DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Zehn Jahre Haft für Ex-Cevi-Leiter – Zürcher Obergericht erhöht Strafmass

19.10.2018, 06:4719.10.2018, 13:46

Zehn statt 9 1/3 Jahre: Das Zürcher Obergericht hat am Freitag das Strafmass für einen ehemaligen Cevi-Leiter erhöht. Der heute 53-Jährige hatte während vielen Jahren sexuelle Übergriffe auf zahlreiche Buben verübt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Parteien können noch das Bundesgericht anrufen.

Das Gericht hat das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Dietikon ZH vom Mai 2017 weit gehend bestätigt. Der Mann wurde schuldig gesprochen der mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen Pornografie und weiterer Delikte. Den Opfern muss er Entschädigungen zahlen und die Verfahrenskosten tragen.

Der Angeklagte (in Blau) während des Prozesses vor Bezirksgericht.
Der Angeklagte (in Blau) während des Prozesses vor Bezirksgericht.
Bild: KEYSTONE

Bezogen auf einen Geschädigten erliess das Obergericht einen Freispruch. Dies «ganz und gar nicht», weil das Gremium von der Unschuld des Beschuldigten überzeugt wäre, sagte der Vorsitzende. Es gebe in diesem Fall aber ausschliesslich die Aussagen des damaligen Opfers, das sich nicht sicher war, ob er das Ganze nur geträumt habe. Das reichte nicht für eine Verurteilung.

Hunderte Übergriffe während 20 Jahren

Mit seinem Urteil berücksichtigte das Obergericht die Vielzahl der Handlungen - es waren mehrere hundert - , das hinterhältige Vorgehen des Beschuldigten und die «unglaublich lange Zeit» des Delinquierens. Anderseits habe der Mann ein sehr weit gehendes Geständnis abgelegt und er zeige Einsicht in das Unrecht seiner Taten.

Der damalige Cevi-Leiter hatte sich ab 1994 rund 20 Jahre lang an mehreren Buben zwischen fünf und 15 Jahren vergangen. Manche waren jahrelang immer und immer wieder betroffen. Teilweise filmte er seinen Taten. Die Ermittler stellten zehntausende einschlägige Bilder und Filme sicher, darunter auch die eigenen Videos.

Die meisten Übergriffe - von denen ein Teil verjährt ist - erfolgten in der Wohnung des Schweizers. Dieser erschlich sich zuvor jeweils gezielt das Vertrauen der Kinder und deren Eltern. Dabei wählte er bevorzugt Familien mit Problemen.

Sein Treiben flog erst auf, als ein ehemaliges Opfer ihn mit einem Buben im Auto sah und ihn daraufhin anzeigte. Seit Anfang 2015 sitzt er in Haft, er hat mittlerweile vorzeitig den Strafvollzug angetreten und eine Therapie begonnen.

Sedierung gestanden

In der Befragung vom Vormittag hatte der Beschuldigte versichert, wie sehr ihm die Therapie helfe, welche schon das Bezirksgericht angeordnet hatte. Dank ihr habe er erkannt, was er den Kindern angetan habe. Und er führte es auch auf die Therapie zurück, dass er vor dem Obergericht nach jahrelangem Leugnen eingestanden hatte, seine Opfer manches Mal mit einem Schlafmittel sediert zu haben.

Das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon hatten sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft ans Obergericht weitergezogen. Der Staatsanwältin waren die 9 Jahre 4 Monate Freiheitsstrafe zu wenig. Sie forderte vor Obergericht 12 Jahre.

Der Beschuldigte seinerseits wollte eine Reduktion des Strafmasses auf sieben Jahre erreichen. Er wisse zwar, dass es «nicht in Ordnung» sei, was er getan habe, sagte er. Er wisse auch, dass seine Taten durchaus betraft werden müssten. Aber das erstinstanzliche Strafmass finde er denn doch «extrem hoch». Mit seinem Anliegen der Strafreduktion scheiterte der Mann nun in der zweiten Instanz. (sda)

Gravierende Vorwürfe gegen Heim im Kanton Waadt

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Junge Männer sexuell bedrängt? Inhaber einer Zürcher Model-Agentur vor Gericht

Ein 34-Jähriger soll seine Stellung als Inhaber einer Model-Agentur ausgenutzt und junge Männer sexuell bedrängt haben. Es seien viele Falschaussagen gemacht worden, sagte der Beschuldigte am Mittwoch vor dem Zürcher Bezirksgericht. Ansonsten schwieg er zu den Vorwürfen.

Wie ein Anwalt eines Opfers vor Gericht ausführte, stellt sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, dass die sexuellen Handlungen einvernehmlich erfolgt seien - es sei aber ganz anders gewesen. Es habe ein grosses …

Artikel lesen
Link zum Artikel