Türkei
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Feb. 1, 2015, file photo, Saudi journalist Jamal Khashoggi speaks during a press conference in Manama, Bahrain. The disappearance of Khashoggi, during a visit to his country’s consulate in Istanbul on Oct. 2, 2018, raises a dark question for anyone who dares criticize governments or speak out against those in power: Will the world have their back? (AP Photo/Hasan Jamali, File)

Der saudische Dissident und Journalist Khashoggi soll im saudischen Konsulat ermordet worden sein. Bild: AP/AP

Ermordet und zersägt – Türkei soll Aufnahmen von Ermordung Khashoggis haben

12.10.18, 07:12 12.10.18, 07:31


Ein Zeitungsbericht mit höchst brisanten Schilderungen zum Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi scheint den Verdacht gegen die saudische Staatsführung zu erhärten. Laut der «Washington Post» existieren Ton- und Videoaufnahmen von einer Tötung.

Die Aufnahmen sollen belegen, dass Khashoggi vor eineinhalb Wochen im saudischen Konsulat ermordet wurde. Das Blatt, für das Khashoggi in der Vergangenheit selbst schrieb, beruft sich dabei auf Informationen türkischer und amerikanischer Offizieller. Doch der Bericht bringt auch Ankara in Erklärungsnot.

Die «Washington Post» zitiert eine anonyme Quelle, die Kenntnis von den Aufnahmen haben soll. Demnach belegen die Bänder, dass Khashoggi erst verhört, dann gefoltert und schliesslich getötet wurde. Mehreren Offiziellen zufolge sei die Leiche des Journalisten anschliessend zerstückelt worden.

Leiche zerstückelt in Koffern weggebracht

Zuvor hatte schon die «New York Times» unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise berichtet, dass ein Team saudischer Agenten Khashoggi in dem Konsulat getötet, seinen Körper danach mit einer Knochensäge zerstückelt und die Reste mutmasslich in Koffern aus dem Konsulat geschafft habe.

epa07083706 A frame grab from a police CCTV video made available through Turkish Newspaper Sabah shows a private jet alleged to have ferried in a group of Saudi men suspected of being involved in Saudi journalist Jamal Khashoggi's disappearance, at Istanbul's Ataturk airport,Turkey, 02 October 2018 (issued 10 October 2018). Saudi journalist Jamal Khashoggi has gone missing after visiting the Saudi consulate in Istanbul on 02 October to complete routine paperwork.  EPA/SABAH NEWSPAPER HANDOUT TURKEY OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Das Bild soll die Maschine von saudischen Agenten zeigen. Bild: EPA/SABAH NEWSPAPER

Nach Informationen der Zeitung scheut die türkische Seite eine Veröffentlichung der Aufnahmen, um nicht zu offenbaren, wie Einrichtungen ausländischer Staaten in der Türkei ausspioniert werden. Unklar sei deshalb auch, inwiefern amerikanische Stellen das angebliche Beweismaterial bereits einsehen durften. Die türkische Regierung habe US-Regierungsvertretern aber versichert, im Besitz kompromittierender Aufnahmen zu sein, die keinen Zweifel an der Mordthese lassen.

Neue Dimension

Sollte sich die Türkei tatsächlich Aufnahmen aus dem Innern der Landesvertretung der Regionalmacht Saudi-Arabien verschafft oder diese gar selbst heimlich angefertigt haben, würde der ohnehin bereits zur Staatsaffäre ausgewachsene Fall Khashoggi nochmals neue Dimensionen bekommen.

