Medien
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Facebook & Co. machen den Medienhäusern das Geld streitig



Professionelle Informationsmedien werden in der Schweiz immer wichtiger, und namentlich jüngere Menschen informieren sich zunehmend nur über soziale Netzwerke. Diese «Plattformisierung» durch Google und Facebook setzt professionelle Redaktionen unter Druck.

Das stellen die Autoren des neusten Jahrbuchs Qualität der Medien fest. Wenige professionelle Anbieter beherrschen die Medienszene. In der Deutschschweiz deckten 2016 die drei grössten Medienhäuser 71 Prozent des Online-Reichweitenmarkts ab. In der Romandie und im Tessin ist diese Dominanz von Grossen noch ausgeprägter.

ARCHIVBILD ZU DEN GEPLANTEN EINSPARUNGEN IM BLICK-NEWSROOM --- Journalisten bei der Arbeit im Newsroom von Ringier, der Redaktion fuer den Sonntagsblick, Bilck, Blick am Abend und blick.ch, aufgenommen am 30. Januar 2012 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Blick in den «Blick»-Newsroom. Bild: KEYSTONE

Neben den bekannten Medienhäusern etablieren sich immer mehr kleinere und neue Anbieter, die meist verhältnismässig wenige Nutzer haben. Einige hielten sich an journalistische Qualitätskriterien, während andere sich kaum an diesen Richtlinien orientierten oder Partikularinteressen verfolgten, so der Befund im Jahrbuch.

Allen gemeinsam ist, dass sie dem Sog der Tech-Intermediäre und Plattformen ausgesetzt sind. Für die meisten Anbieter gestalte sich die Beziehung äusserst schwierig, schreiben die Autoren. Eine «Plattformisierung», die vor allem von Google und Facebook ausgehe, setze den professionellen Journalismus unter Druck.

Die professionellen Anbieter seien zudem aufgrund fehlender Ressourcen und sinkender Bereitschaft zu Investitionen in journalistische Produkte immer weniger in der Lage, ihre Aufgaben in Sachen Qualitätssicherung tatsächlich auch wahrzunehmen.

Medienförderung empfohlen

Die Jahrbuch-Autoren empfehlen, dass sich die Schweiz öffnen sollte für «ausgedehntere Formen der staatsfernen (...) Medienförderung». Damit nationale Medien von Werbeerträgen ausreichend profitieren können, sollte ihrer Ansicht nach eine Werbesteuer für globale Tech-Intermediäre in Erwägung gezogen werden.

Blick in die Redaktionsraueme im Tamedia Gebaeudes des Architekten Shigeru Ban an der Werdstrasse in Zuerich, aufgenommen am 11. Juli 2013. Das Gebaeude von Shigeru Ban besticht durch seine nachhaltige Bauweise und dem Konstruktionsmaterial Holz. Die Tragstruktur besteht aus Fichtenholz und die grosszuegige Glasfassade sorgt für ein helles und freundliches Raumgefuehl.  (KEYSTONE/Christian Beutler)

Hier wird «20 Minuten» produziert. Bild: KEYSTONE

Privaten Medienhäusern rät das Jahrbuch zu Quersubventionen von nicht publizistischen Sparten zugunsten der journalistischen Angebote. Kooperationen zwischen Privaten und der mit Gebühren finanzierten SRG seien vor allem bei der Entwicklung neuer Technologien sowie in der Aus- und Weiterbildung sinnvoll.

Vorab junge Leute müssten für die Bedeutung von professionellen Informationsmedien sensibilisiert werden, finden die Verfasser zudem. Mit einer von der öffentlichen Hand mitfinanzierten digitalen Infrastruktur könnten auch kleine, professionelle Anbieter in die «Onlinewelt» integriert werden.

«Digital first»

41 Prozent der Schweizer Bevölkerung informieren sich mittlerweile vor allem online, auf Newsseiten von Medienanbietern oder über soziale Medien. 30 Prozent geben das Fernsehen als wichtigste Quelle für Nachrichten an, 18 Prozent Printmedien und 9 Prozent das Radio.

Ältere nutzen Fernsehen und Zeitungen. Doch je jünger die Menschen sind, desto mehr informieren sie sich zur Hauptsache online. Für 18- bis 24-Jährige ist das Netz inzwischen die wichtigste Nachrichtenquelle. Nur 14 Prozent dieser jüngsten Altersgruppe informieren sich noch hauptsächlich über das Fernsehen.

Die Redaktion des Newsportals Watson, aufgenommen am 19. Maerz 2014 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Und so sieht es bei uns aus. Bild: KEYSTONE

Auf der Suche nach News greifen die Menschen in der Schweiz im Vergleich zum Ausland häufiger direkt auf Angebote von Medienhäusern zurück. Sie nutzen dafür Apps oder steuern die Site direkt an. Die Bindung an etablierte «Newsbrands» sei noch relativ hoch, stellen die Autoren des Jahrbuchs fest.

Doch die Gruppe, die mit Suchmaschinen Inhalte aufspürt, in sozialen Medien mit Nachrichten konfrontiert wird oder diese von Newsaggregatoren zugespielt erhält, dürfte wichtiger werden. Die 18- bis 24-Jährigen nutzen zu 28 Prozent Social Media, vor Portalen von Medienhäusern (27 Prozent) und Suchmaschinen (26 Prozent).

Werbegeld für Tech-Intermediäre

Diese Konkurrenz durch die Tech-Intermediäre nehme den Medienhäusern Werbeeinnahmen weg, heisst es dazu im Jahrbuch. Facebook oder Google dominierten den Werbemarkt. Dass ihre Einnahmen aus der Werbung wachsen, liegt nicht zuletzt daran, dass sie hochwertige Inhalte anbieten, ohne die Redaktionen an den Einnahmen zu beteiligen.

Auch die Leserschaft zeigt wenig Bereitschaft, für News aus dem Internet zu bezahlen: Nur gut jeder zehnte Nutzer (11 Prozent) bezahlte für Nachrichten aus dem Netz. Wer sich überwiegend über Soziale Medien informiert, ist noch weniger bereit zu zahlen als Nutzer von etablierten Medienangeboten.

Das Jahrbuch «Qualität der Medien» wird vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Universität Zürich verfasst. Es erscheint im Schabe Verlag. Finanziert wird es von der Kurt Imhof Stiftung für Medienqualität und der Universität Zürich. (sda)

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Video: watson/Lya Saxer

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    Alle Leser-Kommentare
  • Roger Freck 23.10.2017 14:51
    Highlight Highlight Die europäischen Medienhäuser haben überall die Kommentarspalte mit Facebook und Twitter-Verlinkung zugepflastert. Es war sehr unnötig, aber man orientiert sich halt immer an der Medienlandschaft der amerikanischen Ostküste. So hat man selber das Monster gezüchtet, das jetzt die Werbeeinnahmen stiehlt.

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