viel anders läuft, wenn sich der Chef aus dem Vorstand zurückzieht.“
    in welcher anderen schweizer partei ging die parteileitung vom vater zur tochter über? in keiner. und das wusste er wirklich nicht?
    „Die politische Grosswetterlage hat sich nicht zu unseren Gunsten entwickelt“
    warum wohl? was wären den zu „unseren gunsten“? probleme, welche man bewirtschaften kann, um davon abzulenken, dass man aktiv daran beteiligt ist, die sozialen gräben noch mehr zu vertiefen?
    139 3 Melden
  • He nu.. 22.04.2018 19:17
    Highlight Hr. Blocher würde sagen, wie sichs für einen Appatschik gehört: "Zurücktreten nur nach meinem Ableben)"
    56 6 Melden
  • Yorik2010 22.04.2018 18:57
    Highlight Endlich einer aus der SVP der das eigene Hirn einschaltet und nicht nur die abgedroschenen Sätze aus der Chefetage wiederkäut! BRAVO!
    47 25 Melden
    • Pisti 22.04.2018 22:06
      Highlight Und was genau macht er dann nicht gleich?
      Der jammert einfach rum weil er vom Blocher und Rösti eins aufs Dach bekommen hat, wegen den schlechten Wahlergebnissen. Von anderen Ideen oder Vorstellung liest man im Interview nichts heraus.
      65 3 Melden
    • Mia_san_mia 23.04.2018 01:11
      Highlight @Yorik2010: Lies doch zuerst das Interview... Der ist voll auf deren Linie. Jetzt ist er einfach beleidigt weil er zusammengeschissen wurde.
      44 1 Melden
  • Triumvir 22.04.2018 18:51
    Highlight Wo praktisch nix ist, kann man auch nix einziehen😂
    42 25 Melden
  • aglio e olio 22.04.2018 18:46
    Highlight "In Kloten hat die Gemeinde einen gesunden Finanzhaushalt, wir haben wenig Probleme. Die politische Grosswetterlage hat sich nicht zu unseren Gunsten entwickelt, viele Wähler denken gerade an die Umwelt und wählen deshalb Rot-Grün."

    Eine Partei die davon lebt dass es den Leuten schlecht geht. Vielleicht sollte daran gearbeitet werden.
    Aber klar, wenn die Menschen den Fokus auf ihre Sorgen, ob nun real oder herbeigeredet, legen, lässt sich die neoliberale Agenda viel leichter, bzw. weniger beobachtet umsetzen.
    249 12 Melden
    • Slavoj Žižek 22.04.2018 20:12
      Highlight Netter Versuch, aber hör bitte auf Verschwörungstheorien zu verbreiten. Das die SVP eine neoliberale "Agenda" "wenig beobachtet" durchsetzen will ist einfach eine Behauptung . Die einzige Partei, welche dem grössten neoliberalen Konstrukt, der EU, beitreten will, ist die SP.
      21 142 Melden
    • Fabio74 22.04.2018 20:20
      Highlight @empty: Die SVP macht Politik für Grosskonzerne und für die Reichen. Steuersenkungen; Gesetzesanpassungen zuungunsten der Konsumenten und ARbeitnehmer; das Verhindern von Parallel-Importen; das Kleinhalten der WEKO und des Kartellgesetzes
      Dass die SP in die EU möchte ist nicht neu aber irrelevant weil das Volk dies nicht will
      Die EU ist im Übrigen genau so neoliberal wie die CH.
      91 10 Melden
    • aglio e olio 22.04.2018 20:46
      Highlight Vielen Dank dass du dich durch die Verwendung des Wortes "Verschwörungstheorie" von vorne herein einer Diskussion entziehen willst. Weil Sonntag. 😙
      58 6 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • rocky53 22.04.2018 18:42
    Highlight richtig blocher und die oldies gizedanner amstutz usw sollten gehen svp wird weiterleben mit neuen ideen statt immer blocherdrohungen ins leere.
    37 14 Melden
  • Ehringer 22.04.2018 18:16
    Highlight Frage: "Woran liegt’s, wenn nicht an Ihrem Wahlkampf oder Ihren Kandidaten?"
    Antwort: "In Kloten hat die Gemeinde einen gesunden Finanzhaushalt, wir haben wenig Probleme."

    Mit anderen Worten gibt er hier doch offen zu, dass die SVP nichts anderes macht, als elementare Probleme zu bewirtschaften. Gibt es in den Augen des Volkes keine elementaren Probleme, wählt keiner SVP.
    386 22 Melden
    • Gustav.s 22.04.2018 20:09
      Highlight Alles hat zwei Seiten.
      So gesehen könnte man auch sagen, wenn die SVP die grossen grundlegenden Probleme gelöst hat, kann sie gehen?
      (also nie)



      14 35 Melden
    • Ehringer 22.04.2018 20:49
      Highlight Kann man so sehen. In der Realität zeigt sich aber eher, dass die SVP ausser Existenzängsten kein Parteiprogramm hat.
      67 4 Melden
  • CASSIO 22.04.2018 17:58
    Highlight "Viele sind froh, dass sich endlich mal einer getraut, den Mund aufzumachen." und genau das ist es, was mich so unglaublich amusiert. stolze schweizer wollt Ihr sein, aber Ihr seid alle doch nur badhoslis! schämen sollt Ihr Euch!
    232 18 Melden
    • Fabio74 22.04.2018 20:21
      Highlight @cello bei den Temperaturen ist Baumschule gut
      29 5 Melden
    • CASSIO 22.04.2018 20:51
      Highlight C-Cello: oder ein bisschen mehr Ahnung von Demokratie, als viele Gläubige. Und Du weisst bestimmt, weshalb es Gläubige heisst.
      21 13 Melden
    • Mia_san_mia 23.04.2018 01:13
      Highlight @C-Cello: Bist Du auch ein Badhosli?
      12 2 Melden
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