Khashoggi (59) hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Seitdem wird er vermisst. Den schon nach kurzer Zeit von türkischer Seite erhobenen Vorwurf, der Regimekritiker sei im Konsulat ermordet worden, weist Saudi-Arabien zurück. Zudem hat die Führung in Riad eine Aufklärung des Falls versprochen.

epa07083705 A frame grab from a police CCTV video made available through Turkish Newspaper Sabah allegedly shows Saudi journalist Jamal Khashoggi (R) entering the Saudi consulate in Istanbul, Turkey, 02 October 2018 (issued 10 October 2018). Saudi journalist Jamal Khashoggi has gone missing after visiting the Saudi consulate in Istanbul on 02 October to complete routine paperwork.  EPA/SABAH NEWSPAPER HANDOUT TURKEY OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Videoaufnahmen sollen Khashoggi bei dem Betreten des saudischen Konsulats zeigen.  Bild: EPA/SABAH NEWSPAPER

Zwar kündigte das türkische Präsidialamt am Donnerstag die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Saudi-Arabien an, um den Fall «in all seinen Facetten» zu beleuchten und aufzuklären. Skeptiker, die an der Ernsthaftigkeit dieser Absichten zweifeln, dürften sich durch die jüngsten Medienberichte aber bestätigt sehen.

Khashoggi war vor mehr als einem Jahr aus Angst vor politischer Verfolgung ins US-Exil gegangen. Dort schrieb er unter anderem Artikel für die «Washington Post», die er mit Jamal Khashoggi zeichnete. Der Journalist begrüsste zwar grundsätzlich die Reformen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, kritisierte aber dessen zunehmend autoritäre Herrschaft.

USA erhöhen Druck

Die US-Regierung erhöhte am Donnerstag (Ortszeit) den Druck auf ihren engen Verbündeten Saudi-Arabien. Zwar weile der saudische Botschafter in den USA derzeit in Riad, sagte Aussenministeriumssprecherin Heather Nauert. Allerdings fügte sie hinzu: «Wir haben ihm gesagt, dass wir bei seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten Informationen erwarten.»

Nauert betonte, sie wolle vor dem Abschluss einer Untersuchung keine Schuldzuweisungen treffen. «Wir wissen nicht, was passiert ist», sagte sie. Die US-Regierung sei jedoch «extrem besorgt über die Situation», die grösste Aufmerksamkeit auf der höchsten Ebene geniesse.

Mehrere republikanische und demokratische US-Senatoren forderten US-Präsident Donald Trump auf zu prüfen, ob in dem Fall eine schwere Menschenrechtsverletzung vorliege und Sanktionen verhängt werden sollten. Hintergrund ist der sogenannte Magnitsky-Akt, der die US-Regierung in solchen Fällen zu Strafmassnahmen wie Einreisesperren und dem Einfrieren von Vermögen ermächtigt. Die Senatoren forderten Trump auf, dem Auswärtigen Ausschuss in 120 Tagen zu berichten.

US-Präsident Donald Trump sagte dem Sender Fox News am Donnerstag: «Wir wollen herausfinden, was passiert ist.» Er nannte das Verschwinden Khashoggi «einen furchtbaren, furchtbaren Präzedenzfall». Khashoggi sei zwar kein amerikanischer Staatsbürger, «aber in diesem Fall spielt das keine Rolle». (sda/dpa)

Der türkische Präsident wollte eigentlich Fussballer werden

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Diese Frauen haben etwas zu sagen – und der SVP wird dies nicht gefallen

Wieso, verdammt, find ich mich ein Leben lang hässlich?

«Dünne Menschen sind Arschlöcher»

Jetzt kommt das Gratis-Internet in den Zügen – es sei denn, du bist Swisscom-Kunde

In der Schweiz leben 2 Millionen Ausländer – aber aus diesen 3 Ländern ist kein einziger

Norilsk no fun? «Im Gegenteil», sagt Fotografin Elena Chernyshova

Wenn Instagram-Posts ehrlich wären – in 7 Grafiken

Wir haben Schweizer Eishockey-Stars verunstaltet – erkennst du sie trotzdem?

Ist Trump nun ein Faschist oder nicht?

