Bitcoin
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Harrison Ford als legendärer Indiana Jones. Im Cyberspace müsste er sich nicht mit Kobras herumschlagen.

Die Jäger des verlorenen 25-Milliarden-Dollar-Kryptowährungs-Schatzes

3,7 Millionen Bitcoins gelten als verschwunden, heute ein gewaltiges Vermögen. Deshalb gibt es neuerdings Kryptowährungs-Jäger.

21.07.18, 19:36 22.07.18, 14:07


Der englische Begriff «Coin» bedeutet zwar Münze, doch Bitcoins kann man bekanntlich nicht anfassen. Sie sind ein Software-Code. Am besten vergleicht man Bitcoins mit einer Steinwährung, welche die Bewohner der Südseeinsel Yap seit Urzeiten benutzten.

«Dies funktioniert, indem ein Insulaner nach einem Bezahlvorgang alle anderen auf der Insel informierte, wem er gerade einen Rai-Stein gegeben hatte», stellt Julian Hosp in seinem soeben erschienen Buch «Kryptowährungen» fest. «Es wurde also NICHT der Stein weitergegeben, sondern das Wissen darüber, wer einen Stein besass. Der Stein selbst blieb immer am selben Platz.»

epa06785821 A bitcoin logo is seen next to computer fans during the Computex 2018 in Taipei, Taiwan, 05 June 2018. The Computex 2018 event will run from 05 June to 09 June 2018 and will exhibit innovations from various computer designers.  EPA/RITCHIE B. TONGO

Der Schein trügt: Bitcoins gibt es nur virtuell. Bild: EPA/EPA

Das gleiche Prinzip gilt auch für die Kryptowährungen. Das Wissen, nicht der physische Besitz zählt, und wer dieses Wissen darüber verliert, verliert auch sein Vermögen. Denn die Coins sind nicht physisch wie etwa Goldbarren in einem Banksafe gelagert, sondern in einem sogenannten virtuellen Wallet.

Dieses persönliche Wallet ist mit einem Passwort gesichert. Wer dieses Passwort vergisst, der kann es nicht einfach zurücksetzen lassen, denn es handelt sich um einen einmaligen, verschlüsselten Code.

Passwörter werden bekanntlich oft vergessen, auch bei Kryptowährungs-Wallets. Die auf Blockchain spezialisierte Beratungsfirma Chainalysis hat errechnet, dass derzeit Bitcoins im Wert von rund 25 Milliarden Dollar verloren sind. Konkret seien rund 3,7 Millionen der Münzen nicht mehr lokalisierbar, schreibt Hannah Murphy dazu in der «Financial Times».

Was macht Nakamoto mit seinen Coins?

Der grösste Teil der verschwundenen Bitcoins – rund 2 Millionen –, wird Sathosi Nakamoto, dem mysteriösen Erfinder der Kryptowährung, zugeschlagen. Doch auch beim verbliebenen Rest handelt es sich noch um einen zweistelligen Milliarden-Dollar-Betrag. Sie gehen in der Regel auf das Konto derer, die Bitcoins zum Spass erwarben, als diese noch kaum etwas wert waren.

Die Passwörter zu ihren Wallets haben diese Bitcoinbesitzer vor Jahren irgendwo verlegt und können sie nun nicht mehr finden. Daher treten vermehrt Jäger des Kryptowährungsschatzes auf den Plan. «Es gibt zahlreiche Webseiten, die anbieten, mit nackter Gewalt in die Wallets einzudringen», meldet die «Financial Times». «Sie benützen dabei Supercomputer, die endlose Passwort-Kombinationen durchrechnen.»

Nackte Gewalt führt jedoch kaum je zum Erfolg. Bitcoins sind extrem gut verschlüsselt. «Aus heutiger Sicht kann ein solcher Hack komplett ausgeschlossen werden», stellt denn auch Julian Hosp fest. Daher gibt es auch so genannte «Krypto-Hypnotiseure».

Teuere Krypto-Hypntiseuere

Sie versprechen, das unbewusste Wissen eines Menschen anzuzapfen und so das vergessene Passwort wieder in Erinnerung zu rufen. Ein gewisser Jason Miller im US-Bundesstaat South Carolina bietet diese Dienste via Skype an. Er verlangt allerdings einen happigen Preis dafür: Einen halben Bitocoin als Anzahlung – das sind gegenwärtig mehr als 3000 Franken – und 5 Prozent des Wertes der wiedergefundenen Coins.

