Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
GERICHTSZEICHNUNG --- Der Angeklagte waehrend der Verhandlung am Bezirksgericht Dietikon, am Dienstag, 25. April 2017. Dem 51-jaehrigen werden zahlreiche Uebergriffe auf mehrere 8- bis 15-jaehrige Knaben vorgeworfen. Die Staatsanwaeltin beantragt eine 13-jaehrige Freiheitsstrafe und eine Therapie. Das Urteil folgt Mitte Mai. (KEYSTONE/Sibylle Heusser)

Der Angeklagte (mit blauer Jacke) am Dienstag vor Gericht. Bild: KEYSTONE

Pädophiler Ex-Cevi-Leiter vor Gericht: «Mein Verhalten war unter jeder Sau»



Das Bezirksgericht Dietikon ZH wird erst im Mai das Urteil gegen den 51-jährigen ehemaligen Cevi-Leiter eröffnen, dem massive sexuelle Übergriffe auf Knaben vorgeworfen werden. Bei seinem Schlusswort brach der Beschuldigte am Dienstag in Tränen aus.

Die Vertreterin der Anklage forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Der Verteidiger plädierte für Freisprüche in einzelnen Fällen und auf eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Absitzen solle der Beschuldigte davon 27 Monate - gerade so viele Monate Untersuchungshaft hat er hinter sich.

Einig sind sich Anklage und Verteidigung darin, dass für den beschuldigten Schweizer eine ambulante Therapie angezeigt ist, wie dies die psychiatrische Gutachterin empfohlen hatte. Auch der 51-Jährige selbst befürwortet dies.

Kaltblütiger Wiederholungstäter

Die Staatsanwältin wirft dem Beschuldigten Übergriffe auf mehrere Knaben vor, die teils jahrelang immer und immer wieder Opfer des Beschuldigten waren. Die Anklageschrift führt acht Knaben auf. Zwei ehemalige Opfer - darunter der Göttibub des Beschuldigten - meldeten sich nachträglich als Folge der Berichterstattung zum Prozess.

Ab 1994 delinquierte der Mann zwanzig Jahre lang bis zu seiner Festnahme Ende Januar 2015. Die Knaben wurden ab dem Alter von etwa acht Jahren zu Opfern. Für einzelne dauerten die Übergriffe bis sie 14 oder 15 Jahre alt waren.

Vorgeworfen werden dem gelernten Typografen sexuelle Nötigung, Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern, Pornografie, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und andere Delikte, alle mehrfach ausgeübt.

Zudem soll er seine Opfer mit Schlafmitteln sediert, ihnen Alkohol gegeben, mit ihnen gekifft und Pornofilme geschaut haben. Bei ihm wurden tausende einschlägiger Filme und Fotos gefunden.

Grundsätzlich geständig

Vor Gericht gab der Beschuldigte die Übergriffe «grundsätzlich» zu. Er bestritt allerdings, seine Opfer vor den Taten jeweils mit einem Betäubungs- oder Schlafmittel sediert zu haben.

Allerdings hatte er viele der Übergriffe auf die schlafenden Knaben gefilmt. Die Aufnahmen zeigen gemäss den Experten der Rechtsmedizin starke Indizien darauf, dass die Kinder betäubt wurden.

Mit seinen Taten habe der heute 51-Jährige «die Privatsphäre der Opfer aufs Schlimmste verletzt», sagte die Staatsanwältin. Die Betroffenen seien «zeitlebens traumatisiert». Der Beschuldigte habe mit direktem Vorsatz aus egoistischen Motiven gehandelt. Gemäss psychiatrischem Gutachten war er voll steuerungs- und schuldfähig. Die Rückfallgefahr stufte die Gutachterin als hoch ein.

«Weit abscheulichere Taten»

Der Verteidiger monierte Mängel in der Untersuchung und verlangte die Verfahrenseinstellung in Bezug auf diverse Delikte, die verjährt seien. In einem Fall forderte er einen Freispruch.

Der Verteidiger stufte das Verschulden des heute 51-Jährigen als «nicht mehr leicht» ein. Allerdings gebe es «weit abscheulichere Taten». Von den Genugtuungsforderungen seiner Opfer im Umfang von total 80'000 Franken anerkenne sein Mandant insgesamt 46'000 Franken.

«Wie eigene Kinder»

In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Beschuldigte bei seinen Opfern und deren Familien. Er hatte gezielt problembeladene Familien ausgesucht und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Er bedankte sich bei den beiden Anzeigeerstattern, ehemaligen Opfern, die den Fall ins Rollen gebracht hatten. Jetzt habe er die Möglichkeit, sich zu ändern.

Er sei «entsetzt gewesen», als er in der Haft gemerkt habe, dass er genau ins Pädophilen-Schema passe, sagte er unter Tränen. Das sei ihm zuvor nicht bewusst gewesen. Er habe den Knaben nicht schaden wollen - sie seien «wie eigene Kinder» für ihn gewesen.

Das Bezirksgericht Dietikon hat am Dienstag noch kein Urteil gefällt. Die Urteilseröffnung wurde auf den Nachmittag des 19. Mai festgelegt. (whr/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Warten auf Bond... James Bond

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

In der Schweiz ansässiger Terrorverdächtiger in Türkei festgenommen

Ein 24-jähriger in der Schweiz aufgewachsener und ansässiger Italiener ist in der Türkei unter Terrorverdacht festgenommen worden. Der Mann soll in Syrien und im Irak in einer Al-Kaida-nahen Gruppen gekämpft haben.

Ermittlungen gegen ihn nahm die italienische Anti-Terror-Behörde 2015 auf, wie die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos am Mittwoch berichtete. Der seit 2017 mittels Haftbefehl gesuchte Mann wurde in der syrischen Stadt Idlib dingfest gemacht und in die türkische Grenzprovinz …

Artikel lesen
Link zum Artikel