Die 7 schlimmsten Momente, die du an einer Prüfung erleben kannst

Die Grünen sind die unverbrauchten Linken

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

«In einer idealen Welt wären Solarien verboten»

Diese Nachricht lässt jede Playstation 4 sofort abstürzen – so schützt du dich

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

11
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sebastian Wendelspiess 12.10.2018 12:11
    Highlight Das wird spannend, SA sollte schon lange sanktioniert werden.
    8 0 Melden
  • Neruda 12.10.2018 10:48
    Highlight Scheinbar ja auch nötig, dass die Türkei ausländische Botschaften überwacht 🙈
    8 0 Melden
    • Saraina 12.10.2018 11:58
      Highlight Das machen doch alle Länder, genau wie aus den Botschaften heraus spioniert wird.
      14 0 Melden
  • swisskiss 12.10.2018 09:59
    Highlight Und Trump so: "Ich fordere lückenlose Aufklärung und bin sehr besorgt"

    Aber zum Waffendeal mit den Saudis:"I don't like the concept of stopping an investment of $110 billion into the United States because you know what they're going to do, they're going to take that money and spend it in Russia or China."

    Also zurück zum Iran und die Menschenrechtsverletzungen beklagen...
    30 3 Melden
    • Saraina 12.10.2018 11:59
      Highlight Immerhin fordert Trump etwas. Als vor ein paar Jahren Prinz Sultan aus Genf nach Saudi-Arabien entführt wurde, war die Reaktion der Schweizer etwa „ upsii“. Oder in anderen Worten - es kam gar keine.

      https://www.theguardian.com/world/2017/aug/15/saudi-arabia-new-details-of-dissident-princes-abductions-emerge
      10 0 Melden
    • swisskiss 12.10.2018 19:29
      Highlight Saraina: Aufklärung zu fordern und dann das Resultat zu ignorieren, nennt man scheinheilig. Dies wollte ich mit der Gegenüberstellung seiner Aussagen aufzeigen.

      Natürlich ist das Verhalten der Schweiz gegenüber den Saudis sehr kritisch zu sehen ( und nicht nur bei den Saudis!) Aber es ist ehrlicher, als Trumps Verhalten, dass dem vergiessen von Krokodildtränen für die Galerie gleichkommt.
      1 1 Melden
    • Saraina 12.10.2018 20:26
      Highlight Ja gut... ehrlicher als Trump ist allerdings keine grosse Leistung. Damit würde ich mich nicht brüsten wollen.
      2 0 Melden
  • Oh Dae-su 12.10.2018 09:47
    Highlight Ich hol dann mal Popcorn...
    Hier in den Kommentaren hatte mal jemand erwähnt, dass die Leiche zerstückelt und dann im diplomatischen Gepäck ausser Landes geschafft worden sein könnte. Das scheint ja nun tatsächlich zuzutreffen XD
    25 1 Melden
    • SemperFi 12.10.2018 14:31
      Highlight Scho echli gschmacklos...
      5 2 Melden
  • Sharkdiver 12.10.2018 08:33
    Highlight Was für Barbaren 😱
    33 0 Melden
    • roger.schmid 12.10.2018 10:20
      Highlight @Sharkdiver: Ja. Dort werden ja auch regelmässig Leute enthauptet.

      Saudi-Arabien ist dem IS eigentlich ziemlich ähnlich - aber sie haben Unmengen an Geld und Öl und bestechen damit die richtigen Leute..
      26 0 Melden

Sie will die Politik mit Frauen fluten – Meg Wolitzer, die Feminismus-Autorin der Stunde

#MeToo, die Brett-Kavanaugh-Hearings und Trump: Meg Wolitzers Roman «Das weibliche Prinzip» passt perfekt in die heutige Zeit.

An der Frankfurter Buchmesse von vergangener Woche hatte sie Auftritte auf prominenten Bühnen. Meg Wolitzer hat das Buch der Stunde geschrieben. Auch wenn das gar nicht ihre Absicht war. Dass sie sich mit weiblicher Macht, Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit, mit Deutungshoheit und dem Erlangen einer weiblichen Stimme auseinandersetzt und dass es die MeToo-Bewegung gibt, sei kein Zufall, sagt sie. Dass ihr Buch genau in diesem zugespitzten und beschleunigten Moment erscheine, hingegen schon.

Frau …

Artikel lesen