Angesichts der Gewinn-Explosion der Kryptowährungen treten neuerdings auch Dienste auf, welche versprechen, die Coins sicher aufzubewahren. Verschieden Krypto-Wechselstuben bieten einen solchen Service an. Aber Vorsicht: Diese Dienste sind weniger sicher als ein privates Wallet und daher bevorzugte Ziele von Hackern.

Sicher sind nur Papier und Bleistift

Wer auf Nummer sicher gehen will, muss daher ein eher mühsames Prozedere wählen: das Paper Wallet. Man notiert sein Passwort auf verschiedene Zettel – mit Bleistift, nicht mit Kugelschreiber, denn Tinte verbleicht – und deponiert sie an verschiedenen Orten. «Paper Wallets sind heute noch gängig und gelten als eine der sichersten Möglichkeiten, den Private Key zu speichern», so Hosp.

Die Passwortfrage bleibt die Achilles-Ferse der Kryptowährungen, zumal wir in einer Gesellschaft leben, in der die Menschen immer älter werden. Alzheimer lässt grüssen. «Ohne einen einfacheren Weg, Krypto-Vermögen sicher und einfach aufzubewahren, werden es die digitalen Währungen es schwer haben, sich im Alltag durchzusetzen», stellt Hannah Murphy fest.

Bitcoins und Blockchain

Um Bitcoin tobt ein Machtkampf – und trotzdem steigt der Preis! Wir erklären weshalb

11 goldene Regeln, wenn du jetzt mit Kryptowährungen zocken willst

Die Cryptocoins vermehren sich wie die Karnickel

Du hast den Bitcoin-Zug verpasst und willst nun mit ICOs reich werden? Dann sei gewarnt!

Dieser Typ verkauft sein ganzes Hab und Gut für Bitcoins

Millionär oder Pleite – mit Kryptowährungen ist beides ziemlich schnell möglich

7 Gründe, weshalb alte Banker (zum Teil gerechtfertigt) gegen Kryptowährungen stänkern

Der Bitcoin-Kurs schiesst in die Höhe – dank der Chinesen und der Russen-Mafia?

Das Ende des Geldes

Du hast gedacht, die Bitcoins waren bloss ein vorübergehender Hype? Dann denk nochmal nach!

Onlinebörse Mt. Gox findet verlorengeglaubte Bitcoins im Wert von 115 Millionen Dollar – durch Zufall

Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Der Kampf um die Seele der Amerikaner hat begonnen

Wie du dir als Gymi-Schüler die Lehre vorstellst – und umgekehrt

«Aus Gewissensgründen» – Diese Apothekerin verbannt Homöopathie aus Regalen

«Jetzt gegensteuern, sonst werden die Folgen fatal sein»: 11-Jährige erleiden Burn-out

Abonniere unseren Daily Newsletter

17
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paddiesli 22.07.2018 10:43
    Highlight Krypto-Hypnotiseure 😄😄😄
    Und die dummen Leute springen drauf an.
    Geht zu einem normalen Hypnotiseur, das spart Abzocke.
    4 1 Melden
  • Benizzel 22.07.2018 08:17
    Highlight Paper Wallet mag aktuell die sicherste Form sein. Aber nur für die Sicherheit, das Passwort nicht zu vergessen. Werde den Gedanken nicht los, dass es sich dabei eigentlich um da altbekannteGeld unter der Matratze handelt. Mal schauen, wann Einbrecherbanden auf die Idee kommen, gezielt nach solchen Papierschnippsel ausschau zu halten. Dann lieber ein vertauenswürdiges Passworttool.
    8 1 Melden
  • Don Sinner 21.07.2018 22:51
    Highlight De Bescht sind die Hypnotiseure. LOL. Noch ein paar schlitzohrige Trittbrettfahrer, die in diesem undurchsichtigen Spiel ihren Anteil absaugen wollen. What a gyp.
    11 0 Melden
  • TheGoon 21.07.2018 22:26
    Highlight Der Privatekey ist nicht ein Passwort sondern eher die Koordinaten des Rai-Steins. Du kannst dein PKey (z.B.Bip38) mit einem Passwort verschlüsseln dieses Passwort könnte allenfalls mit Bruteforce geknackt werden. Die Hypnose dürfte sich auf eine 24 Wort Umsetzung deines Privatekeys beziehen (mnemonic).

    5 9 Melden
  • Dual 21.07.2018 22:19
    Highlight Zwar offtopic aber soll wieder mal gesagt sein: der Betrieb der Serverfarmen erfordert imense Energie! Somit werden grosse Mengen von CO2 in die Umwelt geblasen, da der Grossteil an Elektrzität aus fossilen Kraftwerken stammt. Es braucht global eine Steuer auf fossile Energieträger!
    55 32 Melden
    • Sir_Nik 21.07.2018 23:13
      Highlight Offtopic, 1! Setzen 😁
      2 6 Melden
    • sambeat 22.07.2018 00:31
      Highlight Dass ist allgemein bekannt, und es wird ja auch immer wieder heiss darüber diskutiert. Meist wird der Inhalt Deines Einwurfes im Kanon gesungen! Aber dann zeigt sich halt immer wieder das menschliche Wesen: Wenn ich davon profitieren kann, ist es ja nicht so schlimm...
      PS: Fossile Kraftwerke gibt es glücklicherweise nicht, nicht erneuerbare Energie jedoch schon 😉
      7 0 Melden
    • Bauernbrot (mit ganzen Bauern) 22.07.2018 09:00
      Highlight In einer Zeit in der wir eine Energiewende anstreben verrösten wir für die instabilste "Währung" so viel energie pro Jahr wie auch Chile pro Jahr benötigt. Wir sind sowas von bescheuert.

      https://digiconomist.net/bitcoin-energy-consumption
      4 1 Melden
    • Don Sinner 22.07.2018 10:46
      Highlight Fossiles Kraftwerk. Sie meinen so etwas (Bild)? Fossiler Kraftprotz. Der trägt dann auch die Energie (?). Bitte um Präzisierung ;-)
      2 4 Melden
  • Roman Stanger 21.07.2018 20:03
    Highlight Die Übersetzung von "brute force" ist "brute force" und nicht "nackte Gewalt". Das ist in diesem Zusammenhang ein fester Begriff, auch im Deutschen.
    134 27 Melden
    • Oh Dae-su 21.07.2018 20:35
      Highlight Da merkt man, dass der Löpfe schon ein etwas älteres Kaliber ist ^^
      31 16 Melden
    • Panna cotta 21.07.2018 21:38
      Highlight @Oh Dea-su
      Von Brute-Force-Algorithmen sprach man schon vor vierzig Jahren. Damals war Löpfe noch jung, und von dir gab es vermutlich noch nicht mal ein Ultraschallbild. 🙂
      28 5 Melden
    • Miikee 21.07.2018 22:13
      Highlight Haha und ich dachte zuerst:
      "WTF. Waaass tun die genau 🙈".

      Danke für die Übersetzung😂
      16 2 Melden
    • ThomasHiller 21.07.2018 23:04
      Highlight Kann dann einer von euch so freundlich sein und mir erklären, was 'brute force' ist, wenn die deutsche Übersetzung 'nackte Gewalt' des englischen Begriffs 'brute force' nicht korrekt ist? Danke
      7 2 Melden
    • Panna cotta 22.07.2018 08:17
      Highlight @ThomasHiller: Die Übersetzung ist nicht falsch, man übersetzt den Begriff einfach nicht - so wie man "Hardware" besser nicht zu übersetzen versucht.
      Brute Force kommt dann zum Einsatz, wenn kein besserer Ansatz bekannt ist, als ein Problem mit reiner Rechenleistung zu lösen.
      7 1 Melden
    • Astrogator 22.07.2018 08:50
      Highlight @Roman Stanger: Vielleicht war es aber genauso gemeint wie übersetzt, habe auch schon mal mit dem Segen des Chefs eine Harddisk mit einer Stichsäge aus dem Laptop geholt - lange Story 🤣
      7 0 Melden
    • Paddiesli 22.07.2018 10:47
      Highlight @panna cotta
      Ich bin sicher, die Franzosen haben ein eigenes Wort dafür. Das nennt man Sprachpflege, statt copy/paste.
      3 3 Melden

Die Alphabet-Aktie klettert trotz EU-Busse auf ein Rekordhoch – auch dank eines Schweizers

Selbst die höchste je von der EU verhängte Wettbewerbsbusse kann die Geldmaschine Google nicht aus der Bahn werfen. Der Mutterkonzern Alphabet verdaut die Strafe in einem Quartal und verdient dank sprudelnder Werbeeinnahmen trotzdem noch Milliarden.

Bei der Google-Mutter Alphabet laufen die Geschäfte dank boomender Werbe- und Clouderlöse weiter glänzend, die Rekordstrafe der EU-Kommission belastet jedoch den Quartalsgewinn. In den drei Monaten bis Ende Juni ging der Überschuss im Jahresvergleich um neun Prozent auf 3.2 Milliarden Dollar zurück, wie der Internetriese am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Umsatz kletterte um gut ein Viertel auf 32.7 Milliarden Dollar.

Die Markterwartungen wurden trotz der hohen Sonderlast durch die …

Artikel lesen